Diese Arbeit untersucht die Frage, wie die Entscheidung zur Aufnahme eines Hochschulstudiums für Nicht-Akademikerkinder in Deutschland positiv beeinflusst werden kann. Bevor dieser Frage nachgegangen werden kann, müssen in diesem Zusammenhang zunächst folgende weitere Fragen beantwortet werden: Wodurch entsteht soziale Ungleichheit für Nicht-Akademikerkinder? Wie sieht deren aktuelle Situation im Bildungssystem aus? Sind Maßnahmen tatsächlich nötig? Im Mittelpunkt der Arbeit sollen Ansätze stehen, mit denen soziale Ungleichheit für Nicht-Akademikerkinder reduziert werden kann. Dabei wird hauptsächlich der Übergang von der Schule zur Hochschule in den Blick genommen. Ziel der Arbeit ist es, geeignete Lösungsansätze für den Abbau von sozialer Ungleichheit von Nicht-Akademikerkindern herauszustellen.
Kinder treten, je nach sozialer Herkunft, mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Bildungssystem ein. So haben Nicht-Akademikerkinder häufig ein geringeres Kompetenzniveau als Akademikerkinder. Nicht-Akademikerkinder werden darüber hinaus an verschiedenen Stellen des Bildungssystems benachteiligt und damit selektiert. Beispielsweise werden beim Übergang von der Grundschule in den Sekundarbereich I für Kinder aus nichtakademischen und akademischen Elternhäusern unterschiedliche Empfehlungen für weiterführende Schulen ausgesprochen, trotz gleicher Schulleistungen. Die Benachteiligungen haben Auswirkungen auf den Erfolg von Nicht-Akademikerkindern im Bildungssystem. Nur selten schaffen sie es in die gymnasiale Oberstufe und damit auch an die Hochschule. Haben es Nicht-Akademikerkinder trotz Hindernissen geschafft, die Hochschulzugangsberechtigung zu erlagen, bedeutet dies nicht automatisch die Aufnahme eines Studiums. Im Gegensatz zu Akademikerkindern entscheidet sich nur ein kleiner Teil für den Hochschulbesuch. Dadurch bleibt ihnen oftmals ein Bildungsaufstieg verwehrt. Es ist wahrscheinlicher, dass dieselbe soziale Lage reproduziert wird. Dies deutet auf eine soziale Ungleichheit im Bildungssystem hin. Das Thema soziale Ungleichheit ist noch immer aktuell, dies wird u.a. durch die empirischen Ergebnisse von PISA und der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks belegt. Daher kann angezweifelt werden, ob Deutschland den oben genannten Ansprüchen in der Realität tatsächlich gerecht wird. Das Thema ist somit relevant, da jeder Mensch in einer demokratischen Gesellschaft dieselben Chancen auf Ausstieg durch Bildung haben sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN
2.1 DEFINITION SOZIALE UNGLEICHHEIT
2.2 DEFINITION NICHT-AKADEMIKERKIND
2.3 DIE STRUKTUR DES DEUTSCHEN BILDUNGSSYSTEMS
3 ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR ENTSTEHUNG VON BILDUNGSUNGLEICHHEIT
3.1 THEORETISCHE ERKLÄRUNGEN ZUR ENTSTEHUNG VON SOZIALER UNGLEICHHEIT
3.1.1 Pierre Bourdieus Reproduktionstheorie
3.1.2 Raymond Boudons Herkunftseffekte
3.2 DIE BEDEUTUNG VON INFORMATIONSDEFIZITEN
3.3 DIE WICHTIGKEIT DER ELTERN
3.4 DIE BENACHTEILIGUNGEN DURCH DAS DEUTSCHE BILDUNGSSYSTEM
4 DIE AKTUELLE SITUATION VON NICHT-AKADEMIKERKINDERN
4.1 STUDIEN ZUR SOZIALEN UNGLEICHHEIT IM BILDUNGSSYSTEM
4.2 STUDIEN ZUM ÜBERGANG SCHULE – HOCHSCHULE
4.3 SOZIALE MOBILITÄT IN DEUTSCHLAND
5 LÖSUNGSANSÄTZE ZUR VERBESSERUNG DER BILDUNGSCHANCEN
5.1 PRÄVENTIVE MAßNAHMEN
5.1.1 Frühkindliche Förderung
5.1.2 Ganztagsschulen
5.1.3 Reformen im Bildungssystem
5.1.4 Familienzentren
5.2 NACHHOLENDE MAßNAHMEN
5.2.1 Finanzierungshilfen
5.2.2 Studieninformationen
5.2.2.1 Berufs- und Studienorientierung in der Schule
5.2.2.2 Angebote der Hochschulen
5.2.3 Förderprogramme
5.2.3.1 ArbeiterKind.de
5.2.3.2 Chance hoch 2
6 DISKUSSION
7 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Entscheidung zur Aufnahme eines Hochschulstudiums für Nicht-Akademikerkinder in Deutschland positiv beeinflusst werden kann, um soziale Ungleichheit abzubauen.
