Wachsende Bedeutung der VR China - aus dem Blickwinkel afrikanischer Entwicklungsländer


Seminararbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Beziehungen Chinas zu Afrika
2.1. Chinas Handelsbeziehungen mit Afrika
2.2. Chinas Wirtschaftspolitik in Afrika

3. Chinas Position
3.1 Politische Intentionen
3.2 Wirtschaftliche Intentionen

4. Afrikas Position
4.1. Politische Interessen
4.2. Wirtschaftliche Interessen

5. Afrikas Hoffnungen und Risiken
5.1. Afrikas Hoffnungen
5.2. Afrikas Risiken

6. Fazit

Anhang

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Chinas Wirtschaft wächst im hohen Tempo. Um die Wachstumsraten zu halten und die vielen neuen Städte, die jährlich aus dem Nichts entstehen, versorgen zu können, benötigt das Land enorme Energie- und Rohstoffzufuhren. Aber auch Nahrungsmittel müssen mittlerweile zum Teil importiert werden, da die chinesische Landwirtschaft den Bedarf der eigenen Bevölkerung nicht mehr komplett decken kann. Aus diesen Gründen strebt China zunehmend auf den afrikanischen Kontinent, der Rohstoffe in ausreichendem Maße bietet. Die Afrikaner sehen darin eine historische Chance, sowohl aus der Armut auszubrechen als auch politisch wieder zu mehr Einfluss in der Welt zu gelangen. Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Situation wirklich so darstellt, dass am Ende zwei Gewinner dastehen, oder ob es zu einer Art Wiederholung der Geschichte kommt, indem Afrika erneut in Abhängigkeit eines starken Partners gerät.

Zunächst werden die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Chinas zu Afrika beleuchtet, bevor zunächst näher auf die Intentionen Chinas eingegangen wird. Daran schließt sich die Darstellung der wirtschaftlichen und politischen Ziele der Afrikaner an. Anschließend werden die Chancen und die Risiken der gegenwärtigen Entwicklung aus afrikanischer Sicht gegeneinander abgewogen. Eine persönliche Einordnung erfolgt dann im Fazit.

2. Die Beziehungen Chinas zu Afrika

Die Jahrtausende alte Großmacht und Kulturnation China war die meiste Zeit seiner Geschichte politisch in erster Linie bestrebt, die Machtverteilung im Inneren des Reiches zu regeln. Außenpolitisch lag der Fokus traditionell auf den Kämpfen und (in Friedenszeiten) dem Handel mit Japan, der Mongolei und einigen anderen Anrainern. So wirklich ins Bewusstsein der gesamten Welt rückte China daher auch erst durch die Versuche der europäischen Mächte Russland und England, im Zuge des Kolonialismus Asien unter sich aufzuteilen.[1] Nennenswerte Beziehungen zu Afrika gab es dagegen erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Das nun kommunistische China umwirbt in seiner Afrikapolitik, die unter diesem Namen offiziell Ende 1963 durch eine Reise von Premierminister Chuo En-lai begonnen wurde, die vielfach neu gegründeten afrikanischen Staaten, indem es vor allem Entwicklungshilfeberater und -techniker entsendet.[2] Dennoch wollte China, das damals aus westlicher Sicht teilweise zur Dritten Welt gezählt wurde, nicht nur als Entwicklungshelfer auftreten, sondern betont vor allem die Gemeinsamkeiten mit den afrikanischen Staaten. Diese müssen aus der Sicht Pekings auch dazu geeignet sein, sich gegenüber dem sozialistischen bzw. kommunistischen Mitkonkurrenten Sowjetunion positiv abzusetzen. Daher betont Peking, dass China - anders als die angeblich vollkommen industrialisierte UdSSR - selbst ein Agrarstaat sei und es setzt auch auf rassistische Untertöne, wenn es betont, dass China die Interessen der Farbigen vertrete, während „Russland schließlich zur weißen Rasse gehöre.“[3]

Dennoch war Chinas Einfluss in Afrika in der Folgezeit weder wirtschaftlich noch politisch-kulturell besonders groß. Ein wenig abwertend gesagt, waren die Chinesen in ganz Afrika eigentlich nur für Sportstadien berühmt, die sie als „Geschenke der Volksrepublik“ in den Hauptstädten erbauten, sowie „für einige der riesigen und hässlichen „Volkspaläste“ (...), in denen Afrikas Diktatoren die Eliten ihrer Regime versammelten oder die Erholungszwecken dienten.“[4] Dieser mangelnde Erfolg ist wohl einerseits auf die bewusst gewählte ausgeprägte Selbstisolation der Volksrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen und auf die damals wohl mangelhafte wirtschaftliche Attraktivität Afrikas für China. Afrika war für China hauptsächlich politisch interessant. Peking versuchte durch seine Afrikapolitik verstärkt, möglichst viele neu gegründete afrikanische Staaten auf seine Seite zu ziehen, um so sein eigenes Gewicht in der UNO zu erhöhen.[5] Erst ab den 80er Jahren verstärkte China seine Bemühungen, in Afrika selbst Absatzmärkte zu erschließen und durch Afrika seinen Rohstoffbedarf zu sichern. Das geschah im Vergleich zu heute jedoch in ziemlich bescheidenem Ausmaß.

2.1. Chinas Handelsbeziehungen mit Afrika

In den Jahren von 1998 bis 2005 wuchs der chinesische Außenhandel mit Afrika um 47% (Vgl. Abb. 2). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Niveau, das dieser Steigerung zu Grunde liegt, im Jahre 1998 äußerst gering war (ca. 10 Millionen US-Dollar).[6] China plant aber, bis Ende 2010 das Handelsvolumen mit Afrika auf rund 100 Millionen US-Dollar zu verdoppeln.[7] Der Anstieg ist beinahe ausschließlich auf die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen, die für die Energiegewinnung und die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln relevant sind, zurückzuführen. Zu 87% bestehen die afrikanischen Exporte nach China aus Rohstoffen wie Erzen, Gas und Erdöl und landwirtschaftlichen Produkten. China selbst führt nach Afrika einfache Konsumgüter aus, die auf dem afrikanischen Markt den einheimischen Anbietern Konkurrenz machen.[8] Über die Höhe dieser Exporte sind - im Gegensatz zu Chinas Investitionstätigkeiten - keine genauen Zahlenangaben in Erfahrung zu bringen. Dieser Export beginnt aber bereits, in einzelnen Ländern Afrikas die heimische Wirtschaft zu zerstören. So sind in Swasiland und Lesotho die lokalen Textilindustrien bereits unter der Flut der chinesischen Billigprodukte zusammengebrochen.[9]

Insgesamt hat China in Afrika Investitionen in Höhe von 6,7 Milliarden US-Dollar getätigt und ist mit rund 900 Unternehmen auf dem Kontinent vertreten. Diese Unternehmen sind vor allem in den Bereichen Handel, Rohstoffgewinnung, verarbeitende Industrie, Kommunikations- und Transportinfrastruktur sowie im landwirtschaftlichen Sektor aktiv.[10] China plant zudem bis zum Jahre 2009 einen Förderfond über 5 Milliarden US-Dollar einzurichten, der weitere Investitionen in Afrika ermöglich soll. Außerdem hat China mit 26 afrikanischen Ländern bilaterale Abkommen geschlossen, die weitere Investitionstätigkeiten erleichtern sollen.

Auch wenn man bei der Vielzahl von Presseberichten über die hohen chinesischen Investitionen in Afrika ein anderes Bild erwarten könnte, muss zunächst darauf hingewiesen werden, dass für Afrika die EU und die USA mit einem Anteil von 80% am Handelsvolumen immer noch die wichtigsten Partner sind. Mehr noch: Der Abstand der G8-Staaten zu China wird, absolut gesehen, trotz der enormen Wachstumsraten Chinas gehalten bzw. sogar noch ausgebaut.[11] Das liegt zum einen daran, dass die G8-Staaten neben Maschinen und Ausrüstung auch zukunftsträchtige Investitionsgüter mit hohem Technologieniveau exportieren und neben Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten auch „Fertigwaren aus Afrika importieren“,[12] was die Chinesen nicht machen. Relativ gesehen holt China dennoch stark auf. Man kann also sagen, dass der Handel mit Afrika weltweit mittlerweile mehr Beachtung findet. Dass das auch unbedingt notwendig ist, verdeutlicht der Umstand, dass nach Afrika 2004 lediglich 380 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen flossen (zum Vergleich: Westeuropa 4020 Milliarden US-Dollar; Nordamerika und Asien/Pazifikraum jeweils 1800 Milliarden US-Dollar)(Siehe Abb.1).

[...]


[1] Vgl. Eberhard (1971), S. 350.

[2] Vgl. Eberhard (1971), S. 406.

[3] Eberhard (1971), S. 407.

[4] Guèye (2007) S. 238.

[5] Vgl. http://www.wuquf.de/wuquf-online-analyse-5.pdf, vom 03.02.2008.

[6] Vgl. Kappel/Schneidenbach (2006), S. 2.

[7] Vgl. Lietsch (2007), S. 3.

[8] Vgl. Kappel/Schneidenbach (2006), S. 2.

[9] Vgl. Lorenz/Thielcke (2007), S. 140.

[10] Vgl. Hongyi (2007), S. 236.

[11] Vgl. Kappel/Schneidenbach (2006), S. 2.

[12] ebd.

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Details

Titel
Wachsende Bedeutung der VR China - aus dem Blickwinkel afrikanischer Entwicklungsländer
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Wirtschaft- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Entwicklungstheorie und -politik
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V112927
ISBN (eBook)
9783640127863
ISBN (Buch)
9783640128143
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wachsende, Bedeutung, China, Blickwinkel, Entwicklungsländer, Entwicklungstheorie
Arbeit zitieren
Turhan Kurt (Autor), 2007, Wachsende Bedeutung der VR China - aus dem Blickwinkel afrikanischer Entwicklungsländer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112927

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