Körpersprache als Ausdruck von Status und Macht

Eine Analyse der zweiten TV-Konfrontation zwischen George W. Bush und John Kerry während des Wahlkampfes zur US-Präsidentschaft 2004


Seminararbeit, 2006
30 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 THEMA DER ARBEIT
1.1 MATERIAL FÜR DIE BEOBACHTUNG

2 VORGANGSWEISE BEI DER BEOBACHTUNG

3 ANALYSEERGEBNISSE
3.1 AUFTRITT DER KANDIDATEN
3.1.1 DER HÄNDEDRUCK
3.2 ERSTE STATEMENTS VON JOHN KERRY UND GEORGE W. BUSH
3.3 SCHLUSSSTATEMENT VON JOHN KERRY UND GEORGE W. BUSH
3.4 VERABSCHIEDUNG
3.5 ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN
3.6 REFLEXION DER BEOBACHTUNG
3.7 ANALYSE

4 THEORETISCHER TEIL

1 Thema der Arbeit

Das Thema der Arbeit ist ein Vergleich der Körpersprache zwischen den beiden Kandidaten für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika bei der Wahl 2004, Präsident George Bush und Senator John Kerry. Dazu bieten sich vor allem die sog. „Presidential Debates“ an, also die Fernsehdiskussionen, bei denen beide Kandidaten gegeneinander antreten.

Dem Abschneiden der Kandidaten bei diesen Konfrontationen wird durch die Medien ein großer Einfluss auf den Ausgang der Wahlen zugeschrieben. Insofern ist die Körpersprache der Kandidaten neben den verbalen Botschaften ein interessanter und weniger beachteter Einflussfaktor für den Erfolg oder Misserfolg der beiden Kontrahenten.

Während des Wahlkampfes 2004 fanden drei solche Fernsehdiskussionen statt:

-am 30. September 2004 in der University of Miami in Coral Gables, Florida (URL: http://www.archive.org/details/presidential_debate_9-30-041 [2.4.2006])
- am 8. Oktober 2004 in der Washington University in St. Louis, Missouri (URL: http://www.archive.org/details/presidential_debate_10_8_04 [2.4.2006])
- am 13. Oktober 2004 in der Arizona State University in Tempe, Arizona (URL: http://www.archive.org/details/presidential_debate_10_13_04 [2.4.2006])

1.1 Material für die Beobachtung

Die zweite Diskussion vom 8. Oktober 2004 fand in einem besonderen Format statt, nämlich als sog. „Town-hall Meeting“. Das bedeutet, dass die Kandidaten auf zwei Barhockern Platz nehmen (statt hinter den üblichen Pulten stehend), dass die Fragen aus dem Publikum gestellt werden (statt von Journalisten) und dass sich die Kandidaten vor dem Publikum (140 US- Bürger, die durch Gallup als noch unentschiedene Wähler identifiziert wurden) frei bewegen können. Aufgrund dieses aufgelockerten Formats, in dem seit seiner Premiere im Wahlkampf 1992 zwischen George Bush sen., Bill Clinton und Ross Perot in der zweiten Debatte am 15. Oktober 1992 in jedem Wahlkampf jeweils eine Fernsehdiskussion abgehalten wurde (Vgl.

URL: http://www.museum.tv/debateweb/ [2.4.2006]), ergeben sich erweiterte

Beobachtungsmöglichkeiten der beiden Kandidaten und deshalb haben wir diese Diskussion für die vorliegende Arbeit ausgewählt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Town-hall Format der 2. Fernsehdiskussion am 8. Oktober 2004

Grundlage für unsere Beobachtungen war die im Internet (URL: http://www.archive.org/details/presidential_debate_10_8_04 [2.4.2006]) verfügbare Aufzeichnung der Diskussion im MPEG2-Format (DVD-Qualität).

