Umsetzung des 3. St. Galler Management-Modells auf den Fachdienst Zuwanderung und Integration der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreis


Seminararbeit, 2017

32 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Lahn-Dill-Kreis

3 Umweltsphären
3.1 Gesellschaft
3.2 Natur
3.3 Technologie
3.4 Wirtschaft

4 Anspruchsgruppen
4.1 Kapitalgeber
4.2 Kunden
4.3 Mitarbeitende
4.4 Öffentlichkeit und Medien
4.5 Staat
4.6 Lieferanten
4.7 Konkurrenz
4.8 Behörden, Städte, Gemeinden
4.9 Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Ärzte

5 Interaktionsthemen
5.1 Ressourcen
5.2 Normen und Werte
5.3 Anliegen und Interessen

6 Ordnungsmomente
6.1 Strategie
6.2 Strukturen
6.2.1 Aufbauorganisation
6.2.2 Ablauforganisation
6.3 Kultur

7 Prozesse
7.1 Managementprozesse
7.1.1 Normative Orientierungsprozesse
7.1.2 Strategische Entwicklungsprozesse
7.1.3 Operative Führungsprozesse
7.2 Geschäftsprozesse
7.3 Unterstützungsprozesse

8 Entwicklungsmodi
8.1 Erneuerung
8.2 Optimierung

9 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - 3. St. Galler Management-Modell

Abbildung 2 - Facebook Lahn-Dill-Kreis

Abbildung 3 - Aufbauorganisation Fachdienst Zuwanderung und Integration 18

1 Einleitung

Mit der vorliegenden Transferarbeit ‚Umsetzung des 3. St. Galler Management-Modells auf den Fachdienst Zuwanderung und Integration der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreis‘ werden das Grundkonzept dieses Management-Modells, welches seit dem Jahr 2002 existiert, auf den Fachdienst Zuwanderung und Integration der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises übertragen.1 Dazu werden in allen sechs Grundkategorien des Modells Umsetzungsbeispiele praxisbezogen erläutert und aufgezeigt. Unter diesem Aspekt betrachtet erhält der Leser einen Überblick über das 3. St. Galler Management-Modell und erfährt gleichzeitig, wie dieses Modell auf den genannten Fachdienst angewendet werden kann.

Vor dem Einstieg in die Thematik zunächst eine kurze Information zum Lahn-Dill-Kreis. Anschließend werden die sechs zentralen Grundkategorien Umweltsphären, Anspruchsgruppen und Interaktionsthemen, die sich auf das gesellschaftliche und ökologische Umfeld beziehen, erläutert. Auf der anderen Ebene werden dann die Kategorien Ordnungsmomente, Prozesse und Entwicklungsmodi, die sich auf die Innenansicht der Organisation beziehen, näher betrachtet.2

Das 3. St. Galler Management-Modell ist zur leichteren Veranschaulichung des Themas in der nachfolgenden Abbildung 1 dargestellt:

Abbildung 1 - 3. St. Galler Management-Modell

Anmerkung der Redaktion: Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

Quelle: www.zitronenfalter-projektmanagement.de 3

Auf geschlechtsneutrale Formulierungen wurde aus Gründen der Lesbarkeit in dieser Projektarbeit verzichtet. Mit Erwähnung im Text sind immer beide Geschlechter angesprochen. Alle geschlechtsspezifischen Formulierungen sind vom Leser als geschlechtsneutral anzusehen.

2 Der Lahn-Dill-Kreis

Der Lahn-Dill-Kreis ist ein Landkreis in Hessen im Regierungsbezirk Gießen mit Verwaltungssitz in der Kreisstadt Wetzlar. Er setzt sich aus 23 Städten und Gemeinden mit einer Gesamteinwohnerzahl von ca. 251.327 Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Derzeit sind bei der Kreisverwaltung ca. 1200 Menschen beschäftigt.

