Die Arbeit stellt Grundlagen, aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen der Internationalen Schulbuchforschung dar.
Hierfür wird zunächst die Bedeutung des Schulbuchs im Kontext der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins, das die Grundlage sowohl für persönliche als auch für kollektive Identitätsbildungsprozesse ist, näher erläutert. Zudem wird eine kurze Übersicht über die Entwicklung der Internationalen Schulbuchforschung gegeben.
Der anschließende, praxisorientierte Teil betrachtet die mediendidaktische Bedeutung des Schulbuchs im Informationszeitalter, politische und wirtschaftliche Problemdimensionen der Schulbuchforschung sowie methodologische Herausforderungen der Forschungsarbeit.
Zum Abschluss werden zwei Projekte der Internationalen Schulbuchforschung präsentiert, die sowohl die theoretisch skizzierten Herausforderungen als auch den Wandel der Forschungsarbeit in den letzten dreißig Jahren illustrieren. Bei den gewählten Beispielen handelt es sich um die deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen aus dem Jahr 1976 und aktuelle Projekte in der Schulbucharbeit zwischen Israel und Palästina.
Die Arbeit stützt sich auf eine große Zahl sowohl älterer als auch neuer Literatur und bietet so einen guten Einstieg in das Thema der Internationalen Schulbuchforschung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontexte Internationaler Schulbuchforschung
2.1 Geschichtsbewusstsein als Determinante individueller und kollektiver Identität
2.2 Das Schulgeschichtsbuch als Transportmedium der Meistererzählung der Gesellschaft
2.3 Historische Entwicklung und Aufgabe der internationalen Schulbuchforschung
3. Probleme internationaler Schulbuchforschung
3.1 Die mediendidaktische Problemdimension - Das Schulbuch als Auslaufmodell?
3.1.1 Geschichtskultur, neue Medien und das Schulbuch
3.1.2 Studien zur Schulbuchbenutzung
3.2 Die politische und wirtschaftliche Problemdimension
3.2.1 Staatliche Vorgaben und Zulassungsverfahren
3.2.2 Schulbuchkritik der Öffentlichkeit
3.2.3 Ökonomische Zwänge der Verlage
3.3 Die methodologische Problemdimension
3.3.1 Auswahl des Untersuchungsgegenstandes
3.3.2 Analyseverfahren
3.3.3 Definierung von Analysekategorien
3.3.4 Interdisziplinäres Arbeiten
3.3.5 Organisation der Forschungsarbeit
4. Beispiele internationaler Schulbuchforschung
4.1 Die deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen von 1976
4.1.1 Die historisch-didaktische Problemlage
4.1.2 Bildung und Arbeit der deutsch-polnischen Schulbuchkommission
4.1.3 Der Inhalt der deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen
4.1.4 Aufnahme und Umsetzungen der Empfehlungen in Deutschland
4.2 Internationale Schulbuchforschung im Nahostkonflikt
4.2.1 Israel und Palästina - Eine Geschichte, zwei Identitäten
4.2.2 Problematische Darstellungen in Schulbüchern beider Nationen vor dem Hintergrund der nationalen Curriculumsentwicklung
4.2.3 Israelisch-palästinensische Schulbucharbeit - Beispiel eines neuen Arbeitsparadigmas der internationalen Schulbuchforschung?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Aufgaben und Herausforderungen der internationalen Schulbuchforschung mit einem Fokus auf geschichtsdidaktische Prozesse. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Schulbücher als Medien der Identitätsbildung und Meistererzählungen fungieren, welchen Problemen sie in einer sich wandelnden Medienlandschaft gegenüberstehen und wie internationale Kooperationen durch Schulbuchrevisionen einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können.
- Rolle des Geschichtsbewusstseins und der Meistererzählung
- Didaktische, politische und ökonomische Herausforderungen
- Methodologische Ansätze in der Schulbuchanalyse
- Fallstudie: Deutsch-polnische Schulbuchempfehlungen
- Fallstudie: Schulbuchforschung im Nahostkonflikt
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Geschichtskultur, neue Medien und das Schulbuch
Außerhalb des Schulunterrichts hat vor allem der Einfluss der Massenmedien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend zur Veränderung der Geschichtskultur beigetragen. Neben der wachsenden Anzahl an Zeitschriften und Magazinen war es vor allem das Fernsehen, das im Nachkriegsdeutschland einen Siegeszug feierte. Aus erst einem und später drei Programmen wurden im Laufe der Jahre mehr als 30 Programme, die mit verschiedenen Angeboten um die Gunst der Zuschauer buhlen und zu diesem Zweck immer neue Entwicklungen hervorbrachten. Zu diesen neuen Entwicklungen gehörte auch das Infotainment, das (zumindest im Hinblick auf die erreichten Quoten) erfolgreich Unterhaltung und Information miteinander verbindet und sich dabei auch häufig geschichtlichen Themen zuwendet. Prominentes Beispiel für diesen Trend sind die Sendungen des Historikers Guido Knopp, die zwar einen hohen Unterhaltungs- und auch Informationswert haben, gleichzeitig aber auch dazu tendieren, Geschichte aus sehr subjektiven Perspektiven darzustellen, genau wie viele andere Fernsehsendungen und Spielfilme auch.
Hans-Jürgen Pandel spricht von der Entwicklung einer eigenständigen Geschichtskultur seit den 80er-Jahren, „deren Kennzeichen eine alltagsweltliche Präsenz von Geschichte“32 ist, deren Impulsgeber aber gleichzeitig nicht die Geschichtswissenschaft ist. Ausdruck findet diese eigenständige Geschichtskultur neben dem Fernsehen auch in der Belletristik, der bildenden Kunst, Theaterstücken, Ausstellungen und Festen. Angesichts der Fülle der verschiedenen Angebote und ihrer Omnipräsenz kann ohne größere Bedenken die Behauptung aufgestellt werden, dass das Geschichtsbewusstsein der Jugendlichen heute nicht mehr primär durch Unterricht und Schulbuch, sondern durch außerschulische Angebote geprägt wird. Das Schulbuch verliert damit seine „Deutungshoheit“ in historischen Fragen, die es vorher innehatte.33
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Schulbuchs als Medium gesellschaftlicher Identitätskonstruktion ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, Aufgaben und Probleme der internationalen Schulbuchforschung anhand von Fallbeispielen zu diskutieren.
2. Kontexte Internationaler Schulbuchforschung: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Geschichtsbewusstseins und die Funktion des Schulbuchs als Transportmedium staatlicher Meistererzählungen sowie die historische Genese der Forschungsdisziplin.
3. Probleme internationaler Schulbuchforschung: Hier werden die didaktischen, politisch-ökonomischen und methodologischen Dimensionen analysiert, die die Schulbuchforschung heute vor Herausforderungen stellen, insbesondere in Bezug auf den Medienwandel und staatliche Zulassungsverfahren.
4. Beispiele internationaler Schulbuchforschung: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand der deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen sowie der Forschung zum Nahostkonflikt, wie Schulbuchrevisionen in unterschiedlichen politischen Kontexten praktisch umgesetzt werden können.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die identifizierten Probleme der Schulbuchforschung zugleich als Motor für notwendige methodische Anpassungen und eine zukunftsorientierte Friedensarbeit dienen können.
Schlüsselwörter
Internationale Schulbuchforschung, Geschichtsbewusstsein, Meistererzählung, Schulbuchanalyse, Mediendidaktik, Völkerverständigung, Geschichtsdidaktik, deutsch-polnische Schulbuchkommission, Nahostkonflikt, Schulbuchzulassung, Identitätsentwicklung, politische Bildung, Multiperspektivität, Friedenssicherung, Georg-Eckert-Institut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die internationale Schulbuchforschung als wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Analyse und Revision von Schulbüchern befasst, um Vorurteile abzubauen und zur Völkerverständigung beizutragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Rolle von Geschichtsbewusstsein und Identität, die mediendidaktische Problematik im digitalen Zeitalter, politische Einflussnahme durch staatliche Zulassungsverfahren sowie ökonomische Zwänge der Verlage.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Aufgaben und Probleme der Forschung darzustellen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Kontexte die Entwicklung und Umsetzung von Schulbuchrevisionen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der auf der Literaturrecherche und der kritischen Reflexion wissenschaftlicher Debatten basiert, um verschiedene methodische Zugänge zur Schulbuchanalyse (deskriptiv, quantitativ, qualitativ) gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Kontextualisierungen, die systematische Darstellung von Problemfeldern der Forschung (didaktisch, politisch, methodologisch) und eine detaillierte Betrachtung zweier prominenter Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Schulbuchrevision, Meistererzählung, Geschichtskultur, internationale Kooperation und Friedenssicherung.
Welche Rolle spielt das Georg-Eckert-Institut für die Forschung?
Das Georg-Eckert-Institut fungiert als weltweit führendes Zentrum der internationalen Schulbuchforschung, das Forschung koordiniert, Publikationen herausgibt und als neutrale Vermittlungsinstanz bei internationalen Schulbuchprojekten dient.
Wie unterscheidet sich die Schulbucharbeit in den genannten Fallbeispielen?
Während die deutsch-polnische Zusammenarbeit auf staatlich legitimierten bilateralen Kommissionen basierte, erfolgt die Forschung im Nahostkonflikt aufgrund der politischen Spannungen primär durch zivilgesellschaftliche Initiativen und Forschungsgruppen auf einer weniger formalisierten Ebene.
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- Benjamin Schmidt (Author), 2008, Internationale Schulbuchforschung. Aufgaben, Probleme, Beispiele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112636