Die Diskussion unterlag trotz des aufgelockerten „Town-hall“-Formats genau festgelegten Regeln:

- Jede Person aus dem Publikum hat dem Moderator vor der Diskussion zwei Fragen zukommen lassen, je eine für den Präsidenten und eine für Senator Kerry.
- Moderator Charles Gibson hat die Fragen und die Reihenfolge ausgewählt, in der sie gestellt werden sollen. Niemand außer ihm hat die endgültige Liste der Fragen gesehen.
-Niemand aus dem Publikum weiß, ob er oder sie seine Frage stellen wird können und die Mikrofone für das Publikum werden ausgeschaltet, sobald die Frage gestellt ist.
-Der Kandidat, an den die Frage gestellt wurde, hat zwei Minuten für seine Antwort. Der andere Kandidat kann eineinhalb Minuten lang antworten.
-Der Moderator hat dann noch die Option, die Diskussion der Frage um je 30 Sekunden pro Kandidaten zu verlängern.
-Es gibt ein Ampelsystem für die Redezeit der Kandidaten: grünes Licht bei 30 Sekunden, gelb bei 15 Sekunden, rot bei 5 Sekunden und blinkendes rot bedeutet, dass die Redezeit vorbei ist.

2 Vorgangsweise bei der Beobachtung

Da die gesamte Fernsehdiskussion etwa 90 Minuten gedauert hat, haben wir uns entschlossen, einige Teile daraus für die Beobachtung auszuwählen. Dies sind:

-der Auftritt der beiden Kandidaten mit der gegenseitigen Begrüßung (Teil 1, 1:46 bis 2:302 )
-die jeweils erste Frage an die beiden Kandidaten (John Kerry: Teil 1, 2:30 – 2:42 und 2:54
– 4:57; George W. Bush: Teil 1, 4:57 – 6:50)
- die Schlussstatements der beiden Kandidaten (John Kerry: Teil 3, 28:30 – 30:50; George W. Bush: 30:51 – 33:00)
- die Verabschiedung (Teil 3, 33:00 – 33:57)

Die Auswahl der Sequenzen haben wir basierend auf den Überlegungen von z.B. Lueger (2000, S.204f.) angestellt, wonach in der Eröffnungsphase einer Interaktion die wichtigsten Strukturierungsleistungen erbracht werden und bei der Beschließung der definierte Stand der Beziehung markiert wird. Ergänzende unauffällige oder markante Stellen wie von Lueger zusätzlich vorgeschlagen, haben wir nicht mehr bearbeitet.

Jede Sequenz wurde zur Analyse wiederholt mehreren fokussierenden Beobachtungen (Vgl. Begusch et.al. 1996, S.92) unterzogen. Bei jedem Durchgang steht jeweils einer der folgende Aspekte im Zentrum:

- Raum (Begusch et.al. 1996, S.63ff. und S.69), z.B.:
- Welchen Raum nehmen die Kandidaten ein (in direkten Interaktionen, wenn sie am Wort sind oder wenn der andere spricht)?
- Wohin orientieren sie sich? (Abwendung, Zuwendung, Aufmerksamkeit) - Zeitmanagement (ebd., S.58 und S.69), z.B.:
- Wie wird die Dauer von Interaktionen bestimmt? - Wer wartet, wer lässt warten?
- Rhythmus und Spannung (ebd., S.60), z.B.:
- Wie ist die Körperspannung der beiden Kandidaten? - Gibt es Änderungen im Verlauf der Konfrontation?
- Wird versucht, dem anderen Rhythmen aufzuzwingen (etwa sich gegenseitig zu unterbrechen)?
- Präsenz/Absenz, Blickkontakte (ebd., S.70), Berührungen (ebd., S.71), z.B.:
- Wohin richtet sich die Aufmerksamkeit (der Blick) der beiden Kandidaten? - Kann visuelle Unaufmerksamkeit (als Machtgeste) beobachtet werden?
- Wer berührt wen (z.B. als Ausdruck von Macht)?
- Dissonanzen in der Gestik
- Gleichgewicht und Körperhaltung (ebd., S.56) Gesichtsausdruck (ebd., S.45)

Die Beobachtungen erfolgen ohne Audiowiedergabe, damit die Konzentration auf die körpersprachlichen Aspekte nicht durch die Wahrnehmung der zugehörigen verbalen Äußerungen gestört ist. Während der Beobachtung wird ein Protokoll erstellt, das anschließend einer Interpretation durch Verdichtung jener Aspekte unterzogen wird, die in der Sequenz gehäuft auftreten und dadurch Schlussfolgerungen nahe legen.

3 Analyseergebnisse

In diesem Kapitel sollen die Ergebnisse der Analyse der einzelnen Sequenzen behandelt werden. Anschließend werden die Ergebnisse der Sequenzen miteinander in Beziehung gesetzt.

3.1 Auftritt der Kandidaten

Der Auftritt der beiden Kandidaten erfolgt nach einer Begrüßung und Einleitung durch den Moderator Charles Gibson in Teil 1 des Videos von 1:46 bis 2:30. Wir haben den Auftritt wiederum in vier Teile gegliedert:

- Betreten des Studios (1:46 – 1:57; 11s.) - Händedruck (1:57 – 2:05; 8s.)
- Aneinander vorbei zum Platz gehen (2:05 – 2:09; 4s.)
- Applaus/Setzen (2:09 – 2:25; 16s.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Räumliche Anordnung bei der Fernsehdiskussion (M = Moderator, K1-5 = Kameras)

In Abbildung 2 ist die räumliche Anordnung des Studios und der Weg dargestellt, den die beiden Kandidaten beim Auftritt zu ihren Plätzen zurücklegen. Der Auftritt beginnt damit, dass George W. Bush von der Kamera erfasst wird, als er in das Auditorium tritt. Für einige Einzelbilder glaubt er sich noch unbeobachtet und auf der Hinterbühne, denn er presst die Lippen aufeinander, etwa wie jemand, der vor einer schweren Aufgabe steht (siehe Abbildung

3). Dieser Gesichtsausdruck wird jedoch schnell in ein Lächeln verwandelt, als er in das Blickfeld des Publikums – also auf die Vorderbühne – kommt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: George W. Bush in den ersten Sekundenbruchteilen seines Auftritts

John Kerry betritt den Raum etwas später von der anderen Seite und wird erst auf der Vorderbühne von der Kamera erfasst, denn er hat bereits Blickkontakt aufgenommen (entweder mit George W. Bush, der inzwischen mitten im Auditorium steht, dem Moderator oder mit dem Publikum), was man an seinem Lachen und an seiner Geste mit den Armen erkennen kann (er hebt die Unterarme nach vorne mit flachen Händen, die nach vorne weisen; siehe Abbildung 4).

Dadurch, dass George W. Bush einige Sekundenbruchteile früher hereingekommen ist, kann er den Senator stehend in einer sicheren, breitbeinigen Position kurz vor seinem eigenen Platz erwarten, während John Kerry lachend auf ihn zugeht (siehe Abbildung 5). Es folgt ein Händedruck, der 8 Sekunden lang aufrechterhalten wird, und dessen Ablauf jetzt genau beschrieben werden soll. Der Händedruck ist auch deshalb eine Schlüsselszene, weil es in der Debatte sonst nur ganz wenige direkte Interaktionen zwischen den Kontrahenten gibt.

[...]


1 An den angegebenen URL’s ist der Download der Videoaufzeichnungen der Fernsehdiskussionen in verschiedenen Formaten möglich.

2 Da das Debatten-Video in drei Teilen aus dem Internet heruntergeladen werden muss, müssen alle Referenzen neben der Zeit innerhalb des Teiles auch angeben, auf welchen Teil des Videos sie sich beziehen.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Körpersprache als Ausdruck von Status und Macht
Untertitel
Eine Analyse der zweiten TV-Konfrontation zwischen George W. Bush und John Kerry während des Wahlkampfes zur US-Präsidentschaft 2004
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Training Körpersprache
Note
1
Autoren
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V112014
ISBN (eBook)
9783640104932
ISBN (Buch)
9783640105212
Dateigröße
1761 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Körpersprache, Ausdruck, Status, Macht, Training
Arbeit zitieren
Mag. Alexander Remesch (Autor)Kathrin Schindelar (Autor), 2006, Körpersprache als Ausdruck von Status und Macht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112014

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