Das Handeln des Lahn-Dill-Kreis als öffentlich-rechtliche Gebietskörperschaft wird durch die Organe Kreistag und Kreisausschuss bestimmt. Als oberstes Organ ist der Kreistag zu nennen, der alle maßgeblichen Entscheidungen trifft und die gesamte Verwaltung überwacht. Der Kreisausschuss hat die Aufgabe, die laufenden Geschäfte der Verwaltung zu erledigen.

Die Abteilung Soziales und Integration mit dem Fachdienst Zuwanderung und Integration sitzt zentral in der Verwaltungsstelle in Wetzlar und setzt sich aus Sozialarbeitern, Sachbearbeitern und Mitarbeitern im Bereich Unterkunft- und Zuweisungsmanagement zusammen. Im Fachdienst Zuwanderung und Integration werden Menschen mit Migrationshintergrund oder auch Integrationsbedarf, die im Lahn-Dill-Kreis oder in der Stadt Wetzlar leben und wohnen, betreut. Sie erfahren hier ihre gesamte finanzielle und soziale Unterstützung. Der Fachdienst Zuwanderung und Integration umfasst zurzeit 67 Mitarbeiter. Zu den Aufgaben des Fachdienstes zählen, um nur einige Beispiele zu nennen, Maßnahmen zur Integration in die Gesellschaft, Sicherstellung des wirtschaftlichen Existenzminimums, Sicherstellung der Krankenhilfe und auch Statusfeststellungen für Spätaussiedler. Aus den Aufgaben des Fachdienstes ergeben sich dessen Ziele wie z.B. Sicherung des Existenzminimums, Sicherung der Krankenhilfe, Entwicklung einer Lebensperspektive in der Aufnahmegesellschaft, Sicherung einer geeigneten Ausbildung und einer zumutbaren Arbeit, Förderung der gesellschaftlichen Integration, Förderung von Toleranz und Weltoffenheit in der Gesellschaft sowie Gewalt- und Kriminalprävention. Die Leistungen für Flüchtlinge bzw. Asylbewerber richten sich dabei nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Den Menschen, die nach dem Asylbewerberleistungsgesetzt anspruchsberechtigt sind, wird der Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheits- und Körperpflege wie auch Gebrauchs- und Verbrauchsgüter des Haushalts in Form von Geldleistungen gewährt.4

3 Umweltsphären

Bei den Umweltsphären handelt es sich um bedeutende Sachverhalte in der unternehmerischen Tätigkeit.5 Ein Unternehmen ist hierbei immer automatisch in ein umgebendes Umfeld eingebettet.6 Die vier Umweltsphären Gesellschaft, Natur, Technologie und Wirtschaft stehen dabei in ständiger Wechselwirkung mit dem Unternehmen und beeinflussen entsprechend die Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Aufgrund der engen Verzahnung der Sphären mit dem Unternehmen sollten diese genau auf Trends und Veränderungen hin analysiert werden.7 Auch der Fachdienst Zuwanderung und Integration kann als Teil der nachfolgenden vier Sphären betrachtet werden.

3.1 Gesellschaft

Menschen, die als Gemeinschaft zusammenleben, werden als Gesellschaft gesehen. In der Gesellschaft werden Regeln in Form von Gesetzten und Vorschriften beschlossen, die das gemeinsachaftliche Zusammenleben regeln. Dies findet auch für den Fachdienst Zuwanderung und Integration Anwendung.8 Die Gesellschaft entscheidet, wie der Fachdienst und somit auch die Kreisverwaltung die Natur wahrnimmt, technologische Entwicklungen verlaufen und in welcher Form die wirtschaftliche Wertschöpfung stattfindet.9 Nachfolgend einige Beispiele für den Fachdienst Zuwanderung und Integration im Hinblick auf die Umweltsphäre Gesellschaft:

- Altersstruktur und Bildungsstand der Bevölkerung des Lahn-Dill-Kreises.
- Offenheit der Bevölkerung gegenüber Asylbewerbern.
- Allgemeine Akzeptanz von Asylbewerbern bzw. Flüchtlingen bei der Bevölkerung des Kreises.
- Standort des Fachdienstes Zuwanderung und Integration im Lahn-Dill-Kreis.
- Soziale Probleme und Konfliktpotentiale in Bezug auf das Thema Asylbewerber und Flüchtlinge.
- Politische Ausrichtung der Bevölkerung.

