1879 erschuf der antijüdische Journalist Wilhelm Marr jenes Wort, unter dem die antijüdischen Stimmungen und Einstellungen von nun an subsumiert werden sollten:
„Antisemitismus“. Dieser Sammelbegriff fußte auf dem antiken und mittelalterlichen Judenhass, welcher hauptsächlich religiös motiviert war, und gab ihm erstmals einen wissenschaftlichen Anstrich. In der Folge wurde der Antisemitismus verstärkt im politischen und rassischen Sinn benutzt. So gründeten sich im Deutschen Kaiserreich erstmals
antisemitische Parteien, und Männer wie der protestantische Prediger Adolf Stoecker von der Christlich-Sozialen Partei trugen den Antisemitismus gezielt in die Bevölkerung. Wichtige
Beiträge zum „rassischen Antisemitismus“ leistete unter anderem auch Houston Stewart Chamberlain, der in sein Werk Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts auch völkische Ideen
übernahm.
In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, warum eine primitive Fälschung, deren Ursprungschon wenige Jahre nach ihrer Entstehung aufgedeckt und literarisch aufbereitet wurde4, so begierig aufgenommen werden konnte. Bei der Untersuchung der Herkunft der Protokolle soll weniger auf die mannigfaltigen jüdischen Verschwörungstheorien eingegangen werden, als vielmehr auf die tatsächliche Vorgeschichte, wobei auch eine wichtige Legitimierungsgrundlage, die Rede des Oberrabbiners von Prag aus dem Roman Biarritz, behandelt werden soll. Die abstrusen, sich zum Teil widersprechenden Aussagen der Hersteller, Verbreiter und Sympathisanten sollen hierbei außer acht gelassen werden.
Nach einer kurzen inhaltlichen Untersuchung wird im letzten Teil auf die Wirkung der Protokolle im Deutschen Reich und in den Vereinigten Staaten hingewiesen. Außerdem werden zwei wichtige Einschnitte, bei denen die Protokolle als Fälschung entlarvt und öffentlich bekannt gemacht wurden, untersucht.
Schließlich soll kurz auf die Gründe des weltweiten Erfolgs der Protokolle eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Theorien zur Entstehung der Protokolle
- a) Von den Freimaurern zu den Juden
- b) Vorläufer und „Original“
- III. Inhalt der Protokolle
- IV. Verbreitung und Wirkungsgeschichte
- a) Erste Schritte in Deutschland
- b) Die Entdeckung der Fälschung und die Berner Prozesse
- c) Henry Ford und die Protokolle
- d) Die Protokolle und die Nationalsozialisten
- V. Schluss
- VI. Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht die Entstehungsgeschichte und Wirkung der „Protokolle der Weisen von Zion“, einer Fälschung, die eine jüdische Weltverschwörung beschreibt. Die Arbeit beleuchtet die Vorgeschichte der Protokolle, die Rolle des Romans „Biarritz“ und die verschiedenen Theorien zur Entstehung des Textes. Sie analysiert auch die Verbreitung und den Einfluss der Protokolle im Deutschen Reich und in den Vereinigten Staaten.
- Die Entstehung und Vorgeschichte der „Protokolle der Weisen von Zion“
- Die Rolle des Romans „Biarritz“ und die verschiedenen Theorien zur Entstehung des Textes
- Die Verbreitung und der Einfluss der Protokolle im Deutschen Reich und in den Vereinigten Staaten
- Die Entdeckung der Fälschung und die Berner Prozesse
- Der Einfluss der „Protokolle der Weisen von Zion“ auf den Antisemitismus im frühen 20. Jahrhundert
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung
Die Einleitung führt den Begriff „Antisemitismus“ ein und stellt die Entstehung und Entwicklung des modernen Antisemitismus in Deutschland dar. Sie erklärt die Zielsetzung der Hausarbeit und skizziert die zentralen Themen, die behandelt werden.
II. Theorien zur Entstehung der Protokolle
Dieser Abschnitt beleuchtet die Vorgeschichte der Protokolle und die Entwicklung des Gedankens einer jüdischen Weltverschwörung. Es wird auf den Einfluss des französischen Geistlichen Abbé Barruel und dessen Werk „Mémoire pour servir à l'histoire du Jacobinisme“ sowie auf den Brief des Hauptmannes Jean-Baptiste Simonini eingegangen. Des Weiteren wird der Roman „Biarritz“ von Hermann Goedsche als wichtiger Vorläufer der Protokolle analysiert.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, „Protokolle der Weisen von Zion“, Fälschung, Verschwörungstheorie, jüdische Weltverschwörung, „Biarritz“, Hermann Goedsche, Abbé Barruel, Jean-Baptiste Simonini, Deutschland, Deutsches Reich, Vereinigte Staaten, Berner Prozesse, Henry Ford, Nationalsozialismus.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die „Protokolle der Weisen von Zion“?
Es handelt sich um eine folgenreiche Fälschung, die eine angebliche jüdische Weltverschwörung beschreibt und als Grundlage für modernen Antisemitismus diente.
Welche Rolle spielt der Roman „Biarritz“ in diesem Kontext?
Der Roman von Hermann Goedsche (unter dem Pseudonym Sir John Retcliffe) enthält die „Rede des Oberrabbiners“, die eine wichtige Legitimationsgrundlage und ein Vorläufer der Protokolle war.
Wann entstand der Begriff „Antisemitismus“?
Der Begriff wurde 1879 von dem Journalisten Wilhelm Marr geprägt, um antijüdischen Ressentiments einen pseudowissenschaftlichen Anstrich zu geben.
In welchen Ländern wird die Wirkungsgeschichte der Protokolle untersucht?
Die Arbeit beleuchtet insbesondere die Verbreitung und Wirkung im Deutschen Kaiserreich bzw. dem Dritten Reich sowie in den Vereinigten Staaten (u.a. im Zusammenhang mit Henry Ford).
Was waren die Berner Prozesse?
Die Berner Prozesse waren ein wichtiges historisches Ereignis, bei dem die Protokolle gerichtlich als Fälschung entlarvt und öffentlich bekannt gemacht wurden.
Welche historischen Personen beeinflussten die Entstehung der Verschwörungstheorie?
Neben Hermann Goedsche werden Einflüsse von Abbé Barruel, Jean-Baptiste Simonini und Houston Stewart Chamberlain angeführt.
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- Lucas Ahrweiler (Author), 2002, Die Protokolle der Weisen von Zion: Geschichte einer jüdischen Weltverschwörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11235