Politisierung des Spitzensports in der DDR

Eine Untersuchung der politischen Einflussnahme auf den Hochleistungssport am Beispiel des SC Karl-Marx-Stadt


Magisterarbeit, 2008

125 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand und Problemstellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Aufbau
1.4 Methodik

2 SED-System und Spitzensport
2.1 Zentralkomitee und Abteilung Sport
2.2 Politbüro
2.3 Leistungssportkommission der DDR
2.4 Ministerrat
2.5 Staatssekretariat für Körperkultur und Sport
2.6 Mitbestimmende Ministerien
2.7 Deutscher Turn- und Sportbund

3 Leistungssportbeschlüsse zwischen politischer Vorstellung und sportlicher Realität
3.1 Struktur der Leistungssportbeschlüsse
3.2 Zentrale Ziele im Überblick
3.3 Politische Leistungssportperspektiven
3.4 Umsetzung der Leistungssportbeschlüsse
3.5 Sektion Leichtathletik
3.6 Sektion Schwimmen
3.7 Sportliche Wirklichkeit der Leistungssportbeschlüsse

4 Im Visier des MfS – Spitzensportler und Trainer des SC Karl-Marx-Stadt
4.1 MfS und die “Linie Sport“
4.2 MfS Bezirk Karl-Marx-Stadt
4.3 Operative Sicherung im SCK
4.3.1 IMs in den Abteilungen Leichtathletik und Schwimmen
4.3.2 IM mit Sonderstatus
4.4 SCK-Aktive im Visier des MfS
4.4.1 Akte “Lektor“
4.4.2 Akte “Spikes“
4.4.3 Akte “Staffel“
4.5 Maßnahmen des MfS
4.6 Kontrolle des Trainingsumfeldes
4.7 Überwachung von Wettkämpfen

5 Einordnung der Untersuchungsergebnisse zur politischen Einflussnahme im SCK

6 Resümee und Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Frageraster zur Einflussstrukturenanalyse im DDR-Spitzensport

Abbildung 2: Homologiemodell eines DDR Sportclubs

Tabelle 1: Anteil der SED-Mitglieder im DTSB. SAPMO DY 12/11025

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Untersuchungsgegenstand und Problemstellung

„Eine Zeitlang irritierte es mich, dass das vorgeblich Beste, was die DDR zu bieten hatte [der Spitzensport], ihr totalitärster Raum war. Daß ich dort – wo die Republik, die das Wort demokratisch im Namen führte, ihr wahres Gesicht zeigte – auf Menschen traf, die sich dennoch nicht korrumpieren ließen, gehört zu den tröstlichen Erkenntnissen.“

Grit Hartmann[1]

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur ist 18 Jahre nach der Wiedervereinigung aktueller denn je. In dieses Interessenfeld der Forschung reiht sich auch seit Anfang der 1990er Jahre der DDR-Leistungssport[2] in seiner Funktion als hoch politisches Teilgebiet des SED-Systems und der DDR-Gesellschaft ein. Beispielhaft dafür stehen die Olympischen Sommerspiele in München 1972, Moskau 1980 und Los Angeles 1984, die innerhalb der deutsch-deutschen Sportbeziehungen und der gegenseitigen Boykottmaßnahmen von Ost und West noch heute die Erinnerungen an einen „Kalten Krieg auf der Aschenbahn“[3] hervorrufen, in dem sich die DDR unter anderem dem großen Bruder Sowjetunion mit der Nichtteilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1984 beugen musste. Sie steigerte aber auch von Mitte der 1960er Jahre stetig ihre spitzensportlichen Erfolge, die das internationale Ansehen des kleinen Landes enorm aufwerteten. Im Bericht der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland heißt es unter anderem zu der Bedeutung des DDR-Spitzensports: „Natürlich freuten wir uns über die großen Erfolge, die unsere Sportler in schöner Regelmäßigkeit erringen konnten. Zugleich aber registrierten wir auch sehr deutlich, dass die SED-Führung die Leistungen der Spitzensportler systematisch dafür einsetzte, die internationale Anerkennung der DDR voranzutreiben.“[4]

Die Magisterarbeit beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit einer politikwissenschaftlichen Aufarbeitung der systematischen Verbindung von Parteipolitik und Spitzensport in der SED-Diktatur. Sie analysiert die politische Einflussnahme im Hochleistungssport der DDR am Beispiel des SC Karl-Marx-Stadt und untersucht inwiefern die SED den Spitzensport in den Sektionen Leichtathletik und Schwimmen politisierte. Die Sportarten Leichtathletik und Schwimmen werden gewählt, weil Sportler in diesen Disziplinen bei Welt-, Europameisterschaften und Olympischen Spielen die meisten Medaillen gewannen. Im Fall des Sportclubs Karl-Marx-Stadt stehen die Beziehungen zwischen Leistungssportlern und Trainern des SCK mit den verantwortlichen politischen Entscheidungsträgern im Zentrum der Untersuchung.[5] Dabei soll es um die Frage gehen, ob es im Rahmen der SED-Diktatur Bereiche für die Aktiven gab, wo die Sportler ihre Handlungen autonom tätigen konnten oder wo die SED gezielt Einfluss übte. Dabei ist der Fall Spitzensport generell ein Sonderfall, denn er wird nur in hohen Maße durch intrinsische Motivation möglich.

Aus diesen Vorüberlegungen ergibt sich folgende Forschungsfrage: Welche Elemente der politischen Einflussnahme lassen sich im Hochleistungssport am Beispiel des SC Karl-Marx-Stadt feststellen?

Um eine entsprechende Antwort auf die Leitfrage zu finden, konzentriert sich die Untersuchung auf die Jahre 1967 bis 1989 und auf das Umfeld von ehemaligen Spitzensportlern und Trainern des SCK. Die zeitliche Einschränkung begründet sich durch die im Jahr 1967 neu gebildete Leistungssportkommission der DDR, die den politischen Entscheidungs- und Steuerungsraum wesentlich beeinflusste.[6] Mit der örtlichen Eingrenzung des Fallbeispiels rückt die persönliche Ebene Betroffener in den Vordergrund und die Arbeit zeigt Elemente der politischen Einflussnahme für den Einzelnen auf. Damit betritt die Autorin in ihrer Betrachtung Neuland im Feld der sportpolitischen Aufarbeitung des SCK 18 Jahre nach der Wiedervereinigung. Aus diesen Gedanken ergeben sich weitere Unterfragen, die die Analyse der sportpolitischen Entscheidungsprozesse und -strukturen im DDR-Spitzensport unterstützen:

Welche Ziele verfolgte die SED mit dem Spitzensport? Welche Rolle spielte das Ministerium für Staatssicherheit im Leistungssportsystem? Wie wurde gezielt Einfluss auf Spitzensportler des SC Karl-Marx-Stadt ausgeübt? Wie haben sich die politischen Entscheidungen auf die Sportler ausgewirkt? In wieweit haben die Sportler Verhaltensvorgaben erfahren?

1.2 Forschungsstand

Das System des Leistungssports der DDR ist in seiner Entwicklung und Struktur sehr gut beschrieben. Umfassende wissenschaftliche Studien liegen von Giselher Spitzer[7], Hans Joachim Teichler, Klaus Reinartz[8] und Andreas Ritter[9] vor. In diesem Studienüberblick ist außerdem der Recherchebericht „MfS und Leistungssport“[10] der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik hervorzuheben, der 1994 einen ersten Überblick zu erschlossenen STASI-Akten im Bereich des Spitzensports der DDR präsentierte. Diese wissenschaftlichen Studien dokumentieren zum Teil wesentliche Sportbeschlüsse oder die Struktur des Spitzensportsystems der DDR und zählen zu den Standardwerken für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Hochleistungssports in der DDR. Jedoch vollziehen sie keine gezielte politikwissenschaftliche Analyse der Sportbeschlüsse.