3.2 Natur

Ressourcen zur Produktion kann einem Unternehmen die Natur bieten. Diese Ressourcen sind meistens begrenzt.10 Also ist die Spähre Natur wohl eher für internationale und globale Unternehmen von Bedeutung, weniger für den Fachdienst Zuwanderung und Integration. Dennoch nachfolgend ein paar Beispiele für die Sp häre Natur und wie diese Spähre mit dem Fachdienst vernetzt ist:

- Anstreben des papierlosen Büros zur Bearbeitung der Vorgänge inner- und außerhalb des Fachdienstes.
- Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln (E-Mailverkehr) zur Papiereinsparung.
- Herausstellen der Bedeutung von Gemeinden außerhalb der Stadt Wetzlar (Kreisstadt und Verwaltungssitz), die als neuer Wohnort für Asylbewerber und Flüchtlinge aufgrund ihrer Verkehrsanbindung nach Wetzlar weniger beliebt sind.

3.3 Technologie

Die Umweltsphäre Technologie und deren technologische Entwicklungen beeinflussen die wirtschaftliche Tätigkeit eines Unternehmens in erheblichem Maße denn sie verändert oder vereinfacht Prozesse kontinuierlich, so auch im Fachdienst Zuwanderung und Integration.11

Über soziale Foren wie z.B. Facebook werden Flüchtlinge im Lahn-Dill-Kreis über Themen wie Integration, Deutschkurse, gesetzliche Änderungen, Allgemeine Informationen über den Fachdienst Zuwanderung und Integration wie auch Traditionen und Verhalten in Deutschland erreicht und informiert. Dies ist auf der nachfolgenden Abbildung des Facebookauftritts des Fachdienstes zu sehen.

Abbildung 2 - Facebook Lahn-Dill-Kreis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung des Fachdienstes

Die Informationsweitergabe erfolgt auf diese Weise schnell und reibungslos.

Zudem nutzt der Fachdienst, gerade die Sozialarbeiter, die Vorzüge von Programmen wie „WhatsApp“12, um mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern schnell in Kontakt zu treten, über anstehende Termine persönlich zu informieren oder einfach auf kurzem Dienstweg unbürokratisch Dinge abzuklären.

3.4 Wirtschaft

Den Nährboden eines Unternehmens bildet die Umweltsphäre Wirtschaft mit den Beschaffungs-, Absatz-, Arbeits- und Finanzmärkten.13 Selbstverständlich ist ein Unternehmen, wie auch der Fachdienst Zuwanderung und Integration, von diesen Märkten gewissermaßen abhängig. Für den Fachdienst sind die nachfolgenden wirtschaftlichen Aspekte von großer Bedeutung:

- Fördergelder durch Bund und Länder zur Abrechnung der entstehenden Kosten (Verfügbarkeit von Kapital).
- Verkehrsinfrastruktur wegen der Anbindung außerhalb der Stadt Wetzlar liegender Gemeinschaftsunterkünfte für die Asylbewerber.
- Internetanbindung der Gemeinschaftsunterkünfte zur besseren Erreichbarkeit der Asylbewerber.
- Angebote von Unterkünften seitens der Bevölkerung zur Unterbringung der Flüchtling bzw. Asylbewerber.
- Bestehendes Angebot in Bezug auf Migrationsklassen und Kindergartenplätze für Kinder mit Migrationshintergrund.
- Anbieter von Deutschkursen.
- Angebote des Job Centers und der Arbeitsagentur zur Integration unserer Kunden in das Arbeitsleben.
- Bewilligung von Stellen bei der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises für den Fachdienst Zuwanderung und Integration zur Bewältigung der anfallenden Arbeiten.
- Vergrößerung des Netzes ehrenamtlicher Helfer zur Betreuung der Flüchtlinge und Asylbewerber.
- Ärzte- und Krankenhausinfrastruktur

