Welche Faktoren begünstigen die Entstehung bzw. die Entwicklung von Tabak- und Alkoholkonsum innerhalb der Jugendphase? Zu welchem Zeitpunkt in ihrer Entwicklung sind Jugendliche besonders anfällig, in eine Konsumabhängigkeit zu geraten? Welche Möglichkeiten werden angeboten, um frühzeitig eine Konsumabhängigkeit abzuwenden oder zu verringern? Welche Beratungs- und Präventionsmaßnahmen werden davon in der Praxis eingesetzt bzw. wie hoch ist ihre Wirksamkeit? Welcher Stellenwert kann den Resilienz- und Schutzfaktoren zugesprochen werden? Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach.
Da nicht alle Jugendlichen in ihrer Entwicklung vom Substanzkonsum gefährdet sind, ist es notwendig, der Frage nachzugehen, warum einige mehr und einige weniger davon betroffen sind und welche Faktoren dazu beitragen, in eine Sucht zu geraten, damit auch bei diesen Jugendlichen anhand der Merkmale frühzeitig präventive Maßnahmen eingesetzt werden können.
Zu Beginn dieser Arbeit wird erläutert, was "psychotrope Substanzen" bzw. "Drogen"sind, wie sie definiert werden und warum Substanzen wie Tabak und Alkohol noch heute bei Jugendlichen eine große Rolle spielen. In den nachfolgenden Kapiteln wird zunächst auf die aktuelle Lage bzw. Situation eingegangen, welche durch die Begriffsbestimmung von legalen und illegalen Drogen und deren kritische Konsumformen anhand eines epidemiologischen Berichts sowie der Auseinandersetzung mit den Folgen dargelegt wird. Darauf auf-bauend schließt die Jugendphase mit ihren Entwicklungsaufgaben an, welche ausführlich dargestellt wird, um den Ursachen und Hintergründen von Tabak- und Alkoholsüchten nachzugehen. Zudem werden die Spezifika über die Vulnerabilität jugendliches Risikoverhalten gegenüber den Substanzen ausführlich betrachtet sowie die Begriffe "Resilienzfaktoren" und "Schutzfaktoren" welche für eine gesunde Entwicklung des Jugendlichen von enormer Bedeutung sind, erläutert.
Anschließend wird im fünften. Kapitel auf "Vulnerabilität und Risikofaktoren", die begünstigend auf den Substanzkonsum wirken, eingegangen. Es wird besonders jenen Faktoren Beachtung geschenkt, welche ausschlaggebend für die Jugendphase sind. Hierbei handelt es sich um personenbezogene und umweltbezogene Risikofaktoren. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst, reflektiert und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terminologie
2.1 Psychotrope Substanzen
2.2 Gebrauch von psychotropen Substanzen und deren Wirkung
2.2.1 Substanz Tabak
2.2.2 Substanz Alkohol
3. Substanzmissbrauch und Substanzabhängigkeit bei Jugendlichen
3.1 Einteilung der psychotropen Substanzen gemäß ICD-10
3.2 Substanzmissbrauch oder schädlicher Gebrauch?
3.3 Substanzabhängigkeit oder Sucht?
3.4 Riskanter Gebrauch/riskanter Alkoholkonsum
4. Empirische Daten zur Entwicklung eines Alkohol- und Tabakkonsums Jugendlicher
4.1 Methodik der Erhebung
4.2 Empirische Daten zum Alkohol-, Tabak-, E-Zigaretten- und E-Shisha-Konsum
5. Jugend und ihre Vulnerabilität für Alkohol und Tabak
5.1 Phänomen Lebensphase „Jugend“
5.2 Entwicklungsaufgaben innerhalb der Jugendphase
5.3 Psychologische und soziologische Merkmale
6. Schutz- und Resilienzfaktoren der heutigen Jugend
7. Prävention und Beratung
7.1 Begriff „Prävention“
7.2 Dimensionen der Suchtprävention
7.3 Konzepte und Strategien zur Alkohol- und Tabakprävention
8. Projekte zu Alkohol- und Tabakprävention im Kontext der Resilienzförderung
8.1 Präventionsprogramm „Alkohol“
8.2 Präventionsprogramm „Tabak“
8.3 Präventionsprogramm Alkohol und Tabak
8.4 Kritische Auseinandersetzung mit den Präventionsprogrammmen
9. Beratung
9.1 Begriff „Beratung“ und ihre Merkmale
9.2 Angebote der Drogen- und Suchtberatung
9.3 Praxisbeispiel zur Suchtberatung und Prävention zu Tabak und Alkohol
9.3.1 „Erwachsen werden“ – Lions Quest
9.3.2 Kritische Auseinandersetzung mit dem Praxisbeispiel
10. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Konsum von legalen Substanzen wie Tabak und Alkohol bei Jugendlichen im Kontext von Präventions- und Beratungsangeboten. Ziel ist es, die begünstigenden Faktoren für diesen Substanzkonsum in der Jugendphase zu identifizieren, die Wirksamkeit aktueller Interventionsmaßnahmen zu bewerten und die Bedeutung von Resilienz- und Schutzfaktoren für eine gesunde Entwicklung der Jugendlichen herauszuarbeiten.
- Psychologische und soziologische Grundlagen der Lebensphase „Jugend“.
- Einfluss von Risiko- und Schutzfaktoren auf den Substanzkonsum.
- Analyse und kritische Reflexion bestehender Präventionsprogramme (z. B. „Aktion glasklar“, „Be smart – Don’t start“, „Lions Quest“).
- Stellenwert und methodische Ansätze der professionellen Suchtberatung für Jugendliche.
- Entwicklung von Empfehlungen für eine effektivere frühzeitige Präventionsarbeit.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Substanz Tabak
Schon die Ureinwohner rauchten, kauten und schnupften getrocknete Tabakblätter während kultischer und medizinischer Rituale. Ursprünglich kommt die Pflanze (Nicotiana tabacum) aus den nord- und südamerikanischen Gegenden und sollte für Heilzwecke eingesetzt werden. Jedoch wurde die Pflanze nie zu medizinischen Zwecken eingesetzt, sondern wurde zum Statussymbol und von den Konsumenten in Pfeifen oder in Form von Zigarren geraucht. Um der Nachfrage nach Tabak gerecht werden zu können, stellte die Industrie fertige Zigaretten her und garantierte den Zugang zum Tabakkonsum für jedermann (vgl. DHS 2021b). Es ist festzustellen, dass Tabak neben Alkohol die am weitesten verbreitete Substanz ist, welche das hohe Potenzial besitzt, Konsumenten in eine Suchtabhängigkeit zu führen. Zudem enthält dieser noch über 5.000 weitere gesundheitsschädliche Substanzen wie beispielsweise „Blei, Cadmium, Benzol, Formaldehyd, Aluminium und Kohlenmonoxid“ (ebd.), welche zudem nachweislich krebserregend sind.
Aktuell sind Schnupf- und Kautabak sowie Zigarren aus der Mode gekommen, wohingegen Shishas und E-Zigaretten immer attraktiver werden, vor allem bei Jugendlichen. E-Zigaretten sind handgerechte kleine elektronische Geräte, welche mit aromatisiertem Liquide und/oder nikotinhaltigen Liquids (Flüssigkeiten) verkauft werden. Shishas sind Wasserpfeifen, welche mithilfe eines gekühlten Wasserschlauches und Tabak Rauch eingeatmet wird. Hier gibt es zudem vielfältige Geschmacksrichtungen, welche oft einen süßen Geschmack im eingeatmeten Rauch hervorhebt. Die beiden neuen Trends des Rauchens unterscheiden sich in der Ausführung und Zusammensetzung. Die Wasserpfeife wird geraucht, wohingegen die E-Zigarette inhaliert wird. Ein Zug an der Wasserpfeife entspricht einem Rauchgehalt von zehn Zigaretten. Bei den E-Zigaretten wird das Liquids in Form von Aerosol inhaliert, wobei dieses aus „Propylenglykol und/oder Glyzerin, Aromastoffe[n] und zumeist Nikotin in unterschiedlichen Konzentrationen“ (ebd.) besteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz sowie die aktuelle Problematik des Tabak- und Alkoholkonsums bei Jugendlichen und formuliert die zentralen Forschungsfragen der Arbeit.
2. Terminologie: Dieses Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie „Droge“ und „psychotrope Substanzen“ und erläutert deren Wirkungsweisen sowie Besonderheiten bei legalen Substanzen.
3. Substanzmissbrauch und Substanzabhängigkeit bei Jugendlichen: Hier werden diagnostische Kriterien zur Unterscheidung von schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit gemäß ICD-10 und DSM-IV dargelegt.
4. Empirische Daten zur Entwicklung eines Alkohol- und Tabakkonsums Jugendlicher: Dieses Kapitel wertet aktuelle Statistiken aus, insbesondere die Drogenaffinitätsstudie der BZgA, um Trends im Konsumverhalten Jugendlicher aufzuzeigen.
5. Jugend und ihre Vulnerabilität für Alkohol und Tabak: Es werden die psychosozialen Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben der Jugendphase analysiert, die Jugendliche für einen Substanzmissbrauch anfällig machen können.
6. Schutz- und Resilienzfaktoren der heutigen Jugend: Das Kapitel behandelt Ressourcen, die Jugendliche stärken, sowie die Bedeutung von Schutz- und Resilienzfaktoren zur Krisenbewältigung.
7. Prävention und Beratung: Es erfolgt eine theoretische Einführung in die Konzepte der Suchtprävention und die verschiedenen Beratungsansätze im Suchthilfesystem.
8. Projekte zu Alkohol- und Tabakprävention im Kontext der Resilienzförderung: In diesem Teil werden konkrete Praxisbeispiele wie „Aktion glasklar“ und „Be smart – Don’t start“ vorgestellt und kritisch diskutiert.
9. Beratung: Dieser Abschnitt beleuchtet die Rolle und methodischen Herausforderungen der Drogen- und Suchtberatung sowie beispielhaft das Lions-Quest-Programm.
10. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Maßnahmen in der Suchtprävention.
Schlüsselwörter
Jugendliche, Alkoholkonsum, Tabakkonsum, Suchtprävention, Drogenberatung, Resilienz, Lebenskompetenz, Vulnerabilität, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Suchtberatung, Gesundheitsförderung, Substanzabhängigkeit, Adoleszenz, Interventionsmaßnahmen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Abschlussarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Prävalenz und den Hintergründen des Tabak- und Alkoholkonsums bei Jugendlichen in Deutschland und analysiert, wie pädagogische und präventive Angebote sowie Suchtberatung dabei unterstützen können, Substanzmissbrauch zu verhindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entwicklungspsychologie des Jugendalters, die Definition von Suchtkriterien, die Analyse empirischer Konsumdaten sowie die Darstellung verschiedener Interventionsmodelle und Beratungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die Entstehungsbedingungen für Substanzkonsum während der Jugendphase zu verstehen und die Wirksamkeit von Präventionsansätzen zu evaluieren, um Handlungsempfehlungen für eine erfolgreichere Suchtprävention abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturrecherche und die Auswertung bestehender wissenschaftlicher Studien und Forschungsberichte (insbesondere der BZgA) zu Konsumtrends und Interventionsprogrammen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Sucht und Abhängigkeit, eine empirische Situationsanalyse, die Untersuchung der spezifischen Vulnerabilität von Jugendlichen sowie die detaillierte Vorstellung und kritische Reflexion erfolgreicher Präventionsprojekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Suchtprävention, Jugendphase, Resilienzförderung, Lebenskompetenzen, Substanzmissbrauch und Beratungsansätze definiert.
Wie wichtig ist das familiäre Umfeld bei der Prävention von Suchtverhalten?
Die Arbeit betont, dass das familiäre Umfeld einen der stärksten Einflüsse auf den Drogenkonsum hat. Dennoch kritisiert die Autorin, dass Eltern in aktuellen schulischen Präventionsprogrammen oft zu wenig als begleitende Akteure integriert werden.
Welche Rolle spielt die Schule als Setting für die Suchtprävention?
Die Schule wird als der effektivste Ort für präventive Maßnahmen angesehen, da hier die Zielgruppe direkt erreicht wird. Die Autorin fordert daher eine festere Integration von Lebenskompetenzprogrammen in den regulären Lehrplan.
Warum reicht reine Informationsvermittlung zur Suchtprävention oft nicht aus?
Die Ergebnisse zeigen, dass reine Informationsvermittlung weniger effektiv ist als Programme, die die Persönlichkeitsentwicklung, Lebenskompetenzen und die aktive Beteiligung der Jugendlichen (z. B. durch Rollenspiele) in den Fokus rücken.
- Quote paper
- Edith Steinitz (Author), 2021, Tabak- und Alkoholkonsum Jugendlicher. Entwicklung, Gründe und Prävention im Beratungskontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127112