Prävention bei Schulangst. Schul- und sozialpädagogische Einflussnahme auf die Schulsituation und die Persönlichkeit von Schülern


Hausarbeit, 2020

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Schulangst
2.3 Risikofaktoren und Entstehung von Schulangst
2.3.1 Schulstress, Überforderung und Leistungsdruck
2.3.2 Temperament und Fähigkeiten des Kindes
2.3.3 Lern- und Leistungsschwächen

3 Prävention und Intervention von Schulangst
3.1 Prävention und Intervention im schulischen und persönlichen Kontext
3.1.1 Lehrer-Schüler-Beziehung
3.1.2 Schul- und sozialpädagogische Einflussnahme auf die Klassensituation und Persönlichkeit des schulängstlichen Schülers
3.2. Prävention und Intervention bei Lern- und Leistungsschwäche

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und andere Geschlechteridentitäten sind dabei ausdrücklich miteingeschlossen, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Zitiert wurde nach den Richtlinien der APA American Psychological Association.

1 Einleitung

Die Schule ist ein Ort, an dem man als Schüler einen großen Teil seines Tages verbringt. Dort wird Wissen erworben und es entstehen oftmals Freundschaften fürs Leben. Die Schulzeit kann Freude bereiten und spannend sein, dennoch sind laut Greiner und Kollegen (2018, S. 22) ca. 385.000 der etwa 11 Millionen Schüler in Deutschland von Schulangst bzw. Schulphobie betroffen. Als Schulangst werden Ängste bezeichnet, die im Zusammenhang mit dem Schulalltag entstehen (Petermann & Petermann, 2010, S. 391). Diese sind nicht nur kontraproduktiv für die kindliche Entwicklung, sondern haben zudem weitreichende Folgen in Bezug auf die psychische Gesundheit. Beispielsweise wird Schulangst in vielen Fällen von Schulverweigerung, also dem unentschuldigten Fernbleiben von der Schule, begleitet. Die hohen Fehlzeiten sorgen tendenziell in der Zukunft der Schüler für einen niedrigen sozioökonomischen Status und die Betroffenen leiden häufig unter psychischen sowie sozialen Problemen (Petermann & Petermann, 2010, S. 393). Die Ausprägungen von schulbezogener Angst sind vielfältig. Dabei kann es sich etwa um aufsteigende Angst unmittelbar vor einem Referat oder einer mündlichen Prüfung handeln, aber auch vor dem Ansehensverlust bei Mitschülern, oder Lehrern durch eine nicht zufriedenstellende Leistung. Die vorliegende Arbeit setzt sich deshalb mit der Forschungsfrage auseinander, wie Schulangst mit pädagogischen Mitteln vorgebeugt sowie vermindert werden kann.

Hierzu werden im zweiten Kapitel der Begriff Schulangst definiert und deren Erscheinungsformen sowie Ursachen aufgegriffen. Die Risikofaktoren zur Entstehung von Schulangst werden erklärt und die drei Bereiche, in denen Schulangst entstehen kann, werden näher beleuchtet. Das dritte Kapitel setzt sich darauf aufbauend mit verschiedenen pädagogischen Methoden und deren Auswirkungen auseinander. Im abschließenden Fazit werden Schlüsse über die Wirksamkeit der vorgestellten Methoden gezogen. Ein Ausblick schließt diese Ausarbeitung ab.

2 Schulangst

2.1. Entstehung und Konsequenzen

Angst ist ein subjektives Gefühl, welches in Situationen erlebt wird, in denen sich das Individuum bedroht fühlt. Sie spiegelt das Gefühl wider, bestimmte Gefahren nicht bewältigen zu können, und zählt zu den Basisemotionen. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in unterschiedlichen Kulturkreisen gleich erlebt werden (Flemming, 2020, S. 13 f., Ekman, 2010, S. 13f.). Ängste, die in Zusammenhang mit dem Schulalltag stehen, werden weitläufig als Schulangst bezeichnet (Petermann & Petermann, 2010, S. 391).