Die dennoch als beachtenswert anzusehenden Untersuchungen des Institut für Sportwissenschaften der Universität Potsdam und des Arbeitsbereiches Zeitgeschichte des Sports durch Teichler und seinem damaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter Spitzer, zielen auf Aspekte der Entwicklung des Leistungssportsystems durch die SED und betrachten die Wendezeit und Transformation des Spitzensportsystems. Spitzer erstellt in seinem aktuellen Werk eine sehr breite Studie zum Sicherheitsvorgang Sport[11], in dem er zentrale Faktoren bezüglich der Leistungssportkontrolle durch das Staatsministerium für Sicherheit untersucht. Ritter hat im Jahr 2003 in seiner Dissertation die Wandlungen der Steuerung im DDR-Hochleistungssportsystem in den 1960er und 1970er Jahren untersucht. Die gewonnen Ergebnisse unterstützen die vorliegende Untersuchung.

Für die Arbeit sind weitere Protokolle aus dem Band der Enquete-Kommission zur „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“[12] zum Thema Rolle des Sports in der DDR interessant. Da sind zu nennen Günter Holzweißig[13] und die Funktion des Sport sowie Jürgen Hiller[14] mit seiner ergänzenden Darstellung aus ostdeutscher Sicht über die deutsch-deutschen Sportbeziehungen. Ferner beschreibt Hansjörg Geiger[15] das System Staatssicherheit und Sport, und Werner Franke[16] diskutiert die Rolle der Sportmedizin und Sportwissenschaft in der DDR. Außerdem stellt die Expertise von Hans-Dieter Krebs[17] eine Sichtweise auf die politische Instrumentalisierung des Sports in der DDR dar.

Ein zentrales Element der Analyse ist die Fallstudie über den SC Karl-Marx-Stadt. Sechs selbständig durchgeführte Interviews mit ehemaligen Spitzensportlern und Trainern des SCK präsentieren Ausschnitte persönlicher Erfahrungen mit dem System der SED und dem Ministerium für Staatssicherheit für den Bereich Schwimmen und Leichtathletik beim SCK.

Die offizielle Gegendarstellung der sportpolitischen Vorgaben für den Spitzensport erfolgt über archivarisch erschlossene Quellen und Dokumente des Staatsarchivs Chemnitz, der Außenstelle Chemnitz der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und des Bundesarchivs Berlin. Sie bilden die Grundlage der weiteren Analyse zur Umsetzung der Politbürobeschlüsse und deren Auswirkungen im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Dabei wurden zum Themenbereich Politisierung des Spitzensport von 1972 bis 1989 in der DDR, im Bundesarchiv Berlin Akten der Abteilung Sport der SED, der Büros Paul Verner, Egon Krentz, Erich Honecker, der Leistungssportkommission aus dem Findmittelbereich DY 30 – SED sowie Dokumente des DTSB’s DY 12 und des Ministerrates und Staatssekretariates für Körperkultur und Sport gesichtet. Aus zeitlichen und ökonomischen Gründen können nicht alle Quellen Verwendung finden.

Im Staatsarchiv Chemnitz stand eine überschaubare Dokumentenmenge zur Verfügung. Für die vorliegende Untersuchung geben Akten der Kommission Jugend und Sport der Bezirksleitung der SED, der Bezirksorganisation des DTSB und des Sportclub Karl-Marx-Stadt Aufschluss darüber, wie die Leistungssportbeschlüsse im Bezirk umgesetzt wurden.

Die Absicherung des Spitzensports im Bezirk Karl-Marx-Stadt wurde durch die Hauptabteilung XX des Ministeriums für Staatssicherheit der Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt durchgeführt. In ihr ging es um die Bereiche Staatsapparat, Kunst, Kultur und Kirche. Mit Hilfe eines Forschungsantrages finden IM- und Opferakten zu den Bereichen Leichtathletik und Schwimmen im SC Karl-Marx-Stadt Eingang in die vorliegende Untersuchung. Damit soll sowohl generell als auch spezifisch der Verlauf der Kontrolle von Spitzensportlern und anderen Strukturen nachvollzogen werden. Es handelt sich dabei um diverse IM-Akten, eine archivierte OPK-Akte und zwei anonymisierte Opfer-Akten des MfS BV Karl-Marx-Stadt. „Diese Quellengattungen verdeutlichen, wie über menschliche Schicksale entschieden wurde. Enthalten sind zahlreiche Angaben über die persönlichen Eigenschaften und das Handeln von Opfern wie Tätern.“[18]

1.3 Aufbau

Die Magisterarbeit beginnt mit der allgemeinen Leitungsstruktur des politischen Systems und dem des Leistungssports in der DDR, um einen strukturellen Einstieg in das Thema zu geben. Dabei wird auf die zentralen sportpolitischen Organe der SED, auf die verantwortlichen staatlichen Organe sowie auf die wichtigste Sportorganisation eingegangen. Sie bestimmten die Entwicklung des Leistungssports bis 1989. Zu den sportpolitischen Organen zählen das Zentralkomitee und die sich darin eingliedernde Abteilung Sport sowie das Politbüro und die Leistungssportkommission. Als staatliche Organe sind der Ministerrat, das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport sowie die mitbestimmenden Ministerien, wie das Ministerium für Staatssicherheit, hervorzuheben. In den politischen Entscheidungen und Vorgaben führte der Ministerrat den Staatsapparat an, dem sich als staatliches Organ ab 1970 das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport anschließt. Auf Seiten der sportpolitischen Organe der SED steht das Sekretariat des Zentralkomitees der SED an oberster Stelle. Unter seiner Führung sorgen das Politbüro und die Leistungssportkommission der DDR in den 1970er und 1980er Jahren für die Weiterentwicklung und Professionalisierung des Spitzensports. Das Politbüro positioniert sich in der Zeit als offizielles zweitwichtigstes Organ hinter dem ZK der SED und vor der Leistungssportkommission, die wie bereits erwähnt ab 1967 die zentrale Spitzensportentwicklung der DDR steuert. Zum Abschluss dieses Kapitels darf als gesellschaftliche Organisation der Deutsche Turn- und Sportbund nicht fehlen. In einem engen Zusammenspiel mit dem ZK der SED und dem Politbüro sorgte der DTSB zentral für die spitzensportliche Entwicklung der DDR.

Nach der strukturellen Einführung in das Zusammenspiel von SED-System und Spitzensport startet in Kapitel drei der erste Teil der Analyse. Inhaltlich beginnt sie mit den Leistungssportbeschlüssen[19] für den Hochleistungssport ab 1967, weil diese auf der Ebene der politischen Entscheidungsfindung und -umsetzung die Grundlage für die gesamten spitzensportlichen Erfolge der DDR bis 1989 bilden. So werden zunächst die sechs zentralen Sportbeschlüsse des Politbüros aus den Jahren 1969 bis 1988 in ihrem Inhalt nach Perspektiven, außen- und innenpolitischen Intentionen sowie Zielen analysiert. Unterstützung findet die Untersuchung durch die Zwischeneinschätzungen des ZK der SED, zusätzlichen Sportbeschlüssen des Ministerrates und des Staatssekretariates für Körperkultur und Sport. Sie endet in einer ersten Einschätzung zu den politischen Tendenzen leistungssportlicher Vorgaben und Beihilfen für den DDR-Spitzensport zwischen 1967 und 1989. Weiter sind von analytischem Interesse, wie die sportpolitischen Organe und der DTSB auf Bezirksebene versucht haben die Leistungssportbeschlüsse umzusetzen. Dabei gilt das Interesse dem SC Karl-Marx-Stadt. Hierbei fließen die persönlichen Erfahrungen der Trainer Günter Lunau und Eberhard Mothes sowie der Spitzensportlern des SCK aus den Fachbereichen Leichtathletik (Thomas Schönlebe, Jochen Sachse) und Schwimmen (Helga Härtel, Thomas Flemming) ein. Anhand der geführten Interviews werden sie entsprechend der üblichen hermeneutischen Regeln unter Hilfestellung der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.

