Nach dem 2.Weltkrieg beschrieb der Geograph Gravier 1947, in dem viel beachteten Buch „Paris et le désert francais“ , Frankreich als ein weitgehend agrarisch geprägtes und wenig industrialisiertes Land, das durch starke regionale Disparitäten gekennzeichnet war. Um die wirtschaftliche Schwäche zu beenden, schien es der Regierung notwendig, dem Staat die zentrale Rolle in der Wirtschaftsentwicklung des Landes zukommen zu lassen. Aus diesem Grunde installierte sie die Planification, eine zentralstaatliche Wirtschaftsplanung und setzte damit die zentralistische Politik der Vergangenheit fort. Seitdem hat sich die Beziehung zwischen der französischen Regierung und den Gebietskörperschaften allerdings fundamental geändert. Um den Prozess der Dezentralisierung seit den 60er Jahren des 20. Jh. und die damit verbundene Aufwertung der Regionen besser zu verstehen, erscheint es sinnvoll, eine kurze Einführung in die französische Industrie- und Wirtschaftspolitik zu geben. Damit beginnt diese Arbeit. Danach wird auf die Entstehungsgeschichte der Region Rhône-Alpes eingegangen. Ihr administrativer Aufbau und ihre Kompetenzen sollen anschließend kurz erläutert werden.
Der zweite Abschnitt der Arbeit beschäftigt sich dann ausführlich mit dem zentral in Europa gelegenen Wirtschaftsraum Rhône-Alpes. Zunächst wird der Naturraum beschrieben, danach folgt eine wirtschaftsgeschichtliche Beschreibung als Grundlage dieses Abschnittes. Anschließend wird zum einen die sektorale Struktur der Wirtschaft besprochen, zum anderen auf die räumliche Verteilung der Wirtschaft eingegangen. Da der sekundäre Sektor den Motor der regionalen Wirtschaft darstellt, liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Darstellung der industriellen Entwicklung und der Verteilung der Industrie innerhalb der Region. Daraufhin befasst sich die Arbeit mit dem Dienstleistungssektor in der Region Rhône-Alpes, um schließlich die Ergebnisse im Fazit zusammenfassen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wirtschafts- und Industriepolitik in Frankreich
(Zentralismus und Dezentralisierung)
3. Die Region Rhône-Alpes
3.1 Die Entstehung der Region Rhône-Alpes
3.2 Verwaltungsstrukturen der Region Rhône-Alpes
3.3 Die Beziehungen zwischen Staat und der Region Rhône-Alpes
3.3.1 Stellung und Funktion des Präfekten
3.3.2 Staatsvertrag – Contrat de Plan
3.4 Kompetenzen und Aufgaben der Region
3.5 Einnahmen / Ausgaben – konkrete Politik
4. Der Wirtschaftsraum der Region Rhône- Alpes
4.1 Naturräumliche Einordnung
4.2 Wirtschafträumliche Entwicklung
4.3 Industrialisierung der Region „lyonnaise“
4.4 Wirtschaftsstruktur Rhône –Alpes
4.4.1 Landwirtschaft
4.4.2 Sekundärer Sektor
4.4.2.1 Regionale Disparitäten
4.4.2.2 Innersektorale Struktur
4.4.2.2.1 Produktions- und Grundstoffindustrie
4.4.2.2.2 Investitionsgüterindustrie
4.4.2.2.3 Konsumgüterindustrie
4.4.2.2.4 Energie
4.4.3 Tertiärer Sektor
4.4.3.1 Unternehmensbezogene Dienstleistungen
4.4.3.2 Tourismus
4.4.3.3 Verkehr und Logistik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Entwicklung und Profilierung der französischen Region Rhône-Alpes unter Berücksichtigung der historischen Dezentralisierungsprozesse in Frankreich. Ziel ist es, die spezifische Wirtschaftsstruktur der Region, ihre industriellen Schwerpunkte und die Bedeutung des tertiären Sektors im regionalen Vergleich zu beleuchten.
- Historische Entwicklung und administrative Einordnung von Rhône-Alpes.
- Analyse des sekundären Sektors mit Fokus auf Industrie und Innovation.
- Untersuchung der regionalen Disparitäten und der räumlichen Wirtschaftsverteilung.
- Bedeutung des Dienstleistungssektors, insbesondere in den Bereichen Forschung und Tourismus.
- Einordnung der Verkehrsinfrastruktur als Standortfaktor für die regionale Prosperität.
