Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess der Gruppenführung und den verschiedenen Arten ihrer Ausführung.
Die zentrale Bedeutung der Führung in der Gruppenforschung wird anhand der zahlreichen Untersuchungen ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts und den vielen Ausführungen in der Literatur überdeutlich.
Ich habe mich in meiner Arbeit auf die Untersuchungen von Lewin, Lippitt &White (1939), Hemphill, Fleishman, Stogdill und Shartle aus den 50er Jahren und Fiedler aus dem Jahre 1967 beschränkt, um die einzelnen theoretischen Ansätze der Führungsforschung näher zu erläutern.
Lewin et al. beschäftigen sich mit den einzelnen Führungsstilen, Hemphill et al. beziehen außerdem noch das Verhalten der Führer aus Sicht der Geführten in ihre Untersuchungen mit ein.
Dann stelle ich noch das Kontingenzmodell von Fiedler vor, der davon ausgeht, dass der Führungserfolg von vielen verschiedenen Variablen abhängt und nicht nur vom Führungsverhalten.
Am Ende dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, ob eine Gruppe ohne Führung erfolgreich sein kann und beziehe dazu das Beispiel der Selbsthilfegruppen in meine Überlegungen mit ein.
Wegen der Fülle an Literatur und der Begrenztheit dieser Arbeit habe ich nur eine Auswahl an Literatur und Untersuchungen herangezogen, die aber meiner Meinung nach einen guten Überblick über den Prozess der Gruppenführung geben.
II. Führung und Führungsforschung
1. Was ist Führung?
In einer Gruppe entsteht durch die wechselseitige Beeinflussung ihrer Mitglieder eine Dynamik, die auf das Erreichen der gruppenintern festgelegten Ziele gerichtet ist.
Die Personen, die Einfluss auf die Gruppe nehmen und das Gruppenvorhaben maßgeblich bestimmen und koordinieren, werden Gruppenführer genannt (Wellhöfer, 1993, S. 83).
Rosenstiel, Molt und Rüttinger (1988) bezeichnen Führung als „zielbezogene Einflussnahme auf andere“ (zitiert nach Brodbeck, Maier und Frey, 2002, S. 329), wobei man zwischen menschlicher Führung und struktureller Führung unterscheiden muss.
Ein menschlicher Führer hat die Aufgabe, Einfluss auf die Mitglieder seiner Gruppe auszuüben, sie zu motivieren und sie in der Gemeinschaft zusammenzuhalten, damit das Erreichen der vereinbarten Ziele im Kollektiv möglich ist (Brodbeck, Maier und Frey, 2002, S. 329).
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Führung und Führungsforschung
1. Was ist Führung?
2. Theoretische Ansätze der Führungsforschung
2.1 Personalistische Ansätze
2.2 Verhaltensorientierte Ansätze
2.2.1 Gibt es den erfolgreichen Führungsstil?
2.2.2 Das Ohio – State – Führungsforschungsprojekt
2.2.3 Kritik
2.3 Kontingenztheoretische Ansätze
2.3.1 Fiedlers Kontingenzmodell (1967)
III. Gruppe ohne Führung – Chaos oder Chance?
Selbsthilfegruppen und ihre prinzipielle Führerlosigkeit
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Prozess der Gruppenführung und analysiert verschiedene wissenschaftliche Ansätze, um die Wirksamkeit und Notwendigkeit von Führung in unterschiedlichen Kontexten zu erörtern. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich dabei mit der Bedeutung situativer Faktoren für den Führungserfolg sowie der Frage, inwieweit Gruppen ohne formale Führung erfolgreich agieren können.
- Klassische Theorien der Führungsforschung (personalistisch, verhaltensorientiert, kontingenztheoretisch)
- Analyse von Führungsstilen (autoritär, demokratisch, Laissez-faire)
- Untersuchung von Mitarbeiterorientierung und Aufgabenorientierung
- Die Rolle von Selbsthilfegruppen als Beispiel für führerlose Gruppenstrukturen
- Situationsspezifische Einflussfaktoren auf den Führungserfolg
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Gibt es den erfolgreichen Führungsstil?
Als ein klassisches Experiment zum Führungsverhalten und seinen Auswirkungen wird in der Literatur häufig das Experiment von Lewin, Lippitt & White (1939) genannt. Die Forscher wollten herausfinden, welcher der drei Führungsstile „demokratisch“, „autoritär“ und „laissez-faire“ den größten Erfolg bringt und untersuchten dies an zwanzig zehn- bis elfjährigen Schülern in vier Gruppen in einem Zeitraum von 21 Wochen (Sader, 1998, S. 272).
Die Schüler kamen einmal wöchentlich zu einer Spielstunde zusammen, wobei alle sieben Wochen ihr Gruppenleiter wechselte und damit auch der Führungsstil. Die Leiter wechselten nach sieben Wochen auch ihren Führungsstil, um die Personenvariable so weit wie möglich auszuschließen (Sader, 1998, S. 272). Zusätzlich zeichneten weitere Beobachter das Verhalten der Kinder auf.
Der autoritäre Stil zeichnete sich vor allem durch eine starke Lenkung und Kontrolle der Gruppe aus. Es gab strenge Anweisungen, unterbrechende Befehle, nicht konstruktive Kritik, Drohungen und Vorwürfe. Unter diesen Voraussetzungen gab es unter den Kindern vermehrt Spannungen und Aggression. Die Kinder leisteten nur ihre Bastelarbeiten, wenn der Leiter anwesend war. Für Fehler wurden andere Kinder verantwortlich gemacht, die Schüler strebten nach Beachtung des Gruppenleiters.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Thema der Gruppenführung und stellt die methodische Auswahl der herangezogenen Literatur und Studien vor.
II. Führung und Führungsforschung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Führung und diskutiert drei zentrale wissenschaftliche Strömungen: personalistische, verhaltensorientierte und kontingenztheoretische Ansätze.
III. Gruppe ohne Führung – Chaos oder Chance?: Hier wird die Dynamik von Selbsthilfegruppen analysiert, um zu ergründen, ob und unter welchen Bedingungen soziale Gruppen ohne formale Führung erfolgreich sein können.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Führung oft unerlässlich ist, ihre Ausgestaltung jedoch stark von der spezifischen Situation und der Kompetenz der Führungsperson abhängt.
Schlüsselwörter
Gruppenführung, Führungsstil, Sozialpsychologie, Kontingenzmodell, Führungsforschung, Selbsthilfegruppen, Gruppenprozesse, Mitarbeiterorientierung, Aufgabenorientierung, Demokratischer Führungsstil, Autoritärer Führungsstil, Laissez-faire, Situative Führung, Führungserfolg, Gruppendynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Prozess der Gruppenführung und beleuchtet sowohl klassische theoretische Erklärungsmodelle als auch die praktische Anwendung und den Erfolg von Führung in verschiedenen Gruppenkontexten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Führungsforschung, der Vergleich verschiedener Führungsstile sowie die Untersuchung der Notwendigkeit von Führung innerhalb von sozialen Gruppen und Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Führungsstilen auf Gruppenprozesse aufzuzeigen und zu analysieren, wie situative Faktoren und Persönlichkeitsmerkmale den Erfolg einer Führungskraft bestimmen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zentraler sozialpsychologischer Studien, darunter die Arbeiten von Lewin, Lippitt & White, Fiedler sowie das Ohio-State-Führungsforschungsprojekt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Ansätze (Personalismus, Verhalten, Kontingenz) und eine kritische Diskussion zur Rolle von Führung in Gruppen, am Beispiel von Selbsthilfegruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gruppendynamik, Führungsstile, demokratische Führung, Kontingenzmodell und situationsspezifische Führungsprozesse geprägt.
Was zeichnet die personalistischen Ansätze aus?
Diese Ansätze suchen nach überdauernden Persönlichkeitsmerkmalen, die eine Person zu einem erfolgreichen Anführer machen, konnten jedoch empirisch nur schwer belegt werden.
Wie unterscheidet sich die "Consideration" von der "Initiating structure"?
Die "Consideration" bezeichnet ein mitarbeiterorientiertes Verhalten und soziales Wohlwollen, während die "Initiating structure" die reine Aufgabenorientierung und Strukturierung von Arbeitsprozessen fokussiert.
Warum ist Führung in Selbsthilfegruppen prinzipiell anders?
Selbsthilfegruppen setzen auf Führerlosigkeit und Gleichberechtigung, um Autonomie zu fördern und einen zwangsfreien Austausch von persönlichen Erfahrungen zu ermöglichen.
Wann ist Führung nach Ansicht des Autors unverzichtbar?
Führung ist laut der Arbeit besonders dann notwendig, wenn Gruppen zielorientiert arbeiten, externe Anforderungen erfüllen müssen oder wenn ohne klare Leitungsstruktur ein Risiko für Chaos innerhalb der Gruppe besteht.
- Citation du texte
- Stephanie Klingemann (Auteur), 2006, Führung in Gruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112904