Juan de Valdés. Analyse der linguistischen Ansichten im "Diálogo de la lengua" und deren aktuelle Rezeption


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Juan de Valdés und der Diálogo de la lengua im Siglo de Oro
2.1 Überblick über den sprachgeschichtlichen Kontext
2.2 Der Diálogo de la lengua von Juan de Valdés

3. Linguistische Ansichten im Diálogo de la lengua

4. Aktuelle Rezeption

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Dass Spanisch aufgrund der hohen Sprecherzahlen und der geographischen Verbreitung zu den großen Weltsprachen1 gezählt wird, ist auf die historische Expansion und auf den Aufstieg Spaniens zu einer der ersten Kolonialmächte zurückzuführen.2 Aus welchem Grund aber die Real Academia Española (RAE) als maßgebende Institution seit ihrer Gründung im Jahr 1713 bis heute für die Pflege sämtlicher spanischer und lateinamerikanischer Sprachvarietäten, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, zuständig ist, fragt sich auch der ehemalige Direktor der RAE, José Manuel Blecua:

„‘[…] el español es en realidad un idioma americano que tiene un apéndice europeo’, puesto que en España vive apenas el diez por ciento de los hablantes de español. Cabe preguntarse por qué entonces nuestra lengua tiene que ser regida por el apéndice, por qué los hispanohablantes americanos nos sujetamos a una norma europea y escribimos [y tal vez hablamos] con el ojo puesto en lo que pueda decir la Real Academia Española.” (Soca 2014) [Ergänzungen von Philipp Scheerer].3

Die RAE hat zwar in Zusammenarbeit mit der Asociación de Academias de la Lengua Española (ASALE) in ihrer Nueva Gramática del la lengua española, basierend auf dem Konzept, dass es sich beim Spanischen um eine plurizentrische Sprache4 handele, im Jahr 2009 die unterschiedlichen Normen des Spanischen (aufgeteilt in acht Sprachräume) kodifiziert (vgl. Herling/Patzelt 2013, S. VII und Lebsanft 2013, S. 57-67), um der zunehmenden Globalisierung gerecht zu werden und um „ihre Autorität über die amerikanischen Sprecher zu legitimieren“ (Soca 2014) [übersetzt von Philipp Scheerer]. Durch regelmäßige Publikationen aktualisierter Grammatiken und Wörterbücher, soll der spanischen Sprache so ein normierter Rahmen gegeben bzw. soll dieser gewahrt werden. Dennoch - oder gerade aus diesem Grund - kommt es zu Konflikten zwischen Sprechern sowie Vertretern offizieller Institutionen. Dies verdeutlicht die Aktualität der Auseinandersetzung über die Normierung der spanischen Sprache, weshalb es sich für das nähere Verständnis anbietet, ein sprachgeschichtliches Zeugnis dieser Normierung sowie deren heutige Rezeption zu untersuchen. Mit anderen Worten hat diese Arbeit zum Ziel, zu analysieren, wer und vor allem wie ein historiographischer Ansatz der Sprachpflege5 des Spanischen exemplarisch in den Medien6 wahrgenommen wird. Die Resultate können einerseits für das Verständnis der aktuellen Problematik beitragen und andererseits Aufschluss darüber geben, bis zu welchem Maße eine präskriptive Normierung der spanischen Sprache sinnvoll ist.

Aus welchen Gründen sich der von Juan de Valdés verfasste Diálogo de la lengua 7, der erstmals im Siglo de Oro publiziert wurde, gut für diese Untersuchung eignet und welche Bedeutung dieser literarischen Auseinandersetzung mit dem castellano im sprachgeschichtlichen Kontext zukam, soll im folgenden Kapitel thematisiert werden. Anschließend werden einige wichtige linguistische Ansichten des Autors aus dem DL vorgestellt. Dabei muss allerdings betont werden, dass eine sprachwissenschaftliche Analyse nicht im Fokus steht, sodass es sich auf generelle Aspekte zu beschränkt gilt, deren medialer Rezeption sich die Arbeit danach widmet. Entsprechend wird in diesem Kapitel auch die Wahl der medialen Quellen begründet, die für die Untersuchung ausgewählt worden sind, bevor das Fazit die Resultate zusammenfasst.

