Basierend auf dem Kalkulationsprogramm Microsoft Excel, das in der Praxis bei Analysten eine bedeutende Stellung einnimmt, ist es von Interesse, welche technischen Möglichkeiten zur Integration der semantischen Finanzdaten in dieses Programm bestehen, sodass diese im Rahmen der zu suchenden Struktur ausgewertet werden können. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die gewählte Auszeichnungssprache XBRL geeignet ist oder ob es noch weitere semantische Datenstrukturen gibt, welche den Zweck unter Umständen besser erfüllen könnten.
Die Digitalisierung nimmt im Bereich der externen Kommunikation von Finanzinformationen seit geraumer Zeit an Bedeutung zu und spiegelt zugleich die Transformation im Finanz- und Rechnungswesen wider. Analoge Abschlüsse in Papierform auf dem Postweg gehören der Vergangenheit an. Durch die Einreichung von Finanzberichten beim Bundesanzeiger oder die elektronische Bereitstellung auf der eigenen Homepage können die Informationen bedarfsgerecht und nutzeroptimiert vermittelt werden. Dennoch sind zwischen digitaler Erstellung und der überwiegend digitalen Analyse von Stakeholdern noch immer Medienbrüche beobachtbar. Dieser Medienbruch kann mit semantisch strukturierten Finanzdaten vermieden werden. Semantik steht allgemein für "Bedeutung von Wörtern, Phrasen oder Symbolen". In der Informationstechnologie wird unter Semantik die Bedeutung von Worten und Zeichen(-ketten) sowie deren Beziehung untereinander verstanden. Semantisch strukturierte Finanzdaten stellen folglich Daten eines Unternehmens dar, deren Bedeutung durch die Bezeichnung der enthaltenen Information eindeutig spezifiziert werden kann. Zudem sind die Zusammenhänge unter den einzelnen Daten bekannt. Haben sowohl der Informationssender als auch der Informationsempfänger Kenntnis von der Semantik, so wird eine Kommunikation untereinander möglich. Eine Übertragung der Informationen ohne Medienbruch ist somit erreichbar, wenn beide Parteien das Dokument deuten können. Dies könnte vor allem im Bereich der Investor Relations für Unternehmen interessant sein, welche ihre Finanzdaten an die Stakeholder zur Darstellung des Unternehmens unkompliziert übermitteln möchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Methodische Vorgehensweise
2 Format und Inhalt semantischer Finanzberichte
2.1 Aufbau der eXtensible Business Reporting Language und ihre Schichten
2.1.1 Die XML-Schicht
2.1.2 XBRL-Spezifikation
2.1.3 Taxonomien
2.1.3.1 Concepts
2.1.3.2 Linkbases
2.1.4 Instance Document
2.2 Weiterentwicklungen von XBRL bis zu iXBRL
2.2.1 Weiterentwicklungen von XBRL
2.2.2 Inline eXtensible Business Reporting Language
2.3 European Single Electronic Format (ESEF) als neues Berichtsformat
2.3.1 Entwicklung und Vorgaben durch ESEF
2.3.2 Implementierungsakt in das nationale Recht
3 Unternehmensanalysen auf Grundlage semantisch strukturierter Finanzdaten
3.1 Struktur zur Unternehmensanalyse mit ESEF Berichten
3.2 Technische Alternativen zur Implikation der Berichtsdaten
3.2.1 Implikation mit Excel Power Query
3.2.2 Implikation mit Makros
3.2.3 Implikation mit Arelle als Open Source Programm
3.3 Vergleich der technischen Alternativen
4 Überblick alternativer Formate für Geschäftsberichte
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel zu untersuchen, wie Unternehmensanalysen auf Basis semantisch strukturierter Finanzdaten (ESEF-Berichte) automatisiert oder vereinfacht werden können. Dabei liegt der Fokus auf der Ermittlung einer universell anwendbaren Auswertungsstruktur sowie der technischen Transformation dieser Daten in das Kalkulationsprogramm Microsoft Excel.
