Häusliche Gewalt. Ursachen, Formen und Häufigkeit


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen häuslicher Gewalt

3 Formen häuslicher Gewalt

4 Häufigkeit häuslicher Gewalt

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In unserer Gesellschaft ist häusliche Gewalt kein seltenes Phänomen.1 Es ist ein Thema, welches Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in ihrem beruflichen Kontext beschäftigt und immer beschäftigen wird.2

Gerade in Zeiten wie der aktuellen Corona-Krise, steigt das Risiko von häuslicher Gewalt. Diese Ausnahmesituation stellt Familien und Partnerschaften vor große Herausforderungen. Das sind beispielsweise veränderte Tagesabläufe, beengte Wohnverhältnisse, finanzielle Sorgen oder die Ungewissheit über die Zukunft, die Spannungsfelder innerhalb der Familien erzeugen. All diese Faktoren schaffen eine angespannte Atmosphäre innerhalb der Familien. Es kann vermehrt zu Streitigkeiten und aggressivem Verhalten untereinander kommen, was bis zu Gewaltausbrüchen führen kann.3

Lamnek et al definieren häusliche Gewalt als „Gewalt unter Personen, die intim oder eng verwandt sind und ständig oder zyklisch zusammen wohn(t)en.“4. Diese weite Definition häuslicher Gewalt schließt neben der Gewalt unter Erwachsenen auch die Gewalt gegen Kinder mit ein.5

Die Ergebnisse einer repräsentativen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2004 zeigen, dass jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Beziehungspartner erlebt hat.6 Laut der der polizeilichen Kriminalstatistik richten sich die Gewalttaten überwiegend gegen Frauen.7

In der vorliegenden Arbeit wird sich auf die Gewalt von Männern gegenüber Frauen bezogen. Für Frauen ist das eigene Zuhause, der eigentliche Schutzraum der Familie, der gefährlichste Ort, an dem sie Gewalterfahrungen erleben.8 Kinder leiden ebenfalls unter der häuslichen Gewalt, die direkt oder indirekt, z.B. durch Beobachtung von Gewalt, erlebt werden kann.9

Aufgrund des zuvor beschriebenen Sachverhaltes beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit nachfolgender Fragestellung:

Was sind die Ursachen für häusliche Gewalt und wie unterscheiden sich die verschiedenen Formen?

Hierzu sollen zunächst in Kapitel 2, anhand verschiedener Erklärungsansätze, die Ursachen von häuslicher Gewalt aufgezeigt werden. In Kapitel 3 werden die Formen häuslicher Gewalt erläutert. Im Anschluss wird in Kapitel 4 auf die Häufigkeit häuslicher Gewalt eingegangen, bevor abschließend in Kapitel 5 ein Fazit gegeben wird.

2 Ursachen häuslicher Gewalt

Um die Frage nach den Ursachen häuslicher Gewalt beantworten zu können, lassen sich in der Literatur verschiedene Theorien finden. Im Folgenden werden vier Erklärungsansätze aufgezeigt: Die Erklärungsansätze der Lerntheorien, der Ressourcen- und Machttheorien, der feministischen Theorien sowie der Stresstheorien und Belastungsfaktoren.10

Lerntheorien

Das eigene Zuhause als Schutzraum einer Familie, ist ein Ort, an dem jedes Familienmitglied die Möglichkeit haben soll, den Umgang mit Stressfaktoren sowie Enttäuschungen zu erlernen. Jedoch wird oftmals das eigene Zuhause, zu dem Ort, an dem das erste Mal Gewalt erlebt wird.

Innerhalb der Familie werden Normen und Werte vermittelt und die Rollenverteilungen von Frau und Mann sowie von Eltern und Kindern erlernt.11 Die Eltern stellen die wichtigsten Identifikations- und Imitationsobjekte für ihre Kinder dar und beeinflussen deren Verhaltensweisen und Einstelllungen. In dem kindlichen Sozialisationsprozess übernehmen Kinder ihrerseits bekannte Formen der Gewalt aus der eigenen Familie. So fassen die Kinder mitunter die Gewalthandlungen als Konfliktlösungsstrategie auf.12 Neben den Gewalthandlungen lernen die Kinder auch die Rechtfertigung, welche bei einer Gewaltausübung verwendet wird. Dies wird durch folgende Aussage verdeutlicht: „Du warst böse, also hast du Prügel verdient“13.

Zur Frage, wie Kinder Gewalt lernen, wird sich bei diesem Erklärungsansatz auf das Beobachtungslernen/Modelllernen nach Bandura konzentriert. Die Kinder lernen am Modell in ihrer Familie, wie ein Konflikt gelöst werden kann. Dabei fokussieren sie beispielsweise ihre Aufmerksamkeit auf ihren Vater, während dieser die Mutter schlägt. Kinder merken sich das Verhalten des Vaters und sind in der Lage das beobachtete Verhalten motorisch zu reproduzieren. Da der Vater durch seine Handlung sein Ziel erreicht hat, nämlich eine Verhaltensmodifikation der Mutter, kann es bei dem Kind Motivation auslösen, das Verhalten zu imitieren.14

Personen, die in ihrer Kindheit selbst Gewalthandlungen ausgesetzt waren oder diese bei ihren Eltern beobachtet haben, werden in ihrem späteren Erwachsenenleben häufiger gewalttätig.15 Es erscheint am einfachsten, diese vertrauten Verhaltensmuster anzuwenden, anstatt neue Verhaltensmuster zu erlernen. Dennoch ist es möglich, diesen Kreislauf zu durchbrechen.16

Ressourcen- und Machttheorien

Die Ressourcentheorien gehen davon aus, dass innerhalb der Familie ein gewisses Maß an Gewalt oder Gewaltandrohung besteht.17 Die einerseits notwendigen Verteilungen von Macht und Durchsetzungsvermögen innerhalb einer Familie, können andererseits auch ausufernd in einem gewalttätigen Verhalten münden.18

In dem sozialen System Familie sind neben Rollen- und Aufgabenverteilungen auch unterschiedliche Ressourcentypen wie persönliche, soziale sowie ökonomische Ressourcen verteilt.19 Die persönlichen Ressourcen lassen sich in physische und psychische Ressourcen untergliedern. Zu den physischen Ressourcen zählen beispielsweise die Gesundheit und physische Attraktivität und zu den psychischen Ressourcen die Begabungsressourcen, Interessen und positive Emotionalität. Zu den sozialen Ressourcen gehören positive Beziehungen und Netzwerkressourcen. Ökonomische Ressourcen lassen sich zu den Umweltressourcen einordnen und meinen beispielsweise die finanzielle Ausstattung oder ausreichenden Wohnraum.20

Je mehr Ressourcen einem Familienmitglied zur Verfügung stehen, desto mehr Zwangsmittel vereint es unter sich und kann diese gegen andere anwenden. Die Macht kann dabei ohne Gewaltandrohungen durch positive Überzeugungsformen eingesetzt werden.21 Verfügt das Familienmitglied jedoch über wenige Ressourcen, führt es eher dazu, dass tatsächlich Gewalt angewendet wird. Die Gewalthandlungen werden hier aufgrund von fehlenden Strategien zur Konfliktlösung oder zum Umgang mit Frustrationen ausgeübt. Dadurch können Bedürfnisse befriedigt und Rechte durchgesetzt werden.22

Das folgende Beispiel soll zur Verdeutlichung dienen: Ein Familienvater mit geringer Sozialkompetenz verfügt über eine niedrige Schulbildung, weshalb er eine Berufstätigkeit mit geringem Einkommen ausübt. Damit der Vater in seiner Familie die dominante Rolle erhält, wendet er Gewalt an. Gewalt kann also als ein Mittel fungieren, um die Machtposition zu erreichen oder zu sichern.23

Frauen werden Opfer von Gewalt, wenn sie über geringe Bildungs- als auch ökonomische Ressourcen verfügen und damit in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Partner stehen. Auch können sie Opfer von Gewalt werden, wenn sie ihrem Partner in ihrem Bildungsstatus gleichwertig oder überlegen sind und über mehr soziale Kontakte verfügen. Diese wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit der Frau stellt nach feministischen Theorien, welche nachfolgend erläutert werden, ein Risikofaktor für Misshandlungen dar.24

Feministische Theorien

Laut feministischen Theorien beruht häusliche Gewalt auf einer patriarchalen Struktur, die von der Gesellschaft unterstützt wird, sowie auf einem Ungleichgewicht der Beziehungen zwischen den Geschlechtern.25 Zwar unterliegen Familienleitbilder dabei dem stetigen gesellschaftlichen Wandel, jedoch sehen die durchweg patriarchalen Strukturen vor, dass der Mann die dominante Rolle innerhalb seiner Familie einnimmt und die Frau sich ihm unterzuordnen hat.26 Eine Abkehr von diesen stereotypischen Rollenbildern kann sich dabei, je nach sozialem Milieu, belastend auswirken. Daher wird in einer patriarchalen Gesellschaft dem Verfolgen dieser Ideale eher belohnend entgegengetreten als hinterfragend.

Die patriarchalen Strukturen werden als einer der Hauptgründe für die Häufigkeit häuslicher Gewalt angesehen. Verleugnung und Legitimierung der Gewalthandlungen zählen zu der Strategie des Mannes die häusliche Gewalt zu verschleiern. Durch Taktiken, wie beispielsweise Verharmlosung seiner Gewalttat, Verdinglichung von Frauen, Schuldzuschreibungen an die Frau, natürliche Geschlechterordnung und psychologische Erklärungen für die Gewalttat, kann er seine Strategie erfolgreich umsetzen.

