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Das Unheimliche am "Schimmelreiter"

Title: Das Unheimliche am "Schimmelreiter"

Seminar Paper , 2008 , 23 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sophia Schroll (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Novelle „Der Schimmelreiter“ wurde im April 1888 veröffentlicht und ist somit das letzte und gleichzeitig umfangreichste Werk Theodor Storms, einem der bedeutendsten Lyriker und Verfasser von Novellen und Prosa des deutschen Realismus. Seine Werke sind durch norddeutsche Einflüsse, bedingt durch Storms Herkunft, gekennzeichnet. Diese norddeutsche Prägung lässt sich auch bei der Schimmelreiternovelle wiederfinden, von der Storm in einem Brief an Frau Eckermann, der Frau des schleswig-holsteinischen Landesbaurats, schrieb: „Es ist die, ich glaube, ostfriesische Sage vom ,Schimmelreiter’, die jetzt in mir spukt, die ich in meinem achten oder neunten Jahr, Gott weiß wo, las, und nicht habe wiederfinden können.“
Nur wenige Monate nach Beendigung des Schimmelreiters, „dem Größten, was [er] bisher schrieb“, verstarb Theodor Storm im Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen an Magenkrebs.
Diese Arbeit soll sich vor allem auf das Unheimliche, Gespenstische im Schimmelreiter beziehen, genauer gesagt, wie es Storm gelang, „einen Deichspuk in eine würdige Novelle zu verwandeln“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DER ERZÄHLSTIL

2.1. Der erste Rahmen

2.1.1. Der Wahrheitsanspruch

2.1.2. Der Erzähler entzieht sich der Verantwortung

2.1.3. Weitere Besonderheiten des ersten Rahmens

2.2. Der zweite Rahmen

2.3. Der dritte Rahmen

2.4. Die Binnenerzählung

2.4.1. Die Abweichungen Hauke Haiens von der menschlichen Norm

2.4.1.1. Haukes äußerliche Erscheinung weicht vom Idealbild ab

2.4.1.2. Konzentration auf die geistige zugunsten der körperlichen Arbeit

2.4.1.3. Haukes Ehe mit Elke als Mesalliance

2.4.1.4. Gründung einer eigenen Fortpflanzungsfamilie scheitert

2.4.1.5. Die Absonderung Haukes von den anderen Dorfbewohnern

2.4.2. Der Widerspruch zwischen rationalen und irrationalen Deutungsweisen

2.4.2.1. Die Dämonisierung Haukes

2.4.2.2. Bezüge zur Realität

2.4.2.3. Optische Täuschungen?

2.4.3. Der Schimmelkauf als Teufelspakt

2.4.4. Der Deich als ein teuflisch gefördertes „fressend Werk“

2.4.5. Selbstmord Haukes als nachträgliches Lebendopfer

2.4.6. Der Schluss ohne Auflösung

3. SCHLUSS

4. LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken des Unheimlichen und Gespenstischen in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Storm durch die Verschränkung verschiedener Erzählebenen und die Gegenüberstellung von Rationalität und Aberglauben eine Atmosphäre schafft, die den Kriterien des Realismus entspricht, gleichzeitig jedoch das Übersinnliche als reale Möglichkeit im Raum stehen lässt.

  • Analyse der narrativen Struktur (Rahmenerzählung/Schachtelnovelle)
  • Untersuchung der Dämonisierung des Protagonisten Hauke Haien
  • Konflikt zwischen rationalem Weltbild und altem Volksglauben
  • Einbindung realer historischer Bezüge und Vorbilder
  • Dekonstruktion des Teufelspakt-Motivs innerhalb der Novelle

Auszug aus dem Buch

2.4.2.1. Die Dämonisierung Haukes

„Nun bedarf es der Kunst, ihn aus einem Deichgrafen zu einem Nachtgespenst zu machen.“ So beschreibt Storm selbst die Schwierigkeiten bei der Verdämonisierung von Hauke Haiens Biographie in einem Brief an Paul Heyse 1887. Diese Dämonisierung geht nur langsam vonstatten, bis sie schließlich im Schimmelkauf und im Selbstmord Haukes ihren Höhepunkt findet. Auf beide Aspekte soll aber gesondert eingegangen werden.