Wie in Abb. 1 zu sehen, gibt es zwei Formen von Schulangst: die leistungsbezogene und die soziale Angst. Die leistungsbezogene Schulangst stellt eine spezifische Form von Angst dar. Hierbei werden der Selbstwert und die soziale Identität als bedroht erlebt. In der Literatur herrscht keine durchgängige Begriffsverwendung für das Wort Leistungsangst. Sie wird meist gleichbedeutend als Prüfungsangst, Leistungsangst oder Testangst bezeichnet (Schude, 2015, S. 24; Melfsen & Walitza, 2013, S. 69). Bei sozialer Schulangst stehen Ängste vor anderen Schülern oder den Lehrern sowie Angst vor Ablehnung im Vordergrund. Wichtig ist hierbei, dass die Schulangst von Trennungsangst sowie Störungen des Sozialverhaltens abgegrenzt wird. Beispielsweise zeigt Trennungsangst eine ähnliche Symptomatik wie Schulangst, etwa bleiben die Schüler häufig dem Unterricht fern und es liegen ähnliche psychosomatische Beschwerden, wie Schwindel, Kopf- bzw. Magenschmerzen vor. Im Gegensatz zur Schulangst fürchtet der Schüler bei der Trennungsangst durch den Schulbesuch aber nicht die Schulsituation an sich, sondern eine dauerhafte Trennung von einer wichtigen Bezugsperson. Da diese Art der Angst nicht schulbezogen ist, werden Trennungsängste nicht den schulbezogenen Ängsten zugeordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Facetten der Schulangst (Petermann & Petermann, 2010, S. 392)

Von Schulangst im klinischen Sinne wird nach Hoyer und Härtling (2017, S. 12) erst gesprochen, wenn mehrere Symptome so stark ausgeprägt sind, dass ein Leidensdruck entsteht. Dadurch ergeben sich einige Nachteile in Bezug auf einen oder mehrere Lebensbereiche. Der Schüler reagiert dann individuell mit psychischen bzw. psychosomatischen Symptomen wie etwa Kopf- oder Bauchschmerzen, Herzklopfen, Schwindel, Schlafstörungen oder mit Vermeidungsverhalten (Petermann & Petermann, 2010, S. 391; Schertler, 2004, S. 789). Bei manchen Menschen stehen psychosomatische Beschwerden wie beispielsweise Magenschmerzen, Zittern oder Übelkeit im Vordergrund. Bei Anderen stehen die gedanklichen Aspekte wie Befürchtungen, man könnte ausgelacht werden im Fokus. Solche Ängste sind eng an den Selbstwert gekoppelt. Menschen mit geringem Selbstwert trauen sich tendenziell weniger zu und schätzen im Allgemeinen soziale Situationen als bedrohlich ein. Dieses Verhalten ist an die Befürchtung geknüpft Ansehen zu verlieren oder bloßgestellt zu werden (Schwarzer, 2000, S. 118). Soziale Angst ist weit verbreitet. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist sie nicht ungewöhnlich und gehört zum Erwachsenwerden dazu. Obwohl Angst generell eher negativ behaftet ist, hat sie nicht nur negative Aspekte, sondern auch positiven Einfluss auf die Entwicklung. Schaffen junge Menschen es, ihre Ängste zu überwinden, so trägt das zur Reifung bei. Schulbezogene Ängste haben somit eine gewisse Notwendigkeit und einen motivierenden Charakter beispielsweise in Prüfungssituationen (Schertler, 2004, S. 788).

In der reibungslosen Entwicklung bauen sich Kinder und Jugendliche sukzessive einen Freundeskreis auf, festigen ihre eigene Identität und lösen sich emotional von den Eltern. Leiden sie unter sozialer Angst, können wichtige Entwicklungsschritte nicht vollzogen werden, was sich nachteilig auswirkt. Sie können unter anderem keine engere Beziehung zu Gleichaltrigen aufbauen. Durch ihre immer größer werdenden Ängste isolieren sie sich häufig und haben so keine oder nur wenige Freunde (Hoyer & Härtling, 2017, S. 32).