Kapitel vier vollzieht den zweiten Teil der Analyse auf der Suche nach Elementen der politischen Einflussnahme auf Spitzensportler und Trainer des SCK. Da nach dem Verständnis der Autorin die Entwicklung des Leistungssport in der DDR nicht losgelöst von der Kontrollarbeit des Ministeriums für Staatssicherheit betrachtet werden kann, erläutert dieser Teil der Arbeit die Verbindung zwischen dem MfS Karl-Marx-Stadt und dem SCK. Zu Beginn folgt ein kurzer Einblick in die Bezirksstruktur des MfS und die Verbindung zur Hauptabteilung in Berlin. Des Weiteren geben persönliche Beispiele der Probanden und die offiziellen Opfer- und IM-Akten Einsicht in die politischen Kontrollabläufe im Trainings- und Wettkampfsystem der hier ausgewählten ehemaligen Spitzensportler und Trainer.

Die in beiden Analysekapiteln gewonnen Ergebnisse der Fallstudie dienen zum einen der Beantwortung der Forschungsfrage und zum anderen der Einordnung der Elemente der politischen Einflussnahme der SED-Politiker im DDR-Hochleistungssport und ganz im Speziellen im SC Karl-Marx-Stadt. Aus diesem Grund beschließt Kapitel fünf die qualitative Inhaltsanalyse und begründet, warum der Bereich Doping als Sporterfolgskontrolle nur beispielhaft abschließend Erwähnung findet.

Auf Grund der Tatsache, dass sich innerhalb der Arbeit neue Fragen aufgeworfen haben und es noch viel Material beispielsweise bezüglich der Kontrollaktivitäten des MfS im Bezirk Karl-Marx-Stadt gibt, endet Kapitel sechs mit einem Ausblick für weitere Forschungsaufgaben im Schnittfeld von Politik-, Geschichts- und Sportwissenschaft.

1.4 Methodik

Die Methodik der Analyse bedient sich der qualitativen Inhaltsanalyse in Anlehnung an die Sozialwissenschaftler Jochen Gläser und Grit Laudel, welche eine modifizierte Variante der qualitativen Inhaltsanalyse von Phillip Mayring bevorzugen.[20] Innerhalb von Originaldokumenten, Sekundärquellen und den eigenständig durchgeführten Experteninterviews mit ehemaligen Spitzensportlern und Trainern des SC Karl-Marx-Stadt werden die Aussagen inhaltlich analysiert. Die hierfür genutzte Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse entspricht allerdings nicht vollständig und exakt der sozialwissenschaftlichen Untersuchungsmethode von Gläser und Laudel, weil neben der Analyse nach dem Was vorgegeben wurde, auch nach dem Wie und Warum in der Umsetzung gesucht wird. Den theoretischen Rahmen geben aber Gläser und Laudel mit ihrer Zielstellung vor: „Wenn man eine qualitative Inhaltsanalyse durchführt, dann entnimmt man den Texten diese Daten, dass heißt, man extrahiert Rohdaten, bereitet diese auf und wertet sie aus.“[21] Somit orientiert sich die hiesige Analyse der Originaldokumente, Sekundärquellen und der Experteninterviews an folgendem erstellten Frageraster der Autorin:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Frageraster zur Einflussstrukturenanalyse im DDR-Spitzensport

Die aufgeworfenen Fragen decken sich inhaltlich mit den Ausgangsfragen im Untersuchungsgegenstand. Aufgrund der Vielzahl von Originaldokumenten und Sekundärquellen ermöglicht die qualitative Inhalts- und Bedeutungsanalyse, die zentralen Informationen der verschiedenen Informationsbasen für die Beantwortungen der Forschungsfrage zusammen zu fassen. Das ist der Grund, warum diese Untersuchungsmethode in gezielter Abwandlung für eine politikwissenschaftliche Analyse genutzt wird: „Qualitative Befragungen dienen dazu, die subjektive Perspektive sozialer Akteure zu ihrem Leben, ihrer Biographie oder aber zu ausgewählten Lebensausschnitten und Problemlagen einzufangen, um darin enthaltene kollektive Lebensmuster offen zu legen, also induktiv aus einzelnen Phänomenen auf allgemeine gesellschaftliche Strukturen zu schließen, die für biographische Lebensabschnitte oder -verläufe mitverantwortlich sind.“[22]

Unterstützt sieht sich die qualitative Inhaltsanalyse im Bereich der Zeitzeugenbefragung durch Experteninterviews. Innerhalb dieser Interviews handelt es sich um halbstandardisierte, offene und problemzentrierte Fragestellungen. So werden die Interviews, unterschieden nach Befragungen von Trainern und Spitzensportlern, durchgeführt. Sie folgen immer dem gleichen Grundfragengerüst.

Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sie den Interviewten freie Antwortmöglichkeiten lässt, aber sie innerhalb ihres Expertenbereichs in Bezug auf die Politisierung des Spitzensports gezielte Aussagen treffen können. Die Methodik ermöglicht zu dem der Autorin je nach den Antworten der Interviewpersonen spontan Zwischenfragen stellen zu können. Eine Autorisierung der Interviewpersonen erlaubt die Nutzung der gegebenen Antworten für die Inhaltsanalyse zur Untersuchung der vorliegenden Fragestellung der Arbeit.

Die Expertenaussagen und die Analyse von Original- und Sekundarquellen des Politbüros, des Ministerrates, des Staatssekretariates und des DTSB’s geben gegenübergestellt, abschließend einen gezielten und konzentrierten[23] Einblick in die sportpolitischen Vorgaben und Entscheidungen ab 1967. Vor allem die Expertenaussagen dienen dazu, Erkenntnisse über persönliche Erfahrungen von Spitzensportlern und Trainern in Karl-Marx-Stadt mit dem Spitzensportsystem der DDR in ihrem Sportclub zu gewinnen. Möglich wurde die erstmalige Befragung durch eine persönliche Recherche der Autorin nach ehemaligen Spitzensportlern und Trainern aus Karl-Marx-Stadt, die heute noch in Chemnitz leben und damals für den SCK starteten. Nach einer ersten Anfrage erklärten sich die meisten Interviewten für eine Befragung bereit. Die Interviews wurden zum Teil bei den Experten zu Hause, oder an ihren Arbeitsplätzen durchgeführt. Insgesamt kann die Autorin sechs Interviews für die Analyse nutzen.

Die durch das Interview gewonnen Expertenaussagen sind aufgrund ihrer hohen Subjektivität für die qualitative Inhalts- und Bedeutungsanalyse nicht als das end- und allgemeingültige Ergebnisse anzuerkennen, aber sie sind ein wichtiger regionaler Beitrag für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Chemnitz.

2 SED-System und Spitzensport

2.1 Zentralkomitee und Abteilung Sport

„Die zentral gelenkte Sportpolitik vollzog sich vor allem auf drei für die SED-Führung außerordentlich bedeutsamen Politikfeldern: der Innen-, Deutschland- und Außenpolitik.“

Jürgen Winkler[24]

Mit dem zweiten Statut der SED[25] des dritten Parteitages[26] 1950 wurde zum ersten Mal das Zentralkomitee gewählt. Die allgemeine Leitung der Organisationsarbeit und die täglich operative Arbeit der Partei übernahm das Sekretariat des ZK. Das ZK wählte zudem in geschlossenen Sitzungen das Politbüro und den Generalsekretär.[27] Es teilte die politischen Ressorts auf die speziellen Fachbereiche mit insgesamt 42 Abteilungen auf. Diese reichten vom Politbüro über die Abteilung Agitation und Propaganda bis zur Abteilung Frauen.[28] „Sie leisteten die tägliche politische Arbeit, und ihre Struktur entsprach etwa derjenigen eines Regierungsapparates. (…) Ihre Leiter hatten die entscheidenden Schlüsselpositionen im Machtapparat der DDR inne, auch wenn sie in der Regel für die breite Öffentlichkeit völlig anonym blieben.“[29]

