Die Frage, ob Ethik und Ökonomie ein Widerspruch ist, stellt sich heute immer häufiger, in der Gesellschaft als Ganzes, sowie auch in unserem Gesundheitssystem. Siehe auch den aktuellen Fall von Nokia oder den vor 4 Jahren der Deutschen Bank. Beide Beispiele zeigen doch, dass Firmen trotz milliardenschwerer Einnahmen Menschen entlassen oder die Produktion verlagern, um noch höhere Gewinne zu erzielen. Hier stellen sich dann Fragen von Moral, Werten und Ethik. Solche Beispiele gibt es zuhauf. Dabei zählen nur die Zahlen, die Ausdruck bekommen im Aktienkurs (Shareholder Value), Wachstumsraten, ausgewiesenen Gewinnen und Rentabilität. Unbestritten ist auch, dass der ökonomische Gedanke „Wirtschaftlichkeit“ sich in Deutschlands Gesundheitssystem etabliert hat und mehr und mehr als Leitlinie gesehen wird. Diese genannten Interessen sind bei den Privaten Kliniken von zentraler Bedeutung, da dies eben deren Ziele sind. Aber auch die kirchlichen und öffentlichen Häuser müssen zumindest kostendeckend arbeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Geldmittel knapper werden, und die Patientenzahl aufgrund der älter werdenden Gesellschaft steigt, d.h. dadurch entstehen Verteilungsprobleme, die aus ethischer Sicht nicht so einfach zu lösen sind. Die Leitfrage die mich zu dem Thema bewegt hat ist, ob dieser Zielkonflikt zwischen Ressourcenverknappung in den Krankenhäusern und der optimalen Versorgung des Patienten, ethisch gelöst werden kann? Könnte der utilitaristische Ansatz von John Stuart Mill (1806-1873) eine Möglichkeit sein? Was dabei interessant ist, dass Mill zu den Begründern der Ökonomischen Theorie gehört, und somit hier ein Zusammenhang zwischen seiner utilitaristischen Ethik und des heute wirtschaftlichen Handelns besteht. In der „Teleologischen Ethik“, zu der der Utilitarismus zählt, ergibt sich der moralische Wert einer Handlung aus den Folgen für die Allgemeinheit. Eine Wertung ob die Handlung moralisch, gut und sittlich ist, hängt mit dem daraus entstehenden Nutzen zusammen. Nach dieser Theorie ist es möglich, dass eine Handlungsentscheidung auf Kosten des Wohlergehens eines Einzelnen und zugunsten des Wohlergehens der Mehrheit getroffen wird (vgl. Krüger / Rapp; 2006).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2. Auswirkung der Ökonomie in der Praxis im Krankenhaus
2.1 Prekäre Pflegesituation erläutert an einem Beispiel
2.2 Subjektive Folgen des Beispiels
2.3 Objektive Folgen des Beispiels (RICH-Nursing Studie)
2.4 Resümee der subjektiven und objektiven Folgen
3. Utilitaristische Ethik
3.1 Die Theorie der Utilitaristischen Ethik von John Stuart Mill (1806-1873)
3.2 Resümee der Theorie von Mill
4. Die Anwendung des Utilitarismus an dem Fallbeispiel
4.1 Ethische Analyse nach Brody H.
4.2 Ergebnis und Reflexion der Analyse nach Brody H.
5. Probleme des Utilitarismus
5.1 Expertenstatus
5.2 Folgenabschätzung und Wertbestimmung
5.3 Vertrauenswürdigkeit von Experten
5.4 Bestimmung des Gutes
5.5 Verantwortungsträger
5.6 Fairness
5.7 Regelverstöße
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Zielkonflikt zwischen ökonomischer Ressourcenverknappung in Krankenhäusern und einer optimalen Patientenversorgung. Dabei wird analysiert, ob die utilitaristische Theorie von John Stuart Mill einen ethisch legitimierten Lösungsansatz für diese Problematik im Klinikalltag bieten kann.
- Ethik und Ökonomie im Krankenhauswesen
- Anwendung des utilitaristischen Nutzenprinzips
- Ethische Fallanalyse nach Brody
- Implizite Rationalisierung in der Pflege
- Verantwortungsstrukturen bei ökonomischen Entscheidungen
Auszug aus dem Buch
4.1 Ethische Analyse nach Brody H.
Um den Fall zu beantworten, bediene ich mich des utilitaristischen Analysemodells von Brody, um eine ethische Entscheidungsfindung für die Situation zu bekommen (Beschreibung und Vorgehensweise siehe folgende Seite Abbildung 1).
