Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Entwicklung des preußischen Mühlengewerbes im 19. Jahrhundert auf der Basis von Gewerbe-, Bevölkerungs- und Getreideproduktionsstatistiken und gleichzeitig die Untersuchung von Gründen der aufgezeigten Entwicklungen. Um die Analyse zu erleichtern, werden drei Zeitabschnitte unterschieden:
1. Ende 18. Jh./Beginn 19. Jh. (Kapitel 2.1),
2. 1819 bis 1861 (Kapitel 2.2),
3. Ende 19. Jh. (Kapitel 2.3). Während in Kapitel 2.1 der Stand der Getreidemüllerei um die Jahrhundertwende dargelegt wird, sind in Kapitel 2.2 die Verhältnisse von Wind-, Wasser-, Göpel- und Dampfmühlen zueinander sowie deren regionale Verteilung auf die Provinzen die Schwerpunkte. Im Abschnitt 2.3 werden die Verhältnisse von Klein- und Großbetrieben sowie Mühlenhaupt- und -nebenbetrieben den Mittelpunkt bilden. Die technischen Fortschritte werden nicht in einem gesonderten Kapitel dargestellt, sondern nur zur Erklärung herangezogen. Ausführliche Erläuterungen zur Mühlentechnik sowie deren Veränderungen sind unter anderem bei Luther sowie Wagenbreth/u.a. zu finden.
Die ausschließliche Betrachtung Preußens beruht zum einen auf dessen Vorreiterrolle bei der Einführung der Gewerbefreiheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zum anderen auf der Dominanz des preußischen Mühlengewerbes in Deutschland und drittens auf der ausgezeichneten Quellenlage. Um die Vergleichbarkeit für das gesamte Jahrhundert herzustellen, werden nur die acht „traditionellen“ Provinzen1 betrachtet.
Im folgenden Kapitel soll die Grundlage für die gesamte Arbeit gelegt werden. Hier werden die geographischen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen dargestellt. Der erste Abschnitt befasst sich mit den geographischen Veränderungen Preußens im Laufe des 19. Jahrhunderts. Daran anschließend, werden im zweiten Abschnitt die für unsere Problematik wichtigsten politischen Entwicklungen dargelegt. Abschließend stehen die für das Mühlengewerbe wichtigen gewerberechtlichen Umgestaltungen im Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Geographische, Politische und Rechtliche Rahmenbedingungen
1.1 Geographische Veränderungen Preußens im 19. Jahrhundert
1.2 Wirtschaftspolitische Entwicklungen
1.3 Rechtliche Voraussetzungen
2. Entwicklung der Getreidemüllerei
2.1 Stand um die Jahrhundertwende
2.2 Das preußische Mühlengewerbe von 1819 bis 1861
2.3 Situation der Getreidemüllerei im ausgehenden 19. Jahrhundert
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Transformation des preußischen Mühlengewerbes im 19. Jahrhundert, von einem traditionell geprägten Handwerk hin zu einer technisierten Industrie, und analysiert die hierfür ursächlichen wirtschaftlichen, gesetzlichen und demographischen Rahmenbedingungen.
- Einfluss der Aufhebung von Gewerbebeschränkungen (Zunftwesen, Mühlenregal).
- Technische Evolution und die Einführung der Dampfkraft in die Müllerei.
- Demographischer Wandel und die Auswirkungen auf den Getreidebedarf.
- Struktureller Konzentrationsprozess: Verdrängung von Klein- durch Großbetriebe.
- Die Rolle der Zollgesetzgebung und Verkehrserschließung.
Auszug aus dem Buch
2.3 Situation der Getreidemüllerei im ausgehenden 19. Jahrhundert
Der Aufschwung des Mühlengewerbes hielt bis in die 1860er Jahre an, kehrte sich aber in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in einen Rückgang der Mühlenbetriebe um. Zwischen 1875 und 1895 kam es zu einer starken Verschiebung des Verhältnisses zwischen Klein- und Großbetrieben. Der Anteil der Kleinbetriebe ging zurück. Viele Betriebe konnten der Konkurrenz der Großmühlen nicht standhalten und gingen ein. Einige Kleinmühlen vergrößerten sich aber auch und wurden so zu Großmühlen.
Aus der hohen Verminderung der Kleinmühlen um 6533 Betriebe und dem gleichzeitig relativ niedrigen Anstieg von Großmühlen (+218 Betriebe) lässt sich schließen, dass die meisten Kleinmühlen eingegangen oder zu Nebenbetrieben geworden sind und sich nicht zu Großbetrieben weiterentwickelt haben. Den höchsten Verlust an Kleinbetrieben haben Schlesien (-37,47%), die Rheinprovinz (-24,19%) und Brandenburg (-22,57%) zu verkraften.
