Machiavelli pur. Die Discorsi

1. Buch. Innere Politik


Quellenexegese, 2008
71 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Widmung: Niccolò Machiavelli entbietet Zanobi Buondelmonti und Cosimo Rucellai seinen Gruß

1. Buch. Innere Politik
Vorwort
1. Kapitel. Vom Ursprung der Städte im allgemeinen und der Entstehung Roms
2. Kapitel. Über die verschiedenen Staatsformen und die des römischen Staates
3. Kapitel. Welche Ereignisse in Rom zur Einsetzung der Volkstribunen führten, durch die die Republik vervollkommnet wurde.
4. Kapitel. Die Uneinigkeit zwischen römischem Volk und Senat führte zur Freiheit und Macht der Republik.
5. Kapitel. Ob die Freiheit sicherer vom Volk oder von den Großen geschützt wird, und wer größere Ursache zu Aufständen hat, derjenige, der etwas erwerben oder der Erworbenes behalten will.
6. Kapitel. Ob man Rom eine Verfassung geben konnte, die die Feindschaft zwischen Volk und Senat aufhob.
7. Kapitel. Wie nötig in einer Republik die Ankläger zur Erhaltung der Freiheit sind.
8. Kapitel. So nützlich die Anklagen in einer Republik sind, so verderblich sind die Verleumdungen.
9. Kapitel. Wer einen Staat gründen oder seine alten Einrichtungen völlig umgestalten will, muß allein stehen.
10. Kapitel. So lobenswert die Gründer eines Königreiches oder einer Republik sind, so fluchwürdig sind die einer Tyrannenherrschaft.
11. Kapitel. Von der Religion der Römer.
12. Kapitel. Wie wichtig es ist, die Religion zu erhalten, und wie Italien durch die Schuld der römischen Kirche die seine verlor und dadurch in Verfall geriet.
13. Kapitel. Wie die Römer die Religion benutzten, um den Staat zu ordnen, ihre Unternehmungen zu fördern und Aufstände zu unterdrücken.
14. Kapitel. Die Römer legten die Auspizien je nach der Notwendigkeit aus. Sie wahrten klüglich den Schein, die Religion zu beobachten, auch wenn sie sie notgedrungen nicht beobachteten, und wenn jemand sie in vermessener Weise missachtete, bestraften sie ihn.
15. Kapitel. Wie die Samniten in verzweifelter Lage die Religion als letztes Hilfsmittel nutzten.
16. Kapitel. Wenn ein Volk an Fürstenherrschaft gewöhnt ist und durch irgendein Ereignis frei wird, behauptet es schwer seine Freiheit.
17. Kapitel. Ein verderbtes Volk, das zur Freiheit gelangt, kann sich nur mit größter Schwierigkeit frei erhalten.
18. Kapitel. Wie in verderbten Staaten eine freie Verfassung, die schon besteht, erhalten werden, und wenn sie nicht besteht, eingeführt werden kann.
19. Kapitel. Nach einem ausgezeichneten Fürsten kann sich ein schwacher halten; nach einem schwachen aber kann sich mit einem zweiten schwachen kein Reich behaupten.
20. Kapitel. Die Aufeinanderfolge zweier tapferer Fürsten zeitigt große Erfolge. Gut eingerichtete Republiken haben notwendig stets tapfere Führer; deshalb machen sie große Eroberungen und werden mächtige Reiche.
21. Kapitel. Sehr tadelnswert sind die Fürsten und Republiken, die keine eigene Kriegsmacht haben.
22. Kapitel. Betrachtungen über die drei römischen Horatier und die drei albanischen Curiatier.
23. Kapitel. Man darf nicht sein ganzes Glück in Gefahr bringen, ohne dabei die gesamten Streitkräfte einzusetzen. Deshalb ist die Besetzung der Pässe oft schädlich.
24. Kapitel. Wohlgeordnete Republiken setzen Belohnungen und Strafen für ihre Bürger fest, gleichen aber nie das eine durch das andere aus.
25. Kapitel. Wer einem alten Staat eine freie Verfassung geben will, behalte wenigstens den Schatten der alten Einrichtungen bei.
26. Kapitel. Ein neuer Fürst muss in einer Stadt oder in einem Lande, das er erobert hat, alles neu einrichten.
27. Kapitel. Die Menschen verstehen sehr selten, ganz gut oder ganz böse zu sein.
28. Kapitel. Aus welchem Grunde Rom gegen seine Bürger weniger undankbar war als Athen.
29. Kapitel. Wer undankbarer ist, ein Volk oder ein Fürst.
30. Kapitel. Wie ein Fürst oder eine Republik das Laster der Undankbarkeit vermeiden kann, und was ein Feldherr oder Bürger tun muss, um nicht darunter zu leiden.