2. Juan de Valdés und der Diálogo de la lengua im Siglo de Oro

Die thematische Grundlage dieser Untersuchung zeitlich auf das Siglo de Oro zu begrenzen8, ist sinnvoll, da das spanische Reich damals einen bedeutenden machtpolitischen Wandlungsprozess erfuhr und parallel dazu auch die ersten schriftlichen Zeugnisse einer bewussten Auseinandersetzung mit der ‚spanischen‘ Sprache entstanden, die dem heutigen linguistischen Verständnis ähneln.

2.1 Überblick über den sprachgeschichtlichen Kontext

Nach der Ausgliederung der iberoromanischen Sprachen im achten Jahrhundert nach Christus, in der der Prozess der Romanisierung und Latinisierung der Iberischen Halbinsel mündete, ging der Wandel der sprachlichen Situation spätestens ab dem neunten Jahrhundert mit der fortlaufenden Rückeroberung der arabischen Herrschaftsgebiete, der Reconquista, einher. Von den sogenannten nähesprachlichen „romances9 peninsulares“ (Sälzer 2016, S. 33), die sich im Laufe der Zeit auf dem Gebiet des heutigen Spaniens und Portugals aus den verschiedenen Varietäten des gesprochenen, in der Forschung als Vulgärlatein bezeichneten, Lateins entwickelt hatten, konnte vor allem die kastilische Volkssprache von dieser machtpolitischen Expansion profitieren. Diese Dominanz ist auf die im elften Jahrhundert beginnende politische Vormachtstellung des Königreichs Kastilien zurückzuführen. (vgl. Berschin/Fernández-Sevilla 1987, S. 70-90 & Bollée/Neumann-Holzschuh 2009,S. 34-45). Die in den darauf folgenden Jahrhunderten stattfindende Intensivierung des Überdachungsprozesses des Kastilischen, so zum Beispiel durch die „Funktionsausweitung“ (Berschin/Fernández-Sevilla 1987, S. 95) der kastilischen romance unter Alfons dem Weisen hin zu einer Art Amts-und Jurisdiktionssprache, soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden, da dies schon ausreichend untersucht worden ist (vgl. u.a. Braselmann 1991, S. 148f.).

Hatte die „sprachliche Differenzierung […] bei der Bildung der christlichen Königreiche“ (Briesemeister 1969, S. 37) keine wichtige Rolle gespielt, so bedeutender wurde das Kastilische für die Konsolidierung des Königreichs Kastilien-León, das im Zuge der Reconquista die Ausbreitungsgebiete der anderen Sprache voneinander getrennt hatte.10 Ein Höhepunkt dieses bereits angesprochenen machtpolitischen Wandlungsprozesses, der einen extensiven Ausbau des Kastilischen eben nicht nur begünstigte, sondern auch erforderlich machte, war das sogenannte annus mirabilis: Nachdem sich die Königreiche Kastilien-León und Aragón bereits 1479 heiratspolitisch vereinigt hatten, vollendete die Beendigung der Reconquista durch die Eroberung Granadas 1492 die politische Einheit der spanischen Monarchie auf der Iberischen Halbinsel11. Da nur ein kleiner Teil der Bevölkerung neben der Volkssprache auf das lateinische als Schriftsprache zurückgreifen konnte, war zur Wahrung des Status quo nun eine einheitliche Distanzsprache, also die Verschriftlichung der kastilischen bzw. spanischen12 romance, zu etablieren. Weitere Errungenschaften während des annus mirabilis 1492 waren die Herstellung einer christlichen Einheit durch die Vertreibung der Juden sowie die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, sodass sie 1496 in der Verleihung des Titels reyes católicos an das spanische Königspaar mündeten (vgl. Bollée/Neumann-Holzschuh 2009, S. 81-83 & Braselmann 1991, S. 147-150).

Die Tatsache, dass eine Sprache für den im europäischen Vergleich ersten „estado-nación“ (Soca 2014) als identitätsstiftendes Merkmal vereinheitlicht werden musste, machte sich 1492 Antonio de Nebrija zu Nutzen. Mit der Gramática de la lengua castellana13 veröffentlichte der Latinist, der durch seine Arbeit als „debelador de la barbarie“ (Olmedo 1942), mit der er auf der Iberischen Halbinsel die sprachlichen Missstände bekämpfen und zur Lehre des klassischen Lateins zurückkehren wollte, an Bekanntheit gewonnen hatte, die erste romanische Grammatik. Geprägt von seinem Wissen über die klassischen Sprachen hatte Nebrija das Ziel, seiner Volkssprache eine ars aufzuerlegen, diese also durch eine präskriptive Grammatik zu kodifizieren. Ob seine Intention dabei eine Aufwertung oder eine Anpassung des castellano an das Lateinische war, ist Gegenstand anderer Untersuchungen und an dieser Stelle nicht weiter relevant. Dass seine GC trotz der Widmung an die spanische Königin und einer eindeutigen sprachimperialistischen Färbung14 nur zu Lebzeiten gedruckt worden ist, spiegelt allerdings nicht nur die damalige Sprachauffassung wider, sondern ist von Bedeutung für die Untersuchung der linguistischen Ansichten Juan de Valdés‘.

Fakt ist jedoch, dass das Jahr 1492 nicht nur das Veröffentlichungsjahr dieser ersten romanischen Grammatik war, sondern als annus mirabilis gleichzeitig den Beginn der frühneuzeitlichen Epoche, die aufgrund der „tiefgreifende[n] Veränderungen auf politischer und kultureller Ebene“ (Sälzer 2016, S. 13) in der spanischen Historiographie als Siglo de Oro bezeichnet wird. Ausschlaggebend für die sprachlichen Veränderungen15 und die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen sowohl mit den klassischen Sprachen als auch mit der eigenen während dieser Epoche war die Gelehrtenbewegung des Renaissance-Humanismus. Zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert hat diese ausgehend von der italienischen ‚Wiege des Humanismus‘ die europäische Geistesgeschichte geprägt. Im Fokus standen neben der Beschäftigung mit antiken literarischen Texten die Imitation und Wiederherstellung der klassischen Sprachen (vgl. Hinz 2005). Nach Spanien gelangte diese Bewegung über den „spanisch-italienischen Kulturkontakt“ (Gruber 2014, S. 30)16, der aus der aragonesischen Eroberung Neapels im Jahr 1442 resultierte und sich ebenfalls in der Ausbildung spanischer Gelehrter widerspiegelte – denn sowohl Nebrija als auch Valdés sind durch ihre Studienaufenthalte in Italien entscheidend von den humanistischen Lehren beeinflusst worden; letzterer starb sogar im italienischen Exil. Nebrijas erster romanischer Grammatik ist zwar vor allem aufgrund der Nähe zum Lateinischen17 ein humanistischer Hintergrund nicht abzusprechen, abgelehnt wurde sie aber wahrscheinlich aufgrund der ‚Modernisierung‘ bzw. Fortführung humanistischer Ansätze. Denn die intensive Auseinandersetzung mit klassischen Texten hatte die spanischen Gelehrten des 15. Jahrhunderts mit dem „defecto de nuestra lengua castellana“, dem „rrudo romance“ (Briesemeister 1969, S. 50) konfrontiert – der eigenen kastilischen romance fehlte es im Vergleich zum Lateinischen an sprachlichem Reichtum. Eine volkssprachliche Grammatik erschien also nicht notwendig, weshalb man sich der Integration von Latinismen widmete oder versuchte, die eigene Sprache dem lateinischen Vorbild durch syntaktische Veränderungen des Satzbaus18 anzupassen.

Mit anderen Worten begründete der Renaissance-Humanismus ein generelles Paradoxon unter den Humanisten: Parallel zu der Rückbesinnung auf die antiken Werte und klassischen Sprachen begann man, trotz der Abneigung gegen den Zustand des „[castellano] vulgar“ (Briesemeister 1969, S. 49) [Ergänzung Philipp Scheerer], die eigene romance aufzuwerten und ihr einen höheren Stellenwert zuzuschreiben. Gemäß Heidi Aschenberg ist diese „Orientierung an und Emanzipation von antiken Traditionen“ (1997, S. 189) jedoch nicht als ein Phänomen der kastilischen Sprache, sondern als ein epochenspezifisches europaweites Merkmal zu werten.