4 Anspruchsgruppen

Bei den Anspruchsgruppen handelt es sich um Gruppen von Personen, Menschen, Organisationen und Institutionen, die an den Ergebnissen und Verläufen der unternehmerischen Prozesse beteiligt oder davon betroffen sind.14 Alle Anspruchsgruppen haben unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an den Fachdienst. Die gegebenen sieben Anspruchsgruppen (siehe hierzu Abbildung 1) des 3. St. Galler Managementmodells werden nachfolgend aufgeführt und bezüglich ihrer möglichen Erwartungen an den Fachdienst Zuwanderung und Integration in Bezug auf die Wert- und Schadschöpfung dargestellt.15 Zudem werden noch weitere Anspruchsgruppen aufgeführt, die für den Fachdienst von zentraler Bedeutung sind.

4.1 Kapitalgeber

Kapitalgeber bzw. Geldgeber stellen Unternehmen Finanzmittel zur Verfügung, damit notwendige und erforderliche Investitionen getätigt werden können. Im Gegenzug wird dabei im Normalfall eine Sicherheit für das zur Verfügung gestellte Geld vereinbart.16 Als Geldgeber des Fachdienstes Zuwanderung und Integration fungiert das Land Hessen, denn für die Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern erhält der Fachdienst und somit der Lahn-Dill-Kreis vom Land eine monatliche Pauschale. Sämtliche Ausgaben, die über die Pauschale hinausgehen, müssen eigenständig vom Lahn-Dill-Kreis getragen werden. Diese Pauschale wird für Personen mit einer Aufenthaltsgestattung dauerhaft gezahlt. Bei allen anderen Personen wird diese nur für die Dauer von zwei Jahren gewährt.

4.2 Kunden

Bezogen auf ein auf Rendite ausgelegtes Unternehmen kaufen Kunden die Produkte oder Dienstleistungen, die von diesem fabriziert und auf dem Markt angeboten werden.17

Im Falle des Fachdienstes Zuwanderung und Integration wird eine Dienstleistung erbracht und auf dem Markt angeboten. Die Kunden sind in erster Linie Asylbewerber, Flüchtlinge und Spätaussiedler. Diese nehmen die Dienstleistung der Unterbringung und Betreuung in Anspruch. Das Völkerrecht zieht eine klare Trennlinie zwischen dem Begriff ‚Flüchtling‘ und dem Begriff ‚Asylbewerber‘. „Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, werden als ‚Flüchtlinge‘ bezeichnet. Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als ‚Asylbewerber‘ bezeichnet.“18

4.3 Mitarbeitende

Sie fungieren auch unter der Bezeichnung ‚Mitarbeiter‘ und arbeiten im Unternehmen. Mit ihrer Arbeitskraft tragen Mitarbeiter zur Erstellung von Produkten und Dienstleistungen bei.19 Mitarbeiter im Fachdienst Zuwanderung und Integration arbeiten in den Bereichen Zuweisungs- und Unterbringungsmanagement, im Bereich Sozialarbeit und in der Sparte Wirtschaftliche Hilfe. In den Bereichen Zuweisungs- und Unterbringungsmanagement, wie auch in dem Bereich der Sozialarbeit, sind viele der 67 Mitarbeiter nicht direkt beim Lahn-Dill-Kreis angestellt. Diese Mitarbeiter sind bei der GWAB (Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Ausbildungs- und Beschäftigungsinitiativen mbH) angestellt und werden sozusagen vom Lahn-Dill-Kreis für den Fachdienst Zuwanderung und Integration zusätzlich rekrutiert. Lediglich im Bereich der Wirtschaftlichen Hilfen sind alle Mitarbeiter direkt beim Lahn-Dill-Kreis angestellt. Sie können jederzeit im Falle des Abreisens des Flüchtlingsstroms in anderen Bereichen der Verwaltung eingesetzt werden. Ihr Gehalt beziehen sie vom Lahn-Dill-Kreis.

4.4 Öffentlichkeit und Medien

Bei dieser Anspruchsgruppe ist es so, dass diese das Unternehmen und seine Aktivitäten genau beobachtet und kritisch hinterfragt.20 Hauptsächlich die Öffentlichkeit, was so viel bedeutet wie die Gesamtheit der Bürger des Lahn-Dill-Kreises, beobachtet im Falle des Fachdienstes Zuwanderung und Integration, wie dieser mit den jährlich steigenden Flüchtlingszahlen verfährt. Der Raum für Fehler und Versäumnisse von Mitarbeitern ist in ein sehr enges Korsett gezwängt, da beide Gruppierungen genauestens verfolgen, was im Lahn-Dill-Kreis mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern passiert und geschieht. Als Beispiel ist zu nennen, dass die Bevölkerung vom Fachdienst erwartet, dass die Kunden (Asylbewerber, Flüchtlinge und Spätaussiedler) menschengerecht untergebracht und betreut werden. Dieser Gruppe stehen auf der anderen Seite Parteien und Gruppierungen gegenüber, die sich gegen Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland aussprechen und somit auch gegen die Kunden des Fachdienstes und deren Unterbringung in verschiedenen Gemeinden im Landkreis demonstrieren.

4.5 Staat

Der Staat setzt durch Gesetze, Anordnungen und Vorschriften den Aktivitäten des Fachdienstes Grenzen.21 Anspruchsgruppen, gemeint sind die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, um einen Asylantrag zu stellen, sind keine freiwilligen Kunden einer Dienstleistung. Sie werden durch einen gesetzlich festgelegten Verteilungsschlüssel auf die Bundesländer verteilt und damit auch auf Hessen. In den Hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen erhalten sie Unterkunft und Verpflegung. Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung wird durch das Regierungspräsidium Gießen überwacht und das Regierungspräsidium in Darmstadt entscheidet über die Verteilung der ‚Kunden‘ auf die hessischen Landkreise und Städte. In dem jeweiligen Landkreis oder der jeweiligen Stadt wird dann die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung durch die jeweils zuständigen Gebietskörperschaften geregelt.22 Dieses Ablaufschema ist seitens des Staates vorgeschrieben. Die nachfolgend aufgeführten Rechtsgrundlagen spielen dabei für den Fachdienst Zuwanderung und Integration eine maßgebliche Rolle:

- Gesetz über die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und anderen ausländischen Personen (Landesaufnahmegesetz)
- Verordnung für die Verteilung von Flüchtlingen, anderen ausländischen Personen, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern über die Gebühren für die Unterbringung (Verteilungs- und Unterbringungsgebührenverordnung)
- Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)
- Verordnung zur Durchführung des AsylbLG
- Aufenthaltsgesetzt (AufenthG)
- Aufenthaltsverordnung (AufenthV)
- Integrationskursverordnung
- Daueraufenthaltsrichtlinie
- Familienzusammenführungsrichtlinie
- Beschäftigungsverordnung
- Asylgesetz
- und viele mehr

4.6 Lieferanten

Um Güter in einem Unternehmen zu fertigen, werden verschiedene Rohstoffe, Produkte oder Dienstleistungen benötigt, welche von Lieferanten in der Regel zugeliefert werden.23 Im Falle des Fachdienstes Zuwanderung und Integration gibt es interne wie auch externe Lieferanten, die alle die unterschiedlichsten Erwartungen an den Fachdienst stellen. Ohne die Lieferanten und somit deren ‚Dienstleistungen‘ wäre es nicht möglich, die Kunden adäquat unterzubringen und zu betreuen, da der Fachdienst diese Dienstleistungen nicht aus eigenen Ressourcen erbringen kann. Nachfolgend zunächst einige Beispiele für ‚interne Lieferanten‘:

- Die Hausdruckerei druckt Plakate. Siehe hierzu das in Abbildung 2 dargestellte Facebook Plakat.
- Die Nutzung der Informationen der Ausländerbehörde des Lahn-Dill-Kreis in Form von ausländerrechtlichen Informationen
- Der Fachdienst Informations- und Kommunikationstechnik des Lahn-Dill-Kreises kümmert sich um die Bereitstellung und um die Gewährleistung der Funktionalität der Computer, Telefone, Scanner, Fax- und Kopiergeräte.
- In der Abteilung Finanz- und Rechnungswesen werden die Ausgaben und Einnahmen des Fachdienstes überwacht. Zudem unterstützt sie, wenn Gelder an die Asylbewerber ausgezahlt, Einnahmen verbucht und beispielsweise Rücküberweisungen getätigt werden müssen.
- Die Abteilung Gesundheit wird durch den Fachdienst beauftragt, zu bevorstehenden stationären Behandlungen oder einer Operation des Kunden ein Gutachten zu erstellen und damit über eine Übernahme der Kosten für die Behandlung oder gegebenenfalls die Ablehnung der Behandlung zu entscheiden. Die Dienstleistung wird in Form von medizinischer Beratung erbracht.

Den internen Lieferanten stehen die externen Lieferanten gegenüber. Für sie werden nachfolgend Beispiele der Dienste, die diese für den Fachdienst erbringen, aufgezeigt:

- Für die in den Sommermonaten zugewiesenen Flüchtlinge wird bei der jeweils wöchentlich stattfindenden Zuweisung Wasser und ein kleiner Snack des Fachdienstes bereitgestellt. Diese Produkte werden bei einem externen Lieferer eingekauft. Der Lieferer erwartet von unserem Fachdienst die fristgerechte Zahlung der Rechnung.
- Das komplette Büromaterial wie Stifte, Papier, Büroklammern, usw. wird über externe Großlieferanten bestellt.
- Berechtigungsscheine für Lebensmittel, welche in speziellen Situationen für die Asylbewerber ausgestellt werden, können bei den umliegenden Lebensmittelmärkten eingelöst werden. Diese liefern somit die Ware an die Kunden und stellen hierfür ihre Rechnung an den Fachdienst.
- Taxiunternehmen befördern im Auftrag des Fachdienstes die Kunden am Tag der Zuweisung in ihre Gemeinschaftsunterkunft.
- Betreiber von Gemeinschaftsunterkünften stellen Wohnraum für die Flüchtlinge zur Verfügung und erhalten dafür eine Vergütung.
- Die Kunden bekommen eine Möglichkeit, ein eigenes Bankkonto zu eröffnen und zu führen. Die Banken bieten diese Dienstleistung für den Fachdienst an.
- Verschiedene Schulen und Portale bieten gegen Bezahlung Sprachkurse für Flüchtlinge und Asylbewerber an.
- Im Todesfall eines Kunden wird seitens des Fachdienstes ein Unternehmen beauftragt, die Bestattung zu übernehmen.
- Ausreiseorganisationen werden in speziellen Fällen beauftragt, Ausreisen auf Wunsch der Asylbewerber zu organisieren. Die Organisation kümmert sich dann um diese Dienstleistung.
- Vermieter von Privatwohnungen stellen Wohnraum für die Kunden des Fachdienstes zur Verfügung und treten mit dem Asylbewerber in ein Mietverhältnis. Sollte der Asylbewerber noch keinerlei eigenes Einkommen haben wird die Miete in Höhe eines gewissen Betrages seitens des Fachdienstes übernommen.
- Der Fachdienst Zuwanderung und Integration kauft Möbel bei externen Lieferern im Falle einer Anmietung einer Privatwohnung eines Asylbewerbers, in der keinerlei Möbel vorhanden sind.

[...]


1 Vgl. Wikipedia. St. Galler Management-Modell. Das “neue” St. Galler Management-Modell. Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Galler_Management-Modell (Stand: 10.12.2015, 12:28 Uhr).

2 Vgl. Ebd.

3 Einfluss des Unternehmens und der Umwelt auf das Projekt. Internet: https://zitronenfalter-projektmanagement.com/2016/07/ (Stand: 12.12.2015, 13:32 Uhr).

4 Vgl. Lahn-Dill-Kreis. Welcome to Lahn-Dill-Kreis! Internet: http://www.lahn-dill-kreis.de/buergerservice/soziales/for-migrants/ (Stand: 10.12.2015, 12:46 Uhr).

5 Vgl. Rüegg-Stürm, Johannes (2003): Das neue St. Galler Management-Modell. Grundkategorien einer integrierten Managementlehre. Der HSG-Ansatz. 2., durchgesehene Auflage. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag. S.23.

6 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Umweltsphären: Die Einbettung des Unternehmens in seinem Umfeld. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 13.12.2015, 08:29 Uhr).

7 Vgl. Wikipedia. St. Galler Management-Modell. Umweltsphären. Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Galler_Management-Modell (Stand: 13.12.2015, 08:36 Uhr).

8 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Umweltsphären: Die Einbettung des Unternehmens in seinem Umfeld. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 13.12.2015, 09:02 Uhr).

9 Vgl. Rüegg-Stürm, Johannes (2003): Das neue St. Galler Management-Modell. Grundkategorien einer integrierten Managementlehre. Der HSG-Ansatz. 2., durchgesehene Auflage. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag. S.25.

10 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Umweltsphären: Die Einbettung des Unternehmens in seinem Umfeld. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 13.12.2015, 09:20 Uhr).

11 Vgl. Ebd.

12 Instant-Messaging-Dienst über den Benutzer Textnachrichten, Bild-, Video- und Ton-Dateien austauschen können.

13 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Umweltsphären: Die Einbettung des Unternehmens in seinem Umfeld. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 13.12.2015, 10:00 Uhr).

14 Vgl. Rüegg-Stürm, Johannes (2003): Das neue St. Galler Management-Modell. Grundkategorien einer integrierten Managementlehre. Der HSG-Ansatz. 2., durchgesehene Auflage. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag. S.23.

15 Vgl. Wikipedia. St. Galler Management-Modell. Anspruchsgruppen. Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Galler_Management-Modell (Stand: 14.12.2015, 06:57 Uhr).

16 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Anspruchsgruppen: Die Erwartungen an ein Unternehmen. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 14.12.2015, 09:10 Uhr).

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Tagesschau.de. Flüchtlinge, Asylbewerber, Migranten – was sind die Unterschiede? Internet: https://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-531.html (Stand: 15.12.2015, 07:30 Uhr).

19 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Anspruchsgruppen: Die Erwartungen an ein Unternehmen. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 14.12.2015, 09:10 Uhr).

20 Vgl. Ebd.

21 Vgl. Ebd.

22 Vgl. Regierungspräsidium Darmstadt. Ausländer und Migration. Flüchtlinge. Internet: https://rp-darmstadt.hessen.de/irj/RPDA_Internet?cid=8147a983fb256d5383918f1babe7446d (Stand: 14.12.2015, 11:52 Uhr).

23 Vgl. Modellüberblick. Das St. Galler Management-Modell. Anspruchsgruppen: Die Erwartungen an ein Unternehmen. Internet: http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/02/82/33/3/9783060282333_x1SE_037-054.pdf (Stand: 14.12.2015, 11:58 Uhr).

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Umsetzung des 3. St. Galler Management-Modells auf den Fachdienst Zuwanderung und Integration der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreis
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V1127765
ISBN (eBook)
9783346510051
ISBN (Buch)
9783346510068
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umsetzung, galler, management-modells, fachdienst, zuwanderung, integration, kreisverwaltung, lahn-dill-kreis
Arbeit zitieren
Christina Bischoff-Moos (Autor:in), 2017, Umsetzung des 3. St. Galler Management-Modells auf den Fachdienst Zuwanderung und Integration der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127765

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