Wodurch wird das menschliche Denken, Handeln und Interagieren mitunter beeinflusst? Um diese Frage zu beantworten, wähle ich als Erstes eine psychoanalytische Perspektive und erläutere die Theorie der Archetypen nach Carl Gustav Jung. Danach konzentriere ich mich auf die konkrete Beschreibung der „Archetypen Schatten und Der alte Weise“ und zeige anhand von Filmbeispielen, wie diese auf fiktionaler Ebene repräsentiert und als wirkungsvolles Mittel für das Erzählen von Geschichten genutzt werden.
Im letzten Kapitel stelle ich eine Verbindung zwischen den gewonnenen Erkenntnissen zu den Wesensmerkmalen der beiden Archetypen und ihren unmittelbaren Auswirkungen auf das menschliche (Kommunikations-) Verhalten her. Dabei fokussiere ich mich auf meine Berufserfahrungen mit KollegInnen, RegisseurInnen und IntendantInnen, die ich an verschiedenen Theatern sammelte. Für die genauere Einordnung und Abgrenzung ihrer auftretenden Kommunikationsmuster ziehe ich das Drei-Wächter-Modell nach Klaus Vogt (2004) heran. Zunächst erkläre ich dieses, anschließend erläutere ich, welche der im Modell beschriebenen emotionalen Kräfte durch die Archetypen jeweils aktiviert werden könnte, wie es das zwischenmenschliche Agieren im Theaterbetrieb beeinflusste und mache Vorschläge, wie zum Vorteil der eigenen Person darauf zu reagieren wäre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Archetypen nach C.G. Jung
2.1 Das Wesen und die Wirkung von Archetypen
2.2 Zwei Archetypen im Fokus
3. Archetypen im Film und Fernsehen
3.1 Der Archetyp als Funktionsträger
3.2 Der Schatten und der alte Weise im Film
4. Archetypen im Alltag
4.1 Das 3-Wächter-Modell nach Klaus Vogt
4.2 Auswirkungen im Beruf
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychologische Theorie der Archetypen nach C.G. Jung und deren Wirksamkeit als universelles Werkzeug zur Charakterisierung und Interpretation von zwischenmenschlichem Verhalten in Film, Fernsehen und im beruflichen Alltag. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Übertragbarkeit dieser archetypischen Strukturen auf reale Kommunikationsmuster am Beispiel des Theaterbetriebs unter Zuhilfenahme des 3-Wächter-Modells von Klaus Vogt.
- Grundlagen der Archetypenlehre nach Carl Gustav Jung
- Die Funktion von Archetypen (Schatten und der alte Weise) im narrativen Kontext von Filmen
- Analyse von Kommunikationsmustern anhand des 3-Wächter-Modells (Balance, Dominanz, Stimulanz)
- Reflexion archetypischer Prägungen im beruflichen Umfeld von Theaterschaffenden
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Schatten und der alte Weise im Film
Der Archetyp Schatten ist unverzichtbar für jeden Film. In einer Geschichte werden die negativen Aspekte des Schattens besonders auf Charaktere wie Bösewichte und Feinde des Protagonisten projiziert. Bösewichte wie der Joker in Batman - The Dark Knight (2008) oder Darth Vader in Star Wars (1977) sind auf den Tod, die Vernichtung oder Unterwerfung des Helden aus. Er wird nicht nur böse dargestellt, sondern kann wie Captain Hook in Peter Pan (2003) oder Fee Maleficent in Dornröschen (1971) mit menschlichen und bewundernswerten Eigenschaften ausgestattet sein, die wegen ihrer Eleganz und Schönheit auf eine umso faszinierendere Art unheimlich wirken. Doch der Schatten symbolisiert auch die verdrängten Kräfte und unterdrückten Gefühle des Helden, derer er sich stellen muss, um eine positive Veränderung in seinem Leben zu erfahren. Dazu können Zweifel, Schuldgefühle, Versagensängste, mangelndes Selbstwertgefühl, nicht ausgelebte Sexualität, aber auch Machtmissbrauch, Überheblichkeit und Selbstsucht zählen. Ein gutes Beispiel dafür stellt der Film American Beauty (1999) dar. Darin symbolisiert Angela den Schatten von Jane, da sie ihr schwaches Selbstwert und ihre unausgelebte Sexualität spiegelt. Andere Filmbeispiele, die vermuten lassen, dass es sich auch bei diesem Archetypus um eine verdrängte Seite der Persönlichkeit des Helden handeln kann, sind Mr. Hyde, die negative, verbrecherische Seite des tugendhaften Arztes Dr. Jekyll in Dr. Jekyll und Mr. Hyde (2002) und die Verfilmung von Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray (1973), in der ein Maler den Schatten des Protagonisten Dorian Gray in ein Gemälde verbannt, das künftig die Spuren seines wilden Lebenswandels widerspiegelt, während er selbst unverändert jung und schön bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Theorie der Archetypen nach C.G. Jung ein und erläutert die Absicht des Autors, diese auf Filmbeispiele und berufliche Erfahrungen im Theater zu projizieren.
2. Archetypen nach C.G. Jung: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Konzepte des kollektiven Unbewussten sowie die psychologische Bedeutung und Wirkweise der Archetypen.
3. Archetypen im Film und Fernsehen: Das Kapitel untersucht die Rolle von Archetypen als dramaturgische Funktionsträger und beleuchtet konkret die Ausprägungen von Schatten und dem alten Weisen in verschiedenen Filmwerken.
4. Archetypen im Alltag: Hier wird das 3-Wächter-Modell von Klaus Vogt vorgestellt und auf die Dynamik zwischenmenschlicher Kommunikation und beruflicher Hierarchien übertragen.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die wissenschaftliche Validität der Jungschen Theorie, betont jedoch ihren hohen praktischen Nutzen für die schauspielerische Arbeit.
Schlüsselwörter
Archetypen, C.G. Jung, Schatten, der alte Weise, kollektives Unbewusstes, 3-Wächter-Modell, Klaus Vogt, Filmpsychologie, Kommunikation, Verhaltensmuster, Mentoren, Drama, Persönlichkeitstheorie, Theaterarbeit, psychologische Projektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit den Archetypen nach C.G. Jung und analysiert deren Einfluss auf narrative Strukturen in Filmen sowie das zwischenmenschliche Verhalten im Alltag und Berufsleben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft die Tiefenpsychologie Jungs mit der narrativen Filmanalyse und dem Kommunikationsmodell nach Klaus Vogt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für archetypische Verhaltensmuster zu entwickeln, um diese im persönlichen und beruflichen Umfeld, insbesondere im Theater, besser interpretieren und nutzen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine psychoanalytische Perspektive eingenommen, die durch eine Literaturanalyse sowie die Anwendung theoretischer Modelle (Jung, Vogt) auf praxisnahe Beobachtungen des Autors ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Archetypen, die Analyse ihrer dramaturgischen Funktion in Filmen sowie die praktische Anwendung des 3-Wächter-Modells auf berufliche Konstellationen am Theater.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Archetypen, C.G. Jung, Schatten, der alte Weise, 3-Wächter-Modell und Kommunikation.
Wie definiert der Autor das „3-Wächter-Modell“?
Das Modell nach Klaus Vogt identifiziert drei elementare emotionale Kräfte des limbischen Systems – Balance, Dominanz und Stimulanz –, die unser menschliches Verhalten und unsere Entscheidungen maßgeblich steuern.
Welche Bedeutung haben der „Schatten“ und der „alte Weise“ im Theaterkontext laut Autor?
Der Autor identifiziert Intendanten häufig mit dem Schatten, während erfahrene Regisseure oder ältere Ensemblemitglieder oft als „alte Weise“ fungieren, die ihr Wissen weitergeben.
Wie kann man laut Arbeit mit dem „Schatten“ einer Führungskraft umgehen?
Der Autor empfiehlt, dem Schatten mit Ruhe, Besonnenheit und Charme zu begegnen, anstatt in Statuskämpfe einzusteigen, um die verdrängten Anteile der Führungskraft konstruktiv zu adressieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Wodurch wird das menschliche Denken, Handeln und Interagieren beeinflusst?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1119781