- Methodische Grundlagen semantischer Finanzberichte (XBRL, iXBRL, ESEF)
- Strukturierung von Unternehmensanalysen mittels ESEF-Berichten
- Technische Analysealternativen: Excel Power Query, Makros und Arelle
- Vergleich und Bewertung der Implementierungsmöglichkeiten
- Ausblick auf alternative Formate wie RDF für semantische Berichterstattung
Auszug aus dem Buch
2.1 Aufbau der eXtensible Business Reporting Language und ihre Schichten
Bei der eXtensible Business Reporting Language handelt es sich um einen „frei verfügbaren, plattform- und systemunabhängigen (technologieunabhängigen) Open-Source-Kommunikationsstandard für die automatisierte und softwareunterstützte Erstellung, Verbreitung, Veröffentlichung und Auswertung von monetären und nicht monetären Geschäfts- und Finanzinformationen“. Vereinfacht gesagt ist XBRL eine besondere Ausprägung der eXtensible Markup Language (XML). In der Literatur wird oft von einem Dialekt XMLs gesprochen. Demzufolge verfügt XBRL über alle Eigenschaften von XML und bietet darüber hinaus noch einige Funktionen mehr, welche spezifisch auf die Berichterstattung von finanziellen Informationen zugeschnitten ist. Diese „Sprache“ dient dazu, den Berichtsfluss von Unternehmensdaten vom Informationsgeber (Producer) zum Informationsempfänger (Consumer) zu standardisieren und rationalisieren. Mit Hilfe von XBRL werden die Ziele verfolgt, Finanzinformationen semantisch beschreiben zu können um diese effizient, effektiv und ohne Medienbruch weiter zu verarbeiten. Durch die Weiterentwicklung von XML zu XBRL sollten die Stärken von XML mit seiner Universalität im Sinne der Programm- und Plattformunabhängigkeit sowie die freie Gestaltbarkeit für die Zwecke der Unternehmensberichterstattung genutzt werden. Folglich können die Finanzinformationen semantisch beschrieben werden und, falls beispielsweise durch Änderungen von Rechnungslegungsstandards nötig, beliebig erweitert werden, was der Namensbestandteil „eXtensible“ signalisiert. XBRL besteht nicht nur ausschließlich aus Datentechnik, sondern zu einem Großteil auch aus fachlichem Wissen aus der Betriebswirtschaft und dem Rechnungswesen um einen ordnungsgemäßen Bericht sicherstellen zu können. Um die genannten Ziele zu erreichen benötigt es eine Vielzahl von klar definierten Elementen um die beinhalteten Informationen korrekt mit der dazugehörigen Bedeutung auszeichnen zu können. Zudem sind entsprechende Beziehungsstrukturen zwischen den Elementen festzulegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Digitalisierung der Finanzberichterstattung und die Herausforderung der Medienbrüche, die durch semantisch strukturierte Daten überwunden werden sollen.
2 Format und Inhalt semantischer Finanzberichte: Dieses Kapitel erläutert die technischen Grundlagen von XBRL, iXBRL und ESEF als Basis für eine einheitliche und maschinenlesbare Finanzberichterstattung.
3 Unternehmensanalysen auf Grundlage semantisch strukturierter Finanzdaten: Hier wird eine Struktur für automatisierte Analysen erarbeitet und verschiedene technische Methoden wie Excel-Tools und Arelle für deren Implementierung verglichen.
4 Überblick alternativer Formate für Geschäftsberichte: Dieses Kapitel gibt einen Ausblick auf RDF und das Semantic Web als alternative Ansätze zur semantischen Datenbeschreibung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der untersuchten technischen Lösungen für Analysten unter Berücksichtigung der neuen ESEF-Vorgaben.
Schlüsselwörter
Finanzberichterstattung, XBRL, iXBRL, ESEF, Unternehmensanalyse, Semantik, Datenstrukturierung, Excel, Power Query, Makros, Arelle, Digitalisierung, Finanzdaten, Unternehmensbewertung, XML
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anwendung von semantisch strukturierten Finanzdaten, insbesondere nach dem ESEF-Standard, zur Durchführung automatisierter Unternehmensanalysen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die technischen Grundlagen (XBRL/iXBRL), die gesetzlichen Rahmenbedingungen (ESEF) sowie die praktische Umsetzung der Datenanalyse in Microsoft Excel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Ermittlung einer universellen Struktur zur Unternehmensanalyse sowie der Vergleich technischer Möglichkeiten zur effizienten Integration dieser Daten in bestehende Analyseumgebungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse der Standards sowie eine technisch-explorative Vorgehensweise, bei der Import- und Analyseprozesse in MS Excel anhand von Fallbeispielen geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Erklärung der XBRL-Struktur und eine praktische Untersuchung technischer Alternativen für den Datenimport (Power Query, Makros, Arelle).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind XBRL, iXBRL, ESEF, Finanzberichterstattung, semantische Daten, Unternehmensanalyse und Microsoft Excel.
Warum ist das ESEF-Format für Analysten von besonderem Interesse?
ESEF ermöglicht eine einheitliche, maschinenlesbare Finanzberichterstattung, die manuelle Erfassungsprozesse reduziert und damit die Vergleichbarkeit von Unternehmen verbessert.
Welche Rolle spielt Microsoft Excel bei der Analyse dieser Daten?
Excel dient als das in der Praxis am weitesten verbreitete Werkzeug für Analysten, in das die semantisch strukturierten Daten transformiert werden müssen, um sie für Kennzahlenberechnungen nutzbar zu machen.
Welche Limitationen werden bei der Nutzung von Makros aufgezeigt?
Die Nutzung von Makros erfordert tiefgehende Programmierkenntnisse in VBA, was für betriebswirtschaftliche Analysten oft eine Hürde darstellt, zudem fehlt eine direkte visuelle Kontrolle der Datenvalidität.
Warum wird Arelle als zielführende technische Alternative hervorgehoben?
Arelle bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche, eine integrierte Validierung und eine visuelle Darstellung der Linkbases, was die Handhabung der komplexen Datenstrukturen für Analysten erheblich erleichtert.
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- Tim-Lucas Jäger (Author), 2020, Unternehmensanalyse auf Grundlage semantisch strukturierter Finanzdaten (ESEF), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128248