Alkohol steht in unserer Gesellschaft zum einen für Geselligkeit, zum anderen für einen ungesunden Lebensstil und zwar dann, wenn er im Übermaß getrunken wird. Übermaß ist in den verschiedenen nationalen Kulturen unterschiedlich definiert. Auffällig, aber noch am ehesten als Grenzerfahrung toleriert, ist der Alkoholkonsum vor allem bei Jugendlichen. Die Relevanz des Themas ist ungebrochen und erweckt mit vermeintlich neuen extremen Erscheinungsformen jugendlichen Trinkverhaltens, wie den „Flatrate- Partys“ oder dem „binge-drinking“, immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.
Was scheinbar nicht an die Öffentlichkeit gelangt, ist, dass die Bundesrepublik
Deutschland insgesamt ein Alkoholproblem zu haben scheint. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Bevölkerung zuviel Alkohol konsumiert, sondern dass der Umgang mit der Substanz kaum hinterfragt wird. Alkohol hat zu fast jeder Zeit und an fast jedem Ort seine Berechtigung. Das „Feierabendbier“ oder das „Sektfrühstück“ sind feste Bestandteile der Alltagssprache. Der Reichstag besitzt ein eigenes parlamentarisches Weinforum. Alkoholkonsum wird in unserer Gesellschaft nahezu vollkommen akzeptiert und reproduziert sich über Verhalten und Normen. Ein sensibler Umgang mit dem sogenannten „normalen“ Alkoholkonsum fehlt fast völlig. Der Verzicht auf das „Feierabendbier“ fördert eher Verlustängste als ein Überdenken der eigenen Risikoverhaltensweisen. Obwohl das alle Teile der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, ruht der Blick dieser Arbeit auf den Jugendlichen, da sie durch die Normen und Werte ihrer sozialen
Umgebung geprägt und in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol spiegelt sich unter anderem im Trinkverhalten Jugendlicher wider, was sich durch kurze Ausblicke in andere Länder belegen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodische Vorgehensweise
3. Begriffsdefinitionen
3.1 Jugend
3.2 Alkohol – Substanz und Konsummengen
3.3 Alkoholkonsum, -missbrauch, -abhängigkeit
4. Alkoholkonsum in Deutschland – Entwicklung und Bestandsaufnahme
4.1 Alkoholkonsum bei Erwachsenen
4.2 Alkoholkonsum bei Jugendlichen
5. Alkoholkonsum versus gesundheitsbewusstes Verhalten
5.1 Gesundheitsverhalten
5.2 Soziale Ungleichheiten und Gesundheit
5.3 Der „normale“ Alkoholkonsum und seine gesundheitlichen Folgen
5.4 Gesundheitliche Folgekosten für die Gesellschaft
6. Die Einflüsse des sozialen Umfelds auf das Konsumverhalten Jugendlicher
6.1 Der Einfluss von Gesellschaft und Werbung
6.2 Der Einfluss der Familie – biologische und soziale Faktoren
6.3 Der Einfluss der Peergroups
6.4 Schlussfolgerungen
7. Jugendlicher Alkoholkonsum im Alltag - Expertengespräche
7.1 Vertreter der Polizei – Gespräch mit dem Leiter der Führungsstelle des Schutzbereichs Potsdam
7.2 Das Klinikum Ernst von Bergmann – Gespräch mit dem Leiter der Rettungsstelle und einem Oberarzt der Kinderstation
7.3 Sozialarbeiter – Gespräch mit einem Mitarbeiter des Chill out Vereins
7.4 Gespräch mit zwei Sozialpädagogen des Jugendclubs „Alpha“
8. Präventionsmaßnahmen
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Trinkverhalten Jugendlicher in Potsdam und analysiert, inwieweit soziale Faktoren, wie die familiäre Umgebung oder der sozioökonomische Status, das Konsummuster beeinflussen. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen Gesundheitsbewusstsein und tatsächlichem Alkoholkonsum bei Jugendlichen aufzudecken und Ansätze für eine wirksamere Prävention zu identifizieren.
- Analyse des Alkoholkonsums Jugendlicher in Relation zu sozialen Einflüssen.
- Untersuchung der Rolle des sozialen Umfelds, insbesondere Familie und Peers.
- Evaluation des Einflusses von gesellschaftlichen Normen und Alkoholwerbung.
- Erörterung der Diskrepanz zwischen Gesundheitsbewusstsein und riskantem Konsumverhalten.
- Prüfung der Wirksamkeit bisheriger Präventionsmaßnahmen mittels Expertengesprächen.
Auszug aus dem Buch
6.1 Der Einfluss von Gesellschaft und Werbung
Die Geschichte des Alkohols als Nahrungs-, Genuss- und als Rauschmittel kann über Tausende von Jahren zurückverfolgt werden und hat somit eine lange Tradition. Ein ausgeprägter Alkoholkonsum weiter Teile der Bevölkerung ist erst seit dem Mittelalter und für die beginnende Neuzeit belegt, wo Löhne in Form von alkoholischen Getränken ausgezahlt wurden. Das hatte jedoch zur Folge, dass sich in manchen Wohngegenden ein „Elendsalkoholismus“ herausbildete. Dies gilt vor allem für Entwicklungen im beginnenden Industriezeitalter. Jedoch besagt Plutarch berühmtes Zitat: „Trinker zeugen Trinker“, dass auch schon in der Antike das Problem des übermäßigen Alkoholkonsums vorhanden gewesen sein muss, wenn auch nicht in allen Gesellschaftsschichten.
Die zunehmende Verbreitung alkoholischer Getränke führte dazu, dass die Folgen der Alkoholkonsum und der Abhängigkeit immer deutlicher hervortraten. Daraus folgten massive staatliche Eingriffe, von denen die zugegebenermaßen erfolglose Prohibition in den USA zu den bekanntesten zählt. In der Zeit von 1919-1932 waren der Handel und der Konsum von Alkohol per Gesetz verboten, aber nur im Jahr 1921 ging der Alkoholkonsum zurück. 1922 hatte er bereits wieder Vorprohibitionsstand erreicht und stieg in den folgenden Jahren weiter an.
Heutzutage sind alkoholische Getränke sowohl in Deutschland als auch in den meisten nicht-islamischen Ländern unbegrenzt verfügbar. Gesetzliche Einschränkungen des Alkoholkonsums bietet in Deutschland bisher lediglich das Jugendschutzgesetz, obwohl gerade in den letzten Wochen in einzelnen Städten der Bundesrepublik Maßnahmen ergriffen worden sind den Alkohol von öffentlichen Plätzen zu verbannen. Jüngstes Beispiel ist das angestrebte Alkoholverbot auf der Reeperbahn in Hamburg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkoholkonsum und definiert das Forschungsinteresse an den soziologischen Hintergründen des Trinkverhaltens Jugendlicher.
2. Methodische Vorgehensweise: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption der empirischen Untersuchung, inklusive der Erhebung mittels Fragebögen in Potsdam und der Durchführung von Experteninterviews.
3. Begriffsdefinitionen: Es werden zentrale Begriffe wie Jugend, Alkoholkonsum, Missbrauch und Abhängigkeit definiert, um eine fundierte Basis für die Analyse zu schaffen.
4. Alkoholkonsum in Deutschland – Entwicklung und Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel analysiert aktuelle Trends des Alkoholkonsums bei Erwachsenen und Jugendlichen basierend auf nationalen und internationalen Studien.
5. Alkoholkonsum versus gesundheitsbewusstes Verhalten: Hier wird das Spannungsfeld zwischen der Selbsteinschätzung der Jugendlichen in Bezug auf ihre Gesundheit und ihrem realen Gesundheitsverhalten untersucht.
6. Die Einflüsse des sozialen Umfelds auf das Konsumverhalten Jugendlicher: Das Kapitel analysiert die Rolle von Werbung, Familie und Peergroups bei der Entwicklung und Verstärkung von Trinkgewohnheiten.
7. Jugendlicher Alkoholkonsum im Alltag - Expertengespräche: Die Ergebnisse aus den qualitativen Interviews mit Polizei, Medizinern und Sozialarbeitern werden hier detailliert dargestellt.
8. Präventionsmaßnahmen: Das Kapitel evaluiert bestehende Präventionsansätze und diskutiert deren Wirksamkeit sowie mögliche neue Strategien zur Suchtprävention.
9. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt Ausblicke auf notwendige zukünftige Forschungen und präventive Strategien.
Schlüsselwörter
Alkoholkonsum, Jugendliche, Sozialstrukturanalyse, Gesundheitsverhalten, Prävention, Binge-Drinking, Flatrate-Partys, Peergroups, Sozialisation, Sucht, Risikoverhalten, Alkoholabhängigkeit, Erziehung, Trinkgewohnheiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit befasst sich mit dem Alkoholkonsum Jugendlicher in der Stadt Potsdam und untersucht die soziologischen Hintergründe dieses Verhaltens im Kontext gesellschaftlicher Normen und individueller Einflüsse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Alkoholkonsums in Deutschland, der Einfluss des sozialen Umfelds (Familie und Freunde), die Rolle der Werbung sowie der Kontrast zwischen Gesundheitsbewusstsein und tatsächlichem Trinkverhalten bei Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen für den Alkoholkonsum Jugendlicher soziologisch zu ergründen und die Wirksamkeit aktueller Präventionsmaßnahmen sowie die Rolle sozioökonomischer Faktoren zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung ist empirisch angelegt. Sie nutzt einen standardisierten Fragebogen zur quantitativen Erfassung des Trinkverhaltens Potsdamer Jugendlicher sowie qualitative, halbstandardisierte Experteninterviews mit Medizinern, Polizisten und Sozialarbeitern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Trends des Alkoholkonsums, diskutiert den Einfluss von Familie, Peers und Werbung und evaluiert die Auswirkungen von riskantem Konsum wie Binge-Drinking auf die Gesundheit und die Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Alkoholkonsum, Jugendliche, Prävention, Sozialstrukturanalyse, Gesundheitsverhalten, Binge-Drinking und sozialer Einfluss.
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld für den Alkoholkonsum?
Die Arbeit zeigt auf, dass das soziale Umfeld, insbesondere die Familie als Vorbild und die Peergroups (Cliquen), einen erheblichen, wenn auch multikausalen Einfluss auf das Trinkverhalten ausübt.
Wie bewerten die Experten die aktuelle Präventionsarbeit?
Die Experten kritisieren die bisherigen Maßnahmen als oft zu wenig greifend, da sie das reale Lebensumfeld der Jugendlichen und die gesellschaftliche Normalisierung von Alkohol zu wenig berücksichtigen.
- Quote paper
- Katrin Schulze (Author), 2008, Alkoholkonsum bei Jugendlichen - Eine empirische Untersuchung unter Jugendlichen aus Potsdam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112820