Ausgehend von der Annahme, dass im Gegensatz zu Industrieverbänden die ressourcenschwachen Umwelt-NGOs eher geringe Einflussmöglichkeiten auf EU-Ebene haben, ist es Ziel dieser Arbeit, ihre tatsächlichen Partizipationsmöglichkeiten bzgl. der Formulierung der europäischen Umweltpolitik zu untersuchen und herauszufinden, ob sie gegenüber den Wirtschaftsvertretern wirklich im Nachteil sind. Neben der Analyse der wichtigsten politischen Organe, der Kommission, dem Rat und dem Parlament, auf mögliche Einflusskanäle, steht der Vergleich von zwei der größten europäischen Umwelt-NGOs, Greenpeace und WWF, im Vordergrund. Wichtige Aspekte sind hierbei:
In welcher Intensität und in welcher Art und Weise arbeiten die Interessengruppen zur Umweltpolitik und was sind ihre Intentionen? Welche Mittel zur Einflussnahme wenden sie an und wie offen sind überhaupt die Institutionen der EU für die Partizipation von Umwelt-NGOs? In diesem Zusammenhang soll in kurzer Form auch das Einflusspotential von Wirtschafts- und Industrieverbänden thematisiert werden, um die Verhandlungsmacht der beiden auf die europäische Umweltpolitik Einfluss nehmenden Gegenspieler – Umwelt- und Wirtschaftsverbände - vergleichen zu können.
Ein weiteres Erkenntnisinteresse liegt speziell darin, anhand eines detaillierten Vergleichs von Greenpeace und WWF herauszufinden, welche Strategie der Beeinflussung Erfolg versprechender ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Gliederung
1.1.1 Zielsetzung
1.1.2 Gliederung
1.2 Forschungsstand
1.3 Begriffsdefinitionen
1.3.1 NGO
1.3.2 Einfluss
1.3.3 Lobbying
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Pluralismus
2.2 (Neo-)Korporatismus
2.3 Mancur Olsons Logik des kollektiven Handelns
3. Die Umweltpolitik der Europäischen Union
3.1 Die Entwicklung der europäischen Umweltpolitik
3.1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.1.2 Schwerpunkte und Probleme der EU-Umweltpolitik
3.2 Gemeinsame Fischereipolitik
3.2.1 Die Reform der GFP 2002
3.3 Umwelt-NGOs auf EU-Ebene
3.3.1 Greenpeace
3.3.2 WWF
4. Einflussmöglichkeiten
4.1 Einflussnahme auf die Organe der EU
4.1.1 Europäische Kommission
4.1.2 Ministerrat
4.1.3 Europäisches Parlament
4.4 Strategien der Beeinflussung
4.5 Machtverteilung zwischen Umwelt- und Wirtschaftsinteressen
5. Greenpeace und WWF als Akteure in der europäischen Umweltpolitik
5.1 Entstehungsgeschichte
5.1.1 WWF - Die Geburt einer Umweltstiftung
5.1.2 Greenpeace - Von der Aktionsgruppe zum internationalen Umweltkonzern
5.2 Strukturen, Ziele und Finanzierung
5.2.1 Der konservative WWF
5.2.2 Die Protestorganisation Greenpeace
5.3 Instrumente und Arbeitsweise
5.3.1 WWF - der kooperative Lobbyingspezialist
5.3.2 Greenpeace - die aktionsorientierte Medienorganisation
5.4 Probleme und Defizite
5.4.1 Legitimationsdefizit
5.4.2 Das Problem der Entpolitisierung
5.4.3 Organisationsdefizit
6. Fallbeispiel: Reform der GFP
6.1 Arbeitsweisen von WWF und Greenpeace
6.2 Ziele der Umwelt-NGOs
6.3 Strategien der Einflussnahme
6.3.1 WWF
6.3.2 Greenpeace
6.4 Bewertung
7. Schlussbetrachtung
7.1 Verortung der Umwelt-NGOs im politischen System der EU
7.2 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einflussmöglichkeiten von europäischen Umwelt-NGOs auf die Formulierung der Umweltpolitik der Europäischen Union. Das primäre Ziel ist es, die tatsächlichen Partizipationsmöglichkeiten dieser Organisationen zu analysieren und zu prüfen, ob sie gegenüber wirtschaftlichen Interessenverbänden tatsächlich benachteiligt sind, indem die Strategien und Arbeitsweisen von Greenpeace und dem WWF im Kontext der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik verglichen werden.
- Analyse der theoretischen Rollen von Umweltorganisationen (Pluralismus vs. Korporatismus).
- Untersuchung der institutionellen Zugangswege zu EU-Organen wie Kommission, Rat und Parlament.
- Vergleichende Analyse der Organisationen Greenpeace und WWF hinsichtlich ihrer Struktur und Lobbying-Strategien.
