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Massenwahn als soziologisches Phänomen

Titre: Massenwahn als soziologisches Phänomen

Dossier / Travail , 2002 , 17 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Patrick Nitsch (Auteur)

Sociologie - Divers
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Résumé Extrait Résumé des informations

[...] Kaum einer, der es nicht erlebt hat und kopfschüttelnd der Hunderten von
Menschen gedenkt, könnte sich heute vorstellen, ein aktives Mitglied der
Menschenmenge gewesen zu sein, die nach dem „Totalen Krieg“ im Berliner
Sportpalast zur Zeit des Nationalsozialismus schrie.
Wer sich als rational denkendes Individuum versteht, aber dennoch eine
Vorliebe für deutsche Punkmusik besitzt, kann auch heute noch dieses Phänomen an
der eigenen Person entdecken. Man muss nur inmitten Tausend Anderer die
Berliner Band „Die Ärzte“ nach dem „Totalen Brötchen“ fragen hören, um spätestens
bei der Wiederholung der Frage ein langanhaltendes „ja“ vom gesamten Publikum,
sich selbst eingeschlossen, zu bekommen.
Der entscheidende Punkt dieser Beobachtung ist nicht, dass Menschen, die in
einer Menge aufgehen, noch absurderen Fragen zustimmen können - außerhalb der
Frage steht auch, wie die Masse antworten soll (das alles kann befohlen werden).
Daraus ist vielmehr die Tatsache abzuleiten, dass sich ein Individuum durch die
Masse verliert und in einen irrationalen Herdenrausch eintritt, der leicht zu
beobachten, aber nur schwer zu begründen ist.
Der Einzelne ist an sich, auch ohne die Anwesenheit anderer, durch die
permanenten gesellschaftlichen und „institutionellen Reize“2 als „ständiger
Massenmensch“ anzusehen, als welcher er wenig Individualität besitzt und größtenteils ausschließlich von „Glücks, Herrschafts-, und Anpassungsmotiven“3
bestimmt wird.
Individuell kann nur noch die Wahl der Massen sein, für die man sich
entscheidet. Jeder findet sich in Massen wieder, die völlig unterschiedlich motiviert
sein können. Eine „organisierte Masse“4 kann ohne sichtbare Zusammenscharung
aus einem ganzen Volk bestehen, das ihrem Führer bedingungslos folgt, wie die
Ratten aus Hameln ihrem Fänger. Eine „psychologische Masse“5 können aber auch
ein halbes Dutzend Hausfrauen ausmachen, die bei Schlussverkäufen unter dem sich
öffnenden Gittervorhang des Kaufhauseingangs durchrobben, um sich anschließend
beim Kleiderstand die Herrenhemden aus den Händen zu reißen. [...]

2 vgl. Walter Beck: Sozialpsychologie, Hamburg 1948, Verlag H.H. Nölke
3 Wilhelm Gubisch: Hellseher, Scharlatane, Demagogen. Eine experimentelle Untersuchung zum Problem der
außersinnlichen Wahrnehmung und der suggestiven Beeinflussung einzelner Menschen und Menschenmassen.
Kritik an der Parapsychologie, München 1961, Ernst Reinhardt Verlag, S.201
4 & 5 Le Bon: Psychologie der Massen, Leipzig, Alfred Kröner Verlag, S.10

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. HAUPTTEIL

2.1 Die Masse

2.2 Suggestion

2.3 Die Führung von Massen

2.4 Beispiele des Massenwahns

3. SCHLUSS

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Massenwahns sowie die psychologischen Mechanismen, die dazu führen, dass Individuen in einer Masse ihre persönliche Identität verlieren und sich irrationalen Prozessen unterordnen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie Suggestion, Führung und das Bedürfnis nach Selbsttranszendenz die Dynamik von Menschenmengen beeinflussen.

  • Psychologische Grundlagen und Definitionen von Massen
  • Die Rolle der Suggestion bei der Entstehung von Massenverhalten
  • Methoden der Führung und Instrumentalisierung von Menschenmassen
  • Historische und moderne Beispiele für kollektive Ausnahmezustände
  • Das menschliche Streben nach Selbstaufgabe und Selbsttranszendenz

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Masse

Was soll unter „Masse“ verstanden werden? „Jede Gruppe von Menschen, innerhalb deren der einzelne Mensch bis zu einem gewissen Grad seiner Persönlichkeit verlustig gegangen ist und durch wechselseitige Beeinflussung von ähnlichen Gefühlen, Instinkten, Trieben und Willensregungen erfüllt ist. [...]“

In einer Menschenmasse ist beizeiten weder das richtige noch das gerechte Denken zu finden. Logik und Ethik sind ausgeschaltet. Die Vernunft findet sich beim einzelnen, nicht in der Menge, wo sie eine „eigenartige Verbindung (..) mit Gemütsregungen der dunklen Seelentiefe, des Unterbewusstseins“ eingeht. Baschwitz beschreibt weiter, dass es das simple Gefühl ist, mit vielen anderen Menschen gleicher Meinung zu sein, das die Verantwortung vor dem eigenen Verstand teilweise, manchmal sogar völlig aufhebt.

