Die Veränderung der Personalentwicklung als Folge der modularen Hochschulausbildung – Chancen, Risiken, Gestaltungsaspekte aus effizienztheoretischer Sichtweise


Seminararbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1 Einführung in die Thematik

Der Zeitrahmen ist gesteckt, bis zum Jahre 2010 haben sich die europäischen Bildungsminister auf die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes, im Juni 1999 in der Bologna-Erklärung, verständigt. Hierfür wird ein neues Studiensystem eingerichtet, welches sich auf zwei Zyklen, dem Bachelor- und Master-studium stützt und soll so in spätestens 3 Jahren in ganz Europa zu gestufte, modulare, international vergleichbare und kompatible Studiengänge führen.[1] Diese grundlegende Reform der Hochschulen ist keine Umetikettierung sondern ersetzt das bisherige Studiensystem durch ein neues und so wird seit einiger Zeit auch in deutschen Hochschulen entrümpelt, reformiert und experimentiert.[2]

Das Bachelor/Master-System bietet den Studierenden neue Möglichkeiten für eine Kombination attraktiver Qualifikation sowie für eine flexiblere Verbindung von Lernen, berufliche Tätigkeit und privater Lebensplanung. Mit dem Bachelor ist ein Studienab-schluss eingeführt, der bereits nach 3 bis 4 Jahren zu einem berufsfähigen Abschluss führt, so dass früher als bisher ein Berufseinstieg möglich ist. So werden sich in den kommenden Jahren vermehrt Absolventen bei den Unternehmen bewerben, die über ein anderes Qualifikationsprofil verfügen als die bisherigen Hochschulabgänger. Vor allem Großunternehmen, wie Deutsche Bahn und Siemens sind sich derzeit bewusst, dass die tief greifende Hochschulreform auch ihre Personalmarketing- und insbesondere ihre Personalentwicklungskonzeption in Frage stellt. Beim Diplom und Magister weiß jede Personalabteilung was sie erhält, jedoch für die neuen Abschlüsse fehlen noch Erfahr-ungswerte, welche Qualifikationen diese Personen mitbringen.[3] Nur ganz wenige Unternehmen haben schon Entree Level für Bachelor-Absolventen definiert und sehen in den neuen Studiengängen wichtige Instrumente, „um heute dafür zu sorgen, dass wir künftig die Mitarbeiter haben die wir brauchen“, wie Claus-Peter Hammer von Siemens betont.[4]

Für viele Unternehmen stellt sich so derzeit die Frage, wie sie den nicht mehr auf-zuhaltenden Einzug der Bachelor-Absolventen in ihre Unternehmen am besten kanali-sieren. Die Schwierigkeit besteht nun darin herauszufinden, ob diese Absolventen

mit einer gänzlich anderen Entwicklungsperspektive gleichen Einsatz im Unternehmen findet wie ein Diplomand, ob andere Anforderungen in den Unternehmen entwickelt werden müssen, die Einarbeitung sich ändern muss und ob die vorgesehenen Karrierepfade korrigiert werden müssen. Dies sind nur einige Aspekte, welche vor allem die Personalentwicklung betreffen, die mit Sicherheit, in Folge der Modularisierung der Hochschulausbildung in Frage gestellt werden müssen. Aufzuzeigen ist also insgesamt, wie sich die Personalentwicklung in den Unternehmen verändert oder verändern sollte, insbesondere was die Vorzüge des neuen Systems sind, welche Gefahren resultieren und welche Instrumente der bisherigen Personalent-wicklung beibehalten werden, sich verändern oder auch an Bedeutung verlieren.

So wird nun im folgenden Abschnitt die genauen Änderungen an den Hochschulen beleuchten, danach wird die Personalentwicklung in ihren allgemeinen Wesenszügen dargestellt um dann letztlich im vierten Abschnitt die Veränderungen der Personalent-wicklung durch die Modularisierung der Hochschulen aufzuzeigen. Dies geschieht entlang der Rekrutierung, über die Einführungsprogramme bis hin zur Karriere- und Nachfolgeplanung, wobei dies jeweils vor dem Hintergrund der Effizienz, also dem sinnvolle Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen, betrachtet werden soll.

2 Der Bologna-Prozess und die elementaren Änderungen der Hochschulreform

2.1 Der „Bologna-Prozess“

In den 1990er Jahren wurde eine Initiative gestartet das Hochschulwesen in Europa zu harmonisieren. Die Hauptziele wurden am 19. Juni 1999 im italienischen Bologna von den Bildungsministern aus 29 europäischen Ländern festgelegt und in der so genannten „Bologna-Erklärung“ unterzeichnet. Die Vorbereitung und Umsetzung dieser Erklärung wird als „Bologna-Prozess“ bezeichnet, welche Mobilität, Berufsfähigkeit der europä-ischen Bürger und internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsys-tems, als die wesentlichen 3 Ziele benennt.[5] Um die Zielerfüllung zu gewährleisten ist beabsichtigt einen europäischen Hochschulraum zu schaffen und bis auf weiteres sollen bis zum Jahr 2010 folgende Teilziele erreicht werden.[6] Zum Einen ist die europaweite

Einführung eines leicht verständlichen Studiensystems mit vergleichbaren Abschlüssen

vorgesehen sowie die Implementierung eines zweistufigen System von Studienab-schlüssen (undergraduate/graduate). Des weiteren werden die neuen Studiengänge ein Leistungspunktesystem zum Inhalt haben, das European Credit Transfer System (ECTS). Weiterhin ist die Förderung der Mobilität und der europäischen Zusammenarbeit durch Qualitätssicherung als Ziel zu nennen, wie auch die Unter-stützung der europäischen Dimension der Hochschulausbildung.[7] Auf Konferenzen, die die Universitäten, die Studierenden sowie verschiedene externe Stakeholder einbezogen, sowie auf den großen Nachfolgekonferenzen der Minister in Prag ([2001], Berlin ([2003], Bergen ([2005] und London ([2007] wurden die Reformentwicklungen an-alysiert, die Ziele bestärkt und Präzisierungen des Reformprogramms vorgenommen.[8] Seit Mai diesen Jahres beteiligen sich 46 Länder an dem „Bologna-Prozess“, so dass diese Entwicklung mittlerweile weit über die EU- Länder hinaus geht.

2.2 Die neuen gestuften Studiengänge und wichtigsten Änderungen

Im Jahr 2003 haben sich die Mitgliedsländer des Prozesses darauf verständigt bis spätestens 2005 mit der Einführung der gestuften Studiengänge begonnen zu haben. Für die Einführung der beiden Studienzyklen des zweistufigen Systems (Bachelor und Master) können verschiedene Gründe genannt werden, wie die mangelnde Kompati-bilität des bisherigen deutschen Studiensystems mit dem ausländischen, die zu langen Studienzeiten mit den hohen Abbrecherquoten und der vielfach kritisierte unzureichende Praxisbezug des Studiums.[9] Weiterhin sind die bestehenden deutschen Studienstrukturen zu unflexibel um den immer vielfältiger werdenden Lebens- und Berufsplanungen, individuellen Interessen und Kompetenzen zu genügen.[10]

Der Bachelor ist der niedrigste akademische Titel des neuen Studiensystems, auch First Cycle Degree genannt, mit dem Ziel der Gewährleistung einer breiten, beruflichen Anschlussfähigkeit soll dieser zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führen. Nach einer Regelstudienzeit von 3 bis 4 Jahren soll der Absolvent über die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen, methodischen Kompetenzen und relevanten Schlüssel-qualifikationen zum Einstieg in den Beruf oder als Basis für einen weiterführenden

