Die deutsche und die US-amerikanische Kultur sind westliche Kulturen, die von vielen Menschen als sehr ähnlich angesehen werden. Dennoch handelt es sich um in vielen Punkten von einander abweichende Kulturen. Die US-amerikanische Kultur ist „anders“.Unterschiedliche Erfahrungsprozesse führen zu einem unterschiedlichen Erleben der eigenen Identität und der eigenen Position in der Welt. Die spezifische Vergangenheit, sowohl die Geschichte als auch die Ideengeschichte, sowie die Entwicklung von Werten und der Dos und Donts in einer Kultur– also was man denken und tun sollte und darf und was nicht – spielen hier eine Rolle. Die Amerikaner sind besonders geprägt durch den Mythos des „Amerikanischen Traums“ – ein Begriff, der weit mehr umfasst als nur Karriere und Geld. Das Konzept des amerikanischen Traums in all seiner Komplexität die Grundlage des amerikanischen Denkens darstellt. Der Begriff des amerikanischen Traums ist das Fundament der kulturellen Identität der Amerikaner. Dieses Fundament setzt sich im Kern zusammen aus den Gründungsmythen der Vereinigten Staaten von Amerika. Die amerikanische Gesellschaft stützt sich auf mehrere Mythen, die ihren Ursprung im 17., 18. und 19. Jahrhundert haben, und die sich erheblich von denen der deutschen Kultur unterscheiden. Diese Mythen definieren die amerikanische Gesellschaft und haben einen großen Einfluss auf alle Bereiche des amerikanischen Lebens. Diese Mythen und ihre grundlegende Bedeutung für die heutige Wahrnehmung der amerikanischen Identität werden in der vorliegenden Arbeit dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verheißenes Land im Westen
3 Exzeptionalismus
4 Erfolgsmythos
5 Religion
6 Demokratie und Individualismus
7 Freies Land
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, indem sie die prägenden Gründungsmythen analysiert, die das amerikanische Selbstverständnis, das Denken und Handeln bis heute maßgeblich formen.
- Die konstruierte Natur kultureller Identität im Vergleich.
- Die Bedeutung von Gründungsmythen für die amerikanische Gesellschaft.
- Religiöse und puritanische Einflüsse auf die amerikanische Arbeits- und Lebenswelt.
- Die Rolle des Individualismus und des Konzepts der "frontier" für die US-amerikanische Weltsicht.
- Der Einfluss dieser Mythen auf die moderne US-amerikanische Gesellschaft und Politik.
Auszug aus dem Buch
3 Exzeptionalismus
Die ersten Siedler in Nordamerika waren Puritaner, britische Protestanten, deren Ziel es war, die Anglikanische Kirche vom, wie sie es nannten, katholischen Pomp zu befreien. Ihre Forderungen gingen den Herrschenden jedoch zu weit und viele von ihnen mussten oder wollten daher das Land verlassen. Diejenigen Puritaner, die nach Amerika auswanderten, nannten sich „Pilgrims“, Pilger. Die erste größere Gruppe von ihnen erreichte unter der Führung von John Winthrop im Jahr 1630 mit dem Schiff Mayflower die Umgebung von Boston. Sie erwarteten ein hartes Leben in der Neuen Welt, hatten aber die starke Überzeugung, dass sie mit der Hilfe ihres Glaubens und mit Gottes Wohlwollen alle Herausforderungen und Gefahren meistern würden.
Aus der Rede, „A Modell of Christian Charity“ – Ein Modell christlicher Barmherzigkeit, die John Winthrop kurz vor Ankunft in der Neuen Welt verfasste, wird klar, dass sich die Puritaner als auserwähltes Volk sahen. Winthrop stellt den Weggang der Gruppe dem Auszug der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft gleich. Er übernimmt zudem das biblisches Bild von der Stadt auf einem Hügel („city upon a hill“) und stellt Amerika als das neue Jerusalem dar, das eine Vorbildfunktion sowohl in welthistorischer als auch im direkten internationalen Vergleich der damaligen Zeit übernehmen sollte. Amerika wurde so zum Symbol und Versprechen der Befreiung von europäischer Feudal-Herrschaft und religiöser Unterdrückung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Identität als kulturelles Konstrukt und stellt die Forschungsfrage nach den psycho-historischen Unterschieden zwischen der deutschen und US-amerikanischen Kultur.
2 Verheißenes Land im Westen: Dieses Kapitel erläutert die historische und biblische Deutung Amerikas als Paradies im Westen und wie diese Vorstellung die frühe Besiedlung legitimierte.
3 Exzeptionalismus: Hier wird der puritanische Glaube an ein auserwähltes Volk und die Vorbildrolle Amerikas als "Stadt auf einem Hügel" als Ursprung des amerikanischen Selbstverständnisses analysiert.
4 Erfolgsmythos: Das Kapitel untersucht den "Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär"-Mythos und die Verhaltensethik eines Benjamin Franklin als Grundlage für das amerikanische Leistungsstreben.
5 Religion: Es wird dargelegt, wie puritanische Grundkonzepte und der protestantische Glaube die heutige amerikanische Arbeitsmoral und das Verständnis der individuellen Verantwortung prägen.
6 Demokratie und Individualismus: Dieses Kapitel analysiert die politischen Konflikte der Kolonialzeit und wie diese den Grundstein für die Betonung individueller Rechte und persönlicher Freiheit legten.
7 Freies Land: Der Begriff der "frontier" wird hier als zentrales Element für die geographische und soziale Mobilität sowie als Symbol für das Überschreiten von Grenzen interpretiert.
8 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gründungsmythen eine bindende Kraft darstellen, die das amerikanische Handeln in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachhaltig steuern.
Schlüsselwörter
Kulturvergleich, Identität, USA, Deutschland, Mythen, Exzeptionalismus, Erfolgsmythos, Puritanismus, frontier, Individualismus, Selbstbild, Geschichte, Werte, Gesellschaft, Fortschritt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA, insbesondere die Frage, warum Amerikaner anders "ticken", indem sie die zentralen historischen und sozialen Gründungsmythen der Vereinigten Staaten betrachtet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Rolle von Mythen als kollektive Selbstinterpretation, religiöse Einflüsse, das Streben nach Erfolg, der Individualismus sowie das geographische und symbolische Konzept der "frontier".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche psycho-historische Dispositionen dazu führen, dass Deutsche und Amerikaner trotz ihrer gemeinsamen westlichen Wurzeln grundsätzlich anders denken, fühlen und handeln.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, bei der historische und ideengeschichtliche Mythen (wie der "Amerikanische Traum" oder die "frontier") als Kommunikationssysteme interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kapitel, die spezifische Aspekte wie den puritanischen Glauben, die Entstehung der Unabhängigkeit, den Erfolgsmythos um Benjamin Franklin und die Bedeutung der Weite des Landes analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Identität, Exzeptionalismus, Erfolgsmythos, Individualismus, frontier, puritanische Arbeitsethik und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Warum spielt das Konzept der "frontier" eine so wichtige Rolle für das US-amerikanische Selbstverständnis?
Die "frontier" fungiert nicht nur als geographische Grenze, sondern als symbolischer Ort, der individuelle Wiedergeburt und Fortschritt ermöglicht und den Pioniergeist bis heute in die moderne Gesellschaft überträgt.
Wie unterscheidet sich das Verständnis von Individualismus in Deutschland und den USA?
Während in den USA ein betonter Individualismus, der auf dem persönlichen Streben nach Glück basiert, die Kultur trägt, ist Deutschland laut der Analyse stärker gemeinschafts- und sicherheitsorientiert.
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- Ingrid Eumann (Author), 2005, Deutsche und US-amerikanische Kultur im Vergleich , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112394