Ein Mitglied in einer Masse zu sein, erlaubt die unbewusste Befreiung aus dem Selbst, der Persönlichkeit, die unter normalen Umständen das urteilende und unterscheidende Denken übernimmt. In der Masse existiert nur noch das Zusammensein und eine allgemein geteilte Erregung – eine „kollektive Selbstentfremdung“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Führt in die Problematik des Massenwahns ein und verdeutlicht anhand soziologischer und kultureller Beispiele, wie leicht das Individuum seine Unabhängigkeit in einer Gruppe verlieren kann.

2. HAUPTTEIL: Analysiert die theoretischen Grundlagen der Masse, die Wirkung von Suggestion sowie die Rolle der Führung bei der Steuerung kollektiver Prozesse und stellt historische sowie aktuelle Anwendungsbeispiele vor.

2.1 Die Masse: Definiert den Begriff der Masse und beschreibt den Prozess der „kollektiven Selbstentfremdung“, bei dem logisches Denken zugunsten von Herdeninstinkten aufgegeben wird.

2.2 Suggestion: Untersucht den Einfluss suggestiver Mechanismen und das Phänomen der Massensuggestion, welche die kritische Urteilsfähigkeit des Einzelnen in der Menge gezielt ausschaltet.

2.3 Die Führung von Massen: Erläutert die Techniken, mit denen Führungspersonen oder Ideologien Massen instrumentalisieren, indem sie emotionale Reize nutzen und ständige Wiederholungen einsetzen.

2.4 Beispiele des Massenwahns: Beleuchtet historische Phänomene wie Hexenverfolgungen sowie moderne Ausprägungen des Massenverhaltens in politischer oder medialer Hinsicht.

3. SCHLUSS: Reflektiert das menschliche Grundbedürfnis nach Selbsttranszendenz und schließt mit der Erkenntnis, dass die Flucht in die Masse oft einer freiwilligen Versklavung gleichkommt.

Schlüsselwörter

Massenwahn, Psychologie, Suggestion, Kollektivismus, Massenpsychologie, Herdenrausch, Identitätsverlust, Selbstentfremdung, Führung, Demagogie, Selbsttranszendenz, Soziale Dynamik, Massenverhalten, Gruppenzwang, Individuum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Gesetzmäßigkeiten des Massenwahns und analysiert, warum und wie Menschen ihre Individualität in einer Gruppe aufgeben, um Teil einer „psychologischen Masse“ zu werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Definition der Masse, die Macht der Suggestion, die Methoden zur Steuerung von Massen durch Anführer sowie das psychologische Bedürfnis des Menschen nach Selbsttranszendenz durch kollektive Erfahrungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Prozesse hinter dem irrationalen Herdenrausch verständlich zu machen und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Einflüsse den Einzelnen zum „ständigen Massenmenschen“ formen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse psychologischer und soziologischer Literatur, wobei klassische Theorien von Autoren wie Le Bon, Baschwitz und Canetti kritisch interpretiert und auf aktuelle Beispiele übertragen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Masse, die Analyse der Suggestionswirkungen, die Mechanismen der Führung und eine historische Einordnung des Massenwahns anhand konkreter Beispiele.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Massenwahn, Suggestion, Kollektivseele, Identitätsverlust und Herdenrausch charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die „psychologische Masse“ von einer bloßen Ansammlung von Menschen?

Eine psychologische Masse zeichnet sich dadurch aus, dass die Individuen ihre Verschiedenheit verlieren, von gemeinsamen Gefühlen erfüllt sind und eine Richtung oder ein Ziel verfolgen, das die kollektive Erregung weiter anheizt.

Welche Rolle spielt die Führung bei der Beeinflussung von Massen?

Führungspersonen nutzen Suggestion und ständige Wiederholungen von Behauptungen, um die rationalen Schranken der Menschen zu umgehen und diese für ihre spezifischen Ziele zu instrumentalisieren.

Warum wird der „Herdenrausch“ im Schlussteil kritisch bewertet?

Obwohl der Rausch zunächst als Befreiung vom „isolierten Selbst“ empfunden wird, stellt die Arbeit klar, dass dieser Zustand in Wahrheit eine Form der Versklavung darstellt, da die persönliche Freiheit und Urteilskraft verloren gehen.

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Résumé des informations

Titre
Massenwahn als soziologisches Phänomen
Université
University of Freiburg  (Institut für Soziologie)
Cours
Populärkultur
Note
2,0
Auteur
Patrick Nitsch (Auteur)
Année de publication
2002
Pages
17
N° de catalogue
V11270
ISBN (ebook)
9783638174756
Langue
allemand
mots-clé
suggestion hysterie wahn masse menge
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Patrick Nitsch (Auteur), 2002, Massenwahn als soziologisches Phänomen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11270
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Extrait de  17  pages
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