Die gewaltbelastete Beziehung zwischen Mann und Frau, die ebenso von Macht und Dominanz geprägt ist, ist oftmals Ergebnis der stereotypen Anforderungen der Sozialisation an die Geschlechter. So werden Jungen dazu ermutigt sich bei Streitigkeiten mit Gleichaltrigen körperlich zu wehren. Zudem haben sie in ihrer Familie wenig andere Strategien erlernt, eine solche Situation ohne Gewalt zu lösen.27 Wohingegen Frauen sich beispielsweise in familiären Konfliktsituationen unauffällig und introvertiert verhalten.

Die neue feministische Forschung besagt, dass aufgrund des Ungleichgewichts, durch die in unserer Gesellschaft bestehenden patriarchalen und egalitären Vorstellungen einer Beziehung, das Risiko für häusliche Gewalt hoch ist. Der Mann wird so erzogen, dass er in seiner Partnerschaft über Macht und Dominanz verfügt. Erhält er jedoch, wie früher üblich, keine „natürliche Autorität“ durch seinen Status oder sein Einkommen und verfügt die Frau darüber hinaus beispielsweise über ein höheres Einkommen, wendet er Gewalt als Mittel zum Erhalt der dominanten Position an. Es trifft demnach eine patriarchale Vorstellung, die in der Realität des Mannes nicht mehr eingelöst werden kann, auf eine egalitäre Vorstellung der Frau, die zwangsläufig zu einem Konflikt führen wird.28

Stresstheorien und Belastungsfaktoren

Stresstheorien beruhen nach Gelles auf strukturbedingten Stressfaktoren sowie eingeschränkten Bewältigungsstrategien.29

„Das Individuum lernt, Gewalt als Ausdrucksmittel und als Instrument zur Bewältigung sich kumulierender stressreicher Ereignisse einzusetzen.“30

Die Ergebnisse verschiedener Studien haben gezeigt, dass bestimmte Stressfaktoren eine Ursache für häusliche Gewalt sind. Zu diesen Stressfaktoren zählen beispielsweise familiäre Probleme, ungewollte Schwangerschaft, Trennung oder Scheidung, geringes Einkommen, niedriger Bildungsabschluss, Probleme am Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit, ungenügender Wohnraum sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch.31 Stress wirkt also belastend auf die Familie und kann dazu führen, dass bestimmte Situationen nicht ohne gewalttätige Handlungen bewältigt werden können. Je mehr Stresssituationen vorliegen, desto wahrscheinlicher wird häusliche Gewalt.32

[...]


1 Vgl. Dlugosch (2010), S. 42.

2 Vgl. Dlugosch (2010), S. 13.

3 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2020b).

4 Lamnek et al. (2012), S. 113.

5 Vgl. Lamnek et al. (2012), S. 113.

6 Vgl. Schröttle/Müller (2004), S. 29.

7 Vgl. Bundeskriminalamt (2019), S. 8.

8 Vgl. Lamnek et al. (2012), S. 117.

9 Vgl. Schäfer-Hohmann (2009), S. 77.

10 Vgl. Dlugosch (2010), S. 32.

11 Vgl. Gelles (2002), S. 1068.

12 Vgl. Dlugosch (2010), S. 32

13 Gelles (2002), S. 1068.

14 Vgl. Ueckeroth (2016), S. 27–28.

15 Vgl. Gelles (2002), S. 1067–1068.

16 Vgl. Ueckeroth (2016), S. 29.

17 Vgl. Gelles (2002), S. 1068.

18 Vgl. Dlugosch (2010), S. 33.

19 Vgl. Gelles (2002), S. 1068.

20 Vgl. Klemenz (2003), S. 133.

21 Vgl. Ueckeroth (2016), S. 30.

22 Vgl. Dlugosch (2010), S. 33.

23 Vgl. Gelles (2002), S. 1068.

24 Vgl. Dlugosch (2010), S. 33.

25 Vgl. Gelles (2002), S. 1070.

26 Vgl. Ueckeroth (2016), S. 26.

27 Vgl. Dlugosch (2010), S. 34.

28 Vgl. Dlugosch (2010), S. 35.

29 Vgl. Gelles (2002), S. 1068.

30 Gelles (2002), S. 1068.

31 Vgl. Dlugosch (2010), S. 36.

32 Vgl. Ueckeroth (2016), S. 30.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Häusliche Gewalt. Ursachen, Formen und Häufigkeit
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V1128952
ISBN (eBook)
9783346492289
ISBN (Buch)
9783346492296
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Lerntheorien, Ressourcen- und Machttheorien, feministische Theorien, Stresstheorien und Belastungsfaktoren, Formen, physische Gewalt, psychische Gewalt, ökonomische Gewalt, soziale Gewalt, sexualisierte Gewalt, miterlebte Gewalt von Kindern, Häufigkeit
Arbeit zitieren
Alina Schweizer (Autor), 2020, Häusliche Gewalt. Ursachen, Formen und Häufigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128952

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