31. Kapitel. Die römischen Feldherren wurden für begangene Fehler nie in außergewöhnlicher Weise bestraft; ja sie wurden auch dann nicht bestraft, wenn ihr Ungeschick oder ihre falschen Maßnahmen der Republik Schaden zufügten.
32. Kapitel. Republiken oder Fürsten dürfen Wohltaten, die sei dem Volke erweisen, nicht auf die Zeiten der Not verschieben.
33. Kapitel. Ist ein Missstand in einem Staate groß geworden oder Gefahr gegen ihn im Anzuge, so ist es heilsamer, die Zeit abzuwarten, als Gewalt zu brauchen.
34. Kapitel. Die diktatorische Gewalt brachte der römischen Republik Vorteil, nicht Schaden. Gefährlich für das Staatsleben ist die Gewalt, die ein Bürger an sich reißt, nicht die, welche ihm durch freie Wahl erteilt wird.
35. Kapitel. Warum in Rom die Einrichtung der Dezemvirn dem Staate schädlich wurde, obwohl sie aus öffentlicher und freier Wahl hervorgingen.
36. Kapitel. Bürger, die höhere Würden bekleidet haben, dürfen die niederen nicht verschmähen.
37. Kapitel. Welche Unruhen in Rom durch das Ackergesetz entstanden. Ein Gesetz, das weit zurückgreift und gegen altes Herkommen verstößt, wirkt in einer Republik stets aufreizend.
38. Kapitel. Schwache Republiken sind unschlüssig und können sich nicht entscheiden. Sie fassen ihre Entschlüsse mehr aus Not als aus eigener Wahl.
39. Kapitel. Bei verschiednen Völkern sieht man oft die gleichen Ereignisse.
40. Kapitel. Von der Einsetzung der Dezemvirn in Rom, und was dabei zu bemerken ist, unter vielem anderen auch, wie eine Republik durch ein und dasselbe Ereignis gerettet oder unterdrückt werden kann.
41. Kapitel. Der Übergang von Hochmut zu Herablassung, von Grausamkeit zu Milde ohne die gehörigen Mittelstufen ist unklug und nutzlos.
42. Kapitel. Wie leicht sich die Menschen verderben lassen.
43. Kapitel. Männer, die für den eignen Ruhm kämpfen, sind gute und treue Soldaten.
44. Kapitel. Eine Menge ohne Haupt ist unnütz, und man muss nicht zuerst drohen und dann Gewalt verlangen.
45. Kapitel. Die Übertretung eines gegebenen Gesetzes ist ein schlechtes Beispiel, zumal wenn der Gesetzgeber sie selbst begeht. In einer Stadt täglich neue Unbill zu begehen ist für ihren Herrscher äußerst schädlich.
46. Kapitel. Die Menschen springen von einem Ehrgeiz zum andern über. Zuerst sucht man, kein Unrecht zu leiden, dann andern Unrecht zu tun.
47. Kapitel. Die Menschen täuschen sich zwar im ganzen, aber nicht im einzelnen.
48. Kapitel. Wenn man nicht wünscht, dass ein Amt an einen gemeinen oder schlechten Menschen fällt, lasse man entweder einen ganz gemeinen und schlechten oder einen ganz edlen und guten sich darum bewerben.
49. Kapitel. Fällt es Städten freien Ursprungs wie Rom schwer, Gesetze zur Erhaltung der Freiheit zu finden, so ist es für Städte, die von Anfang an in Unfreiheit lebten, fast unmöglich.
50. Kapitel. Kein Rat und keine Behörde darf die Staatsgeschäfte zum Stillstand bringen können.
51. Kapitel. Eine Republik oder ein Fürst muss sich den Anschein geben, das, wozu ihn die Notwendigkeit zwingt, aus Großmut zu tun.
52. Kapitel. Um den Übermut eins Mannes zu zügeln, der in einer Republik zu viel Macht erlangt hat, gibt es kein sicheres und weniger anstößiges Mittel, als ihm die Wege zu verlegen, auf denen er zu seiner Macht gelangt.
53. Kapitel. Von einem Trugbild des Guten getäuscht, begehrt das Volk oft seinen Untergang und lässt sich leicht durch große Hoffnungen und dreiste Versprechungen hinreißen.
54. Kapitel. Welche Macht ein angesehener Mann über eine empörte Menge hat.
55. Kapitel. Städte, in denen keine Sittenverderbnis herrscht, lassen sich leicht regieren. Wo Gleichheit herrscht, lässt sich keine Monarchie, wo sie nicht herrscht, keine Republik einführen.
56. Kapitel. Ehe in einem Lande oder in einer Stadt große Ereignisse eintreten, kommen Zeichen und Wunder, die sie verkünden, oder Menschen, die sie vorhersagen.
57. Kapitel. Vereinigt ist das Volk mutig, in den Einzelnen schwach.
58. Kapitel. Die Menge ist weiser und beständiger als ein Fürst.
59. Kapitel. Ob man sich mehr auf Bündnisse oder Verträge mit einer Republik oder einem Fürsten verlassen kann.
60. Kapitel. Das Konsulat und jede andre Würde wurde in Rom ohne Rücksicht auf das Alter vergeben.

Zentrale Personen im 1. Buch der Discorsi

Die römische Verfassung bei Machiavelli

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im ersten Buch der Discorsi geht es Machiavelli um die innere Verfassung eines Staates. Am Beispiel der römischen Republik erörtert er, welche Vorraussetzungen eine Republik braucht, um zu überleben. Dabei geht er insbesondere auf das notwendige republikanische Ethos ein. Außerdem vergleicht Machiavelli Fürstenherrschaft und Republik und teste sie auf ihre Alltagstauglichkeit.

Oft erscheinen Machiavellis Gedanken, da er versucht, alle Eventualitäten und Parameter in seine Überlegungen einfließen zu lassen, oberflächlich betrachtet verwirrend. Schaut man sich seine Ideen jedoch offen an, so stellt man fest, dass Machiavelli sich nie an der Oberfläche aufhält, sondern immer nach den Hintergründen eines politischen Phänomens sucht. Diese Phänomene versucht er unter Berücksichtigung so vieler Parameter wie möglich zu analysieren. Seine Lösungsansätze bestechen durch ihre Direktheit, wenn auch gewiss manche Methoden, die er vorschlägt, in heutiger Zeit anrüchig sind. Nichtsdestotrotz sind die Probleme, denen Machiavelli in den Discorsi auf den Grund zu gehen versucht, so alt wie die Menschheit, aber doch immer noch aktuell. Immer noch ist es zum Beispiel eine zentrale Fragestellung, wie eine Republik sich gegen die Feinde der Freiheit sichern kann. Ebenso stellt sich auch heute noch die Frage, wie sich die Einrichtungen eines Staates immer wieder an die veränderten Notwendigkeiten der Gegenwart angepasst werden können. Machiavelli hat hier nicht nur Ideen und Denkanstösse geliefert. Er hat auch, getreu der Sentenz: „Historia magistra vitae“, immer wieder Parallelen zwischen dem republikanischen Rom und seiner eigenen Gegenwart im Italien und Florenz des 16. Jahrhunderts gefunden. Genauso ist es auch heute noch möglich, ähnliche Situationen in der Geschichte und in der Gegenwart zu identifizieren. Hierbei kann die Geschichtskenntnis eine wertvolle Anleitung für das Handeln in der Gegenwart sein.

Darüber hinaus bestechen die Discorsi durch ihr republikanisches Ethos. Eine Republik kann nach Machiavelli eben nicht ohne die notwendigen Grundlagen existieren. Sie benötigt vor allem eine republikanisch gesinnte Bevölkerung und ein relativ hohes Maß an gesellschaftlicher Gleichheit, um Bestand haben zu können. Ist es nun in einem Land möglich, eine Republik einzurichten, ist diese aber auch der Fürstenherrschaft in vielen Aspekten überlegen, wie Machiavelli ausführlich darlegt. Das erste Buch der Discorsi ist auch und vor allem ein Plädoyer für die Vorzüge einer republikanischen Ordnung.

Widmung: Niccolò Machiavelli entbietet Zanobi Buondelmonti und Cosimo Rucellai seinen Gruß

Machiavelli widmet die Discorsi seinen Freunden Buondelmonti und Rucellai, mit denen er sich seit 1518 in langen Diskussionen über Politik und Macht angefreundet hatte. Der Unterschied zur Widmung des Principe, der dem herrschenden Lorenzo de Medici gewidmet war, ist augenfällig. Machiavelli selbst hat dies bemerkt und kritisiert, dass es gang und gäbe sei, seine Werke einem Fürsten zu widmen, um sich hierdurch beliebt zu machen, anstatt den Fürsten für seine Verfehlungen zu tadeln. Hier schwingt ein leichter Hauch von Selbstkritik mit, hatte Machiavelli doch mit Principe versucht, sich bei den Patriziern in Erinnerung zu rufen. Seine Widmung begründet Machiavelli damit, das die Adressaten es wegen ihrer zahlreichen Vorzüge verdienen würden, Fürsten zu sein, im Gegensatz zu realen Fürsten, die zwar regierten, aber nichts davon verstünden.

Der Unterschied zum Eingang des Principe ist frappierend. Gab sich Machiavelli dort servil und unterwürfig gegenüber den gegenwärtigen Herrschern, lobt er nun ein paar Bürger ob ihrer Qualitäten und kritisiert ungeeignete Herrscher.

1. Buch. Innere Politik

Vorwort

In seinem Vorwort zum 1. Buch der Discorsi betont Machiavelli vor allem die Bedeutung der Geschichte. Diese würde zumeist nicht wirklich verstanden. Zwar seien die Leistungen und Schätze des Altertums überall bewundert, aber dies reiche nicht aus. Die herausragenden Unternehmungen des Altertums, man denke nur an das römische Weltreich, werden nach Machiavelli nur bewundert anstatt analysiert. Ein analytischer Umgang mit der Geschichte aber würde einen Erfahrungsschatz liefern, auf den die Politik der Gegenwart zurückgreifen könnte. Da dies in anderen Bereichen, wie etwa der Medizin, passiert, ist es für Machiavelli unbegreiflich, warum die Geschichte sich in Oberflächlichkeit erschöpft und ihre Lehren nicht angewendet werden.

Auch mit der christlichen Religion geht Machiavelli hart ins Gericht. Diese habe die Menschen zur Schwäche erzogen[1], im Gegensatz zu den antiken Religionen, die zur Tüchtigkeit ermahnt hätten.

Um einen Beitrag zu leisten zu einem besseren Verständnis der Geschichte und ihrer Nutzbarkeit, hat sich Machiavelli den ersten zehn Büchern des Titus Livius angenommen.

Mit den ersten zehn Büchern des Titus Livius hat Machiavelli eine interessante Auswahl getroffen. Livius berichtet hier über das frühe Rom. Die ewige Stadt ist noch nicht zur Metropole Europas aufgestiegen, sie ist noch auf das Latium beschränkt. Vor allem aber ist es das ursprüngliche, republikanische Rom, welches Livius beschreibt. Dementsprechend meint Machiavelli, wenn er vom Vorbildcharakter Roms spricht, das republikanische Rom.

1. Kapitel. Vom Ursprung der Städte im allgemeinen und der Entstehung Roms

„Die Menschen arbeiten entweder aus Not oder aus eigenem Antrieb, und zwar zeigt sich da die größere Arbeitsamkeit, wo die Arbeit am wenigsten von unserm Belieben abhängt.“[2]

Machiavelli beginnt mit der These, dass schon die Art der Gründung Roms und seine ursprüngliche Verfasstheit seine spätere Größe begründeten. Rom war – ob man von Gründung durch Romulus oder Aeneas ausgeht – eine freie und unabhängige Stadt, der es gelang, seine Tüchtigkeit lange Zeit zu erhalten.

Um dies zu erläutern, beschreibt Machiavelli die Arten, eine Stadt zu gründen.

Nach Machiavelli werden neue Städte entweder von Einheimischen oder von Fremden gegründet.

Der Fall einer Stadtgründung durch Einheimische tritt zumeist auf, wenn sich Bewohner eines Landstrichs an einer Stelle gemeinsam ansiedeln, um durch ihre Anzahl eine größere Sicherheit vor Feinden zu erreichen, als wenn sie verstreut und einzeln lebten.

Eine Stadtgründung durch Fremde wird entweder durch freie Siedler oder durch abhängige Kolonisten durchgeführt. Als Beispiele nennt Machiavelli Kolonien, um Bevölkerungsüberschüsse abzufangen, Kolonien zur Sicherung neu eroberter Landstriche und Kolonien, die von Fürsten gegründet werden, um ihren eigenen Ruhm zu mehren, wie etwa die zahlreichen Stadtgründungen durch Alexander d. Gr.

Die „freie“ Stadtgründung kann auf zwei Arten erfolgen. Zuerst gibt es den Fall, dass eine Bevölkerungsgruppe in eine Region einwandert, eigene Städte gründet und damit ein völlig neues Gemeinwesen aufbaut. Der zweite Fall ist, dass eine Bevölkerungsgruppe in eine Region einwandert, bereits bestehende Städte erobert und diese nutzt.

Abbildung: Verschiedene Möglichkeiten einer Stadtgründung bei Machiavelli

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Machiavelli stellt zudem die grundsätzliche Frage, ob es besser sei, neue Städte in fruchtbaren oder unfruchtbaren Gegenden zu gründen. Diese Frage wirkt auf den ersten Blick … widersinnig. Natürlich scheint es besser zu sein, in fruchtbarer Umgebung zu wohnen und mit wenig Arbeit große landwirtschaftliche Erträge zu erwirtschaften.

Machiavelli jedoch begründet seine Frage mit der Natur des Menschen. Dieser arbeite „entweder aus Not oder aus eigenem Antrieb, und zwar zeigt sich da die größte Arbeitsamkeit, wo die Arbeit am wenigsten von unserm Belieben abhängt.“[3]

Demzufolge wäre eine Städtegründung in unfruchtbarer Umgebung sinnvoller. Hier müssten die Menschen hart für ihr Auskommen arbeiten, was sie zu Fleiß erzieht und vom Müßiggang abhält. Zudem würden sie arm bleiben, weshalb sich unter den Menschen weniger Anlässe für Streitigkeiten ergeben würden.

Eigentlich wäre also für Siedlungen eine unfruchtbare Umgebung vorteilhaft. Aber Machiavelli geht zugleich davon aus, dass die Menschen dazu neigen, sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was sie haben, und zu erobern. Der Umkehrschluss dieser Grundannahme ist, dass Gemeinwesen, die frei bleiben wollen, genügend Macht haben müssen, um Angreifer abzuwehren. s sind die Gemeinwesen gezwungen, zu wachsen, um auch in der Zukunft ihre Unabhängigkeit erhalten zu können. In der Folge ergibt sich der Zwang, andere Gemeinwesen zu unterwerfen, wenn diese der eigenen Ausbreitung im Weg stehen, um die eigene Unabhängigkeit zu erhalten.

Die Fruchtbarkeit der Umgebung bedingt, dass die Menschen vom Müßiggang abgehalten werden müssen. Dies geschieht durch vielfältige Gesetze und Pflichten, die ihren Fleiß und ihre Disziplin erhalten. Ein Beispiel hierfür ist nach Machiavelli die Verpflichtung aller Männer zum Militärdienst.

Abschließend betrachtet ist es also besser, neue Städte in fruchtbaren Gegenden zu gründen, gleichzeitig muss aber darauf geachtet werden, durch geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen die Tüchtigkeit der Menschen zu erhalten.

2. Kapitel. Über die verschiedenen Staatsformen und die des römischen Staates

„Denn die Mehrzahl der Menschen stimmt einem neuen Gesetz, das eine Neuordnung im Staatswesen bezweckt, nur dann zu, wenn sie dessen Notwendigkeit einsehen, und da diese Notwendigkeit nur bei Gefahr eintreten kann, so geht der Staat leicht zugrunde, bevor er seine Vollkommenheit erlangt.“[4]

Machiavelli unterscheidet zwei grundsätzliche Regierungsweisen. Ein freier Staat kann entweder nach republikanischen oder monarchischen Prinzipien regiert werden. Die konkrete Verfassung eines jeden Staates jedoch hängt von vielen historischen Variablen ab. Ein günstiger Fall tritt ein, wenn bei der Gründung eines Staates ein weiser Gesetzgeber auftritt, der die Verfasstheit des Gemeinwesens für lange Zeit festsetzen kann. Als historisches Beispiel nennt Machiavelli Lykurg, der für Sparta ein Glücksfall gewesen sei, indem er der Stadt eine Ordnung gab, die sich über 800 Jahre erhielt.

Mit der anfänglichen Verfasstheit eines Staates ist jedoch im Guten wie im Schlechten der weitere Weg zumeist vorgegeben. Grundsätzliche Änderungen am Wesen einer staatlichen Ordnung bedürfen der Unterstützung einer Mehrheit der Bevölkerung und lassen sich daher nur schwer durchsetzen. „Denn die Mehrzahl der Menschen stimmt einem neuen Gesetz, das eine Neuordnung im Staatswesen bezweckt, nur dann zu, wenn sie dessen Notwendigkeit einsehen, und da diese Notwendigkeit nur bei Gefahr eintreten kann, so geht der Staat leicht zugrunde, bevor er seine Vollkommenheit erlangt.“[5]

Hinsichtlich der möglichen Staatsordnungen nimmt Machiavelli das antike Modell von Polybios auf und unterscheidet sechs Regierungsformen. Dies sind die drei guten Staatsordnungen Monarchie, Aristokratie und Demokratie, die durch ihre verdorbenen Pendants Tyrannis, Oligarchie und Zügellosigkeit (vergleichbar mit der Ochlokratie, d.h. Pöbelherrschaft) ergänzt werden.

Machiavelli beschreibt ein grundsätzliches Dilemma der Regierungsformen. Jede der drei guten Regierungsformen besitzt ein verdorbenes Pendant, das der guten Form so ähnlich scheint, dass der Übergang zwischen guter und verdorbener Regierungsform einfach ist und kaum auffällt.

Abbildung: Die drei guten Regierungsformen und ihre pervertierten Entsprechungen

Monarchie à Tyrannis

Aristokratie à Oligarchie

Demokratie à Zügellosigkeit

Um dies zu erläutern, stellt Machiavelli die These eines natürlichen Kreislaufs der Regierungsformen auf, in dem sich alle menschlichen Gemeinwesen befanden und befinden.

Vor der ersten Regierung steht hierbei ein Naturzustand, in dem die Bevölkerungsdichte niedrig war und die Menschen verstreut lebten. Mit zunehmender Bevölkerung aber schlossen sich die Menschen zusammen, um sich besser verteidigen zu können. Da der ausschließliche Grund, sich zusammen zu schließen, in der erhöhten Verteidigungsfähigkeit besteht, wurden die Stärksten und Tapfersten mit der Zeit zu Oberhäuptern. In der Herrschaft dieser Stärksten wurden die Begriffe „gut“ und „böse“ geprägt, je nachdem, wie die Herrscher mit ihrer Macht umgingen. Also kamen die Menschen zu der Übereinkunft, dass es Gesetze geben müsse, bei deren Übertretung Strafe drohe, damit das Zusammenleben nicht nur über Kraft und Macht geregelt werde. Mit der Schaffung von Gesetzen entstand zugleich der Begriff der „Gerechtigkeit“, um diese zu messen. Nun war es aber nicht mehr nötig, dass der Stärkste herrschte. Daher ging die Herrschaft über an den Weisesten. Hiermit war die Regierungsform der Monarchie etabliert.

Doch die Monarchie verfiel bald, durch den Umstand, dass die Nachfolger durch Erbe und nicht durch Wahl bestimmt wurden. Die nachfolgenden Monarchen konzentrierten sich in ihrer Regierung auf Prachtentfaltung und Überfluss. Durch die hohen Ausgaben machten sich diese Monarchen unbeliebt. Angesichts ihrer Unbeliebtheit griffen sie zu Gewaltmitteln, um ihre Macht zu erhalten, und etablierten so die Regierungsform der Tyrannis.

Unter der Führung einiger Mächtiger erhob sich das Volk irgendwann gegen die Tyrannen und beseitigte diese. Anstelle der Herrschaft eines Einzelnen wurde nun die Herrschaft einiger weniger Edler gesetzt. Diese stellten das Gemeinwohl über ihre eigenen Interessen und bildeten so die gute Regierungsform der Aristokratie.

Doch auch die Aristokratie lässt sich leicht pervertieren. Mit der Zeit vergaßen die Aristokraten ihre Mäßigung und nutzten ihre Regierungsmacht aus, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen und das Volk zu knechten. Dies bezeichnet Machiavelli als Herrschaft der Wenigen oder Oligarchie.

Das Volk setzte die Oligarchen schließlich in einem weiteren Umsturz ab. Da nun sowohl Monarchie als auch Aristokratie gescheitert waren, wurde eine Volksherrschaft eingeführt, in der es keinen gab, der herausragende Gewalt besaß. Bald jedoch verfiel die Demokratie der Zügellosigkeit, in der jeder lebte, wie er es für richtig hielt, und hierdurch seine Mitmenschen vielfach schädigte. In diesem Chaos wiederum kehrte man zurück zur monarchischen Regierungsform, von der man sich den Erhalt der Ordnung versprach. In diesem Kreislauf befindet sich nach Machiavelli jedes menschliche Gemeinwesen. Hierbei verliert es mit jedem Wechsel etwas mehr von seiner Kraft, so dass die wenigsten Staaten diesen Kreislauf mehr als einmal durchmachen. Die meisten werden nach Machiavelli durch ihre zunehmende Kraftlosigkeit Opfer eines Nachbarstaates.

Abbildung: Der Verfassungskreislauf bei Machiavelli

Monarchie à Tyrannis à Aristokratie à Oligarchie à Demokratie à Zügellosigkeit à Monarchie à …

Da jede der drei guten Staatsformen so leicht pervertiert, kann Machiavelli natürlich keine von ihnen empfehlen, um eine staatliche Ordnung zu begründen, die Bestand haben soll. Daher greift er die Idee einer Mischverfassung auf, wie es sie bei Lykurg oder im republikanischen Rom gab.

Am Beispiel Roms führt Machiavelli eine gelungene Mischverfassung an. Im Gegensatz zu Sparta hatte die Stadt keinen Gesetzgeber, der ihre Verfassung bei ihrer Gründung festsetzte. Doch im Laufe ihrer Geschichte wurden die Einrichtungen einer Mischverfassung nachgeholt. Nach dem Ende der Königsherrschaft blieb ein monarchisches Element in Form der Konsuln erhalten, die sich die Herrschaft mit dem aus Aristokraten bestehenden Senat teilten. Damit das Volk in der Regierung berücksichtigt wurde, wurden schließlich Volkstribunen berufen. Möglich wurde diese Vervollkommnung der Verfassung Roms durch den andauernden Konflikt zwischen Volk und Senat.

Abbildung: Die Mischverfassung als Kombination der drei guten Regierungsformen

>Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Kapitel. Welche Ereignisse in Rom zur Einsetzung der Volkstribunen führten, durch die die Republik vervollkommnet wurde.

„Wie alle politischen Schriftsteller beweisen und zahlreiche geschichtliche Beispiele bezeugen, muß der Ordner eines Staatswesens und der Gesetzgeber davon ausgehen, daß alle Menschen böse sind und stets ihrer bösen Gemütsart folgen, sobald sie Gelegenheit dazu haben.“[6]

Machiavelli geht davon aus, dass die Menschen nur aus Notwendigkeit gut sind. Hätten sie die freie Wahl, würden sie ihrer Bosheit freien Lauf lassen. Als Beispiel führt er wiederum Rom an. Nach der Vertreibung der Könige durch Adel und Volk herrschte der Adel. Es zeigte sich, dass dieser immer weniger Rücksicht auf die Belange des Volkes nahm, da die Könige, welche die Macht gehabt hätten, den Adel zu bestrafen, beseitigt waren, und dieser die Macht des Volkes gering schätzte. Es kam zu Aufständen, in denen das Volk sein Recht verlangte, und schließlich wurde der Adel gezwungen, das Amt der Volkstribune zu schaffen. Diese sollten fortan die Interessen des Volkes schützen.

Machiavelli zieht hieraus den Schluss, dass die Menschen nur unter Druck gut sind. „Hunger und Armut machen die Menschen arbeitsam und Gesetze machen sie gut.“[7] Da Gesetze die Aufgabe haben, die Bosheit der Menschen zu neutralisieren, hat der Staat eine klare erzieherische Aufgabe.

Der Mensch ist nur durch äußeren Druck gut à Der Staat muss durch Gesetze und Rahmenbedingungen diesen Druck aufrechterhalten.

