Die Theorie der Kinästhetik im Kontext des Pflegemodells nach Krohwinkel


Studienarbeit, 2001

21 Seiten


Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Kinästhetik im Kontext des Pflegemodells nach M. Krohwinkel
1. Einführung in die Kinästhetik
1.1 Was ist Kinästhetik
1.2 Grundlagen der Kinästhetik
1.2.1 Verhaltenskybernetik
1.2.2 Humanistische Psychologie
1.2.3 Moderner Tanz
1.3 Die sechs Konzepte der Kinästhetik in der Krankenpflege
1.3.1 Interaktion
1.3.2 Funktionale Anatomie
1.3.2.1 Knochen und Muskeln
1.3.2.2 Massen und Zwischenräume
1.3.2.3 Orientierung am Körper
1.3.3 Menschliche Bewegung
1.3.4 Menschliche Funktion
1.3.5 Anstrengung als Kommunikationsmittel
1.3.6 Gestaltung der Umgebung
2. Einfluss von Kinästhetik auf die professionelle Pflege
3. Kinästhetik in der Pflege im Kontext des Pflegeleitbilds
4. Kinästhetik im Kontext des Pflegemodells nach M. Krohwinkel
4.1 Kommunizieren
4.2 Sich bewegen
4.2.1 Bewegung am Ort
4.2.2 Fortbewegung
4.3 Sich pflegen
4.4 Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten
4.4.1 Zirkulation
4.4.2 Atmung
4.5 Essen und Trinken
4.6 Ausscheiden
4.6.1 Stuhlgang
4.6.2 Urinausscheidung
4.6.3 Erbrechen
4.6.4 Husten, Niesen, Nase putzen, Spucken und Aufstoßen
4.7 Sich kleiden
4.8 Ruhen und Schlafen
4.9 Sich als Mann oder Frau fühlen (sich als Individuum fühlen)
4.10 Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen
4.11 Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

III Ausleitende Gedanken

I Einleitung

Bei meiner Arbeit „Transfer Kinästhetik in den Stationsalltag“ hatte ich bereits beim Schreiben der Einführung in die Kinästhetik vorgehabt, das Handlungskonzept der Kinästhetik genauer vorzustellen und in den Kontext des Pflegemodells nach M. Krohwinkel zu setzen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass dies im Rahmen der Arbeit zu umfangreich wird. Deshalb möchte ich diese detailliertere Einführung und Auseinandersetzung mit dem Handlungskonzept der Kinästhetik in dieser Arbeit nachholen.

Aus diesem Grund entspricht der Punkte 1.1 dieser Arbeit zum Teil dem Punkt 1.1 der oben erwähnten Arbeit. Die Punkte 2. und 3. stimmen bei beiden Arbeiten überein. Ebenso gibt es im Punkt 1.2.1 Überschneidungen.

Ich finde diese theoretische Vertiefung mit dem Handlungskonzept der Kinästhetik und der Bezug auf das in der Einrichtung in der ich arbeite benutzte Pflegemodell nach M. Krohwinkel sinnvoll für die Praxis. Dadurch wird meines Erachtens, die Vielschichtigkeit des möglichen Einflusses der Kinästhetik auf die Pflegepraxis klarer. Es gibt einen Einblick auf die mögliche Vernetzung von Kinästhetik mit dem vorhandenen Pflegemodell. Hierbei sehe ich Kinästhetik als Hilfe um das Pflegemodell umzusetzen. So bietet Kinästhetik eine fundierte Grundlage um Ressourcen der zu Pflegenden zu erkennen und in die Pflege zu integrieren.

II Kinästhetik im Kontext des Pflegemodells nach M. Krohwinkel

1. Einführung in die Kinästhetik

1.1 Was ist Kinästhetik

Der Ursprung des Wortes Kinästhetik kommt aus dem griechischen und setzt sich aus den Worten kinesis (=Bewegung) und aisthesis (=Empfindung) zusammen. Kinästhetik ist somit die Lehre von der Bewegungsempfindung. Das eigenständige Konzept der Kinästhetik wurde in den 70er Jahren von Frank Hatch und Lenny Maietta entwickelt. Frank Hatch ist Doktor der Philosophie, promovierte in Verhaltenskybernetik und hat eine Ausbildung in modernem Tanz. Lenny Maietta ist Doktor der Philosophie und promovierte in klinischer Psychologie (Hatch u.a.; Kinästhetik; 1992; S.190/191). In das Konzept wurden Erfahrungen und Wissen aus der Verhaltenskybernetik, der humanistischen Psychologie und verschiedenen bewegungs- und tanzpädagogischen sowie körpertherapeutischen Ansätzen, wie z.B. die Arbeit von Moshe Feldenkrais, integriert. Zunächst wurden Workshops zur Weiterentwicklung der Bewegungs- und Kommunikationsfähigkeit angeboten (Citron; kinästhetisch Handeln in der Pflege; 1998; S.3). Durch die Ausbildung der Schweizer Krankenschwester Suzanne Schmidt-Bernhard in Kinästhetik, kam es zur Verbindung von Kinästhetik und der Krankenpflege. Gemeinsam entwickelten Hatch/Maietta/Schmidt-Bernhard die Grundlagen für Kinästhetik in der Pflege (Hatch u.a.; aaO; 1992; S.190/191). Durch Kinästhetik soll die Berührungs-, Beziehungs- und Bewegungsfähigkeit von PflegerInnen verbessert werden. Ziel ist es, einen positiven Einfluss auf die Produktivität, Qualität und Arbeitszufriedenheit auszuüben. Mit der Zeit wurde immer klarer, dass Kinästhetik auch auf rückenschonendes Arbeiten einen positiven Einfluss hat. Im Zeitraum von Anfang 1993 bis September 1994 gaben 900 von ca. 1400 GrundkursteilnehmerInnen eine positive Veränderung hinsichtlich weniger Rückenschmerzen als Rückmeldung. Durch das Lernen wie Hebeanstrengungen möglichst zu vermeiden sind, werden berufsbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule vorgebeugt. Somit ist Kinästhetik auch ein Programm für rückenschonendes Arbeiten. (vgl.: Hatch; Kinästhetik, eine Präventivmaßnahme für Rückenprobleme; 1994). In der Schweiz wurde das Institut für Kinästhetik (IfK) gegründet, welches die Ausbildung zu den TrainerInnen und die Weiterentwicklung von Kinästhetik organisiert. Kinästhetik als Handlungskonzept gibt es nicht nur für die Pflege, sondern auch für den Umgang mit Kindern und zum kreativen Lernen (vgl.: www.kinaesthetik.com).

1.2 Grundlagen der Kinästhetik

Nachfolgend möchte ich die Verhaltenskybernetik, die humanistische Psychologie und den modernen Tanz näher beschreiben, welche die Entstehung von Kinästhetik maßgeblich beeinflusst haben.

1.2.1 Verhaltenskybernetik

Verhaltenskybernetik ist ein Teilbereich der Kybernetik. Die Kybernetik kommt ursprünglich aus der Technik, und sucht nach Gesetzmäßigkeiten von Regelvorgängen in technischen Systemen. Im Mittelpunkt stehen Regelkreise die sich dynamisch durch negative Rückkopplung selbst regulieren. Das bedeutet, dass durch einen Fühler der Istwert gemessen wird und ein Regler den Sollwert wieder herstellt. Diese Forschung wurde auf organische Systeme erweitert. Organische Systeme bestehen aus miteinander in Wechselwirkung stehenden Regelkreisen, wie zum Beispiel die Körpertemperatur und der Blutdruck.

Die Verhaltenskybernetik untersucht menschliches Verhalten als kybernetisches Geschehen. Hier hat K.U. Smith den größten Einfluss auf die Kinästhetik. Er untersuchte die Sensomotorik als Grundlage der menschlichen Funktionen. Unter anderem hat Smith belegt, dass kinästhetische Rückkopplungen zum Erlernen einer motorischen Aktivität lerneffektiver sind als visuelle Rückkopplungen. Weiterhin gehören in diesen Zusammenhang Untersuchungen zum Social Tracking. Hier geht es um die gegenseitige Anpassung von Bewegungsverhalten in sozialen Beziehungen. Diese Forschungen von Smith sind auch die Grundlage für die Erkenntnis, dass „angemessene Bewegungen von Patienten bei der Ausführung ihrer menschlichen Funktionen zu einer Verbesserung ihres gesamten Gesundheitszustandes führen“ (vgl.: Hatch/Maietta; Gesundheitsentwicklung und Menschliche Funktionen; 1999; S.24). Die Entwicklung von Gesundheit wird als lebenslanger Prozess gesehen, wobei jede Stufe dieses Prozesses durch das Feedback der Auswirkungen mit allen anderen Stufen verbunden ist (vgl.: Hatch/Maietta; aaO; 1999; S.11-27). In diesem Sinne wird mit Alter nicht automatisch „Steifheit“ verbunden, sondern die Gesundheitsentwicklung findet lebenslang statt. Mit diesem Blickwinkel ist auch im Alter eine aktive Gestaltung des Lebens und Lernens möglich. Ich denke, wenn die zu Pflegenden mit diesem Hintergrund unterstützt werden, hat dies direkten Einfluss auf die Unterstützung der Autonomie und der Lebensqualität unserer Kunden. (vgl.: Stefan Knobel; Macht Alter krank und steif? Ein Mythos!; www.larete.ch/artikel). Näheres zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Kinästhetik siehe auch in Hatch/Maietta, Gesundheitsentwicklung und Menschliche Funktionen, 1999 S.177-193.

Die Kommunikationsforschung, sowie Erkenntnisse zur menschlichen Entwicklung und des menschlichen Bewusstseins von Gregory Bateson haben auch die Entwicklung von Kinästhetik beeinflusst. Kommunikation wird als Prozess gesehen den die beteiligten Individuen fortwährend beeinflussen (vgl.:Citron; aaO; 1998; S.7-10)

Moshe Feldenkrais hat maßgeblich zur Entwicklung von Kinästhetik beigetragen. Auch er führte seine Erkenntnisse auf die Kybernetik zurück und war der Meinung, dass der Mensch lernen kann ein Leben lang seine Gesundheit zu entwickeln. Hiernach ist in jedem Alter eine Neustrukturierung des Nervensystems möglich (vgl.:Citron; aaO; 1998; S.6/7).

1.2.2 Humanistische Psychologie

Die humanistische Psychologie versucht den Menschen in seiner Ganzheit zu betrachten. Hier ist die Aufrechterhaltung der Würde des Menschen ein zentrales Anliegen. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch Kräfte und Fähigkeiten zur Weiterentwicklung hat. Das bedeutet, dass die Ressourcen des Individuums besondere Beachtung finden und diese unterstützt werden, ohne dass die Helfende sich selbst außer acht lässt (vgl.:Citron; aaO; 1998; S.10-12). Dies „schließt aus, dass andere Menschen nur als Objekte, ohne Einbeziehung ihrer Fähigkeiten und ohne wechselseitige Zustimmung, manipuliert oder behandelt werden“ (Hatch u.a.; aaO; 1992; S.20).

1.2.3 Moderner Tanz

Die Vermittlung der Konzepte und Grundsätze der Kinästhetik werden zum großen Teil, durch Bewegungsaktivitäten vermittelt. Das bedeutet, dass die Erfahrung am eigenen Körper im Mittelpunkt steht. Hierauf hatten verschiedene Formen des modernen Tanzes und der Körperarbeit maßgeblichen Einfluss. Auf die Erweiterung der Bewegungsfähigkeiten und die Bewusstheit hierfür wird besonders Wert gelegt (Hatch u.a.; aaO; 1992; S.20/21).

1.3 Die sechs Konzepte der Kinästhetik in der Krankenpflege

Das Handlungskonzept der Kinästhetik beruht auf 6 Teilkonzepten. Diese Konzepte werden in den Grundkursen sowohl theoretisch als auch praktisch vorgestellt. Die Vermittlung von Bewegungserfahrung wird in besonderem Maße als wichtig erachtet. Diese Konzepte sind keine Technik des „richtigen Handgriffs“, sondern sie bieten ein kreatives Handlungskonzept für die Kommunikation mit den zu Pflegenden um zu lernen sich mit ihnen im wahrsten Sinne „gemeinsam zu bewegen“. Dies ist von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt nicht die Richtige Methode, sondern diese hängt immer von der PflegerIn und der zu Pflegenden ab. Kinästhetik ist die Grundlage, um sich „auf den Weg zu machen“, zu lernen die jeweils angepasste „Methode“ herauszufinden (Hatch u.a.; aaO; 1992; S.223). Hierdurch können die jeweils individuellen Unterschiede der PatientInnen gewürdigt werden.

Nachfolgend möchte ich die sechs Konzepte vorstellen.

1.3.1 Interaktion

Unter Interaktion wird verstanden, dass ein gemeinsames Ziel, mittels Informationsaustausch, erreicht wird. Hier werden verschiedene Komponenten der Interaktion unterschieden:

- Die TeilnehmerInnen (nach Möglichkeit PflegerInn und zu Pflegende, um die Komplexität gering zu halten)
- Durch die sensorischen Systeme Gehörsinn, Gesichtssinn, Tastsinn, Geruchssinn und Geschmackssinn, werden Informationen ausgetauscht. Darüber hinaus gibt es das kinästhetische Sinnessystem, welches ermöglicht die Bewegung unseres Körpers zu spüren. Diese sechs Sinne werden als die Mittel des Austausches bezeichnet.
- Durch die Bewegungselemente Zeit, Raum und Kraftaufwand kann eine Interaktion verändert werden.
- Die Interaktionsformen unterscheiden sich durch die unterschiedliche Ordnung der Komponenten.

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Details

Titel
Die Theorie der Kinästhetik im Kontext des Pflegemodells nach Krohwinkel
Hochschule
Hochschule München  (Sozialwesen)
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V1129
ISBN (eBook)
9783638107082
ISBN (Buch)
9783640385188
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Studienarbeit - entstanden im Rahmen eines Praktikums. 188 KB
Schlagworte
Theorie, Kinästhetik, Kontext, Pflegemodells, Krohwinkel
Arbeit zitieren
Alexander Thomas (Autor), 2001, Die Theorie der Kinästhetik im Kontext des Pflegemodells nach Krohwinkel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129

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