2.3 Risikofaktoren und Entstehung von Schulangst

Schulangst kann in drei Bereichen entstehen. Zum einen tragen biologische Faktoren wie z. B. genetische Belastungen zu ihrer Entstehung bei. Psychologische Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle, dazu zählen das Temperament sowie emotionale und kognitive Bereiche. Als letztes ist die soziale Entwicklung für die Entstehung von Schulangst mitverantwortlich, wie etwa sozioökonomische Gesichtspunkte und das eigene Wertesystem (Melfsen & Walitza, 2013, S. 19). Da die Gründe für die Entwicklung von Angst in der Schule vielfältig sind und ihren Ursprung in verschiedenen Bereichen haben, ist es wichtig, die angstauslösenden Faktoren zu erkennen und dadurch gezielt zu intervenieren. Petermann und Petermann (2010, S. 396) identifizieren unter anderem das elterliche Erziehungsverhalten als Risikofaktor für Defizite im sozialen Kompetenzbereich, die ausschlaggebend für Schulangst sind. Auch nach Schertler (2004, S. 790f.) sind viele Faktoren für Schulangst im familiären Umfeld zu finden. Die Eltern sollten deshalb den Kindern das Gefühl vermitteln, dass sie geliebt werden, unabhängig von der Leistung (oder Note), welche sie in der Leistungsprüfung erhalten haben.

Im Folgenden soll ausschließlich der personenbezogene sowie der schulische Bereich betrachtet werden, da der familiäre Bereich zwar für das Verständnis hilfreich ist, sich aber im Bereich der schulpädagogischen Interventionsmaßnahmen als schwierig erweist. Das liegt darin begründet, dass sich zum Beispiel der sozioökonomische Status oder der gelegentlich für Schulangst verantwortliche Erziehungsstil (vgl. Kapitel 3.1.2), schwer innerhalb der Schule bzw. außerhalb des Elternhauses verändern lässt.

2.3.1 Schulstress, Überforderung und Leistungsdruck

Nach Petersen (2001, S. 597) tritt Schulangst gehäuft zum ersten Mal in der Mitte der Grundschulzeit auf. Die Bewertung der Leistung durch eingeführte Noten macht den Schülern deutlicher bewusst, dass die Ergebnisse nicht nur akzeptiert, sondern bewertet werden. Sowohl das Ansehen bei Lehrern, Eltern und Mitschülern wird durch die Notengebung beeinflusst, als auch das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl der Schüler. Während sie mit einer guten Leistungsbewertung stolz nach Hause kommen, gehen schlechte Noten mit negativen Gefühlen einher (Ulich, 2001, S. 152). Im späteren Verlauf der Schulzeit machen sich die Schüler mehr Gedanken um die Zukunft und ihren beruflichen Werdegang. Der Schulabschluss bzw. -erfolg hat in unserer Gesellschaft eine große Bedeutung, da er für den Berufseinstieg die Grundlage bildet. Nicht alle Schüler sind diesem enormen Druck gewachsen (Hurrelmann, 2006, S. 65).

Engel & Hurrelmann kamen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass ein großer Teil der Jugendlichen das Anforderungsniveau nicht bewältigen konnten. Durch nicht genügende Leistungen kamen erschwerend Konflikte mit den Eltern, aber auch Gefühle des eigenen Versagens zum Vorschein (Engel & Hurrelmann, 1994, S. 271). Diese über längeren Zeitraum andauernde Bewertung der Schulleistung kann nach Ulich (2001, S. 16) Schulangst erzeugen. Für viele Schüler ist der Leistungs- und Erwartungsdruck ihrer Familien, Lehrer, aber auch der eigene, schulischer Alltag. Leistungsdruck ist stark durch die Lehrkraft geprägt. Dies kann beispielsweise durch das (zu) schnelle Fortschreiten mit dem Schulstoff im Unterricht in Verbindung stehen, aber auch durch die Menge der Arbeitsaufträge. Je stärker individuelle Lernbedürfnisse unberücksichtigt bleiben, umso größer werden der Druck und die Angst. Auch durch eine Herabwürdigung der schulischen Leistung des Schülers durch die Lehrkraft können Probleme entstehen (Melfsen & Walitza, 2013 S. 52 f.). Beispielsweise können überkorrekte und als streng empfundene Lehrer, welche die Kinder häufig kritisieren oder tadeln, ein Gefühl der Unzulänglichkeit auslösen oder verstärken. Ab wann das Verhalten der Lehrkraft als (zu) streng empfunden wird, ist individuell und eng an das Temperament des Kindes geknüpft, welches im folgenden Kapitel vertieft wird.