4. Kapitel. Die Uneinigkeit zwischen römischem Volk und Senat führte zur Freiheit und Macht der Republik.

„… [In] jedem Gemeinwesen [sind] die Gesinnung des Volkes und der Großen verschieden […] und […] aus ihrem Widerstreit [entstehen] alle zugunsten der Freiheit erlassenen Gesetze …“[8]

Im antiken Rom, vor allem zwischen der Vertreibung der Könige und der Einführung von Volkstribunen, gab es zahlreiche Konflikte zwischen Volk und Adel. Diese Konflikte seitens des Volkes „…entweder aus der Unterdrückung selbst oder aus der Furcht, unterdrückt zu werden.“[9]. Wohingegen der Adel, wenn ihm freie Hand gelassen wird, dazu neigt, das Volk zu unterdrücken und seine eigenen Interessen durchzusetzen, wie es bereits in Kapitel 3 beschrieben wurde.

Machiavelli deutet die häufigen Konflikte zwischen Volk und Adel in Rom als rohen Ausdruck der Freiheit und des Kampfes des römischen Volkes gegen seine Unterdrückung.

Das grundlegende gesellschaftliche Konfliktmuster nach Machiavelli

Volk will frei sein.

Adel/Patrizier will das Volk unterdrücken.

5. Kapitel. Ob die Freiheit sicherer vom Volk oder von den Großen geschützt wird, und wer größere Ursache zu Aufständen hat, derjenige, der etwas erwerben oder der Erworbenes behalten will.

„Von weisen Gesetzgebern wurde der Schutz der Freiheit stets zu den notwendigsten Einrichtungen einer Republik gezählt. Je nachdem, wie diese Einrichtung getroffen wurde, ist die bürgerliche Freiheit von kürzerer oder längerer Dauer.“[10]

Jede Republik hat die zentrale Aufgabe, seine Freiheit zu erhalten und zu verteidigen gegen jene, die sie einschränken oder abschaffen wollen. Wem aber soll der Gesetzgeber den Schutz der Freiheit anvertrauen? Legt er diese Aufgabe in die falschen Hände, ist das Ende der republikanischen Ordnung absehbar. Machiavelli sieht in der Historie zwei mögliche Vorgehensweisen. Entweder kann der Schutz der Freiheit Aufgabe des Volkes oder des Adels sein.

Für das Volk ließe sich anführen, dass dieses nur wünscht, nicht beherrscht zu werden, während der Adel versucht ist, zu herrschen. Damit ist die Gefahr des Missbrauchs beim Volk geringer als beim Adel.

Für den Adel ließe sich argumentieren, dass dessen Ehrgeiz durch seine Rolle als Hüter der Freiheit befriedigt werden könnte. Zudem ist es ein zentrales Ziel des Adels, seinen Besitzstand und seine Macht gegen das Volk zu sichern, was durch die herausgehobene Rolle als Freiheitswächter möglich wäre.

Es lassen sich also sowohl für das Volk als auch für den Adel Argumente anführen. Die Frage, ob nun dem Volk oder dem Adel die Sicherung der Freiheit anvertraut werden kann, zentriert sich in dem Punkt, ob Menschen, die auf Erwerb aus sind, schädlicher sind für einen Staat, oder aber Menschen, die einen Besitzstand wahren wollen.

Machiavelli kommt zum Schluss, dass die Besitzstandswahrer gefährlicher sind für den Staat. Dies liege daran, dass diese fürchten, ihren Besitz oder ihre Stellung zu verlieren. Es sei eine Grundannahme der Besitzenden, dass sie, um ihren Besitz zu sichern, versuchen, ihren Besitz zu Lasten anderer weiter zu vergrößern[11]. Außerdem verfügte der Adel über die nötige Macht, um der allgemeinen Freiheit gefährlich zu werden. Letztendlich dienen sie auch den Nicht-Besitzenden als Vorbild, diese wollten dann entweder Rache an den Besitzenden, oder selbst Besitzende werden. Aus diesen Gründen geht von den Besitzenden mehr Gefahr aus als vom Volk.

Abbildung: Vom Adel ausgehende Gefahren für die Freiheit

Der Adel eines Landes zeichnet sich vor allem durch Besitz und Ehren aus

à 1. Priorität: Sicherung des Status Quo gegen Übergriffe des Volkes

à Versuch, den eigenen Besitz zu Lasten anderer zu vergrößern

à Versuch, den Staat zu vereinnahmen, um Besitz zu sichern à Unterdrückung des Volkes

6. Kapitel. Ob man Rom eine Verfassung geben konnte, die die Feindschaft zwischen Volk und Senat aufhob.

„In allen menschlichen Dingen zeigt sich bei genauer Prüfung das gleiche: nie kann man einen Übelstand beseitigen, ohne daß gleich ein anderer daraus entsteht.“[12]

„In allen menschlichen Dingen zeigt sich bei genauer Prüfung das gleiche: nie kann man einen Übelstand beseitigen, ohne daß gleich ein anderer daraus entsteht.“[12]

Die schon beschriebene innere Unruhe Roms, ausgelöst durch die andauernden Konflikte zwischen Patriziern und Volk, ist natürlich kein Idealzustand. Daher fragt Machiavelli, ob diese Konflikte nicht durch eine Verfassung gelöst werden könnten.

Um dies zu erörtern, zieht er zwei Staaten heran, die mit unterschiedlichen Modellen lange Zeit frei geblieben sind: Sparta und Venedig.

In Sparta herrschte ein König zusammen mit einem adligen Senat. Obwohl das Volk von der Herrschaft ausgeschlossen war, kam es hier nicht zu Unruhen. Dies lag vor allem an der Gleichheit, die der „Gründervater“ Lykurg Sparta verordnet hatte. Denn in Sparta wurde darauf geachtet, dass der Besitz möglichst gerecht verteilt war. Dies gelang unter anderem durch eine sehr restriktive Handelspolitik und die Abschottung von der Außenwelt. So war der Adel zwar reicher als das Volk, aber nicht etwa so aberwitzig reich wie der orientalische Adel zur gleichen Zeit. Auch achtete der König traditionell sehr auf die Belange des Volkes, da er im Adel erster unter Gleichen war, und die Unterstützung des Volkes benötigte, um eine herausgehobene Stellung zu erlangen und zu behalten. Insgesamt betrachtet befand sich die spartanische Gesellschaft im Gleichgewicht. Der Preis für dieses Gleichgewicht war allerdings, dass Sparta wenig Kontakt zur Außenwelt hatte, alle Bewohner in relativer Armut lebten und die Bevölkerungszahl durch die Isolation des Landes relativ niedrig blieb.

Venedig hingegen wählte ein anderes Modell, um inneren Konflikten vorzubeugen. Die Regierung der Stadt war zu Beginn ihrer Geschichte demokratisch. Alle Bewohner der Inseln, auf denen Venedig liegt, befanden über das Schicksal der Stadt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde festgelegt, dass alle Einwohner an der Regierung beteiligt waren. Alle, die nach diesen Zeitpunkt zuwanderten, waren von der Regierung ausgeschlossen. Sie hatten nach Machiavelli aber dennoch keinen Grund zur Unzufriedenheit, da sie, im Gegensatz zu den an der Regierung beteiligten Familien, bei ihrer Ankunft bereits ein fertiges Gemeinwesen vorfanden. Mit der Zeit wurden dann aus den alteingesessenen Familien Adelsgeschlechter. Ein Grund für die Stabilität der Stadt war nach Machiavelli, dass sich die Zuwanderung in Grenzen hielt, und so ein relativ hoher Teil der Bewohner Anteil an der Regierung hatte. Ein Nachteil dieser Regelung war, dass den „Bürger zweiter Klasse“ keine militärischen Pflichten über die Landesverteidigung hinaus auferlegt werden konnten, da es sonst wahrscheinlich gewesen wäre, dass diese im Gegenzug mehr politische Rechte forderten. Daher blieb Venedig militärisch schwach und musste strukturell nicht zu militärischer Expansion in der Lage.

Machiavelli zieht den Schluss, dass es möglich ist, die Interessen von Adel und Volk auszugleichen. Dies beweisen die Beispiele Sparta und Venedig. Jedoch können diese Modelle nur auf eine Republik angewendet werden, die nicht expandieren will. Rom hingegen setzte von Beginn an auf eine Ausweitung seines Machtbereichs.

Daher unterscheidet Machiavelli einen Idealfall und die expansive Republik.

Im Idealfall sollte eine Republik, die lange bestehen soll, eine Verfassung wie Sparta oder Venedig haben, die sie auf ihre Region beschränkt. Ihre militärischen Ressourcen sollten so groß sein, dass kein Nachbarstaat versucht sie zu erobern, aber nicht so groß, dass sie Furcht wecken bei den Nachbarn, damit es nicht zu einem Präventivkrieg der Nachbarstaaten kommt aus Angst vor Unterdrückung.

In der Realität hingegen besteht für eine Republik manchmal die Notwendigkeit, zu expandieren. Zudem könne andauernder Frieden dazu führen, dass die Bewohner verweichlichen oder dass innere Konflikte entstehen[13].

Da es also keinen Idealweg für eine Republik gibt, schlägt Machiavelli vor, den „rühmlichsten“[14] Weg zu wählen und die Verfassung Roms zum Vorbild zu nehmen.

[...]


[1] Vgl.: Horst Günther (Hg.): Machiavelli. Discorsi. Staat und Politik, Frankfurt am Main/Leipzig 2000, S.14.

[2] Ebd., S.17.

[3] Ebd., S.17.

[4] Ebd., S.20.

[5] Ebd., S.20.

[6] Ebd., S.26.

[7] Ebd., S.26.

[8] Ebd., S.28.

[9] Ebd., S.29.

[10] Ebd., S.29.

[11] Vgl.: ebd., S.32.

[12] Ebd., S.35.

[13] Vg.: ebd., S.37.

[14] Ebd., S.37.

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Details

Titel
Machiavelli pur. Die Discorsi
Untertitel
1. Buch. Innere Politik
Autor
Jahr
2008
Seiten
71
Katalognummer
V112769
ISBN (eBook)
9783640139903
ISBN (Buch)
9783640140039
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Discorsi
Arbeit zitieren
Magister Artium Andre Budke (Autor), 2008, Machiavelli pur. Die Discorsi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112769

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