Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Filosofía - Filosofía del siglo XX

Das Konzept der Unaufrichtigkeit als Flucht vor der Freiheit in Jean-Paul Sartres Erzählung "Die Kindheit eines Chefs"

Título: Das Konzept der Unaufrichtigkeit als Flucht vor der Freiheit in Jean-Paul Sartres Erzählung "Die Kindheit eines Chefs"

Trabajo Escrito , 2021 , 18 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Anny Poddey (Autor)

Filosofía - Filosofía del siglo XX
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

Die Freiheit als Grund zur Verzweiflung trifft in der Literatur nicht nur den jungen Werther – auch eine andere Romanfigur sieht sich vor der eigenen Freiheit stehen und der Frage, was damit anzufangen sei. Lucien Fleurier, Protagonist der Erzählung "Die Kindheit eines Chefs" von Jean-Paul Sartre, wählt den Weg in die Unaufrichtigkeit. Indem er sich selbst verdinglicht, zu einem Rechtsextremen wird, scheint er den Ausweg aus dieser immer wiederkehrenden unbehaglichen Ungeduld gefunden zu haben. Warum dieser Weg jedoch einer der Unaufrichtigkeit ist, ist Gegenstand dieser Arbeit.

Jean-Paul Sartre, einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, gründet mit der Frage nach der grundlegenden Freiheit des Menschen eine neue philosophische Strömung – den Existenzialismus. In dieser Philosophie geht es um nichts weniger, als den zur Freiheit verurteilten Menschen, der sich vor seiner eigenen Existenz wiederfindet,
mit der Verantwortung, sich selbst zu entwerfen. Grundlage dieser Arbeit wird Sartres Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ sowie die Erzählung "Die Kindheit eines Chefs" sein.

Zunächst wird allgemein der Versuch einer phänomenologischen Ontologie Sartres vorgestellt, der sich in einer Differenzierung zweier Seinsbereiche gründet – dem "An-Sich-Sein" und dem "Für-Sich-Sein". Aus der Bestimmung des Für-Sich-Seins ergibt sich der Freiheitsbegriff Sartres, der sich aus der Faktizität und Transzendenz der menschlichen Realität speist. Offenbart in dem Gefühl der Angst, wird die Freiheit zu einem Zustand, dem beispielsweise durch die Unaufrichtigkeit zu entgehen versucht wird. Diese Kernaspekte der existenzialistischen Philosophie Sartres werden schließlich auf den Werde-, Verhaltens-, und Gedankengang des Lucien Fleurier angewendet, um ihn als Illustration der Unaufrichtigkeit nachzuzeichnen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phänomenologische Ontologie

2.1 An-Sich-Sein und Für-Sich-Sein

2.2 Freiheit

2.3 Freiheitsbewusstsein

2.4 Unaufrichtigkeit

3. Die Kindheit eines Chefs

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das Konzept der Unaufrichtigkeit bei Jean-Paul Sartre und analysiert, inwiefern der Protagonist der Erzählung „Die Kindheit eines Chefs“, Lucien Fleurier, durch die Flucht vor seiner existenziellen Freiheit in eine verfestigte Identität als Antisemit zu entkommen versucht.

  • Phänomenologische Ontologie nach Sartre (An-Sich-Sein vs. Für-Sich-Sein)
  • Existenzielle Freiheit, Angst und die Verantwortung des Subjekts
  • Die Struktur der Unaufrichtigkeit als Selbstbelügung
  • Anwendung existenzialistischer Kategorien auf die literarische Figur des Lucien Fleurier

Auszug aus dem Buch

2.4 Unaufrichtigkeit

Mit der Freiheit, die die menschliche Realität ausmacht, geht die Verantwortung einher, sich selbst zu entwerfen, also auf jener Grundlage zu handeln, die ich mir selbst gegeben habe. Dies kann dazu führen, dass die Freiheit, die durch die Angst bewusst wird, zu verbergen gesucht wird, indem sich in die Unaufrichtigkeit begeben wird (vgl. Santoni 2003, S.65). Zunächst bestimmt Sartre die Unaufrichtigkeit als Lüge gegen sich selbst, doch unterscheidet er das Sich-Selbst-Belügen von der Lüge im Allgemeinen (Sartre 1993, S.120). In der Lüge „behauptet das Bewusstsein seine Existenz als eine vor anderen verborgene“ (Santoni 2003, S.65), doch ist in der Unaufrichtigkeit „derjenige, der lügt und derjenige, dem die Lüge erzählt wird, […] ein und derselbse.“ (Santoni 2003, S.65). Dieser Zustand wird durch die Grundstruktur des Für-Sich-Seins ermöglicht, die nicht das ist, was sie ist und das ist, was sie nicht ist (Santoni 2003, S.67).

In der Unaufrichtigkeit wird die „doppelte Eigenschaft des menschlichen Seins, eine Faktizität und eine Transzendenz zu sein“ (Sartre 1993, S.134) in dem Sinne gegeneinander ausgespielt, dass die Bedeutung des Verhaltens in der Situation von mir selbst vermieden wird: „Bad faith is the attempt to avoid admitting to oneself the meaning of one’s behavior, even as one is engaged in.“ (Crowell 2012, S.217).

Einerseits „kann der Unaufrichtige die Transzendenz benutzen, um sich zur Faktizität erstarren zu lassen.“ (Dandyk 2004, S.135) und anderseits kann er „auch mittels der Transzendenz die Faktizität leugnen.“ (Dandyk 2004, S.135). Sartre untersucht diese Verhaltensweise anhand eines Beispiels einer koketten Frau, die die Annäherungsversuche ihres Begleiters nicht realisieren möchte, da diese sie kränken würden (vgl. Sartre 1993, S.133). So erkenne sie in dem Satz „‚Ich bewundere Sie sehr’“ (Sartre 1993, S.133) nicht die tatsächlichen Absichten ihres Begleiters, sondern versteht ihn wortwörtlich und reduziert sie auf den Modus des An-Sich-Seins.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die existenzialistische Philosophie Sartres ein und legt das Ziel der Arbeit fest, die Unaufrichtigkeit des Protagonisten Lucien Fleurier mittels Sartres Ontologie zu analysieren.

2. Phänomenologische Ontologie: Dieses Kapitel erläutert Sartres Differenzierung zwischen An-Sich-Sein und Für-Sich-Sein, definiert den Freiheitsbegriff und beschreibt die Unaufrichtigkeit als Fluchtmechanismus vor der existenziellen Verantwortung.

3. Die Kindheit eines Chefs: Hier wird die Erzählung analysiert, wobei Luciens Identitätskrisen, seine Flucht in psychologische Erklärungsmodelle und schließlich seine Radikalisierung als Akt der Unaufrichtigkeit betrachtet werden.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Lucien durch die Übernahme einer festen Ideologie seine existenzielle Freiheit verleugnet, um der Unsicherheit seiner menschlichen Realität zu entgehen.

Schlüsselwörter

Jean-Paul Sartre, Existenzialismus, Unaufrichtigkeit, Für-Sich-Sein, An-Sich-Sein, Freiheit, Angst, Identität, Lucien Fleurier, Die Kindheit eines Chefs, Ontologie, Faktizität, Transzendenz, Verantwortung, Radikalisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das philosophische Konzept der „Unaufrichtigkeit“ (mauvaise foi) bei Jean-Paul Sartre und wendet dieses auf die literarische Erzählung „Die Kindheit eines Chefs“ an.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die phänomenologische Ontologie Sartres, die Natur menschlicher Freiheit, das Gefühl der Angst sowie die Mechanismen der Selbsttäuschung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Werdegang des Protagonisten Lucien Fleurier als Illustration eines Menschen darzustellen, der seine existenzielle Freiheit nicht aushält und daher in die Unaufrichtigkeit flüchtet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophische Textanalyse von Sartres Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“, um die theoretischen Kategorien auf das literarische Fallbeispiel anzuwenden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die ontologischen Grundlagen (An-Sich vs. Für-Sich, Freiheit) geklärt, bevor diese auf Luciens Kindheit, seine Identitätskrisen und seine Hinwendung zum Antisemitismus angewendet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Existenzialismus, Unaufrichtigkeit, Freiheit, Identität, Ontologie und der Name des Protagonisten, Lucien Fleurier.

Warum wählt Lucien Fleurier den Weg des Antisemitismus?

Sartre zeigt, dass Lucien den Antisemitismus als starre Ideologie wählt, um eine feste Identität vorzutäuschen und der permanenten Unsicherheit seiner freien Existenz zu entgehen.

Welche Rolle spielt die Psychoanalyse in der Erzählung?

Lucien versucht, seine Identitätskrisen durch psychoanalytische Deutungen zu erklären, was Sartre als eine weitere Form der Unaufrichtigkeit darstellt, um der Verantwortung für das eigene Handeln zu entkommen.

Wie definiert Sartre das Verhältnis zwischen dem Kellner-Beispiel und Lucien?

Sowohl der Kellner als auch Lucien versuchen, ein „An-Sich-Sein“ zu erreichen – also ein Ding zu werden, das fest definiert ist –, um nicht länger mit der Freiheit des „Für-Sich-Seins“ konfrontiert zu sein.

Final del extracto de 18 páginas  - subir

Detalles

Título
Das Konzept der Unaufrichtigkeit als Flucht vor der Freiheit in Jean-Paul Sartres Erzählung "Die Kindheit eines Chefs"
Universidad
Ruhr-University of Bochum
Calificación
1,0
Autor
Anny Poddey (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
18
No. de catálogo
V1127774
ISBN (Ebook)
9783346489104
ISBN (Libro)
9783346489111
Idioma
Alemán
Etiqueta
Existenzialismus Sartre Jean-Paul sartre Unaufrichtigkeit Kindheit eines Chefs
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anny Poddey (Autor), 2021, Das Konzept der Unaufrichtigkeit als Flucht vor der Freiheit in Jean-Paul Sartres Erzählung "Die Kindheit eines Chefs", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127774
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  18  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint