Inwieweit erweisen sich die Unternehmerfiguren bei Marx und Schumpeter, trotz oberflächlich konträrer Darstellung als ähnlich, wenn diese kontextual in ihrer jeweiligen Kapitalismuskonzeption betrachtet werden?
Beginnen werde ich mit einer soziologischen Betrachtung des kapitalistischen Unternehmers, auf den Soziologen Werner Sombart rekurrierend. Daran anknüpfend werde ich eine erste Charakterisierung des Unternehmers bei Schumpeter und Marx vornehmen, die augenscheinliche Unterschiedlichkeit pointierend. Die spätere kontextuale Untersuchung des Unternehmers vorbereitend, werde ich im nächsten Schritt einige ausgewählte Grundlagen und Prinzipien der Kapitalismusentwürfe von Marx und Schumpeter, die für ein tieferes Verstehen des Unternehmers bezüglich seiner Funktion und Situation essentiell sind, darlegen. Darauf aufbauend erfolgt schließlich die vergleichende Untersuchung anhand einiger ausgewählter Kategorien. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
2 Der Unternehmer aus einer soziologischen Perspektive
2.1 Der Unternehmer bei Karl Marx
2.2 Der Unternehmer bei Joseph Schumpeter
3 Die Grundzüge des Kapitalismus bei Marx und Schumpeter
3.1 Der Kapitalismus bei Marx
3.2 Der Kapitalismus bei Schumpeter
4 Vergleichende Betrachtung des Unternehmers bei Marx und Schumpeter
4.1 Die Errungenschaften
4.2 Die Ambivalenz
4.3 Klassendynamik und „Schicksal“ des Unternehmers
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Konzeptionen des kapitalistischen Unternehmers bei Karl Marx und Joseph A. Schumpeter, um trotz der oberflächlich konträren Sichtweisen verborgene Ähnlichkeiten in deren Kapitalismustheorien aufzuzeigen.
- Soziologische Betrachtung des Unternehmers nach Werner Sombart
- Analyse des Unternehmers als „personifiziertes Kapital“ bei Marx
- Untersuchung der Rolle des Unternehmers als „Träger von Innovationen“ bei Schumpeter
- Vergleichende Analyse der kapitalistischen Grundstrukturen und Dynamiken
- Gegenüberstellung des „Schicksals“ des Unternehmers in beiden Theorien
Auszug aus dem Buch
2.2 Der kapitalistische Unternehmer bei Schumpeter
Für Schumpeter, der eine eindeutige Unternehmerkonzeption liefert, bildet der Unternehmer als Träger der kapitalistischen Unternehmungen, den „[fundamentalen] Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt.“ Seine Funktion besteht darin „die [bestehende] Produktionsstruktur zu reformieren oder zu revolutionieren“. Konkret manifestieren sich diese, qualitativ gedachten, Reformen bzw. Revolutionen der Wirtschaft, als Ergebnis der kapitalistischen Unternehmung, unter anderem in „neuen Konsumgütern, .. neuen Produktions- oder Transportmethoden, .. neuen Märkten, ..[oder] neuen Formen der industriellen Organisation“.
Der Unternehmer, als Träger dieser Innovationen, zeichnet sich durch einige, ihn von den anderen Wirtschaftssubjekten differenzierende, Charakteristika und Fähigkeiten aus. So gestattet ihm seine „geistige Freiheit“ unkonventionell und selbstsicher außerhalb der gewohnten Routinen und Automatismen zu denken und zu handeln. Als Träger einer „,Vision‘“ setzt er sich über äußerliche Widerstände, die versuchen sein innovatives Schaffen und die Verwirklichung seiner Vorstellung zu restringieren, hinweg. Seine Persönlichkeit verleiht ihm gegenüber seinen Mitmenschen „,Autorität‘, [und] ‚Gewicht‘“.
Das Schaffen des Unternehmers ist „rastlos, weil er nicht anders kann, er lebt nicht dazu, um sich des Erworbenen genießend zu erfreuen“. Seine Motivation ist nicht das Geld und der Profit, sondern die „Freude am Werk, an der Neuschöpfung als solcher“. Auch das „Kämpfenwollen [und das], Erfolghabenwollen des Erfolgs als solchen wegen“ sind für den Unternehmer handlungsleitende Motive.
Hier wird deutlich, dass Schumpeter, in starkem Kontrast zu Marx, ein dezidiert positives Bild des kapitalistischen Unternehmers zeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Kapitalismus und definiert das Ziel, die konträren Unternehmerbilder von Marx und Schumpeter einer vergleichenden Analyse zu unterziehen.
2 Der Unternehmer aus einer soziologischen Perspektive: Dieses Kapitel führt mit Werner Sombart in die soziologische Sichtweise ein und stellt die diametralen Unternehmerkonzeptionen von Marx und Schumpeter erstmals gegenüber.
3 Die Grundzüge des Kapitalismus bei Marx und Schumpeter: Hier werden die theoretischen Fundamente beider Kapitalismusmodelle – der deterministische Prozess bei Marx und der Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ bei Schumpeter – dargelegt.
4 Vergleichende Betrachtung des Unternehmers bei Marx und Schumpeter: Das Hauptkapitel analysiert die Errungenschaften, die Ambivalenzen sowie die soziale Dynamik und das Schicksal der Unternehmerklasse in beiden Entwürfen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass trotz oberflächlicher Unterschiede strukturelle Ähnlichkeiten bestehen, insbesondere hinsichtlich der Diagnose einer langfristigen Funktionalitätskrise der Unternehmerfigur.
Schlüsselwörter
Kapitalismus, Unternehmer, Karl Marx, Joseph A. Schumpeter, Produktionsweise, Innovation, Schöpferische Zerstörung, Mehrwert, Kapital, Bourgeoisie, Profitrate, Rationalisierung, Klassenantagonismus, Strukturwandel, Wirtschaftssoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich dem theoretischen Vergleich des kapitalistischen Unternehmers im Denken von Karl Marx und Joseph A. Schumpeter.
Welche zentralen Themenfelder werden durch die Analyse abgedeckt?
Die Arbeit deckt Themen wie die historische Genese des Kapitalismus, die soziologische Rolle des Unternehmers, Innovationsprozesse und die Dynamik sozialer Klassen ab.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Unternehmerbilder bei Marx und Schumpeter trotz ihrer oberflächlichen Gegensätzlichkeit bei tieferer systematischer Betrachtung strukturelle Parallelen aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende Analyse soziologischer und ökonomischer Klassikertexte unter Heranziehung zentraler Kategorien (wie Errungenschaften, Ambivalenz und Klassendynamik) angewandt.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der jeweiligen Kapitalismuskonzeptionen und eine darauf aufbauende komparative Untersuchung der unternehmerischen Rolle und deren Schicksal.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essentiell?
Essentielle Begriffe sind unter anderem „Schöpferische Zerstörung“, „Mehrwert“, „personifiziertes Kapital“ sowie das „Schicksal“ der Unternehmerklasse.
Wie bewertet Schumpeter die Motivation des Unternehmers im Vergleich zu Marx?
Während Marx den Kapitalisten als durch Profitgier getriebenen Funktionsträger sieht, betont Schumpeter die „Freude am Werk“ und den Gestaltungswillen als wesentliche Motive des Unternehmers.
Was versteht man in dieser Arbeit unter dem „Schicksal“ des Unternehmers?
Es beschreibt die diagnostizierte Prognose beider Autoren, dass der Unternehmer durch die immanente Logik des kapitalistischen Prozesses langfristig seine Funktion und Daseinsberechtigung verliert.
- Citar trabajo
- Maximilian Schmidt (Autor), 2019, Vergleichende Analyse des kapitalistischen Unternehmers bei Karl Marx und Joseph Schumpeter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128711