2.3.2 Temperament und Fähigkeiten des Kindes

Als großes Risiko für Schulangst sind fehlende Kompetenz im Bereich der sozialen Fertigkeiten, wie zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen sowie Selbstregulation zu nennen. Haben Schüler die Erfahrung gemacht, dass sie vom Lehrer vor der Klasse bloßgestellt und kritisiert werden oder für eine falsche Antwort ausgelacht wurden, steigt die Gefahr, dass die Ängste in Bezug auf solche sozialen Situationen wächst (Petermann & Petermann 2010 S. 393 f.). Soziale Ängste im Kindesalter werden mit dem Konzept der Verhaltenshemmung erklärt. Hierbei verhält sich das Kind in verschiedenen Situationen konsistent mit großer Vorsicht, Zurückhaltung und Rückzug. Ein solches Verhalten geht vermehrt mit sozialer Angst einher (ebd. S. 396). Sehr wichtig ist dabei auch die Beziehung zwischen Schüler und Lehrkraft. Diese kann direkten Einfluss auf das Erleben von Angst nehmen (Rankl, 1994, S. 104). Bei Schülern mit sozialen Ängsten entwickelt sich oft eine starke Schüchternheit als Charaktereigenschaft. Schüler, die beispielsweise peinliche Situationen im Schulalltag erlebt haben, fangen oft an diese Situationen zu vermeiden, um sich nicht erneut zu blamieren. So beteiligen sich sozial ängstliche Kinder häufig kaum am Unterricht, sprechen leise, oder übernehmen Aufgaben wie Referate nur im äußersten Notfall, da Fehler wieder zur Kritik von Mitschülern oder Lehrern führen können (Melfsen & Walitza, 2013, S. 57). Dieses soziale Rückzugsverhalten kann dafür sorgen, dass die oben genannten sozialen Ängste gefördert werden. In manchen Fällen so extrem, dass eine soziale Phobie entsteht, bei der das Haus nicht mehr verlassen werden kann. Maßgeblich für das Auftreten der genannten Phänomene sind das Temperament und das eigene Denken, wie ein negatives Selbstbild oder zu hohe Erwartungen an sich selbst (Myers, 2014, S. 665; Petermann & Petermann, 2010, S. 394). Das Temperament von Kindern ist nach Myers (2014, S. 142 f.) die emotionale Erregbarkeit sowie die Empfänglichkeit für Emotionen wie Angst. Während manche Kinder von Grund auf robuster auf stressige Situationen reagieren, gibt es im Gegensatz dazu ebenfalls Kinder mit einer stärkeren emotionalen Erregbarkeit, welche angeboren ist und über das Leben konstant bleibt. So sind sich die Studien einig, dass sich schüchterne, gehemmte Kleinkinder zu zurückhaltenden Erwachsenen entwickeln. Bei einem aufbrausenden Temperament verhält es sich genauso. Kinder, die in der Kindheit beispielsweise dazu neigen mit Aggression auf ein Ereignis zu reagieren, werden dieses explosive Verhalten tendenziell auch im Erwachsenenalter zeigen (vgl. bspw. Kagan et al. 1994 S. 342 f.; Caspi 2000 S. 170 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Prävention bei Schulangst. Schul- und sozialpädagogische Einflussnahme auf die Schulsituation und die Persönlichkeit von Schülern
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1127565
ISBN (eBook)
9783346491756
ISBN (Buch)
9783346491763
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Pädagogische Psychologie, Schulangst, Intervention, sozialpädagogische Einflussnahme, schulpädagogik
Arbeit zitieren
Tanja Jordan (Autor:in), 2020, Prävention bei Schulangst. Schul- und sozialpädagogische Einflussnahme auf die Schulsituation und die Persönlichkeit von Schülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127565

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Prävention bei Schulangst. Schul- und sozialpädagogische Einflussnahme auf die Schulsituation und die Persönlichkeit von Schülern



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden