Der Fokus der vorliegenden Arbeit ruht auf dem europäischen Passagier-Luftverkehr. Dies ist
dem Umstand geschuldet, dass der europäische Güter-Luftverkehr, gemessen in Tonnen, für
nicht mehr als vier Prozent des weltweiten Güter-Luftverkehrs und gerade einmal für einen
Prozent des weltweiten Gesamt-Güterverkehrs verantwortlich ist. Der militärische Teil des
europäischen Luftverkehrs, darunter z.B. der Wettbewerb unter Produzenten, wird ebenso nicht
berücksichtigt wie der private und business-Luftverkehr, also der Verkehr mit kleinen
Flugzeugen für bis zu zwanzig Personen, der hauptsächlich von Privatpersonen und großen
Unternehmen genutzt wird.
Im Jahr 2003 existierten europaweit 4.004 verschiedene Flugrouten mit unterschiedlichen
Stadtverbindungen, die von über 4.000 Flugzeugen bedient wurden. Auf 68 Prozent dieser
Verbindungen bestand ein Monopol. Das bedeutet, die Strecke wurde von nur einer
Fluggesellschaft bedient. Ob dies ein erster Indikator für nicht vorliegenden Wettbewerb im
europäischen Luftverkehr ist, wird im Laufe dieser Arbeit untersucht.
Zum besseren Verständnis der aktuellen Marktsituation und als Einstieg in die vorliegende
Arbeit werden zunächst die wichtigsten Verkehrskennzahlen mit Hilfe einiger wichtiger
Grafiken erläutert. Die historische Entwicklung der Deregulierung und Liberalisierung
innerhalb der EU gilt als Grundlage für die Entstehung eines einheitlichen europäischen
Luftraums mit funktionierendem Wettbewerb und wird somit ebenfalls im zweiten Kapitel
beleuchtet. Im Anschluss werden im dritten Kapitel die Hauptakteure des europäischen
Luftverkehrs, namentlich Passagiere, Fluggesellschaften und Flughäfen, vorgestellt, sowie erste
wettbewerbliche Tendenzen und Strategien untersucht. Kapitel vier beschäftigt sich mit
konkreten Strategien der Fluggesellschaften, die ein langfristiges Bestehen am Markt sichern
sollen. Dazu zählen Preisstrategien, Flugrouten-Diversifikation und Marktpenetration, aber auch
strategische Zusammenschlüsse und Allianzen werden behandelt, sowie einige beispielhafte
wettbewerbspolitische Entscheidungen aufgeführt. Die Arbeit schließt im fünften Kapitel mit
einer Zusammenfassung und Beurteilung der Wettbewerbssituation im europäischen
Luftverkehr und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungstendenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Abgrenzung der Themenstellung und Aufbau der Arbeit
2. Bestimmungsfaktoren des europäischen Luftverkehrs
2.1 Entwicklung des Verkehrs
2.2 Politische Wegbereitung des EU-Wettbewerbs
3. Hauptakteure des Luftverkehrs
3.1 Passagiere
3.2 Fluggesellschaften
3.2.1 Linienfluggesellschaften
3.2.2 Charterfluggesellschaften
3.2.3 Low-Cost-Carrier
3.3 Flughäfen
3.3.1 Unterschiedliche Flughafentypen
3.3.2 Kapazitätsengpässe als Wettbwerbsfaktor
3.3.3 Wettbewerb zwischen Flughäfen – national und international
4. Wettbewerb unter Fluggesellschaften
4.1 Preise
4.2 Flugrouten-Konkurrenz
4.3 Kosten als Wettbewerbsfaktor
4.4 Konzentrationstendenzen
4.5 Konsolidierungen
4.6 Abkommen und strategische Allianzen
4.7 Eine Auswahl wettbewerbpolitischer Entscheidungen
4.8 Wettbewerb zu alternativen Verkehrsträgern
5. Beurteilung des Wettbewerbs im europäischen Luftverkehr – Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wettbewerbssituation im europäischen Passagier-Luftverkehr unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung der Liberalisierung und Deregulierung sowie der aktuellen Strategien der Akteure. Die zentrale Forschungsfrage dabei ist, ob die beobachteten Marktstrukturen – wie das häufige Auftreten von Monopolen auf Flugrouten – ein Indikator für einen nicht funktionierenden Wettbewerb sind oder ob sich durch die zunehmende Marktdynamik, insbesondere durch den Einfluss von Low-Cost-Carriern, neue wettbewerbliche Rahmenbedingungen etabliert haben.
- Historische Entwicklung der Liberalisierung des europäischen Luftraums
- Analyse der Hauptakteure (Passagiere, Fluggesellschaften, Flughäfen)
- Wettbewerbsstrategien von Linien- und Low-Cost-Fluggesellschaften
- Konkurrenzverhältnisse bei Flughäfen und Slot-Vergabeproblematiken
- Auswirkungen von Konsolidierungstendenzen und strategischen Allianzen
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Low-Cost-Carrier
Die Strategie dieser Fluggesellschaften kann der Bezeichnung entnommen werden. Mit niedrigen Ticketpreisen, hervorgerufen durch eine konsequente Konzentration auf die Kernleistung, sollen die Hochpreistarife der etablierten Fluggesellschaften durchbrochen werden. Der Direktvertrieb über Call Center und Internet spart Agentur-Provisionen ein (bei Ryanair werden 90% aller Tickets per Telefon und Internet geordert), einheitliche Flugzeugflotten garantieren Synergieeffekte bei der Schulung und Einsetzbarkeit von Piloten, Crew, Technikern etc.. Einfache chek-in und boarding Prozeduren unterstützen das Ziel, kurze Standzeiten an Flughäfen zu sichern, sowie schnelle Turnarounds an Umkehrstationen zu realisieren.
Low-Cost-Carrier konzentrieren sich vor allem im Punkt-zu-Punkt-Verkehr auf Kurzstrecken für Freizeit- und Besuchsreisende. In starkem Kontrast zu Linienfluggesellschaften werden Interkontinentalverbindungen in der Regel nicht angeboten. Umsteigepassagiere spielen ebenfalls keine Rolle. Bemerkenswert ist, dass über 40 Prozent der Low-Cost Kunden neue Passagiere sind, die ohne das entsprechende Low-Cost Angebot nicht gereist wären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abgrenzung der Themenstellung und Aufbau der Arbeit: Das Kapitel definiert den Fokus auf den Passagier-Luftverkehr und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Gliederung der Arbeit.
2. Bestimmungsfaktoren des europäischen Luftverkehrs: Es werden die Verkehrsstatistiken dargelegt und die politische Entwicklung von der staatlich gelenkten Luftfahrt hin zu einem liberalisierten Markt innerhalb der EU beleuchtet.
3. Hauptakteure des Luftverkehrs: Dieses Kapitel stellt die Rollen der Passagiere, Fluggesellschaften (Linien, Charter, Low-Cost) und Flughäfen sowie deren wechselseitigen Wettbewerbsbeziehungen vor.
4. Wettbewerb unter Fluggesellschaften: Hier werden spezifische Wettbewerbsparameter wie Preispolitik, Flugroutenkonkurrenz, Kostenstrukturen, Marktkonsolidierung und strategische Allianzen analysiert.
5. Beurteilung des Wettbewerbs im europäischen Luftverkehr – Fazit: Das Fazit fasst die Umwälzungen im Markt zusammen, bewertet die künftige Rolle der Low-Cost-Airlines und diskutiert die Auswirkungen des einheitlichen Luftraums sowie die Herausforderungen durch externe Kosten.
Schlüsselwörter
Europäischer Luftverkehr, Wettbewerb, Liberalisierung, Deregulierung, Low-Cost-Carrier, Linienfluggesellschaften, Flughäfen, Slot-Vergabe, Marktkonzentration, Konsolidierung, Strategische Allianzen, Intermodaler Verkehr, Passagieraufkommen, Punkt-zu-Punkt-Verkehr, Kabotagerecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und aktuelle Struktur des Wettbewerbs im europäischen Passagier-Luftverkehr nach der Liberalisierung durch die EU.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel von nationalen Staatsfluggesellschaften hin zu einem liberalisierten Markt, die Strategien von Low-Cost-Carriern und die Marktmacht von Drehkreuzflughäfen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob der europäische Luftverkehr trotz Liberalisierung unter Wettbewerbsmängeln leidet und wie sich die Marktteilnehmer in diesem dynamischen Umfeld positionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Auswertung von Verkehrskennzahlen, Branchenstatistiken sowie eine Untersuchung marktstrategischer Tendenzen und politischer Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Rollen der Hauptakteure, die verschiedenen Wettbewerbsfaktoren (Preise, Flugrouten) und die strategischen Anpassungen der Airlines (Allianzen, Fusionen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Luftverkehrswettbewerb, Liberalisierung, Low-Cost-Carrier, Drehkreuz-Strategien und Konsolidierung.
Wie unterscheiden sich die Reisebedürfnisse von Geschäfts- und Privatreisenden?
Geschäftsreisende sind preisinelastischer und benötigen direkte, zeitlich flexible Verbindungen, während Privatreisende preissensibler sind und eher auf Low-Cost-Angebote reagieren.
Welche Rolle spielen Slot-Vergaben für den Wettbewerb?
Slots an stark frequentierten Drehkreuzen sind knappe Ressourcen, die etablierten Gesellschaften durch "Großvaterrechte" Wettbewerbsvorteile gegenüber neuen Marktteilnehmern sichern.
Warum wird die Bahn als schärfster Konkurrent auf Kurzstrecken angesehen?
Durch die Einführung von Hochgeschwindigkeitsnetzen wie dem TGV oder ICE können Bahnen auf Kurzstrecken Reisezeiten erzielen, die für Fluggesellschaften aufgrund der notwendigen Abfertigungszeiten an Flughäfen oft nicht konkurrenzfähig sind.
Welchen Einfluss haben Allianzen auf den Wettbewerb?
Strategische Allianzen ermöglichen es Fluggesellschaften, ihr Netzwerk global auszubauen und Marktmacht durch Codesharing zu festigen, was den Konkurrenzdruck innerhalb des Bündnisses reduziert, aber den Druck auf außenstehende Konkurrenten erhöht.
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- Markus Meier (Author), 2008, Wettbewerb im europäischen Luftverkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112416