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Förderung antirassistischer Sprache. Potenziale eines postkolonialen Geschichtsunterrichts

Title: Förderung antirassistischer Sprache. Potenziale eines postkolonialen Geschichtsunterrichts

Master's Thesis , 2021 , 102 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anton Drutschmann (Author)

Didactics - History
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Die Arbeit untersucht ausgehend von postkolonialer Rassismuskritik die Potenziale des Geschichtsunterrichts zur Förderung antirassistischer Sprache. Hierzu wird zunächst mit Hilfe sprachtheoretischer Grundlagen die Bedeutung von Sprache als Diskriminierungsmittel besprochen und konsekutiv auf die Notwendigkeit der Förderung von Sprachsensibilität angewendet. Dies geschieht hinsichtlich eines Sprachbewusstseins das sich des Ansatzes antirassistischer Sprache, ihrer moralischen Dimension, den häufigsten konträren Rechtfertigungsstrategien rassistischer Sprachhandlungen und seiner eigenen Grenzen bewusst ist. Dabei wird der Fokus exemplarisch auf Rassismus gegenüber Afrikaner*innen und afrodeutschen Menschen gesetzt.

Bevor die Potenziale des Geschichtsunterrichts analysiert werden, soll dieser zunächst kritisch hinsichtlich seiner Verankerung innerhalb des Systems Schule reflektiert und auf seine grundsätzliche Beziehung zu Sprache untersucht werden. Anschließend wird mithilfe herrschafts- und rassismuskritischer Ansätze die Förderung des Sprach- und Geschichtsbewusstseins zunächst im Themenfeld Kolonialismus erörtert sowie die lebensweltliche Bedeutung von Sprache als Chance für den Geschichtsunterricht herausgestellt. Ausgehend vom Prinzip des Othering wird die Reflexion von Identitätskonstruktionen als Kernelement antirassistischer Sprache in den Mittelpunkt gerückt und auf die Möglichkeiten der Analyse von Sprache als Indikator und ReProduzentin (anti)rassistischer Narrative sowie Sprecher*innenpositionen bezogen. Dabei soll das grundsätzliche Potenzial, anhand von Sprache koloniale Strukturen wie Rassismus sichtbar zu machen, aufgezeigt werden. Zuletzt wird Empowerment als wichtiges Element eines herrschaftskritischen, migrationsgesellschaftlichen Geschichtsunterrichts und als Grundlage für antirassistische Sprachinterventionen sowie der Umgang mit quellenbasierter Perspektivität und ihren Fallstricken bezüglich rassistischer Sprache thematisiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorwort

3 Theoretische Grundlagen antirassistischen Sprachgebrauchs

3.1 Sprache als Instrument der Diskriminierung

3.2 Notwendigkeit einer diskriminierungssensiblen Sprache

3.2.1 Sprachbewusstsein

3.2.2 Funktionsweise antirassistischer Sprache

3.2.3 Moral von Sprachhandlungen

3.2.4 Kritiker*innen und ihre Argumente

3.2.5 Grenzen und Kritik von antirassistischer Sprache

4 Der Geschichtsunterricht als Institution im Spannungsfeld Rassismus

4.1 Schule als sozialer Raum

4.2 Geschichtsunterricht und Sprache

5 Postkolonialer Geschichtsunterricht und antirassistische Sprache

5.1 Der Racial Turn

5.2 Rassismuskritik im Kolonialismus oder Nationalsozialismus?

5.3 Der Kolonialismus als Sprachwerkstatt der rassistischen Sprache

5.4 Antirassistische als herrschaftskritische Sprache

5.5 Rassistische Sprache als Problem der Lebenswelt

5.6 Rassistische Sprache als Form des Othering

5.6.1 Mechanismen und Akte des Otherings

5.6.2 Versteckter Rassismus – „Fremdenfeindlichkeit“ und Kulturrassismus

5.6.3 Selbstkonstruktion über Fremdkonstruktion

5.6.4 Weißsein als Analysekategorie

5.6.5 Weißes Wissen

5.7 Empowerment durch Sprache

5.8 Quellen

5.8.1 Weiße Perspektiven

5.8.2 Schwarze Perspektiven

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Masterarbeit untersucht, wie ein postkolonial ausgerichteter Geschichtsunterricht dazu beitragen kann, antirassistische Sprache zu fördern. Dabei wird erforscht, wie durch die kritische Auseinandersetzung mit kolonialen Sprachmustern und deren Wirkungsmacht ein Bewusstsein für Rassismus in der heutigen Gesellschaft geschaffen werden kann, um Lernende zur kritischen Reflexion und zum bewussten Sprachhandeln zu befähigen.

  • Bedeutung von Sprache als Instrument der Diskriminierung und Machtausübung
  • Postkoloniale Rassismuskritik im schulischen Kontext
  • Förderung von Sprachbewusstsein und Empowerment durch antirassistische Ansätze
  • Analyse des "Othering" als Mechanismus rassistischer Sprache
  • Bedeutung der Kategorie "Weißsein" für die historische und gegenwärtige Identitätskonstruktion

Auszug aus dem Buch

3.1 Sprache als Instrument der Diskriminierung

„Worte können sein wie winzige Arsendosen, sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“6

Mit diesem metaphorischen Satz beschreibt Viktor Klemperer die diskriminierende Wirkungsweise von Sprache in seiner Analyse der Transformation der Sprache im Zuge des Nationalsozialismus.

Indem für viele Menschen Sprache nur als neutrales Medium gilt, das lediglich als Vehikel für absolute Informationen dient, wird die Wirkungsweise als Instrument für Diskriminierung unterschätzt. Deutlich wird dies durch den Umstand, dass, während rassistisch motivierte körperliche Anfeindungen oder rechtsextreme Symbolik schnell ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit rücken, verbale Veräußerungen mit diskriminierendem Inhalt noch immer als „Wörter der Umgangssprache“ oder „normale Konflikte“7 heruntergespielt werden. Dabei wird übersehen, dass die Nutzung von Sprache ein aktives Handeln darstellt, das verletzend, diskriminierend oder gewalttätig sein kann und die Betroffenen dazu zwingt, Überlebensstrategien zu entwickeln, um mit diesen Aggressionen umzugehen.8

Die deutsche Sprache beherbergt einen riesigen Wissenfundus rassistisch konnotierter Wörter und Phrasen, die für die Mehrheitsgesellschaft nur weitere Bestandteile ihrer Sprachkultur darstellen, für marginalisierte Gruppen jedoch ein allgegenwärtiges Verletzungs- und Machtpotenzial bedeuten.9 Dieser historisch gewachsene Wissensfundus besteht sowohl in der inhärenten Struktur unserer Sprache, als auch in Feinheiten, welche zusammen zu einem Fortleben von Rassismus in der Sprache selbst, aber letztendlich auch in unserer Sozialisation beitragen, ohne dass dies den beteiligten Personen bewusst sein muss.10 Durch Veranderungen, Zuweisung von negativen Bewertungen, Verunglimpfungen, Subsummierungen, EntNennungen sowie Proto- als auch Stereotypisierungen werden jedoch im alltäglichen Sprachgebrauch Menschen aufgrund ihres Phänotyps markiert und als das „Andere“ ausgegrenzt. 11 So sind Sprachhandlungen zum einen ein Indikator für den Umgang einer Gesellschaft mit bestimmten Diskriminierungen, zum anderen bieten sie genauso ein Instrument, diese oftmals unreflektierten Einstellungen der Sprachgemeinschaft zu markieren und Wandel zu bezwecken.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Debatte über rassistische Sprache ein und formuliert das Ziel, postkoloniale Rassismuskritik in den Geschichtsunterricht zu integrieren.

Vorwort: Der Autor reflektiert seine eigene Position als weißer Geschichtslehrer und erläutert die gewählten Schreibweisen zur Kennzeichnung ideologiebehafteter Begriffe.

Theoretische Grundlagen antirassistischen Sprachgebrauchs: Das Kapitel analysiert Sprache als machtvolles Instrument der Diskriminierung und erörtert die Notwendigkeit einer diskriminierungssensiblen Sprachförderung sowie moralische Aspekte des Sprachhandelns.

Der Geschichtsunterricht als Institution im Spannungsfeld Rassismus: Es wird die Schule als sozialer Raum und Machtgefüge untersucht, in dem rassistische Normalitätskonstruktionen potenziell reproduziert werden.

Postkolonialer Geschichtsunterricht und antirassistische Sprache: Dieser Hauptteil beleuchtet den "Racial Turn", rassistische Kontinuitäten zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus sowie das Konzept des Othering als zentralen Mechanismus rassistischer Sprache.

Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung des Potenzials, das ein postkolonial ausgerichteter Geschichtsunterricht für die Förderung einer antirassistischen Haltung und Sprachkompetenz bietet.

Schlüsselwörter

Rassismuskritik, Geschichtsunterricht, Antirassistische Sprache, Postkolonialismus, Othering, Weißsein, Diskriminierung, Sprachbewusstsein, Empowerment, Machtstrukturen, Kolonialismus, Identitätskonstruktion, Differenz, Herrschaftskritik, Geschichtsdidaktik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie ein postkolonial ausgerichteter Geschichtsunterricht dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler für rassistische Sprachstrukturen zu sensibilisieren und antirassistisches Sprachhandeln zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Macht der Sprache, die Analyse kolonialer Kontinuitäten im Rassismus, die Reflexion von Weißsein und die Förderung von Empowerment bei marginalisierten Gruppen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Geschichtsunterricht als Ort zu identifizieren, an dem durch Sprachkritik und historische Analyse rassistische Wissensformationen dekonstruiert und alternative, antirassistische Narrative etabliert werden können.

Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf postkoloniale Rassismuskritik, Theorien des Othering, Critical Whiteness Studies und geschichtsdidaktische Konzepte des historischen Lernens.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden sprachtheoretische Grundlagen, die institutionellen Bedingungen von Schule, der Racial Turn, die historische Analyse von Kolonialismus und Nationalsozialismus sowie die Bedeutung von Othering und Empowerment analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Rassismuskritik, Othering, Weißsein, Sprachbewusstsein und Empowerment im Kontext des historischen Lernens.

Warum wird der Kolonialismus als so wichtig erachtet?

Der Kolonialismus wird als Geburtsstätte des modernen Rassismus und der rassistischen Sprachwerkstatt begriffen, deren Strukturen bis in die Gegenwart fortwirken.

Wie definiert die Arbeit "Weißsein"?

Weißsein wird nicht als biologisches Merkmal, sondern als gesellschaftliche Position mit strukturellen Privilegien definiert, die historisch konstruiert und durch Sprache in der Dominanzgesellschaft naturalisiert wurde.

Welche Rolle spielt das Konzept des "Othering"?

Othering beschreibt den Prozess, durch den dominante Gruppen andere als "fremd" und "anders" konstruieren, um eigene Machtansprüche zu legitimieren; dies dient als zentrales Analysekriterium für rassistische Sprache.

Wie können geschützte Räume im Unterricht helfen?

Geschützte Räume ermöglichen es rassistisch Diskriminierten, ohne den ständigen unmarkierten weißen Blick über ihre Erfahrungen zu sprechen, ihre eigene Identität zu reclaimen und Strategien des Widerstands zu entwickeln.

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Details

Title
Förderung antirassistischer Sprache. Potenziale eines postkolonialen Geschichtsunterrichts
College
Free University of Berlin
Grade
1,7
Author
Anton Drutschmann (Author)
Publication Year
2021
Pages
102
Catalog Number
V1128242
ISBN (eBook)
9783346488923
ISBN (Book)
9783346488930
Language
German
Tags
Rassismus Postkolonialismus Geschichtsdidaktik Sprache Antirassismus Politische Korrektheit political correctness Geschichtsunterricht Imperialismus Sprachbildung Sprachsensibilität interkulturelles Lernen transkulturelles Lernen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anton Drutschmann (Author), 2021, Förderung antirassistischer Sprache. Potenziale eines postkolonialen Geschichtsunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128242
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