Der Bereich des Sports wurde ebenso gesondert behandelt. „Zu den zentralistisch angeleiteten gesellschaftlichen Bereichen gehörte auch die ‚sozialistische Körperkultur’. Zuständig für die Weisungen der Partei war die mit vier Mitarbeitern besetzte Abteilung[30] Sport im ZK der SED unter Leitung von Rudolf Hellmann (Gieseler in Knecht 1971, 14). Von hier aus wurden die vom Politbüro beschlossenen Direktiven der staatlichen Instanz und der Sportführung übermittelt.“[31] Rudolf Hellmann bearbeitete von 1954 bis 1990 im ZK der SED Fragen des Sports und leitete die 1959 gegründete Abteilung Sport des ZK. Nach seiner Auffassung bestand die zentrale Aufgabe darin, die Sportbeschlüsse auch in den Grundorganisationen umzusetzen.[32] „Regelmäßig führte die Abteilung Beratungen durch mit den verantwortlichen Mitarbeitern für Sport bei den Bezirksleitungen. Hier wurden alle anstehenden Fragen im Sport eingeschätzt und Schlussfolgerungen gezogen. Bei unseren Analysen stützten wir uns auf die eigenen Einschätzungen sowie Einschätzungen des DTSB und des Staatssekretariats.“[33] Nach Meinung des langjährigen Mitarbeiters Manfred Heller funktionierte die Abteilung Sport als ein Beratungsgremium zu Sachfragen des Sports für das Politbüro und sah sich als eine entscheidungsvorbereitende Abteilung. „Wir hatten nicht die Aufgabe, auf Entscheidungen des Deutschen Turn- und Sportbundes oder des Staatssekretariats vordergründig in Einzelfragen Einfluss zu nehmen, sondern in der Arbeit mit den Menschen im Sport (auch in den Leitungen) die politische Voraussetzung zu schaffen, dass sich der Sport einordnete in die Gesamtpolitik der SED.“[34] Für den Bereich des Spitzensports übernahm sie eine entscheidende Funktion.

2.2 Politbüro

Obwohl dem Politbüro im letzten Parteistatut lediglich der Status eines Arbeitsausschusses zugestanden wurde, ist es seit seiner Gründung inoffiziell als das höchste Entscheidungsgremium der SED zu betrachten.[35] Es erarbeitete das Ziel der Gesamtpolitik, als innerstem Zirkel der Macht[36], zentral und gab die Ziele der Partei vor. „Politbüro und Sekretariat waren die Kommandozentrale für die SED, die Staatsmacht, die innere und äußere Sicherheit sowie für die gesamte Innen- und Außenpolitik.“[37]

Die Mitglieder des Politbüros setzten sich zusammen aus den Sekretären des ZK der SED, dem Vorsitzenden des Ministerrates, ausgewählten Ministern und Bezirkssekretären der SED sowie dem Vorsitzenden der Gewerkschaft.[38] „Praktisch konzentrierte sich in den Händen des Politbüros, in denen die höchsten Partei- und Staatsfunktionäre, z. T. beides in einer Person, vertreten waren, die uneingeschränkte und unkontrollierte, administrative politische und staatliche Macht.“[39]

Für den Bereich des Spitzensports sorgten in den Jahren ab 1967 Erich Honecker, als stellvertretender Vorsitzender hinter Staatschef Walter Ulbricht, ab 1971 Paul Verner und ab 1984 Egon Krenz unter Honeckers Regie, im Politbüro für die Vorgaben des Spitzensports.[40] Das Aufgabenfeld war dementsprechend uneingeschränkt. „Es gab praktisch kein Gebiet des gesellschaftlichen Lebens, über das im Politbüro keine Beschlüsse befasst wurden.“[41]

An der Erarbeitung der Leistungssportbeschlüsse „nahmen in der Regel der Präsident des DTSB, der Leiter der Abteilung Sport beim ZK der SED und der Staatssekretär für Körperkultur und Sport teil. In einigen Fällen waren auch die Minister für Volksbildung, Bauwesen und Finanzen sowie der Vorsitzende der Staatlichen Plankommission anwesend.“[42] Die politische Macht übte das Politbüro im Spitzensport[43] nur selten als kollektives Organ aus. Im Zusammenspiel mit dem DTSB-Präsidenten und wenigen einflussreichen ZK-Sekretären wie Paul Verner, Egon Krenz und Rudolf Hellmann sowie beispielsweise den Abteilungsmitarbeitern Manfred Hiller oder Horst Röder, hielt eine kleine Gruppe von Mitgliedern den entscheidenden Machthebel der Sportpolitik in den Händen.[44]

Die Erarbeitung und Bestätigung von Leistungssportbeschlüssen bestimmten laut Karsten Schumann in entscheidendem Maße die Institutionen des Sports selbst mit. Dabei bezieht er sich auf die Aussagen der von ihm durchgeführten Experteninterviews mit Günter Erbach und Manfred Ewald. Im Grundtenor bestätigen sie eine vom Politbüro bestimmte Sportpolitik, die nicht im Parteiapparat erarbeitet wurde. Ein Beispiel für den besonders großen Handlungsspielraum des Leistungssports im Politbüro.[45]

Die Taktik der Geheimhaltung begründete die zentrale Arbeitsmethode des Politbüros. „Die Öffentlichkeit wurde nicht über den Inhalt der Leistungssportbeschlüsse informiert. (…) Erst 1987 wurde erstmals in einer Veröffentlichung zu einer Beratung der Sekretäre des ZK der SED mit den 1. Sekretären der Kreisleitungen erwähnt, daß sich das Politbüro ‚mit Entwicklung des Leistungssports beschäftigt und die notwendigen Schlussfolgerungen beschlossen’ hat.“[46]

In den 40 Jahren der DDR soll das Politbüro circa 1.600[47] Sportbeschlüsse verfasst haben. Eine enorme Anzahl für einen Bereich, den die Öffentlichkeit in seiner innen- und außenpolitischen Bedeutung nicht der Zuständigkeit des Politbüros zugeordnet hatte.

2.3 Leistungssportkommission der DDR

Aus dem alten Leitungsgremium im Leistungssport des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport und dem DTSB-Präsidium, später nur noch unter Aufsicht des DTSB Präsidenten, wird 1967 die LSK der DDR neu gebildet. Ihr Vorgänger war die bereits durch den Politbürobeschluss vom 18. November 1958 ins Leben gerufene kleine Leistungssportkommission. Alfred B. Neumann, ehemaliger Staatssekretär für Körperkultur und Sport und Vorsitzende des STKS hält im Interview mit Andreas Ritter fest:

„Die Leistungssportkommission entstand als Entscheidungsgremium im Vorfeld der Olympischen Spiele 1956 in Melbourne (…), um die letzten Vorbereitungen in trainingsmäßiger Hinsicht, Ausrüstung und allem, was dazu gehört, zu treffen. Nach den Olympischen Spielen in Melbourne bestand die Leistungssportkommission weiterhin beim Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport – auch nach der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes. Ihre Hauptaufgabe war die Vorbereitung und Unterstützung der Olympischen Spiele 1960 in Rom.“[48]

In Übereinstimmung mit Manfred Ewald, der zu dem Zeitpunkt bereits Vizepräsident des DTSB war und später die Präsidentschaft übernahm, konnte diese Regelung weiter beibehalten werden um eine kontinuierliche sportliche Vorbereitung der Olympischen Spiele zu sichern. 1962 gelangte die Leistungssportkommission zum DTSB, bevor Ende der 1960er Jahre die Parteikommission, die Aufgabe erhielt die Professionalisierung des DDR-Leistungssports voranzutreiben.[49]

„Das politische Interesse am Spitzensport veranlasste die SED zur Berufung einer ‚Leistungssportkommission der DDR’, eines hochrangig besetzten Gremiums unter Leitung des ZK-Mitglieds Manfred Ewald. Während diese Parteikommission geheim operierte, lag die Rezeption der programmatischen Vorgaben offen zutage: Alle grundsätzlich Veröffentlichungen, die den Parteitagen folgten, waren bestrebt, die Impulse der SED aufzufangen und in die Realität der einzelnen Sportbereiche zu überführen.“[50]

Bis zur Gründung der LSK der DDR gab es damit einen langen Weg bürokratischer und persönlicher Auseinandersetzungen. Beispielsweise sollte zunächst die bereits oben angesprochene Arbeitsgruppe Sport des ZK ab 1959 als Verbindungsglied und Kontrollgremium zwischen DTSB, Staatlichem Komitee für Körperkultur und Sport und der Parteispitze fungieren.[51] Ferner kam es 1962-1963 zur Leitung des Spitzensports zwischen Staatlichen Komitee und DTSB und ab 1965 zur alleinigen Führung des Leistungssports unter Manfred Ewald im DTSB.[52]

Ausschlaggebend für die Gründung der neuen und zentralen LSK war eine auf den ersten Blick unscheinbare SED-Hausmitteilung des Leiters der Abteilung Sport des ZK Rudolf Hellmann an Erich Honecker am 8. November 1967, in der es hieß, dass die Arbeitsrichtlinien der Leistungssportkommission[53] von Genosse Honecker nur noch Bestätigung erhalten müssen, da die zukünftigen Kommissionsmitglieder die Richtlinien bereits in der Sitzung vom Tag vorher abgesegnet haben.[54] Honecker bestätigte knapp eine Woche später die Hausmitteilung Hellmanns.[55] Die Leistungssportkommission erhielt somit die Verantwortung für eine straffe und komplexe Leitung des Leistungssports. Grundlage ihrer Arbeit waren die Beschlüsse des Politbüros und des Sekretariats des ZK, durch die sie befähigt wurde, endgültige Entscheidungen in den Fragen des Leistungssports zu treffen. Zudem sollte sie in ihrer Anfangszeit das Ziel sichern, die Entwicklung der DDR-Mannschaften dahingehend zu fördern, dass sie bei den nächsten Olympischen Spielen einen Platz unter den besten sechs Weltnationen erreichen; dazu sollten sie sich in den wichtigsten Sportarten vor Westdeutschland behaupten.[56]

„Diesen Arbeitsrichtlinien folgend war die neue LSK der DDR vom Spitzensportler bis zum Forscher, von der Sportartikel Produktion bis zum devisenträchtigen Import von Spitzensport Materialien, von den Kinder- und Jugendsportschulen, bis zu den Sportlern, Trainern und Forschern der so genannten ‚bewaffneten Kräfte’ also verantwortlich und sollte Entscheidungen herbeiführen, die in den jeweiligen Ministerien und Organisationen umzusetzen sein sollten.“[57] Die neue LSK ist nach Ritters Auffassung die bestimmende Leitung des Leistungssportsystems bis 1990, ohne deren Zustimmung nichts entschieden werden sollte und konnte.[58]

Inwieweit die sportpolitischen Entscheidungen des Politbüros wirklich auf zentrale Vorgaben der LSK zurückzuführen sind, und welchen Einfluss und Motivation die LSK bei der Umsetzung der Beschlüsse im Leistungssport hatte, wird an späterer Stelle versucht zu beantworten. Für diesen Teil der Arbeit sollte klar geworden sein, dass mit der Gründung der neuen LSK dem Leistungssport in der DDR ein zugleich politisches Instrument an die Hand gegeben wurde, welches in Sachen Planung, Steuerung und Umsetzung eng mit dem Politbüro, dem ZK der SED und der Abteilung Sport des ZK der SED zusammengearbeitet hat und die Ziele sowie deren Umsetzung im Leistungssport bis 1989 zentral mitbestimmte.

2.4 Ministerrat

Der Staatsapparat war das bestimmende Instrument zur Durchsetzung der Parteientscheidungen.[59] Die Regierung im politischen System der DDR stellte der Ministerrat dar. Als dessen Kerntätigkeit hebt die Verfassung aus dem Jahr 1974 hervor, eine einheitliche Durchführung der Staatspolitik und die Erfüllung der politischen, ökonomischen,kulturellen,sozialensowiederihmübertragendenVerteidigungs-maßnahmen zu gewährleisten.[60] Da die SED faktisch als Staatspartei bezeichnet werden kann, in dem sie die einzige politisch maßgebende Partei in einem Blockparteiensystem war[61], sind der Ministerrat als Organ der Volkskammer[62] und das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport die zentralen staatlichen Organe für den DDR-Leistungssport. Der bis 1974 bestimmende Staatsrat[63] ist aufgrund der Verfassungsreform Mitte der 1970er Jahre mit einem gleichbedeutenden Einflussverlust für die spätere Analyse nicht relevant.

Laut der Verfassung hatte der Ministerrat in Bezug auf Sportbeschlüsse ebenfalls die Aufgabe, zu beraten und Entwürfe von Gesetzen und Beschlüssen mit zu unterbreiten.[64] Die Aufgabe des Ministerrates wird im Artikel 78 der Verfassung wie folgt erläutert:

„1 Der Ministerrat leitet, koordiniert und kontrolliert die Tätigkeit der Ministerien, der anderen zentralen Staatsorgane und der Räte der Bezirke. Er fördert die Anwendung wissenschaftlicher Leitungsmethoden und die Einbeziehung der Werktätigen in die Verwirklichung der Politik des sozialistischen Staates. Er gewährleistet, daß die ihm unterstellten staatlichen Organe, die wirtschaftsleitenden Organe, Kombinate, Betriebe und Einrichtungen ihre Tätigkeit auf der Grundlage der Gesetze und anderer Rechtsvorschriften ausüben.

2 Im Rahmen der Gesetze und Beschlüsse der Volkskammer erläßt der Ministerrat Verordnungen und faßt Beschlüsse.“[65]

Die Betonung des Sports für den sozialistischen Einparteienstaat erfolgt im Artikel 35 Abs. 3:

„Alle Bürger haben das Recht auf Teilnahme am kulturellen Leben. Es erlangt unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution und der Erhöhung der geistigen Anforderungen wachsende Bedeutung. Zur vollständigen Ausprägung der sozialistischen Persönlichkeit und zur wachsenden Befriedigung der kulturellen Interessen und Bedürfnisse wird die Teilnahme der Bürger am kulturellen Leben , an der Körperkultur und am Sport durch den Staat und die Gesellschaft gefördert. [66]

Bereits in Artikel 18 der DDR-Verfassung von 1968 (1974) heißt es, dass „Körperkultur, Sport und Touristik als Element der sozialistischen Kultur (…) der allseitigen körperlichen und geistigen Entwicklung der Bürger dienen“[67]. Die politische Sonderrolle des Sports ist somit verfassungsmäßig verankert und dient als Basis des sportpolitischen Handelns für Partei- und Staatsorgane.

Die zentralen Aufgaben des Ministerrats konzentrieren sich für den Spitzensport auf die formale und inhaltliche Kontrolle der Leistungssportbeschlüsse. Dies hält der „Beschluss zum Maßnahmeplan zur weiteren Förderung des Leistungssports der DDR und zur Vorbereitung der Olympischen Spiele 1980“ vom 3. März 1977 fest.[68] Dabei wurden die Beschlüsse häufig in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport ausgewertet und dem Leiter der Abteilung Sport im ZK der SED zur Kenntnis gegeben. Ein Beispiel dafür ist die „Erste Einschätzung über Ergebnisse der staatlichen Förderung und Unterstützung des Leistungssports, insbesondere des Nachwuchssports, in Realisierung des Beschlusses über die weitere Entwicklung des Leistungssports in der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1973“[69] vom 21. Januar 1974.

Der leistungssportpolitische Verantwortungsbereich des Ministerrats gehörte dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport (SKS). Ziel war eine enge Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Ratsmitgliedern sowie den zuständigen Funktionären des Politbüros, des ZK der SED, dem Deutschen Turn- und Sportbund, der Gesellschaft für Sport und Technik sowie den verantwortlichen Ministerien für Sicherheit, Volksbildung, Hoch- und Fachschulwesen oder Planung. Der Ministerrat übernahm die Rolle des Koordinators der Leistungssportbeschlüsse mit den sportpolitischen Organen und dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport auf staatlicher Ebene.