Wie der sprachgeschichtlicher Überblick und der Exkurs zu der GC von Nebrija zeigen konnten, sind bereits im beginnenden Siglo de Oro aufgrund der „avantgardistischen Position“ (Braselmann 1991, S. 148) des zu einer Standardsprache avancierten Kastilischen Ansätze einer normativen Sprachpflege zu erkennen – allerdings ohne ausführende Instanz sowie ausreichend Akzeptanz dahinter.

2.2 Der Diálogo de la lengua von Juan de Valdés

Dieser spanische Humanismus, der mit Nebrija in seinen Anfängen stand, war wie das italienisches Vorbild ein nationalsprachlicher Humanismus, welcher laut Werner Bahner „unter der Berufung auf das griechisch-römische Vorbild die theoretische Verteidigung und praktische [Sprachp]flege der eigenen sich formierenden nationalen Hoch- oder Standardsprache als zentrale Aufgabe betrachtete“ (1984, S. 95) [Ergänzung Philipp Scheerer]. Obwohl die äußeren Umstände wie das annus mirabilis ideal schienen, wurde Nebrijas Versuch, das castellano mit Hilfe einer ars zu fixieren und so dem Lateinischen anzugleichen, äußerst negativ rezipiert. Trotzdem hat die GC in Spanien die Grundlage für die humanistische Auseinandersetzung mit Sprache geschaffen, sodass es im beginnenden Siglo de Oro zu vermehrten Textproduktionen kam, die sich intensiv mit dem Kastilischen beschäftigten. Dies führte nicht nur zu einer Aufwertung der eigenen Volkssprache, sondern mündete in deren Verherrlichung als europäische Universalsprache. Unter Karl V. entwickelte sich Spanien zu einem Imperium und das castellano begann sich im 16. Jahrhundert zum español zu wandeln, wie eine Rede des spanisch-habsburgischen Kaisers vor dem Papst aus dem Jahr 1536 verdeutlicht:

Señor obispo, entiéndame si quiere, y no espere de mí otras palabras que de mi lengua española, la cual es tan noble que merece ser sabida y entendida de toda la gente christiana. (Gauger 1986, S. 45)19

So ist auch die Entstehung des DL auf den Einfluss des Humanismus und die damit verbundene Sicht auf die eigene Sprache zurückzuführen, somit also als ein Aufgreifen und Fortführen von Nebrijas linguistischen Ansätzen zu verstehen. Ein kurzer Exkurs über den biographischen Hintergrund Valdés‘ wird jedoch einige grundlegende Unterschiede offenbaren.

Auch wenn die biographische Forschung zu Juan de Valdés einige Lücken aufweist, lässt sich seine spätere humanistische Orientierung bereits im Jugendalter erkennen. Wahrscheinlich Ende des 15. Jahrhunderts20 im kastilischen Cuenca als Sohn des Stadtrats Fernando de Valdés geboren, wuchs er unter den privilegierten Umständen einer Adelsfamilie auf. Laut Burkhard Voigt war sein Vater trotz der adeligen Stellung an den Comuneros-Aufständen beteiligt, indem er sich dem entstehenden Bürgertum im Kampf gegen den Feudalimperialismus und die Politik des späteren Kaisers Karl V. (I. von Spanien) anschloss (vgl. 1980, S. 8-12). Inwiefern diese soziale Umwälzung, seine adelige Herkunft und vor allem die sprachliche Nähe zur toledanischen Norm21 des castellano ausschlaggebend für Valdés‘ linguistische Ansichten waren, wird sich im weiteren Verlauf zeigen. Während seines Studiums22 hat Valdés sich zwar grundlegend mit den klassischen Sprachen beschäftigt, doch bereits 1523 bildete sich in Escalona am Hof von Diego López Pacheco durch die „doctrinas de los alumbrados“ (DL, S. 14) sein religiöses Interesse aus. Spätestens bei der Publikation seines einzigen zu Lebzeiten gedruckten Buchs im Jahr 1529, dem Diálogo de doctrina cristiana, wurde die spanische Inquisition auf sein reformatorisches Gedankengut aufmerksam und leitete zwei Prozesse gegen Valdés ein.