- Untersuchung von Legitimations- und Organisationsdefiziten bei NGOs im EU-Entscheidungsprozess.
- Anwendung der Forschungsergebnisse auf das Fallbeispiel der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP).
Auszug aus dem Buch
5.1.1 WWF - Die Geburt einer Umweltstiftung
Die Idee zur Gründung des WWF geht zurück auf Artikel des britischen Biologen, Schriftstellers und Generaldirektors der UNESCO, Sir Julian Huxley, im Jahr 1960, die einen Londoner Geschäftsmann zu einem Brief an Huxley inspirierten, in dem er die Gründung einer Organisation zur Rettung der Wildtiere vorschlägt, die Geld bei den „ganz Reichen“ in aller Welt (Cornelsen 1991, S. 98) sammeln sollte. Angetan von dieser Idee, wandte sich Huxley an den Generaldirektor der British Nature Conservancy, Max Nicholson, der zusammen mit Sir Peter Scott, Vizepräsident der Internationalen Naturschutzunion IUCN, Guy Mountfort, Chef einer internationalen Werbeagentur und Ornithologe und Lord Aubrey Buxton, Banker, die Ziele der geplanten Stiftung verfasste. Bereits am 11. September 1961 wurde diese unter dem Namen World Wildlife Fund - aus rechtlichen und steuerlichen Gründen in der Schweiz - ins Leben gerufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität der EU-Umweltpolitik ein und definiert das Forschungsinteresse an den Einflussmöglichkeiten von Umwelt-NGOs.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erörtert politikwissenschaftliche Theorien wie Pluralismus, Korporatismus und die Logik des kollektiven Handelns zur Einordnung von Interessenverbänden.
3. Die Umweltpolitik der Europäischen Union: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung der europäischen Umweltpolitik und analysiert die Rolle der Umwelt-NGOs innerhalb dieses Feldes.
4. Einflussmöglichkeiten: Hier werden die formellen und informellen Beteiligungsmöglichkeiten von Interessengruppen an den EU-Organen Kommission, Ministerrat und Europäischem Parlament untersucht.
5. Greenpeace und WWF als Akteure in der europäischen Umweltpolitik: Dieses Kapitel vergleicht die Geschichte, Ziele, Finanzierung und Arbeitsweisen der beiden Organisationen Greenpeace und WWF.
6. Fallbeispiel: Reform der GFP: Anhand der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik werden die unterschiedlichen Strategien und Erfolge der beiden NGOs konkret demonstriert und bewertet.
7. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, verortet die Umwelt-NGOs im EU-System und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Umweltpolitik, Umwelt-NGOs, Greenpeace, WWF, Lobbying, Partizipation, Interessenvertretung, Pluralismus, Korporatismus, Gemeinsame Fischereipolitik, Reform, Einflussmöglichkeiten, Legitimationsdefizit, EU-Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und den Einflussmöglichkeiten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Bereich der europäischen Umweltpolitik.
Welche Akteure stehen dabei besonders im Fokus?
Der Schwerpunkt liegt auf einem detaillierten Vergleich der beiden großen internationalen Umweltorganisationen Greenpeace und WWF.
Was ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie effektiv diese NGOs ihre Interessen in den politischen Entscheidungsprozess der Europäischen Union einbringen können und inwiefern sie gegenüber Wirtschaftsverbänden benachteiligt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Neben einer theoretischen Fundierung durch Verbändetheorien wird eine vergleichende Analyse sowie ein konkretes Fallbeispiel – die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik – herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die politischen Rahmenbedingungen der EU, die verschiedenen Lobbying-Instrumente, die Organisationsstrukturen der untersuchten NGOs sowie deren spezifische Strategien im Gesetzgebungsverfahren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind EU-Umweltpolitik, Lobbying, Partizipation, Greenpeace, WWF, Pluralismus und der Entscheidungsprozess der europäischen Institutionen.
Wie unterscheidet sich die Arbeitsweise von WWF und Greenpeace beim Lobbying?
Der WWF wird als kooperativ und diplomatisch beschrieben, während Greenpeace einen konfrontativen, aktionsorientierten und stärker mediengestützten Strategieansatz verfolgt.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich des Einflusses der NGOs?
Die Autorin stellt fest, dass der Einfluss stark ressourcenabhängig ist und NGOs im Vergleich zu Wirtschaftsverbänden oft vor strukturellen und finanziellen Hürden stehen, wobei ihre Bedeutung für den politischen Prozess dennoch wächst.
- Citar trabajo
- M. A. Sara Höweler (Autor), 2005, Die Einflussmöglichkeiten von europäischen Umwelt-NGOs auf die Formulierung der Umweltpolitik der Europäischen Union, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112060