2.5 Staatssekretariat für Körperkultur und Sport

Der Ministerrat hatte bereits 1952 auf Grundlage der zweiten Parteikonferenz im Juli 1952 mit der Direktive zum „planmäßigen Aufbau des Sozialismus in der DDR“, gleichzeitig die Gründung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport beschlossen. Die gesetzliche Grundlage bildete das erste Jugendgesetz vom 08. Februar 1950 über die Teilnahme der Jugend am Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik und die Förderung der Jugend in Schule und Beruf, bei Sport und Erholung.[70] Damit wurde das STKS als Vorgänger des SKS am 24. Juli 1952 gegründet. Den Vorsitz übernahm bis 1960 der 26jährige Manfred Ewald, der gleichzeitig Sekretär im Deutschen Sportausschuss war.[71] Das STKS ersetze inhaltlich die bisherigen Aufgabenbereiche des Deutschen Sportausschusses und wurde zum sportlichen Monopolorgan des Staates. Dabei orientierte es sich am Sportsystem der Sowjetunion, in dem das STKS als staatliches Organ die einheitliche Leitung der politischen und materiellen Entscheidung für den Sport gewährleisten sollte.[72] Das STKS war für die Koordination und Steuerung von Schulungen für Fachkräfte sowie für die Herausgabe neuer Richtlinien im Sportunterricht verantwortlich. Weiter arbeitete es mit dem Ministerium für Gesundheit im Bereich der Sportforschung zusammen und leitete alle Abteilungen für Körperkultur und Sport in den Ministerien und Staatssekretariaten, immer mit einem Blick auf die sportlichen Entwicklungen in der Sowjetunion.[73]

Nach 18jähriger Tätigkeit wurde das STKS ohne Vorankündigung 1970 aufgelöst und in neue Strukturen überführt. Grundlage war der Staatsratsbeschluss von 1968 des VII. Parteitages der SED, der die zunehmende Zentralisierung der Staatsmacht forderte. Die bisherige Aufgabenverteilung zwischen den höchsten staatlichen Repräsentanten der Exekutive und den gesellschaftlichen Organisationen reichte anscheinend nicht mehr aus.[74] Das Komitee blieb zwar bestehen, indem es in eine gesellschaftliche Organisation umgewandelt wurde mit dem bestehenden Vorsitzenden Ewald, aber es verlor seine staatliche Einflussposition an das SKS unter Leitung des Staatssekretärs Roland Weißig.[75] 1973 übernahm Günter Erbach das Amt des Staatssekretärs für Körperkultur und Sport.[76] Der selbstständige Staatssekretär war somit Repräsentant für den Sport der Regierung. Offiziell unterstand er einem der beiden ersten Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates. Praktisch erhielten Erbach und der Präsident des DTSB allerdings Weisungen und Leitlinien vom zuständigen Sekretär des ZK der SED.[77] Das SKS sollte als „Sportministerium der DDR“ agieren, indem es als Organ des Ministerrates für die Planung und Leitung der staatlichen Aufgaben sowie für die Wahrnehmung der staatlichen Belange auf dem Gebiet für Körperkultur und Sport zuständig war.[78] Es blieb bei der Zusammenarbeit mit den Bezirksräten mit gleichzeitiger Intensivierung des gegenseitigen Erfahrungsaustausches. „In der Führungsstruktur änderte sich nichts. Der Staatssekretär, der den ersten Vorsitz innehatte, leitete das Sekretariat nach dem Prinzip der Einzelleitung.“[79] Ihr Hauptaugenmerk richtete sich „auf die Unterstützung des Kinder- und Jugendsports, die Mitgestaltung des Freizeit- und Erholungssports, die Realisierung von Maßnahmen zur körperlichen und sportlichen Ertüchtigung der Bürger im System der sozialistischen Landesverteilung und auf die Förderung des Leistungssports gerichtet mit dem Ziel, Körperkultur und Sport immer mehr zum Bestandteil der sozialistischen Lebensweise werden zu lassen.“[80] Damit wird die Doppelfunktion der Förderung des Breiten- und Spitzensports durch das SKS betont. „Das Staatssekretariat sollte den DTSB bei der Gewinnung der Bürger für die ‚regelmäßige’ sportliche Betätigung im Übungs-, Trainings- und Wettkampfbereich und das gesellschaftliche Komitee ‚aktiv und allseitig’ unterstützen.“[81] In der Verordnung über das Statut des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport heißt es dementsprechend in Paragraph 13:

„(1) Der Staatssekretär ist den Leitern der ihm unterstellten Einrichtungen gegenüber weisungsberechtigt.

Dem Staatssekretär unterstehen:

die Deutsche Hochschule für Körperkultur[82]

das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport[83]

der Sportmedizinische Dienst[84]

die Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte

das Büro für Sportbauprojekte

die zentrale Aufbauleitung

das Generalsekretariat des Wissenschaftlichen Rates.“[85]

Damit erhielt der Staatssekretär den Zugriff auf die für den Leistungssport zuständigen Funktionsträger. Allerdings muss beachtet werden, dass obwohl es sich beim SKS um ein staatliches Organ handelte, die Zentralisierung des DDR-(Spitzen-)Sports durch die SED und die damit einhergehende Kaderkontinuität der höchsten Sportfunktionäre, eine konkrete Einhaltung der Sportorganstrukturen nicht immer ermöglichte. Dies ist durch Manfred Ewald, als die wahrscheinlich einflussreichste Person im DDR-Sport, und im Besonderen für den Spitzensport zu beobachten: „Manfred Ewald, seit 1963 ZK-Mitglied, bekleidete außerdem noch folgende Funktionen: Staatssekretär und Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport von 1952 bis 1958; von 1961 bis 1988 Präsident des DTSB und von 1973 bis 1990 Präsident des NOK.“[86] In diesen Funktionen wirkte Ewald neben den zuständigen Sekretären im Politbüro und im ZK als die verbindende Person zwischen der gesellschaftlichen Sportorganisation sowie den Partei- und Staatsorganen.

2.6 Mitbestimmende Ministerien

Neben dem Ministerrat und dem SKS bearbeiteten auch die Staatsministerien für Staatssicherheit, für Volksbildung, für das Hoch- und Fachschulwesen sowie die staatliche Planungskommission das Ressort Spitzensport. Sie beschäftigten sich unter anderem mit der konzentrierten Professionalisierung des DDR-Leistungsports ab 1967. Aber auch die Ministerien für Gesundheit, Finanzen und Bauwesen wurden in ihrer Meinung zu den Leistungssportbeschlüssen berücksichtigt. Betrachtet man die sportpolitischen Entscheidungsstrukturen, so gibt es in den 1970er und 1980er Jahren zwischen dem DTSB und dem Ministerium für Volksbildung[87] unterschiedliche Punkte der Zusammenarbeit. Als beispielhaft ist die Förderung und der Ausbau des Kinderjugendnachwuchsleistungssports zu nennen, wo allerdings „das Ministerium für Volksbildung schwer von unserem System zu überzeugen war“[88] und das Politbüro der SED in die Entscheidungsfindung einbezogen werden musste.

[...]


[1] Hartmann, Grit: Goldkinder. Die DDR im Spiegel ihres Spitzensports, S. 2.

[2] Die Begriffe „Leistungssport“, „Hochleistungssport“ und „Spitzensport“ werden in dieser Arbeit synonym verwendet. Dabei ist zu beachten, dass in den offiziellen Dokumenten zum DDR-Spitzensport sich der Terminus technicus „Leistungssport“ durchgesetzt hat. Er sollte sich von der eigentlichen Begrifflichkeit „Spitzensport“ absichtlich abheben. Mit „Spitzensport“, „Hochleistungssport“ bzw. „Leistungssport“ wird in dieser Magisterarbeit die absolute sportliche Höchstleistung betrachtet, die zur Aufwertung der Sportnation DDR bedeutsam war, um Erfolge bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften zu erreichen. (Vgl. Ritter, Andreas: Wandlungen in der Steuerung im DDR-Hochleistungssport, S. 13.)