In den wissenschaftlichen und kirchlichen Bereichen ebenso wie in der Schul- und Universitätslehre hatten in Spanien bisher sowohl das Lateinische als auch traditionelle Ansichten dominiert – die Ablehnung der GC beweist dies. Im Gegensatz zu anderen europäischen Königreichen wie Italien, in denen im 15. Jahrhundert das mittelalterliche Wissenschaftssystem der septem artes liberales 23 um philosophische Disziplinen der Grammatik, Rhetorik und Poetik ergänzt wurde, scheint diese intellektuelle Weiterentwicklung in Spanien stagniert zu haben (vgl. Braselmann 1991, S. 149-150 & Sälzer 2016, S. 35-36). Zurückführen könnte man diesen Rückstand auf die negativen Auswirkungen der Reconquista, in Folge der im Kampf gegen die Araber vor allem die militärischen Kräfte gefordert waren, sodass eine Verbindung von armas und literas ausblieb.

Aufgrund dieser Stagnation sah Valdés sich gezwungen, nach Italien zu fliehen, wo er spätestens seit dem Jahr 1531 mehrere hohe Ämter innehatte; so war er unter anderem am Hof des Papstes Klemens VII. in Rom und als Stadtarchivar Neapels tätig. Er hielt sich nicht nur für eine begrenzte Zeit in Italien auf, sondern lebte bis zu seinem Tod 1541 in Neapel, wo er für einen ausgewählten Kreis des neapolitanischen Stadtadels theologische Abhandlungen und biblische Übersetzungen anfertigte. Eben dort schrieb er 1535 auch den DL, der wie all seine andere Werke nicht gedruckt wurde, sondern als Abschrift unter seinen ‚Schülern‘ kursierte. Der fundamentale Unterschied ist jedoch, dass der DL die einzige Anfertigung ist, die keinen religiösen Charakter aufweist und sich stattdessen mit der kastilischen Volkssprache auseinandersetzt (vgl. DL, S. 9-12).

3. Linguistische Ansichten im Diálogo de la lengua

Im Folgenden sollen einige der linguistischen Ansichten Valdés‘, die seinem DL zu entnehmen sind, erläutert werden. Dabei muss man betonen, dass eine vollständige Analyse seiner einzigen ‚sprachwissenschaftlichen‘ Auseinandersetzung an dieser Stelle aufgrund einer anderen Schwerpunktsetzung der Arbeit nicht umsetzbar ist. Daher wird lediglich auf die Aspekte eingegangen, die hinsichtlich der heutigen Rezeption der historiographischen Ansätze einer kastilischen Sprachpflege von Bedeutung sein könnten.

[...]


1 Für Näheres zum Spanischen als Weltsprache siehe Sinner 2013.

2 Spanisch bezieht sich auf alle Varietäten; Kastilisch bzw. castellano hat sich erst im Verlauf der angesprochenen Expansion zum ‚Spanischen‘ entwickelt. Der Begriff castellano wird im Folgenden für die sprachgeschichtliche Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel verwendet werden.

3 Zitiert werden hier indirekt José Manuel Blecua, der von 2014 bis 2014 Direktor der RAE war, sowie Ricardo Soca mit seinem Aufsatz Los trabajadores del lenguaje ante la norma prescriptiva für die Internetseite www.elcastellano.org.

4 Auch polyzentrische Sprache; Sprache mit mehreren Standardvarietäten.

5 Gemäß der Definition des Dudens wird unter Sprachpflege „die Gesamtheit der Maßnahmen, die auf einen normgerechten Sprachgebrauch abzielen“ sowie „die Gesamtheit der Bemühungen um eine Verbesserung der Sprachkenntnisse und einen kultivierten Sprachgebrauch“ (ebd., https://www.duden.de/rechtschreibung/Sprachpflege) verstanden.