- Soziale Ungleichheit und Bildungsbenachteiligung im deutschen System
- Theoretische Erklärungsmodelle (Bourdieu & Boudon)
- Empirische Analyse der Situation von Nicht-Akademikerkindern
- Präventive Maßnahmen (Frühkindliche Förderung, Ganztagsschulen)
- Nachholende Maßnahmen (Studieninformation, Mentoring, Förderprogramme)
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Pierre Bourdieus Reproduktionstheorie
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu verfasste u. a. das berühmte Werk Die Feinen Unterschiede (1982) mit dem zentralen Thema soziale Ungleichheit. In seiner Untersuchung analysiert Bourdieu die Wechselwirkung zwischen Kultur und sozialer Herkunft. Er kommt zu dem Ergebnis, dass alle Geschmäcker von Menschen, wie Kunst, Literatur und Musik, von ihrer Herkunft geprägt werden. Sie sind also nicht naturgegeben (vgl. Bourdieu 1982, S. 171 ff.).
Der Grund für diesen Effekt ist der Habitus des Menschen. Der Begriff Habitus hat für Bourdieu große Relevanz. Der Habitus stellt ein dauerhaftes System an Dispositionen eines Menschen dar, nach dem er sein Handeln ausrichtet (vgl. Bourdieu 1993, S. 31 f.). Durch dieses allgemeine Einstellungsmuster wird beeinflusst, wie er Dinge wahrnimmt, denkt, handelt und fühlt (vgl. Bourdieu 1974, S. 40). Der Habitus hat Auswirkungen auf das ganze Leben eines Menschen, beispielsweise auf Kleidung, Speisen, Musik, Sportarten und Freizeitgestaltung (vgl. Bourdieu 1982, S. 277 ff.). Durch den Habitus eines Menschen lässt sich sein Verhalten erklären. Er zeigt die Möglichkeiten bzw. Grenzen, über die er verfügt (vgl. Bourdieu 1993, S. 33 f.). Der Habitus wird von einer Generation auf die nächste Generation übertragen und führt so zu sozialer Ungleichheit (vgl. Bourdieu 1982, S. 686).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz der sozialen Ungleichheit im Bildungssystem und Vorstellung der Fragestellung zur Studienentscheidung von Nicht-Akademikerkindern.
2 BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN: Definition der zentralen Begriffe soziale Ungleichheit und Nicht-Akademikerkind sowie kurzer Überblick über das deutsche Bildungssystem.
3 ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR ENTSTEHUNG VON BILDUNGSUNGLEICHHEIT: Theoretische Untersuchung der Ursachen durch Bourdieu und Boudon sowie Analyse von Informationsdefiziten und elterlichem Einfluss.
4 DIE AKTUELLE SITUATION VON NICHT-AKADEMIKERKINDERN: Auswertung empirischer Studien zur Bildungsungleichheit, zum Übergang Schule-Hochschule und zur sozialen Mobilität in Deutschland.
5 LÖSUNGSANSÄTZE ZUR VERBESSERUNG DER BILDUNGSCHANCEN: Darstellung präventiver und nachholender Maßnahmen wie frühkindliche Förderung, Studienberatung und spezifische Förderprogramme.
6 DISKUSSION: Bewertung und Interpretation der vorgestellten Lösungsansätze vor dem Hintergrund der theoretischen Erklärungsmodelle.
7 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Nicht-Akademikerkinder, Bildungsaufstieg, Studienentscheidung, Übergang Schule-Hochschule, Informationsdefizit, Habitus, Herkunftseffekt, Bildungsaspiration, Präventive Maßnahmen, Nachholende Maßnahmen, ArbeiterKind.de, Chance hoch 2, Rational-Choice-Theorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen der Bildungsungleichheit von Kindern aus nicht-akademischen Elternhäusern beim Übergang vom Gymnasium an die Hochschule und erarbeitet Lösungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die theoretische Herleitung sozialer Ungleichheit, die empirische Analyse aktueller Studien zur Bildungsbeteiligung sowie die Evaluierung von Präventions- und Fördermaßnahmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie die Entscheidung für ein Hochschulstudium bei Nicht-Akademikerkindern in Deutschland durch gezielte Maßnahmen positiv beeinflusst werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine umfassende Literaturrecherche und die Auswertung sowie kritische Diskussion vorhandener empirischer Studien und Berichte zur Bildungsbiografie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungen (Habitus, Herkunftseffekte), die aktuelle empirische Situation sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit präventiven und nachholenden Bildungsmaßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Ungleichheit, Nicht-Akademikerkind, Bildungsaufstieg, Studieninformationen, Herkunftseffekt und Mentoring-Programme wie ArbeiterKind.de.
Inwiefern spielt der "Habitus" nach Bourdieu eine Rolle für Nicht-Akademikerkinder?
Der Habitus prägt die Dispositionen und Bildungserwartungen, was dazu führt, dass Kinder aus nicht-akademischen Familien oftmals schlechtere Voraussetzungen für den Hochschulzugang mitbringen.
Warum wird die Rational-Choice-Theorie zur Erklärung genutzt?
Sie dient dazu, das rationale Abwägen von Kosten, Nutzen und Erfolgswahrscheinlichkeiten bei Bildungsentscheidungen zu erklären, was bei Nicht-Akademikerkindern oft gegen ein Studium ausfällt.
Welche Rolle spielen Informationen für die Studienentscheidung?
Mangelnde Informationen führen zu Ängsten und Fehlentscheidungen; gezielte Studieninformationen und Mentoring können das Selbstvertrauen stärken und die Entscheidung für ein Studium positiv beeinflussen.
Was unterscheidet ArbeiterKind.de von anderen Programmen?
Das Programm zeichnet sich durch ein niedrigschwelliges Peer-to-Peer-Mentoring aus, das ohne aufwendige Bewerbung für alle Interessierten zugänglich ist und durch Studierende der ersten Generation getragen wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem am Beispiel von Nicht-Akademikerkindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128141