Vergemeinschaftung Jugendlicher - Ein Leben in Szenen


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Zur Geschichte der Jugendszenen ab 1900

3. Szene -Typen

4. Ausgewählte Szenen
4.1 Antifa
4.2 Punk
4.3 Cosplay
4.4 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Szenen

5. Erklärungsansatz zur Entstehung jugendlicher Vergemeinschaftung

6. Resümee

7. Literaturnachweis

1. Einleitung

In dieser Arbeit, die im Rahmen der Übung „Jugend und Gewalt“ angefertigt wurde, steht die Vergemeinschaftung Jugendlicher im Vordergrund.

Zu Beginn soll die Entwicklung von Szenen unter historischen Gesichtspunkten auf­gezeigt werden und so auch dargestellt werden wie Szenen sich konstruieren und in wie weit sich Gruppengefüge im letzten Jahrhundert gewandelt haben. Anschließend folgt in Kapitel 3. eine Einteilung in Szene-Typen, wie sie Hitzler für möglich und hilfreich hält. Drei Szenen, die auch heute „aktuell“ sind, werden in Kapitel 4 beleuchtet. Diese drei Szenen stehen stell­vertretend für die Vielfältigkeit jugendlicher Vergemeinschaftung. Der letzte Punkt dieses Kapitels (4.4) wird der Untersuchung gewidmet ob solch unterschiedliche Szenen trotzdem Gemeinsamkeiten aufweisen können oder, ob die Unterschiede so gravierend sind, dass eine allgemeingültige Aussage über verschiedene Szenen schwer möglich ist. In Kapitel 5 geht es abschließend um die Hintergründe und Entstehung jugendlicher Vergemeinschaftung. Da sich dabei viel über die geschichtlichen Zusammenhänge erklären lässt, sollen nur die prägnantes­ten Gründe aufgezeigt werden um das Thema „Leben in Szenen“ umfassend darzustellen.

2. Zur Geschichte der Jugendszenen ab 1900

Szenen Jugendlicher sind ein Phänomen dessen Ursprünge am Beginn des letzten Jahrhun­derts zu suchen sind. Wie dieses Phänomen entstanden ist und durch welche Prozesse die Neuerung ausgelöst wurde, soll allerdings erst Thema in Kapitel 5. sein, denn hier sollen allein die Gruppierungen der Jugendlichen im historischen Kontext, am Beispiel Deutschlands, aufgezeigt werden.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits für bestimmte Gruppen von Menschen Bezeichnungen. So finden sich die ersten „Halbstarken“ und „Briten“ bereits in dieser Zeit, die sich vor allem in der Arbeiterklasse bildeten, Bleicher- und Schiffsbauknechte und häufig kriminell waren. Die Begriffe fungierten als Abwertung und dienten als Ausdruck von Miss­billigung. Allerdings entsprachen diese „Banden“ wenig den heutigen Szenen, denn eine Selbstbeschreibung und Selbstwahrnehmung als „Halbstarke“ oder „Briten“ der beteiligten Jugendlichen gab es noch nicht. Sie wurden vielmehr von „außen“ unter diesem Begriff sub­sumiert (vgl. Simon 1996, S.74ff). 1912 sieht der Hamburger Pastor Clemens Schulz, der ei­ner der Begründer der organisierten Jugendhilfe war, die Jugendlichen so:

„Er (der Halbstarke) ist der eingeschworene Feind der Ordnung, er haßt die Regelmäßigkeit, ebenso al­les Schöne und ganz besonders die Arbeit….Schon die 14-18jährigen, im Lehrlingsalter stehenden Ju­gendlichen zeigen bereits deutliche Symptome der Verwahrlosung. Sie – in Hamburg ’Briten’ genannt – wechseln oft die Lehrstelle….Im übrigen bummelt der „Brit“ herum, lungert an Straßenecken, balgt sich mit seinesgleichen, gebraucht unflätige Schimpfwörter und belästigt Passanten…. Der eigentliche ’Halbstarke’ ist der 17/18jährige: jedenfalls bricht in diesem Lebensabschnitt aus dem ’Briten’ der ’Halbstarke’ hervor“ (Schulz 1912, S. 9, zitiert nach Simon 1996, S. 76)

Zeitgleich bildeten sich in Großstädten mit der Wandervogel-Bewegung so genannte „wilde Klubs“, die bereits Schriften aufwiesen, die stilbildend im subkulturellen Kontext waren und über einen „harten Kern“ verfügten (vgl. Simon 1996, S.76). Diese Jugendbewegung, zu­nächst als reine Jungengemeinschaft, später (offiziell ab 1911) mit vereinzelten Mädchen, wies antimilitaristische Züge auf und noch unbestimmte „Gesittungs-, Gesellungs- und Kostümie­rungsformen“ (Ferchhoff 1999, S.22), die sich aber an „Vorgaben des Vagantentums, der Scholaren und des Jünglingkultes im Umkreis der Werther-Stimmung orientierte(n)“ (Knoll 1987, S.20, zitiert nach Ferchhoff 1999, S. 22). Das äußere Erscheinungsbild der meisten Wandervogelgruppen, mit Rucksäcken, kurzen Hosen, grünen Mützen und Plaid, wich sehr von dem damaligen Jugendbild ab (vgl. ebd.). Diese Gruppierungen differenzierten sich in den darauf folgenden Jahren immer weiter aus. Diese aufzuführen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Zwischen den beiden Weltkriegen in den 1920er Jahren entwickelten sich jenseits von „ordentlicher“ Jugend vor allem im großstädtischen Raum „wilde Cliquen“. Sie waren partei­politisch von SAP, KPD und SPD geprägt und bildeten somit eine oppositionelle und proleta­rische Jugendkultur. Die meisten Cliquen bestanden aus arbeitslosen und unqualifizierten Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren, gaben sich selbst Fantasienamen und durch einen gemeinsamen Kleidungsstil zu erkennen (ein einheitliches Zeichen einer berliner Gruppe war beispielsweise eine bunte Schnur an der Mütze). Die Motive für diese Vergemeinschaftung waren der Wunsch der gemeinsamen Freizeit- und Alltagsgestaltung und die Ablehnung uni­formierter, „gelenkter“ Jugendgruppen, der „ordentlichen Verbandsjugend“, mit denen es häufig gewaltsame Auseinandersetzungen gab. 1930 wurde geschätzt, dass ca. 14.000 Jugendliche diesen Cliquen angehörten. Zwei Drittel der Jugendlichen waren zwischen 16 und 18, ein Drittel erst zwischen 14 und 16 Jahre alt. Die Gruppen wiesen selten eine Stärke von mehr als 20 Personen auf und ihr Einzugsgebiet beschränkte sich meist auf das jeweilige Wohnviertel (vgl. Simon 1996, S. 77ff). Weiterhin zeichneten sie sich durch starke Hierarchien aus - die so genannten „Cliquenbullen“ hatten oft uneingeschränkte Macht innerhalb ihrer „Clique“, wo­bei auch die Betonung der Männlichkeit sehr wichtig war (vgl. König 2000, [Stand:18.11.2007]).

In der Zeit des Dritten Reichs stellen wohl die „Edelweißpiraten“ und die „Meuten“ die am größten abweichende Form jugendlicher Gemeinschaften dar. Belegt sind ihre Aktivitä­ten seit Mitte der 1930er Jahre. Die meisten Gruppen der „Edelweißpiraten“ formierten sich relativ spontan durch den gemeinsamen Wunsch, ihre Freizeit außerhalb der kontrollierten Hitlerjugend zu verbringen. Die Namen der Gruppen sowie deren Aktivitäten, Kleidung und Abzeichen variierten zwar, verwiesen aber auf ein Grundmuster, mit dem sie sich deutlich von zivil gekleideten oder Jugendlichen der HJ unterschieden. Ab 1943 allerdings trugen viele „Edelweißpiraten“ die Uniform der HJ, was vor allem praktische Gründe hatte. Es kam häufig zu Auseinandersetzungen, vor allem mit dem HJ-Streifendienst und ihre Aktionen hatten sehr unterschiedlichen Charakter. Wie viele Jugendliche sich diesen Gruppen insgesamt anschlossen ist unklar, aber nach Schätzungen der Gestapo hatte z.B. die größte Gruppe, die „Terrorgruppe Ehrenfeld“, zwischen 100 und 500 Mitgliedern. Die Dunkelziffer kann dabei allerdings höher eingeschätzt werden, denn im März 1940 wurden allein in Köln 600 Jugendliche als „Edelweißpiraten“ verhaftet (vgl. Simon 1996, S.80ff). Die „Edelweißpiraten“ durchliefen „alle Schritte nonkonformen Verhaltens von der bewußten Verweigerung über den offenen Protest bis hin zum politischen Widerstand“ (Simon 1996, S.82). Noch stärker knüpften die Leipziger „Meuten“ an die bereits vor dem 2. Weltkrieg existierende Form des Jugendwiderstands an und wurden teilweise als „Mobs“ bezeichnet. Auch sie gaben sich Na­men und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der HJ. Die Schätzungen der Gestapo von 1500 Mitgliedern von 1937 bis 1939 sind nicht bestätigt (vgl. Simon 1996, S.82).

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Jugendszenen vielfältiger. Beatniks, Teddy Boys, Mods, Existenzialisten, Rock’n’Roller, um nur einige zu nennen, fanden sich zusammen und das Aufkommen der modernen Massenmedien veränderte nicht nur das Leben aller Menschen sondern vor allem das der Jugendlichen. Denn durch Radio und Fernsehen war es nun für alle möglich, besonders die amerikanische Musik und den amerikanischen Life­style zu hören und zu sehen. Dies löste einen „Boom“ bei den Jugendlichen aus und der Rock’n’Roll war in Deutschland angekommen. Nicht nur in Deutschland entstanden zu dieser Zeit viele Szenen - Teds, Rocker und Mods hatten ihre Vorbilder vor allem in Großbritannien. In den folgenden Jahren prägten häufig „Hippies“ das Bild, die neue Formen des Zusammen­lebens suchten (vgl. Moeck 1992, S.66ff). Ende der 1970er Jahre differenzierten sich die Ju­gendszenen immer weiter aus. Vor allem der Punk schweißte viele Jugendliche zusammen, die trotz der Hohephase der Hippies und deren Versuche die Gesellschaft zu ändern, unzu­frieden waren und auf die Missstände mit schockierenden Frisuren, Kleidung, Musik etc. aufmerksam machen wollten. Viele (Musik-)Szenen haben sich im Laufe der Jahre aus dem Punk entwickelt, wie z.B. Hardcore, Grunge, Punk’n’Roll, Gothic etc. Da diese Szenen auch heute bekannt sind und zum Teil immer noch viele Anhänger haben, möchte ich darauf ver­zichten sie einzeln vorzustellen, zumal es mittlerweile eine fast unüberschaubare Menge an Szenen gibt, allein deren Aufzählung und kurze Beschreibung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Vergemeinschaftung Jugendlicher - Ein Leben in Szenen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Soziologisches Institut)
Veranstaltung
Jugend und Gewalt
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V112312
ISBN (eBook)
9783640115020
ISBN (Buch)
9783640116089
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergemeinschaftung, Jugendlicher, Leben, Szenen, Jugend, Gewalt
Arbeit zitieren
Katharina Kurzmann (Autor), 2008, Vergemeinschaftung Jugendlicher - Ein Leben in Szenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112312

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