Als Ausgangspunkt lässt sich der Abend im Wirtshaus festlegen, an dem Ole Peters Hauke als Deichgraf nicht „von seines Vaters, [sondern] von seines Weibes wegen“ (Reclam 1977, S. 67) verspottet. Hauke, dem das Ganze zugetragen wurde, will ihnen nun das Gegenteil beweisen („ Sieben Jahr im Amt; sie sollen nicht mehr sagen, daß ich nur Deichgraf bin von meines Weibes wegen!“ Reclam 1977, S. 69).

„Ein anderer Gedanke, den er halb nur ausgedacht und seit Jahren mit sich umhergetragen hatte, [...] bemächtigte sich seiner jetzt aufs neue und mächtiger als je zuvor, als seinen plötzlich die Flügel ihm gewachsen.“ (Reclam 1977, S. 68)

Auffällig an dieser Textpassage ist, dass der Gedanke sich seiner „mächtiger“ als je zuvor „bemächtigte“, so als würden ihm „Flügel“ wachsen. Dies sind eindeutig Wörter, die man eher aus Phrasen wie „der Teufel bemächtigte sich seiner“ kennt. Die „Flügel“ könnte man folglich auch als „Teufelsschwingen“ interpretieren, die ihn zu seinem vom Teufel eingegeben Werksplan beflügeln. Auch Elke erkennt die Tragweite von Haukes Absichten, als er ihr davon berichtet. Sie warnt ihn mit einer Prognose, indem sie den Deich als ein „Werk auf Tod und Leben“ (Reclam 1977, S. 71) bezeichnet und gleichzeitig die Geschichte mit dem „Lebendopfer“ aufwirft („[...] wenn ein Damm dort halten solle, müsse was Lebigs da hineingeworfen und mit verdämmt werden“ Reclam 1977, S. 72).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in Leben und Werk Theodor Storms sowie Definition der Forschungsfrage zur Darstellung des Unheimlichen im „Schimmelreiter“.

2. DER ERZÄHLSTIL: Analyse der komplexen Schachtelstruktur und der Glaubwürdigkeit der verschiedenen Erzählerinstanzen.

2.1. Der erste Rahmen: Untersuchung des Wahrheitsanspruchs durch den Ich-Erzähler und die Verankerung in realen Quellen.

2.1.1. Der Wahrheitsanspruch: Analyse der authentischen Orts- und Namensangaben zur Beglaubigung der Erzählung.

2.1.2. Der Erzähler entzieht sich der Verantwortung: Darstellung der typischen Distanznahme des Erzählers von den gespenstischen Inhalten.

2.1.3. Weitere Besonderheiten des ersten Rahmens: Betrachtung der Funktion des Ich-Erzählers als „Endverschrifter“ der gesamten Novelle.

2.2. Der zweite Rahmen: Analyse der Rolle des unbekannten Reisenden als neutraler Beobachter der gespenstischen Ereignisse.

2.3. Der dritte Rahmen: Untersuchung des Schulmeisters als Erzähler und der Spannung zwischen aufgeklärtem Wissen und Volksaberglauben.

2.4. Die Binnenerzählung: Inhaltswiedergabe der Lebensgeschichte Hauke Haiens und Analyse der teufelspaktähnlichen Motive.

2.4.1. Die Abweichungen Hauke Haiens von der menschlichen Norm: Untersuchung von Haukes Sonderstellung, die ihn als Außenseiter markiert.

2.4.1.1. Haukes äußerliche Erscheinung weicht vom Idealbild ab: Analyse seiner physischen Überlegenheit und deren Wirkung auf die Gemeinschaft.

2.4.1.2. Konzentration auf die geistige zugunsten der körperlichen Arbeit: Kontrastierung von intellektueller Leistung und bäuerlicher Tradition.

2.4.1.3. Haukes Ehe mit Elke als Mesalliance: Soziale und emotionale Implikationen der Heirat für Haukes Position im Dorf.

2.4.1.4. Gründung einer eigenen Fortpflanzungsfamilie scheitert: Darstellung des Zerfalls von Haukes privatem Glück im Kontext des Werks.

2.4.1.5. Die Absonderung Haukes von den anderen Dorfbewohnern: Erläuterung der zunehmenden sozialen Isolation durch Haukes Träumer-Natur.

2.4.2. Der Widerspruch zwischen rationalen und irrationalen Deutungsweisen: Analyse der Unauflösbarkeit von Realem und Übersinnlichem im gesamten Werk.

2.4.2.1. Die Dämonisierung Haukes: Untersuchung der schleichenden Verwandlung des Deichgrafen zum Sagen-Gespenst.

2.4.2.2. Bezüge zur Realität: Einordnung der Novelle in historische Kontexte und reale Ereignisse.

2.4.2.3. Optische Täuschungen?: Analyse der Begegnung auf der Hallig als ambivalentes Ereignis.

2.4.3. Der Schimmelkauf als Teufelspakt: Darstellung der Merkmale eines Paktes mit dem Übernatürlichen beim Erwerb des Pferdes.

2.4.4. Der Deich als ein teuflisch gefördertes „fressend Werk“: Verbindung von baulicher Innovation und dämonischer Zerstörungskraft.

2.4.5. Selbstmord Haukes als nachträgliches Lebendopfer: Deutung des tragischen Endes als logische Konsequenz seines Handels.

2.4.6. Der Schluss ohne Auflösung: Fazit zur beabsichtigten produktiven Frustration des Lesers durch das offene Ende.

3. SCHLUSS: Zusammenfassende Betrachtung der Vieldeutigkeit des Wirklichen als Ziel Storms.

4. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Der Schimmelreiter, Theodor Storm, Realismus, Novelle, Gespenstergeschichte, Dämonisierung, Aberglaube, Hauke Haien, Rahmenerzählung, Teufelspakt, Deichbau, Volksglauben, Norddeutschland, Unheimliches, Vieldeutigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Theodor Storm in seiner letzten Novelle „Der Schimmelreiter“ das Unheimliche und Gespenstische inszeniert, um die Grenzen zwischen realistischer Darstellung und der Möglichkeit des Übersinnlichen auszuloten.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?

Im Fokus stehen die Erzählstruktur, der Konflikt zwischen Rationalität und Volksglauben, die Dämonisierung der Hauptfigur Hauke Haien sowie der Einfluss realer historischer Ereignisse auf das literarische Werk.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu analysieren, wie es Storm gelingt, den „Deichspuk“ in eine realistische Novelle zu integrieren und den Leser dazu anzuregen, das Unheimliche als reale Ambivalenz der Welt zu akzeptieren, statt eine eindeutige Auflösung zu fordern.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text durch eine strukturierte Untersuchung der Erzählebenen und durch den Rückgriff auf zeitgenössische Sekundärliteratur und reale historische Vorbilder erschließt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei Rahmenebenen und eine detaillierte Untersuchung der Binnenerzählung, wobei insbesondere Haukes Abweichungen von der Norm, der Schimmelkauf als Teufelspakt und der symbolische Wert des Deiches beleuchtet werden.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind vor allem: Vieldeutigkeit des Wirklichen, Rahmenerzählung, Dämonisierung, Aberglaube gegen Rationalität und die narrative Funktion des Unheimlichen.

Warum wird Hauke Haien im Text als „Dämon“ oder „Gespenst“ betrachtet?

Die Arbeit zeigt auf, wie Hauke durch seine soziale Isolation, seine überdurchschnittliche Begabung und schließlich durch den Kauf des Schimmels von seiner Umwelt sukzessive in die Rolle eines Spukgestalt gedrängt wird, was seine eigene rationale Weltsicht konterkariert.

Welche Bedeutung kommt der „Schachtelstruktur“ der Erzählung zu?

Die Verschachtelung der Erzählebenen dient dazu, Distanz zum Stoff zu schaffen und die Überlieferung „glaubhafter“ zu machen, während sie gleichzeitig durch widersprüchliche Berichte die endgültige Deutung der Geschehnisse verunmöglicht.

Wie bewertet die Arbeit das Ende der Novelle?

Das Ende wird als „Schluss ohne Auflösung“ interpretiert, der den Leser dazu zwingt, das Unheimliche als unerklärbare Facette der Wirklichkeit stehen zu lassen, was Storms intendierte „produktive Frustration“ widerspiegelt.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Das Unheimliche am "Schimmelreiter"
College
University of Salzburg
Grade
2
Author
Sophia Schroll (Author)
Publication Year
2008
Pages
23
Catalog Number
V112214
ISBN (eBook)
9783640104277
ISBN (Book)
9783640102006
Language
German
Tags
Unheimliche Schimmelreiter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sophia Schroll (Author), 2008, Das Unheimliche am "Schimmelreiter", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112214
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