In jüngerer Vergangenheit erschienen einige interessante Publikationen zum Werk des Apostels Paulus. "Die politische Theologie des Paulus" von Jacob Taubus, ein postum veröffentlichter, von Jan und Aleida Assmann redigierter Vorlesungsmitschnitt, wirkte dabei in gewisser Weise initiatorisch.
Mit dem Präskript des Römerbriefes (Röm 1,1-7) wird in dieser Arbeit ein für die Argumentation von Taubes zentraler Text detailliert exegetisiert. Danach wird Taubes' Auslegung mit den Ergebnissen der Exegese konfrontiert.
Inhaltsverzeichnis
I/ Übersetzung von Röm. 1, 1-7 und Grobstruktur
II/ Ganzheitliche Analyse
1.) Abgrenzung der Perikope (und Kontextanalyse)
2.) Der Brief an die Römer
III/ Strukturelle Analyse der Texteinheit unter Bezugnahme auf die anderen Paulusbriefe des NT
IV/ Auslegung
1.) Vers 1: Paulus
2.) Die Verse 2-4: Das Evangelium
3.) Die Verse 5-7: Die Adresse
V/ Röm. 1, 1-7 als Ausdruck Politischer Theologie
1.) Jacob Taubes’ Interpretation von Röm. 1, 1-7
2.) Die politischen Implikationen der paulinischen Theologie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Textabschnitt Röm. 1, 1-7 im Hinblick auf seine strukturelle Bedeutung im Corpus Paulinum sowie seine theologische Funktion. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Interpretation von Jacob Taubes, der den Römerbrief als "politische Theologie" und Kampfansage an das römische Kaisertum liest, während die Arbeit selbst die Kontinuität zur jüdischen Tradition und die interne Auseinandersetzung innerhalb des Judentums als primäre Anliegen des Apostels hervorhebt.
- Strukturelle Analyse und Exegese von Röm. 1, 1-7
- Vergleich der paulinischen Briefpräskripte im NT
- Kritische Würdigung der "Politischen Theologie" nach Jacob Taubes
- Untersuchung der Kontinuität paulinischer Theologie zur jüdischen Tradition
- Bedeutung der Berufung und des Apostelamts für die Adressaten
Auszug aus dem Buch
1.) Vers 1: Paulus
Röm. 1, 1-7 ist formal ein einziger Satz. Dieses unterstreicht die Einheitlichkeit dieses Textes und die Verschränktheit seiner Komponenten, wie sie meine Auslegung erweisen wird.
Die erste appositionelle Selbstprädikation des Paulus ist δοῦλος Ἰησοῦ Χριστοῦ. Sie taucht bei den Briefpräskripten innerhalb des Corpus Paulinum noch im Phil. auf (Παῦλος καὶ Τιμόθεος δοῦλοι Χριστοῦ Ἰησοῦ in Phil. 1, 1). Der Ausdruck δοῦλος ist zunächst und vordergründig ein Ausdruck der Bescheidenheit. Dieses scheint mir insofern nicht irrelevant, da ja Paulus gewissermaßen Bittsteller gegenüber den Römern ist. Genau genommen bedeutet aber die Selbstprädikation als δοῦλος mehr noch eine Selbsterniedrigung. Denn sämtliche „Wörter, die zur Wortgruppe gehören [zu der auch δοῦλος gehört], dienen entweder der Beschreibung des Sklavenstandes oder der Beschreibung einer Haltung, die der Haltung des Sklaven entspricht“.
Zusammenfassung der Kapitel
I/ Übersetzung von Röm. 1, 1-7 und Grobstruktur: Präsentation der Textgrundlage nach Nestle-Aland unter Einteilung in Absender, christologische Ergänzung und Adressaten.
II/ Ganzheitliche Analyse: Untersuchung des Textes als Proömium und Einordnung des Römerbriefs in den historischen Kontext der Gemeinde in Rom.
III/ Strukturelle Analyse der Texteinheit unter Bezugnahme auf die anderen Paulusbriefe des NT: Vergleich des paulinischen Briefpräskripts mit anderen Paulusbriefen zur Bestimmung der formalen Besonderheiten.
IV/ Auslegung: Tiefgehende exegetische Untersuchung der Verse 1 bis 7, gegliedert nach den zentralen Themen "Paulus", "Das Evangelium" und "Die Adresse".
V/ Röm. 1, 1-7 als Ausdruck Politischer Theologie: Kritische Diskussion der These von Jacob Taubes, dass der Römerbrief als politische Kampfansage gegen den Cäsarenkult zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Römerbrief, Paulus, Röm 1,1-7, Jacob Taubes, Politische Theologie, Apostelamt, Evangelium, Cäsarenkult, Judentum, Kontinuität, Exegese, Biblische Theologie, Jesus Christus, Berufung, Heidenmission
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Eröffnungsteil des Römerbriefs (Röm. 1, 1-7) sowohl exegetisch als auch in seinem theologischen und politischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der strukturellen Analyse des Briefpräskripts, der exakten Auslegung der Verse, der Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition und einer kritischen Prüfung der politischen Deutung von Jacob Taubes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Text durch eine präzise Exegese in seiner Funktion für die paulinische Theologie zu bestimmen und die These der "politischen Theologie" kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Exegese unter Einbeziehung sprachlicher Analysen (griechische Grundtexte) und religionsgeschichtlicher Vergleichsstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturelle Analyse, eine detaillierte Vers-für-Vers-Auslegung und eine kritische Diskussion der politischen Interpretationsansätze.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Apostelamt, Kontinuität, Sklave Christi, Evangelium Gottes und die Spannung zwischen jüdischer Tradition und Heidenmission.
Warum ist die Interpretation von Jacob Taubes für die Arbeit relevant?
Taubes' These, dass der Römerbrief eine politische Kampfansage an den Cäsarenkult ist, stellt eine prominente Forschungsmeinung dar, die der Autor auf Basis seiner eigenen exegetischen Analyse kritisch diskutiert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur politischen Dimension des Briefes?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Paulus eher eine Haltung der "Indifferenz" gegenüber irdischer Herrschaft einnimmt und der Konflikt primär innerhalb des Judentums um die Legitimität der Kontinuität angesiedelt ist.
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- Holger Erdwiens (Author), 2005, Röm 1, 1-7 und "Die politische Theologie des Paulus" von Jacob Taubes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112681