Auszug aus dem Buch
4.4.2.1 Regionale Disparitäten
Wenn man sich mit der regionalen Industrie befasst, fällt die ungleiche Verteilung innerhalb der Region auf. Abbildung 4 zeigt die Anzahl der Beschäftigten in der Industrie pro Departement und den Anteil der Industrie an der Gesamtbeschäftigung.
Aber auch qualitativ bestehen erhebliche Unterschiede in der Region. Die wirtschaftliche Entwicklung ist zunehmend durch Disparitäten geprägt. Neben den modernen und dynamischen Teilräumen finden sich auch Gebiete mit veralteten und im Niedergang begriffenen Branchen. Die dynamischen Gebiete liegen im Raum Lyon - Bourg-en-Bresse, innerhalb der großen Längstalfurche (sillon alpin) mit den Zentren Grenoble, Chambéry und Annecy sowie entlang der Rhône südlich von Lyon. Demgegenüber stehen die Passivräume des Zentralmassivs (Loire) und die Höhengebiete von Drôme und Ardèche. Besondere Probleme bereitet dabei das im Zentralmassiv gelegene Industrierevier mit dem Zentrum St. Etienne. Alle wichtigen traditionellen Industriezweige des Gebietes (Steinkohlebergbau, Eisen- und Stahlindustrie, Rüstungs- und Textilindustrie) gehören zu den typischen Problembranchen. Zwar wurde in der Vergangenheit wiederholt durch öffentliche Förderungen versucht den Strukturwandel zu forcieren, doch eine grundlegende Trendwende konnte bisher nicht erreicht werden. Die Arbeitslosenquote in der Stadt liegt noch bei über 15%. Der industrielle Niedergang spiegelt sich auch in der demographischen Entwicklung wider: als einziges Departements erlebte Loire im letzten Jahrzehnt einen Rückgang der Bevölkerungszahl.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die französische Wirtschaftspolitik sowie Zielsetzung und Aufbau der Untersuchung zur Region Rhône-Alpes.
2. Wirtschafts- und Industriepolitik in Frankreich: Überblick über die zentralistische Tradition und die Dezentralisierungsprozesse in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg.
3. Die Region Rhône-Alpes: Historische Entstehung, administrative Struktur sowie die Rolle des Präfekten und staatsvertragliche Beziehungen.
4. Der Wirtschaftsraum der Region Rhône- Alpes: Detaillierte Untersuchung der Naturräume, der Industriebranchen, des tertiären Sektors und der Verkehrsinfrastruktur.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der wirtschaftlichen Diversität und der zukünftigen Herausforderungen der Region.
Schlüsselwörter
Rhône-Alpes, Frankreich, Wirtschaftsraum, Dezentralisierung, Industrie, Textilindustrie, Chemieindustrie, Dienstleistungssektor, Forschung und Entwicklung, Tourismus, Verkehrsinfrastruktur, regionale Disparitäten, Strukturwandel, Lyon, Grenoble.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Profilierung der französischen Region Rhône-Alpes und analysiert, wie sich staatliche Wirtschaftsplanung und Dezentralisierung auf die regionale Struktur auswirken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Region, die Struktur der Industrie, die Bedeutung der Dienstleistungen, der Tourismus sowie die verkehrsgeographische Lage.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die industrielle und ökonomische Bedeutung der Region Rhône-Alpes aufzuzeigen und die regionalen Unterschiede sowie die Wachstumsfaktoren herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung regionaler Wirtschaftsdaten und Statistiken zu Beschäftigung und Infrastruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die administrative Einordnung der Region, eine tiefgehende Analyse der Wirtschaftsstruktur (Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen) sowie eine Bewertung der Verkehrsanbindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rhône-Alpes, industrielle Diversifizierung, Dezentralisierung, Wirtschaftsraum, Infrastruktur und regionale Disparitäten.
Welche Rolle spielt die Stadt Lyon für den untersuchten Wirtschaftsraum?
Lyon fungiert als das dominierende Finanz- und Dienstleistungszentrum der Region mit einer langen Tradition in Handel und industrieller Forschung.
Warum gibt es innerhalb der Region Rhône-Alpes wirtschaftliche Disparitäten?
Die Disparitäten entstehen durch ein Gefälle zwischen dynamischen, forschungsstarken Agglomerationsräumen wie Lyon und Grenoble und strukturschwachen, altindustrialisierten Gebieten wie dem Umland von St. Etienne.
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- Klemens Bock (Author), 2005, Die „europäische Region“: Rhône-Alpes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112090