Master-Studiengang verfügen. Der Second Cycle, der Master, baut auf dem bereits erworbenen berufsqualifizierenden Abschluss auf. Der Master-Abschluss unterscheidet sich hinsichtlich dem Tiefen- und Komplexitätsgrad des Fachwissens vom Bachelor-Abschluss. Außerdem soll die Fähigkeit zur eigenständigen Wissensaneignung sowie dessen Anwendung auf neue Situationen genauso vermittelt werden, wie die Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln im Berufsfeld.[11] So wird bei einem konsekutiven Modell des Master-Studiengangs, eine fachliche Fortführung, Vertiefung und Erweiter-ung des Bachelor-Studiums möglicht. Weiterhin besteht die Möglichkeit des nicht kon-sekutiven Master-Studiengang, welcher inhaltlich eine andere Studienrichtung aufweist als der Bachelor und als dritte Möglichkeit ist der Weiterbildungsstudiengang zu nennen, hier setzt der Master eine berufspraktische Phase voraus.[12] Das Master-Studium ist inhaltlich nach „stärker anwendungsorientiert“ oder „stärker forschungs-orientiert“ differenzierbar und berechtigt mit dem Abschluss, nach 1 bis 2 Jahren, zur Promotion.[13] Die Doktorantenausbildung ist als dritte Stufe des Studienzyklusses (Third Cycle Degree) im Bologna-Prozess genannt, deren Betrachtung soll jedoch in diesem Kontext vernachlässigt werden.

Eines der wichtigsten Merkmale, welches mit dem gestuften Studiensystem einhergeht ist die Modularisierung der Studiengänge, deren Ziel es ist am Qualifikationsziel Berufsfähigkeit der Absolventen orientiert zu sein. Definitionsgemäß ist die Modula-risierung „(…) die Zusammenfassung von Stoffgebieten zu thematischen und zeitlich abgerundeten, in sich abgeschlossenen und mit Leistungspunkten versehen abprüfbaren Einheiten.“[14] Module werden diese Einheiten genannt und können verschiedene Lehr- sowie Lernformen zum Inhalt haben und so als Pflicht- sowie Wahlmodule von den Hochschulen angeboten werden. Der wesentliche Unterschied zum bisherigen System ist dabei die Umstellung auf die Outcome-Orientierung, wobei es hier um die Frage geht, welche Kompetenzen das Ergebnis von Lern- und Bildungsprozessen sein sollen und nicht wie der traditionellen Ansatz, der den Schwerpunkt auf die Vermittlung von Lerninhalten legt (Input-Orientierung).[15] Diese modulare Studienstruktur gewährleistet

[...]


[1] Vgl. Kuntz, B. (2004), S.24-25.

[2] Im folgenden werden zu dem Begriff Hochschulen die staatlich anerkannte FH und Universitäten gezählt.

[3] Vgl. Myritz, R. (2007), S. 40.

[4] Vgl. Kuntz, B. (2004), S. 26-27.

[5] Vgl. Maasen, O. T. (2004), S. 12.

[6] Vgl. ebenda.

[7] Vgl. Maasen, O.T. (2004), S. 12-13.

[8] Vgl. Teichler, U. (2005), S. 7.

[9] Vgl. Maasen, O.T. (2004), S. 21-22.

[10] Vgl. ebenda.

[11] Vgl. Maasen, O.T. (2004), S. 27.

[12] Vgl. ebenda, S. 31.

[13] Vgl. ebenda, S. 25.

[14] Buttner, P./Vocke. C. (2004), S. 10.

[15] Vgl. ebenda, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Veränderung der Personalentwicklung als Folge der modularen Hochschulausbildung – Chancen, Risiken, Gestaltungsaspekte aus effizienztheoretischer Sichtweise
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V111959
ISBN (eBook)
9783640181032
ISBN (Buch)
9783640181094
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Veränderung, Personalentwicklung, Folge, Hochschulausbildung, Chancen, Risiken, Gestaltungsaspekte, Sichtweise
Arbeit zitieren
Christina Raubold (Autor), 2007, Die Veränderung der Personalentwicklung als Folge der modularen Hochschulausbildung – Chancen, Risiken, Gestaltungsaspekte aus effizienztheoretischer Sichtweise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111959

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