6 Näheres dazu im entsprechenden Kapitel.

7 Im Folgenden mit DL abgekürzt.

8 Zur epochalen Einteilung vgl. Sälzer 2015, S. 27-28.

9 Der Begriff romance ist als Synonym zu Volkssprache zu verstehen.

10 Für Näheres zu den anderen iberoromanischen Varietäten wie dem Aragonesischen, dem Katalanischen oder auch dem Asturo-Leonesischen siehe Marín 2006, S. 2138f..

11 Das Königreich Navarra wurde 1521 von Kastilien annektiert und das portugiesische Königreich ist von dieser Paraphrasierung ausgeschlossen.

12 Je nach Auslegung der sprachgeschichtlichen Entwicklung kann aufgrund des standardsprachlichen Prestiges zu diesem Zeitpunkt bereits von einer spanischen Volkssprache gesprochen werden.

13 Im Folgenden mit GC abgekürzt.

14 Vergleiche dazu unter anderem die beiden bekannten Textstellen aus dem Prolog der Grammatik: „mui alta y assí esclarecida princesa doña Isabel“ & „[…] siempre la lengua fue compañera del imperio […]“ (Nebrija 1492, ed. Quilis, S. 97). Für weitere umfassende Informationen zu diesem Thema eignet sich vor allem die Monographie von Braselmann 1991.

15 Näher mit dem Sprachwandel beschäftigt hat sich Sälzer 2016.

16 Teresa Gruber hat sich umfassend mit der Analyse der Mehrsprachigkeit in der Italia Spagnuola und mit der sich daraus ergebenden sprachlichen sowie kulturellen Beeinflussung befasst (vgl. 2014, S. 31-36 & 48-52).

17 Einerseits wegen der Übertragung einer am Lateinischen orientierten ars auf die eigene Muttersprache und andererseits weil er die Grammatik seiner Volkssprache als ein „[didaktisches] Propädeutikum“ (Braselmann 1991, S. 442) [Ergänzung Philipp Scheerer] für das Lateinlernen verstand.

18 So wurden Verben unter anderem ans Ende des Satzes gestellt.

19 Weder der Originallaut noch der Inhalt der Rede sind überliefert; es handelt sich um Interpretationen. Vgl. Gruber 2014, S. 54-55.

20 In der Einleitung zu ihrer Edition des DL gibt Barbolani 1510 als Geburtsjahr an (DLB, S. 13).

21 Bereits ab dem 12./13. Jahrhundert entstanden in den Übersetzerschulen in Toledo volkssprachliche Literatur und wissenschafltiche Texte, in denen man arabische und griechische Texte ins Kastilische und nicht ins Lateinische übersetzte. Braselmann bezeichnet die sprachliche Norm aus Toledo als „normale[s] Idiom für alle Dokumente und Gesetze“ (1991, S. 148) [Ergänzung Philipp Scheerer].

22 Gemäß Calvo Pérez hat Valdés „Artes Liberales o Teología (quizá de todo un poco)” studiert (1994, S. 141).

23 Das antike Wissenschaftssystem der septem artes liberales war aufgeteilt in das trivium, das sich mit den Wissenschaften rund um die Sprache (Rhetorik, Logik, Grammatik) beschäftigte, und das quadrivium, welches die Naturwissenschaften umfasste (vgl. Schneider 2005).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Juan de Valdés. Analyse der linguistischen Ansichten im "Diálogo de la lengua" und deren aktuelle Rezeption
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V1128684
ISBN (eBook)
9783346489432
ISBN (Buch)
9783346489449
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juan de Valdés, Diálogo de la lengua, linguistische Ansichten, spanische Sprache im Siglo de Oro
Arbeit zitieren
B.A. Philipp Scheerer (Autor:in), 2019, Juan de Valdés. Analyse der linguistischen Ansichten im "Diálogo de la lengua" und deren aktuelle Rezeption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128684

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Juan de Valdés. Analyse der linguistischen Ansichten im "Diálogo de la lengua" und deren aktuelle Rezeption



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden