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Straßen des Führers - Nationalsozialistische Autobahnen: Von der Vereinbarkeit des Unvereinbaren

Title: Straßen des Führers - Nationalsozialistische Autobahnen: Von der Vereinbarkeit des Unvereinbaren

Essay , 1999 , 8 Pages

Autor:in: Dr. phil. Walter Grode (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Weder die lokalen KZ-Gedenkstätten, noch ein zentrales Holocaust-
Mahnmal werden - so befürchte ich - für die Generationen unserer
Kinder- und Kindeskinder von prägender emotionaler Bedeutung
sein.
Diese Form des Gedenkens ist >unser< Gedenken. Und vielleicht
ist sie sogar noch mehr das Gedenken der unmittelbar Nachgeborenen,
als das derjenigen, die den Nationalsozialismus noch bewußt
erlebt haben. Nicht nur deshalb, weil >wir 68er< dieses Gedenken
als Zwangsoffenbarung gegenüber der Vätergeneration argumentativ
in Stellung brachten und uns so auf die Seite der NS-Widerstands
zu schlagen hofften, sondern auch deswegen, weil ein anderes
Gedenken massive Konsequenzen für unsere Selbstwahrnehmung hätte.
Denn die Gleichsetzung von Nationalsozialismus mit Massenverbrechen
hatte eine nicht beabsichtigte, aber doch willkommene
Folge: Sie rückte die Nazizeit in eine historische, moralische,
emotionale Distanz, in der wir Nachgeborenen uns ganz sicher
fühlen können. Mit diesem monströsen Rückfall in die Barbarei
haben wir nichts, aber auch gar nichts zu schaffen.
Ob Goldhagen-Debatte oder Wehrmachtsausstellung [die übrigens
im November nach Hannover kommen wird]: Wir beschwören die
schreckliche Vergangenheit und distanzieren uns zugleich davon.
Auf diese Weise führt jegliche Beschäftigung mit den NS-Massenverbrechen
unbewußt zur Errichtung einer inneren Mauer, die uns
Nachgeborene, aber natürlich auch die NS-Generation, von der
alltäglichen Koinzidenz unserer Hoffnungen; Wünsche und Ängste
und denen des nationalsozialistischen Alltags trennt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die arbeitspolitische und militärische Bedeutung

2. Zweckreduziertes Fahren

3. Mittler zwischen Mensch, Landschaft und Kultur

4. Die Fiktion der eigenen Beteiligung

5. Die Vereinbarkeit des Unvereinbaren

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Mythos der "Reichsautobahn" im Nationalsozialismus und analysiert, wie dieses Projekt dazu diente, unvereinbare gesellschaftliche und ideologische Gegensätze – etwa zwischen Naturromantik und industrieller Moderne – symbolisch zu versöhnen. Ziel der Untersuchung ist es, das Fortwirken dieses Mythos bei den Zeitgenossen und dessen Bedeutung als "Denkmal der Massengesellschaft" kritisch zu beleuchten.

  • Die propagandistische Inszenierung des Autobahnbaus als Mittel zur Überwindung der Arbeitslosigkeit.
  • Die Rolle der Autobahn als Instrument der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftspolitik.
  • Die Dialektik zwischen technischem Fortschritt, Landschaftszerstörung und ästhetischem Genuß.
  • Die Verknüpfung von individueller Freiheit (Mobilität) und gesellschaftlicher Kontrolle.
  • Die Analyse des Autobahnbaus als Fortführung technischer Planungen aus der Weimarer Zeit.

Auszug aus dem Buch

Die Vereinbarkeit des Unvereinbaren

Wenn auch der >Volkswagen< bloßes Versprechen blieb und Hunderttausende bei Kriegsende nur einen KdF-Sparvertrag in Händen hielten, aber keinen KfZ-Sein, die Vision von einem >Volk auf Rädern< nahm nun erstmals konkrete Gestalt an. Sie hob das Lebensgefühl und stärkte den >Drang in den freien Raum<, wie Todt meinte. >Im Kraftwagen ist auch der kleine Mensch, dessen Veranlagung und Schicksal nicht zum kühnen Eroberer gereicht hat, in der Lage, selbst seine kleinen Entdeckungsfahrten zu machen< (Todt 1937).

Die >Reichsautobahnen< von Rainer Stommer (1995) als >Pyramiden des Dritten Reiches< bezeichnet, stellten die Realisierbarkeit von Träumen der eigenen Mobilität und zugleich der Überwindbarkeit der Grenzen dar. Der Kern des Autobahnmythos ermöglichte die Vereinbarkeit des Unvereinbaren. Letztlich versprach er die Aufhebung der unaufhebbaren Dialektik von individueller Freiheit und gesellschaftlichem Eingebundensein (vgl. Grode LM 12/97).

Die nationalsozialistische Autobahn wurde für die Zeitgenossen zum sichtbaren Beweis der Versöhnung von Technik und Natur, von Maschine und Handwerk, von Beton und Stein, von Naturbewahrung und gigantischen Eingriffen in die Landschaft, von Nutzbau und Kunstwerk, Tempel und Massenverkehrsmittel.

Zusammenfassung der Kapitel

Die arbeitspolitische und militärische Bedeutung: Das Kapitel erläutert, dass der Autobahnbau entgegen der nationalsozialistischen Propaganda sowohl wirtschaftlich als auch militärisch von geringerer Bedeutung war als behauptet.

Zweckreduziertes Fahren: Hier wird der Kontrast zwischen der heutigen funktionalen Nutzung der Autobahn und dem historischen Erbe der Motorisierung des Volkes im NS-Staat dargelegt.

Mittler zwischen Mensch, Landschaft und Kultur: Dieses Kapitel beschreibt die ästhetische Inszenierung der Autobahn als "Kunstraum" und das voyeuristische Erlebnis des "Autowanderns".

Die Fiktion der eigenen Beteiligung: Die Analyse konzentriert sich darauf, wie Medien und Propaganda dem Individuum eine Teilhabe am Autobahnprojekt suggerierten, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.

Die Vereinbarkeit des Unvereinbaren: Das Kapitel schließt mit der Feststellung, dass der Autobahnmythos als zentrales Versprechen diente, widersprüchliche Sehnsüchte der Moderne ideologisch zu harmonisieren.

Schlüsselwörter

Reichsautobahn, Nationalsozialismus, Mythos, Volksgemeinschaft, Motorisierung, Autowandern, Fritz Todt, Propaganda, Moderne, Technik, Landschaft, Massengesellschaft, Verkehrspolitik, Ideologie, Herrschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die symbolische und ideologische Bedeutung des nationalsozialistischen Autobahnbaus als Mittel zur Mythenbildung und gesellschaftlichen Manipulation.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der Diskrepanz zwischen NS-Propaganda und Realität, der Ästhetisierung des Autofahrens sowie der Rolle des Projekts für die "Volksgemeinschaft".

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Untersuchung fragt danach, wie es dem NS-Regime gelang, durch den Autobahnbau widersprüchliche gesellschaftliche Sehnsüchte zu vereinen und so einen nachhaltigen Mythos zu etablieren.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Es handelt sich um eine kultur- und zeithistorische Analyse, die technische Aspekte, propagandistische Inszenierungen und psychologische Wirkungsmuster in einen historischen Kontext setzt.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Im Hauptteil werden die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Baus, die Inszenierung als Gemeinschaftserlebnis und die ideologische Brücke zwischen Weimarer Planung und nationalsozialistischer Umsetzung erörtert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Mythos, reaktionäre Modernität, Volksgemeinschaft und die Vereinbarkeit des Unvereinbaren geprägt.

Wie unterscheidet sich die "Reichsautobahn" in der Wahrnehmung vom heutigen Autobahnsystem?

Während die Autobahn heute rein funktional und verkehrstechnisch genutzt wird, diente sie damals als Medium der sinnlichen Vermittlung nationaler Größe und als symbolisches Versprechen von Freiheit.

Welche Rolle spielte der "Kleine Mensch" in der NS-Propaganda bezüglich der eigenen Mobilität?

Das NS-Regime nutzte das Versprechen des eigenen Autos (Volkswagen) und das "Autowandern", um dem Individuum eine Form von Autarkie und Teilhabe an der Macht zu suggerieren.

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Details

Title
Straßen des Führers - Nationalsozialistische Autobahnen: Von der Vereinbarkeit des Unvereinbaren
Author
Dr. phil. Walter Grode (Author)
Publication Year
1999
Pages
8
Catalog Number
V112724
ISBN (eBook)
9783640139675
Language
German
Tags
Straßen Führers Nationalsozialistische Autobahnen Vereinbarkeit Unvereinbaren
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil. Walter Grode (Author), 1999, Straßen des Führers - Nationalsozialistische Autobahnen: Von der Vereinbarkeit des Unvereinbaren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112724
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