Das Verhältnis von Groß- zu Kleinmühlen veränderte sich von 1:116 1875 zu 1:87 1882 und 1:47 im Jahr 1895. Dies lässt auf einen Konzentrationsprozess im Mühlengewerbe schließen. Die größten Vorschritte machten die Provinz Preußen (von 1:177 1875 zu 1:46 1895), Posen (von 1:183 zu 1:74) und Pommern (von 1:171 zu 1:72). Trotzdem haben Pommern und Posen im Vergleich zu den anderen Provinzen 1895 weiterhin die schlechtesten Verhältnisse von Groß- zu Kleinmühlen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung des Mühlengewerbes als Industriezweig und Erläuterung der Zielsetzung sowie des methodischen Vorgehens anhand statistischer Analysen.
1. Geographische, Politische und Rechtliche Rahmenbedingungen: Darstellung der preußischen Gebietsveränderungen, der wirtschaftspolitischen Einigung durch den Zollverein und der rechtlichen Liberalisierung durch die Aufhebung des Zunftwesens.
2. Entwicklung der Getreidemüllerei: Detaillierte Analyse des Mühlenwachstums, der technischen Umstellung auf Dampfkraft sowie des Konzentrationsprozesses hin zu größeren Betrieben im Laufe des 19. Jahrhunderts.
3. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Transformation des Gewerbes von einer traditionellen, handwerklichen Form zu einer hochmodernen Industrie unter Einbeziehung statistischer Kennzahlen.
Schlüsselwörter
Preußen, Mühlengewerbe, Getreidemüllerei, 19. Jahrhundert, Gewerbefreiheit, Dampfmühle, Industrialisierung, Kleinbetrieb, Großbetrieb, Konzentrationsprozess, Landwirtschaft, Bevölkerungsentwicklung, Zollpolitik, Mühlenregal, Mühlentechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des preußischen Mühlengewerbes während des 19. Jahrhunderts, einer Zeit des tiefgreifenden Wandels von traditionellen handwerklichen Strukturen hin zur modernen industriellen Fertigung.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Im Fokus stehen die Auswirkungen der Gewerbefreiheit, der Einfluss technischer Innovationen (wie der Dampfmaschine), die Bedeutung der Zollgesetzgebung sowie die sozioökonomischen Faktoren, die den Strukturwandel des Gewerbes vorantrieben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Darstellung der Entwicklung des Mühlengewerbes auf Basis historischer Gewerbe-, Bevölkerungs- und Produktionsstatistiken, um die Gründe für den Aufstieg und den anschließenden Konzentrationsprozess zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Der Autor nutzt eine quantitative Analyse basierend auf verfügbaren zeitgenössischen Statistiken, die in drei definierte Zeitabschnitte unterteilt werden, um die Entwicklungen in den acht traditionellen preußischen Provinzen vergleichbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil behandelt die Rahmenbedingungen, die technische Evolution des Mühlengewerbes zwischen 1819 und 1861 sowie die Situation der Branche im ausgehenden 19. Jahrhundert, insbesondere den Verdrängungskampf zwischen Klein- und Großmühlen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Preußen, Getreidemüllerei, Industrialisierung, Strukturwandel, Gewerbefreiheit und der Wandel von der Lohn- zur Handelsmüllerei.
Warum kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum sogenannten "Mühlensterben"?
Das Mühlensterben war vor allem auf die technische Überlegenheit und die wirtschaftliche Kapitalstärke von Großbetrieben zurückzuführen, die den kleinen, oft technisch rückständigen und klimatisch abhängigen Mühlenbetrieben die Existenzgrundlage entzogen.
Welche Rolle spielte die Dampfkraft für die Entwicklung des preußischen Mühlengewerbes?
Die Dampfkraft fungierte als entscheidender Katalysator, der die Unabhängigkeit von lokalen Wind- und Wasserverhältnissen ermöglichte, die Produktionskapazitäten massiv steigerte und somit einen wichtigen Träger der Industriellen Revolution in Preußen darstellte.
Welchen Einfluss hatten die preußischen Zollgesetze auf die Mühlenbetriebe?
Die Zollgesetzgebung erschwerte den Rohstoffbezug und beeinflusste durch die Inlandsgetreidepreise direkt die Absatzchancen der Mühlen. Während Großmühlen flexibel auf Märkte reagieren konnten, waren kleine Handelsmühlen oft an lokale Bezirke gebunden und somit stärker durch Importkonkurrenz gefährdet.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Manuel Dethloff (Autor:in), 2003, Das preußische Mühlengewerbe im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112617