Das Problem (1) und teilweise die Folgen (2), habe ich an meinem Beispiel schon definiert: Ressourcenverknappung im Krankenhaus und damit eine schlechtere Pflegequalität für Patient und eine schlechtere Arbeitsqualität der Pflegenden. Für das Krankenhaus bedeutet dies im Umkehrschluss, wenn nicht Kosten einspart werden, besteht eine Gefährdung der Existenz. Zudem muss ich noch anfügen, dass ich nicht alle möglichen Handlungenoptionen und Folgen (Werte) aufgeführt habe. Ich habe mich hier im Beispiel jeweils auf zwölf beschränkt, um eine gewisse Übersichtlich-keit zu gewährleisten. Nachfolgend liste ich die durchgeführten Handlungen und mögliche andere Optionen für die Analyse auf:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den grundlegenden Widerspruch zwischen ökonomischer Wirtschaftlichkeit und ethischer Patientenversorgung im Gesundheitssystem.
2. Auswirkung der Ökonomie in der Praxis im Krankenhaus: Dieses Kapitel beschreibt anhand eines Praxisbeispiels und der RICH-Nursing Studie die negativen Folgen der Ressourcenverknappung auf Pflegequalität und Personal.
3. Utilitaristische Ethik: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Utilitarismus nach John Stuart Mill dargestellt, insbesondere der Fokus auf die Folgen einer Handlung für das Gesamtglück.
4. Die Anwendung des Utilitarismus an dem Fallbeispiel: Das Kapitel verknüpft die Theorie mit der Praxis durch eine utilitaristische Analyse nach dem Modell von Brody.
5. Probleme des Utilitarismus: Hier werden kritische Aspekte wie der Expertenstatus, die Folgenabschätzung und die Fairness innerhalb der utilitaristischen Theorie hinterfragt.
6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine rein utilitaristische Lösung des Zielkonflikts aufgrund der Unsicherheitsfaktoren schwierig bleibt und eine Einbeziehung der Mitarbeiter essenziell ist.
Schlüsselwörter
Ethik, Ökonomie, Krankenhaus, Utilitarismus, John Stuart Mill, Pflegequalität, Ressourcenverknappung, Patientenwohl, Arbeitszufriedenheit, Rationalisierung, Nutzenprinzip, Brody-Analyse, Verantwortung, Gesundheitswesen, Moral
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Zielkonflikt zwischen betriebswirtschaftlichen Zwängen und ethischen Anforderungen im modernen Krankenhauswesen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Ökonomisierung der Medizin, die utilitaristische Ethik von John Stuart Mill und die Auswirkungen auf die Pflegequalität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu prüfen, ob die utilitaristische Theorie von Mill helfen kann, Entscheidungen in ökonomisch prekären Situationen ethisch zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine utilitaristische Fallanalyse basierend auf dem Modell von Brody, um verschiedene Handlungsoptionen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte ethische Analyse eines Fallbeispiels zur Ressourcenverknappung sowie eine kritische Reflexion der Stärken und Probleme des Utilitarismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Ethik, Ökonomie, Krankenhaus, Utilitarismus und Pflegequalität definieren.
Warum spielt die Rolle des „Experten“ eine so kritische Rolle in der Analyse?
Weil der Experte die Nutzenberechnung durchführt, aber durch seine subjektive Perspektive (z.B. Ökonom vs. Pflegekraft) das Endergebnis maßgeblich beeinflusst.
Welchen Einfluss hat die „implizite Rationalisierung“ auf die Patienten?
Sie führt laut der RICH-Nursing Studie zu einer schlechteren Pflegequalität, steigenden Komplikationsraten und sinkender Patientenzufriedenheit.
Welcher Denkanstoß wird am Ende der Arbeit gegeben?
Der Autor schließt mit der Erkenntnis, dass der Mensch das wichtigste Element im Management bleibt und eine Rücksichtnahme auf die Mitarbeiter für den Erfolg unerlässlich ist.
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- Kapp Michael (Author), 2008, Ethik und Ökonomie in den Krankenhäusern - ein Widerspruch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112109