[3] Uta Andrea Balbier hat mit dem gleichnamigen Titel ihrer Dissertation eine umfassende vergleichende Studie der deutsch-deutschen Sportbeziehungen vorgelegt, die eine anregende wissenschaftliche Betrachtung sowie geschichtliche Fakten in einem Ausschnitt der beiden deutschen Sportsysteme liefert. Vgl. Balbier, Uta Andrea: Kalter Krieg auf der Aschenbahn.

[4] Eppelmann, Rainer: Rolle des Sports in der DDR, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1, S. 640. Weitere Erläuterung siehe Forschungsstand.

[5] Der Trainer Eberhard Mothes erwähnte im Interview, dass er mit seinen Athleten in 30 Jahren circa 100 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften errang. Die anderen interviewten Athleten waren ebenso Medaillengewinner in München, Montreal und Seoul.

[6] Diese Auffassung wird von Andreas Ritter vertreten. Seine Ergebnisse dienen als Basis dieser Magisterarbeit.

[7] Vgl. Spitzer, Giselher/Teichler, Hans Joachim/Reinarzt, Klaus (Hrsg.): Schlüsseldokumente zum DDR-Sport; Spitzer, Giselher: Sicherungsvorgang Sport.

[8] Vgl. Teichler, Hans Joachim/Reinarzt, Klaus: Das Leistungssportsystem der DDR in den achtziger Jahren und im Prozess der Wende; Teichler, Hans Joachim: Die Sportbeschlüsse des Politbüros.

[9] Vgl. Ritter, Andreas: Wandlungen in der Steuerung im DDR-Hochleistungssport.

[10] Vgl. BStU (Hrsg.): MfS und Leistungssport.

[11] Mit diesem Begriff impliziert Spitzer die Sicherung und den totalen Schutz des Wissens im DDR-Spitzensport, dass durch das Ministerium für Staatssicherheit seine operative Kontrolle bis zur Wende erfuhr.

[12] Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1.

[13] Vgl.Holzweißig, Gunter: Die Funktionen des Sports fürs das Herrschaftssystem der DDR, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1, S. 642-653.

[14] Vgl. Hiller, Jürgen: Ergänzende Darstellung aus ostdeutscher Sicht unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-deutschen Sportbeziehungen, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1, S. 653-662.

[15] Vgl. Geiger, Hansjörg: Sport und Staatssicherheit: Überwachung, Verfolgung und Außendarstellung, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1, S. 662-675.

[16] Vgl. Franke, Werner: Sportmedizin und Sportwissenschaft im Dienste des Staatsauftrages Sport, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1, S. 675-690.

[17] Vgl. Krebs, Hans-Dieter: Die politische Instrumentalisierung des Sports, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“. Band III/2., S. 1314-1369.

[18] Spitzer, Giselher: Sicherungsvorgang Sport, S. 52.

[19] Im Verlauf der Arbeit werden die Bezeichnungen Sportbeschluss, Sportdekret, Politbürobeschluss für den Leistungssport zum leichteren Verständnis synonym verwendet.

[20] Vgl. Gläser, Jochen/Laudel, Grit: Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, S. 191-260.

[21] Gläser, Jochen/Laudel, Grit: Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, S. 193.

[22] Schmidt-Grunert, Marianne: Grundlagen, in: Schmidt-Grunert, Marianne: Sozialarbeitforschung konkret, S. 39.

[23] Konzentriert meint in dem Fall, die Auswahl gezielter Dokumente.

[24] Winkler, Jürgen: Sportpolitik, in: Herbst, Andreas/Stephan, Gerd-Rüdiger/Winkler, Jürgen (Hrsg.): Die SED, S. 469.

[25] Das Statut enthielt die grundlegenden organisatorischen Regeln für die Struktur und Tätigkeit der Partei, sowie Normen und Regeln des Parteilebens. Vgl. Herbst, Andreas/Klein, Thomas/Priess, Lutz/Winkler, Jürgen: Statut der SED, in: Herbst, Andreas/Stephan, Gerd-Rüdiger/Winkler, Jürgen (Hrsg.): Die SED, S. 522.

[26] Die Funktion des Parteitages bestand darin, die bereits von ZK oder Politbüro getroffenen Richtungsentscheidungen nachträglich zu legitimieren. Vgl. Niese, Lars Holger: Sport im Wandel, S. 103.

[27] Vgl. Herbst, Andreas/Klein, Thomas/Priess, Lutz/Winkler, Jürgen: Statut der SED, in: Herbst, Andreas/Stephan, Gerd-Rüdiger/Winkler, Jürgen (Hrsg.): Die SED, S. 521.

[28] Vgl. Gesamtüberblick der ZK-Abteilungen: Arnold, Ottfried/Modrow, Hans: Das Große Haus. Struktur und Funktionsweise des Zentralkomitees der SED, in: Modrow, Hans (Hrsg.): Das Große Haus, S. 34.

[29] Wolle, Stefan: Die heile Welt der Diktatur, S. 102.

[30] vor 1959 war es eine Arbeitsgruppe.

[31] Vgl. Bernett, Hajo: Die Direktiven der Sozialistischen Einheitspartei, in: Bernett, Hajo (Hrsg.): Körperkultur und Sport in der DDR, S. 29.

[32] Vgl. Schumann, Karsten: Empirisch-theoretische Studie zu entwicklungsbestimmenden Bedingungen des Leistungssports der DDR, S. A 69.

[33] Ebd.

[34] Ebd. S. A 103.

[35] Vgl. Herbst, Andreas/Klein, Thomas/Priess, Lutz/Winkler, Jürgen: Politbüro des ZK der SED, in: Herbst, Andreas/Stephan, Gerd-Rüdiger/Winkler, Jürgen (Hrsg.): Die SED, S. 515. Walter Ulbricht sorgte als Parteichef bis 1971 dafür, dass das Politbüro unter der Parteiführung eine unbestritten weitreichende Machtbefugnis hatte. Erich Honecker übernahm diese Struktur und veranlasste nach dem Tod Ulbrichts 1973 letzte einschneidende Personalentscheidungen im Politbüro.

[36] Vgl. Sieren, Frank/Koehne, Ludwig (Hrsg.): Günter Schabowski - Das Politbüro, S. 14.

[37] Arnold, Ottfried/Modrow, Hans: Das Große Haus. Struktur und Funktionsweise des Zentralkomitees der SED, in: Modrow, Hans (Hrsg.): Das Große Haus, S. 32.

[38] Vgl. Schumann, Karsten: Empirisch-theoretische Studie zu entwicklungsbestimmenden Bedingungen des Leistungssports der DDR, S. 47.

[39] Ebd. S. 48.

[40] Vgl. Teichler, Hans Joachim/Reinarzt, Klaus: Das Leistungssportsystem der DDR in den achtziger Jahren und im Prozess der Wende, S. 23.

[41] Arnold, Ottfried/Modrow, Hans: Das Große Haus. Struktur und Funktionsweise des Zentralkomitees der SED, in: Modrow, Hans (Hrsg.): Das Große Haus, S. 33.

[42] Schumann, Karsten: Empirisch-theoretische Studie zu entwicklungsbestimmenden Bedingungen des Leistungssports der DDR, S. 67.

[43] Aber auch in den anderen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder sicherheitspolitischen Bereichen.

[44] Vgl. Herbst, Andreas/Ranke, Winfried/Winkler, Jürgen (Hrsg.): So funktionierte die DDR, Band 2, S. 815. Ferner die von Karsten Schumann geführten Experteninterviews mit Hellmann, Heller, Röder in: Schumann, Karsten: Empirisch-theoretische Studie zu entwicklungsbestimmenden Bedingungen des Leistungssports der DDR, S. A 65 – A 110.

[45] Vgl. Schumann, Karsten: Empirisch-theoretische Studie zu entwicklungsbestimmenden Bedingungen des Leistungssports der DDR, S. 67-68. Weiter heißt es dort, dass die Parteiführung den Verantwortlichen imLeistungssportvollstesVertrauenbeiderAusarbeitungderLeistungssportbeschlüsse entgegengebracht hat.

[46] Vgl. Ebd. S. 73.

[47] Vgl. Teichler, Hans Joachim/Reinarzt, Klaus: Das Leistungssportsystem der DDR in den achtziger Jahren und im Prozess der Wende, S. 23. Mit dieser Beschlussanzahl erhebt Teichler 1999 keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit der recherchierten Akten. In der Studie Sportbeschlüsse des Politbüros aus dem Jahr 2002 beziffert Teichler die Zahl dann auf 1379. Vgl. Teichler, Hans Joachim: Die Sportbeschlüsse des Politbüros, S. 63 Tabelle 1.

[48] Vgl. Ritter, Andreas: Wandlungen in der Steuerung im DDR-Hochleistungssport in den 1960er und 1970er Jahren, S. 36.

[49] Vgl. Ebd., S. 34. In dem Bereich zeigen alle Forscher Einigkeit.

[50] Bernett, Hajo: Die Direktiven der Sozialistischen Einheitspartei, in: Bernett, Hajo (Hrsg.): Körperkultur und Sport in der DDR, S. 30.

[51] Vgl. Ritter, Andreas: Wandlungen in der Steuerung im DDR-Hochleistungssport in den 1960er und 1970er Jahren, S. 35. Es sollte alle Interna des Sportbetriebes als einheitliche Sportleitung informieren und aktualisieren.

[52] Vgl. Ebd. S. 39-98. Hier zeigt Andreas Ritter akribisch die innenpolitischen und vor allem persönlichen Auseinandersetzungen auf dem Weg zur endgültigen LSK der DDR.

[53] Vgl. Spitzer, Giselher/Teichler, Hans Joachim/Reinarzt, Klaus: Schlüsseldokumente des DDR-Sports, S. 141-143.

[54] Vgl. Ritter, Andreas: Wandlungen in der Steuerung im DDR-Hochleistungssport in den 1960er und 1970er Jahren, S. 99.

[55] Vgl. Spitzer, Giselher/Teichler, Hans Joachim/Reinarzt, Klaus: Schlüsseldokumente des DDR-Sports, S. 141.

[56] Vgl. Ebd. S. 142.

[57] Ritter, Andreas: Wandlungen in der Steuerung im DDR-Hochleistungssport in den 1960er und 1970er Jahren, S. 103.

[58] Für die Zusammensetzung der LSK und die Leitungsstruktur vgl. komplett Dokument im Anhang

[59] Vgl. Niese, Lars Holger: Sport im Wandel. S. 106.

[60] Vgl. Verfassung der DDR (1974), Art. 76 Abs. 1.

[61] Vgl. Schmidt, Manfred G.: Wörterbuch zur Politik. S. 913-914.

[62] Die Volkskammer war nach Art. 48 Abs. 1 der DDR-Verfassung das oberste staatliche Machtorgan und bildete die systemische Grundlage für die übrigen Organe. Sie entschied über die wichtigsten Fragen der Staatspolitik mit. Dies ist in Einklang mit dem Führungsanspruch der SED zu sehen, wenn man die Volkskammer und so den Staat als Hauptinstrument zur Durchsetzung des Parteiwillens betrachtet. Vgl. Niese, Lars Holger: Sport im Wandel, S. 107.

[63] Der Staatsrat wird in der DDR-Verfassung von 1968 als Hüter der Verfassung (Art. 65 Abs. 2) gesehen mit bestimmendem Einfluss auf die Gesetzgebungsverfahren (Art. 70). Durch Art. 66 Abs.2 vertrat der Staatsrat die DDR völkerrechtlich. Das Ministerratsgesetz von 1972 beendet die Leitfunktion des Staatsrates. Er besaß keine Entscheidungsgewalten mehr und sah sich hinter der Volkskammer und dem Ministerrat eingestuft. Bis zum Ende der DDR wirkte er als einflussloses, aber völkerrechtlich bedeutsames Staatsoberhaupt weiter. Vgl. Niese, Lars Holger, S. 108-109.

[64] Vgl. Verfassung der DDR (1974), Artikel 77.

[65] Vgl. Ebd., Art. 78.

[66] Ebd., Art. 25 Abs. 3. [Hervorhebung der Autorin].

[67] Ebd., Art. 18 Abs. 3.

[68] Vgl. SAPMO DY 30/IV 2/2.036/24. S. 136-146.

[69] Vgl. Ebd. S. 18-34.

[70] Vgl. Reichelt, Frank: Das System des Leistungssports in der DDR, S. 27-28.

[71] Vgl. Ebd., S. 28.

[72] Vgl. Ebd.

[73] Vgl. Ebd., S. 29-30.

[74] Vgl. Bernett, Hajo: Die Direktiven der Sozialistischen Einheitspartei, in: Bernett, Hajo (Hrsg.): Körperkultur und Sport in der DDR, Bernett, S. 133.

[75] Vgl. Ebd.

[76] Vgl. Zur Person: Schumann, Karsten: Empirisch-theoretische Studie zu entwicklungsbestimmenden Bedingungen des Leistungssports der DDR, S. A 22.

[77] Vgl. Hiller, Jürgen: Ergänzende Darstellung aus ostdeutscher Sicht unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-deutschen Sportbeziehungen, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Band III/1, S. 655.

[78] Vgl. Winkler, Jürgen: Sportpolitik, in: Herbst, Andreas/Stephan, Gerd-Rüdiger/Winkler, Jürgen (Hrsg.): Die SED, S. 468.

[79] Reichelt, Frank: Das System des Leistungssports in der DDR, S. 33.

[80] Ministerrat: Verordnung über das Statut des Staatssekretariat für Körperkultur und Sport vom 8.7.1970. §1 in: Bernett, Hajo (Hrsg.): Körperkultur und Sport, S. 134.

[81] Reichelt, Frank: Das System des Leistungssports in der DDR, S. 33.

[82] Die DHFK gilt als erste zentrale Lehr- und Forschungsstätte im DDR-Leistungssport.

[83] DieForschungsstellefürKörperkulturundSportwurde1956gegründetundfördertedieleistungssport-liche Forschung und Entwicklung.

[84] Der SMD hatte seinen Sitz in Kreisch, wurde 1963 gegründet und war laut Statut für die gesamte sporttreibende Bevölkerung verantwortlich. Er war Dreh- und Angelpunkt für die wissenschaftliche Betreuung des Leistungssports.

[85] Ministerrat: Verordnung über das Statut des Staatssekretariat für Körperkultur und Sport vom 8.7.1970. §13 in: Bernett, Hajo (Hrsg.): Körperkultur und Sport, S. 135.

[86] Winkler, Jürgen: Sportpolitik, in: Herbst, Andreas/Stephan, Gerd-Rüdiger/Winkler, Jürgen (Hrsg.): Die SED, S. 468.

[87] Ministerin von 1963 bis 1989 war Margot Honecker. Vgl. Herbst, Andreas/Ranke, Winfried/Winkler, Jürgen: So funktionierte die DD, S. 702.

[88] Ewald, Manfred: Ich war der Sport, S. 76.

Ende der Leseprobe aus 125 Seiten

Details

Titel
Politisierung des Spitzensports in der DDR
Untertitel
Eine Untersuchung der politischen Einflussnahme auf den Hochleistungssport am Beispiel des SC Karl-Marx-Stadt
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
125
Katalognummer
V112827
ISBN (eBook)
9783640192007
ISBN (Buch)
9783640207626
Dateigröße
3306 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politisierung, Spitzensports
Arbeit zitieren
Carina Sophia Linne (Autor), 2008, Politisierung des Spitzensports in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112827

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politisierung des Spitzensports in der DDR



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden