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Die Tobin-Steuer. Kritische Würdigung einer Devisentransaktionssteuer

Title: Die Tobin-Steuer. Kritische Würdigung einer Devisentransaktionssteuer

Bachelor Thesis , 2002 , 62 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Mirko Gropp (Author)

Economics - Monetary theory and policy
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Einer empirischen Studie nach traten innerhalb der letzten 400 Jahren alle 10 Jahre größere Währungs- und Finanzkrisen auf. Diese scheinen sich gerade in der letzten Zeit immer mehr zu häufen (Mexiko - 1995, asiatische Tigerstaaten – 1997, Russland 1998). Nicht zuletzt wegen dieser Krisen wird von einigen Ökonomen das Dogma freier Märkte und Globalisierung kritisch hinterfragt. In diesem Zusammenhang wurden Rufe nach einer internationalen Ordnungspolitik (Fels, 2002) und Demokratisierung der Globalisierung (Patomäki, 2001; Çagatay et al., 2000) laut. Selbst der IWF, Hort einer neoklassische Politik der Liberalisierung und Öffnung der Finanzmärkte, denkt im Nachgang der Asienkrise über eine Abkehr von einer allzu strikten Umsetzung dieser Maxime nach, um Schwellenländern mehr Gestaltungsmöglichkeiten beim Übergang zu freiem Kapitalverkehr zu ermöglichen.

Zu den derzeit am meisten diskutierten Reformvorschlägen gehört das Konzept der Tobin Steuer (TT). In Kreisen der Wissenschaft in der Vergangenheit eher vernachlässigt , machen sich viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften für die Einführung einer solchen Steuer auf internationale Devisentransaktionen stark. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es die vorgebrachten Argumente für und gegen eine TT nach den damit verbundenen Zielsetzungen getrennt zu betrachten und weiteren Untersuchungsbedarf aufzuzeigen. Daher soll zu Beginn auf die besonderen Rahmenbedingungen der Devisenmärkte eingegangen werden, um darauf aufbauend das ursprüngliche Konzept von James Tobin vorzustellen. Bezüglich der Zielsetzungen sollen hier kurz die Wirkungszusammenhänge erläutert werden. Im Anschluss werden die Erwartungen und Möglichkeiten bezüglich der heutigen Zielsetzungen diskutiert. War am Anfang die praktische Umsetzung noch eines der größten Kritikpunkte, so gibt es heute klare Konzepte für eine Implementierung. Diese werden im anschließenden Kapitel vorgestellt und um mögliche Probleme ergänzt. Zum Schluss werden kurz Alternativen kontrastiert und die Erkenntnisse aus den vorhergehenden Kapiteln zusammengefasst sowie Ausblicke gegeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einordnung und Anliegen

2. Funktionsweise und Entwicklung des Devisenmarktes

3. Das ursprüngliche Konzept Tobins einer Devisentransaktionssteuer

4. Heutige Zielsetzung und kritische Würdigung

4.1 Reduktion der Volatilität von Wechselkursen

4.2 Vergrößerung der Handlungsspielräume von Zentralbanken

4.3 Verhinderung von Währungskrisen

4.4 Erzielung von Einnahmen

4.5 Weitere assoziierte Ziele

5. Probleme bei der Implementation und Lösungsansätze

5.1 Probleme bei der technischen Umsetzung

5.2 Problem der politischen Umsetzbarkeit

6. Alternative Konzepte

7. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Tobin-Steuer als Instrument zur Regulierung internationaler Devisentransaktionen. Das primäre Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte um diese Steuer, ihre ökonomischen Wirkungsmechanismen und die praktischen sowie politischen Herausforderungen bei der Implementierung kritisch zu würdigen.

  • Funktionsweise und Struktur der globalen Devisenmärkte.
  • Analyse des ursprünglichen Tobin-Konzepts im Kontext makroökonomischer Zielkonflikte.
  • Kritische Diskussion der Ziele: Volatilitätsreduktion, geldpolitische Autonomie und Krisenprävention.
  • Untersuchung technischer Implementierungsfragen und politischer Durchsetzbarkeit.
  • Kontrastierung der Tobin-Steuer mit alternativen Ansätzen zur Finanzmarktstabilisierung.

Auszug aus dem Buch

Die Verringerung der Volatilität

Die Verringerung der Volatilität setzt an den kurzfristigen Transaktionen an, die eingeschränkt werden sollen, ohne die langfristigen Investitionen zu verhindern. 80% aller Devisentransaktionen sind Rundtrips von sieben Tagen und weniger (Anhang A5 in Haq, 1996). Die meisten Akteure handeln also nur in kurzfristigen Zeitfenstern, bei denen Tobin annimmt, dass hier Fundamentaldaten keine Rolle spielen. Durch die TT würden sich die Transaktionskosten erhöhen, und somit Anlagen mit kurzfristigen Zeithorizonten ggü. langfristigen Anlagen diskriminiert werden (degressiver Effekt). Während also die Steuer auf lange Investitionszeiträume bezogen, fast zu vernachlässigen ist, müssten Spekulanten bei täglichem Wechsel der Devisen bereits akkumuliert 48% p.a. an den Fiskus abführen. Abbildung 12 stellt die notwendige Rendite für eine Auslandsanlage bei einem Zinsniveau von 5% und verschiedenen Steuersätzen je nach Anlagezeitraum dar (Formeln im Anhang 2). Dadurch sollen Fundamentaldaten mehr Einfluss bei der Preisbildung bekommen, da das Gewicht weg von der kurzfristigen Spekulation verschoben wird und sich damit der Anlagehorizont erhöht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einordnung und Anliegen: Diese Einleitung skizziert die Häufung von Finanzkrisen und den daraus resultierenden Bedarf an verstärkter Finanzmarktregulierung.

2. Funktionsweise und Entwicklung des Devisenmarktes: Das Kapitel erläutert die Besonderheiten dezentraler Devisenmärkte und die Bedeutung von Liquidität sowie Spekulation.

3. Das ursprüngliche Konzept Tobins einer Devisentransaktionssteuer: Hier wird der historische Kontext der Steuer sowie deren theoretische Herleitung aus dem Trilemma der Geldpolitik dargestellt.

4. Heutige Zielsetzung und kritische Würdigung: Eine detaillierte Analyse der Argumente für eine Tobin-Steuer, unterteilt in Volatilitätsreduktion, Autonomie der Notenbanken, Krisenprävention und Fiskalzwecke.

5. Probleme bei der Implementation und Lösungsansätze: Dieses Kapitel behandelt die technischen und politischen Hürden, die einer weltweiten Einführung entgegenstehen.

6. Alternative Konzepte: Ein kurzer Überblick über konkurrierende Ansätze wie Kapitalverkehrskontrollen oder Mindestreservepflichten.

7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Tobin-Steuer als eher unzureichendes Allheilmittel, das jedoch als politisches Signal an Bedeutung gewinnen kann.

Schlüsselwörter

Tobin-Steuer, Devisentransaktionssteuer, Volatilität, Spekulation, Finanzmarktregulierung, Devisenmarkt, Kapitalverkehr, Notenbanken, Währungskrisen, Liquidität, Arbitrage, Globalisierung, fiskalisches Aufkommen, Steuerwettbewerb, Finanzinnovationen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Tobin-Steuer – eine Abgabe auf internationale Devisentransaktionen – und prüft deren Tauglichkeit als Instrument zur Stabilisierung globaler Finanzmärkte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Funktionsweise des Devisenhandels, die Effekte der Spekulation auf Wechselkurse sowie die Auswirkungen der Besteuerung auf Liquidität und Kapitalströme.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist eine kritische Würdigung der Tobin-Steuer hinsichtlich ihrer theoretischen Begründung, ihrer praktischen Effektivität und ihrer politischen Durchsetzbarkeit.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der ökonomischen Wirkungsmechanismen, ergänzt durch die Auswertung empirischer Daten zur Devisenmarktstruktur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Zielsetzungen wie Volatilitätsminderung, geldpolitische Autonomie und Einnahmengenerierung sowie die damit verbundenen technischen und politischen Hindernisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Devisentransaktionssteuer, Spekulation, Volatilität, Finanzmarktregulierung und Kapitalverkehr.

Wie bewertet der Autor den aktuellen Marktwandel?

Der Autor weist darauf hin, dass elektronische Handelssysteme und zunehmende Zentralisierung die Marktstruktur verändern, was die Effekte einer Tobin-Steuer schwerer prognostizierbar macht.

Ist die Tobin-Steuer ein wirksames Mittel gegen Währungskrisen?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Steuer keine Krise verhindern kann, da die Anreize für spekulative Attacken in Krisenzeiten oft weit über den geringen Steuersätzen liegen.

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Details

Title
Die Tobin-Steuer. Kritische Würdigung einer Devisentransaktionssteuer
College
University of Bayreuth  (Lehrstuhl VWL I)
Grade
2,0
Author
Mirko Gropp (Author)
Publication Year
2002
Pages
62
Catalog Number
V11289
ISBN (eBook)
9783638174886
ISBN (Book)
9783638822299
Language
German
Tags
Tobin Tax Tobin Steuer Währungskonvertierung Finanzkrisen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirko Gropp (Author), 2002, Die Tobin-Steuer. Kritische Würdigung einer Devisentransaktionssteuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11289
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