Aus der Interpretation/Zusammenfassung:
Im Rahmen des Buch Exodus bildet die
Geburtsgeschichte eine passende Exposition für die Verse 11ff. Außerdem führt es die Begebenheiten in Exodus 1 als Einzelschicksal fort. Sie passt sich also gut dem Erzählduktus an. Im erweiterten Rahmen von Pentateuch und Altem Testament erfährt dem Text der vervollständigende Charakter von Mosesbiographie und dadurch der Geschichte des Volkes Israel. Die Geburts- und Rettungserzählung des Moses bietet dem Leser oder Zuhörer auch aus heutiger Sicht nicht nur eine unterhaltsame Geschichte, sondern verrät auch etwas über das Geschichtsverständnis und über das Verständnis des Wirken Gottes der Israeliten.
Inhaltsverzeichnis
1. Erste Übersetzung
2. Textkritik
3. Sachexegese
4. Literarkritik
5. Traditionskritik
6. Überlieferungsgeschichte
7. Redaktionsgeschichte
8. Formgeschichte
9. Bestimmung des historischen Ortes
10. Interpretation
11. Zweite Übersetzung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine exegetische Untersuchung des Textes Exodus 2,1-10 durchzuführen. Dabei wird die Erzählung von der Geburt und Rettung des Mose detailliert analysiert, um die literarische Struktur, die Traditionsgeschichte sowie die redaktionelle Bearbeitung des Textes offenzulegen und dessen theologische und historische Einordnung zu verstehen.
- Textkritische Analyse und Überprüfung der masoretischen Überlieferung.
- Sachexegetische Untersuchung zentraler Begriffe wie Schilf, Kasten und Mose.
- Literarkritische Einordnung des Grundtextes und der Schwesterepisode.
- Traditions- und formgeschichtliche Bestimmung der Geburts- und Rettungssage.
- Redaktionsgeschichtliche Analyse der Zielsetzung und Intention der Erweiterungen.
Auszug aus dem Buch
4. Literarkritik
Die literarkritische Untersuchung versucht die älteste schriftliche Stufe eines Textes zu erreichen und fragt nach dessen literarischem Zusammenhang. Der Seminartext kann nicht selbst der größte literarische Zusammenhang sein, da die Motivation und das Vorgehen der Mutter in den Versen 2 und 3 aus dem Text heraus nicht nachvollziehbar sind. Das voraussetzende Element findet sich im vorhergehenden Kapitel als Mordbefehl des Pharaos. Dieser sieht Ägypten durch das groß gewordene Volk der Hebräer bedroht und erlässt Frondienste über sie, da dies jedoch nicht den gewünschten Erfolg bringt veranlasst er die Hebammen die neugeborenen männlichen Hebräerkinder zu töten. Auch dieser Plan misslingt und gipfelt in Vers 22, in dem der Pharao befiehlt alle neugeborenen Jungen der Hebräer in den Nil zu werfen. Es ist also zumindest dieser Vers für das Verständnis der Geburtsgeschichte Moses vorauszusetzen.
Jedoch ist einzuschränken, dass Exodus 2 nicht eine direkte Weiterführung von Exodus 1 ist, da der Mordbefehl oder auch der Pharao nicht weiter erwähnt wird. Selbst bei der Errettung Moses durch die Tochter des Pharao wird diese Thematik nicht mehr erwähnt. Auch Exodus 2,11-25 setzt Kenntnisse aus dem Vorhergegangenen voraus, nimmt aber keine Bezüge darauf. Ich schließe daher, dass Exodus 2,1-10 als selbständig zu betrachten ist, allerdings in seinem kanonischen Kontext eine gewisse Abhängigkeit erfährt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erste Übersetzung: Es wird eine direkte Übersetzung des hebräischen Textes Exodus 2,1-10 ins Deutsche vorgelegt.
2. Textkritik: Anhand des Apparates der Biblia Hebraica Stuttgartensia werden textkritische Varianten untersucht und eine Entscheidung für den masoretischen Text begründet.
3. Sachexegese: Es werden zentrale Begriffe wie Wasserpflanzen und Behältnisse etymologisch und sachlich analysiert, um ihre Bedeutung im Kontext der Erzählung zu klären.
4. Literarkritik: Dieser Teil befasst sich mit der Identifikation der Grundschicht des Textes und der Abgrenzung redaktioneller Zusätze, insbesondere der Schwesterepisode.
5. Traditionskritik: Es wird untersucht, wie die Erzählung traditionsgeschichtlich mit Motiven wie der Schöpfung und der Sintflut verbunden ist.
6. Überlieferungsgeschichte: Dieser Abschnitt analysiert die mündliche Überlieferung und vergleicht die biblische Erzählung mit der Geburtslegende Sargons.
7. Redaktionsgeschichte: Hier wird die Intention des Redaktors bei der Ergänzung der Schwesterepisode und deren Wirkung auf die Erzählung beleuchtet.
8. Formgeschichte: Die Gattung des Textes wird als ätiologische Volkssage bestimmt und der anekdotische Charakter der redaktionellen Erweiterung hervorgehoben.
9. Bestimmung des historischen Ortes: Dieser Teil diskutiert die geographischen und historischen Voraussetzungen, die der Text im Kontext der ägyptischen Umgebung annimmt.
10. Interpretation: Es erfolgt eine zusammenfassende Auslegung, wie der Text zur Identitätsbildung der israelitischen Gemeinschaft beiträgt und das Gottesverständnis reflektiert.
11. Zweite Übersetzung: Eine überarbeitete und präzisierte Übersetzung des Textes schließt die exegetische Arbeit ab.
Schlüsselwörter
Exodus, Mose, Exegese, Literarkritik, Textkritik, Sachexegese, Traditionsgeschichte, Redaktionsgeschichte, Formgeschichte, ätiologische Sage, Hebräer, Pharaonentochter, Namensätiologie, Rettungsmotiv, Altes Testament.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende exegetische Analyse der Geburts- und Rettungsgeschichte des Mose in Exodus 2,1-10.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die literarische Zusammensetzung, die Wortbedeutungen im historischen Kontext sowie die traditions- und redaktionsgeschichtliche Einordnung des Textes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte des Textes aufzudecken, die Rolle der redaktionellen Bearbeitung zu verstehen und die theologische Intention der Erzählung zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommen die klassisch-bibelwissenschaftlichen Methoden der historisch-kritischen Exegese zur Anwendung, darunter Textkritik, Literarkritik, Traditionsgeschichte und Formgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Schritte von der Übersetzung über die Analyse von Wortbedeutungen und Quellen bis hin zur Bestimmung von Gattung und historischem Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Exodus, Literarkritik, Redaktionsgeschichte und die Gattungsbestimmung als ätiologische Sage charakterisiert.
Warum wird die Schwesterepisode als redaktioneller Zusatz betrachtet?
Der Autor argumentiert, dass die Verse 4 und 7-9 die Handlung unterbrechen und die Erzählung auch ohne sie eine geschlossene Grundschicht bildet.
Welche Bedeutung kommt der Namensätiologie im Text zu?
Die Namensätiologie dient dazu, die ägyptische Herkunft des Namens Mose zu überbrücken und ihn in den Kontext der hebräischen Tradition und Abstammung einzubetten.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Redaktors von der Grundschicht?
Während die Grundschicht die bloße Rettungsgeschichte erzählt, fügt der Redaktor durch die Schwesterepisode ein satirisches und joviales Element hinzu, das die Überlegenheit der Hebräer betont.
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- Patrick Wacker (Author), 2004, Exegese von Ex 2,1-10 - Moses Geburt und wunderbare Errettung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112283