Die Geschichte der Notation. Notation in Japan und China


Hausarbeit, 2021

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chinesische Notation
2.1 Universelle Notenschriften
2.2 Instrumentalnotationen
2.2.1 Notationen für Schlagwerk
2.2.2 Zithernotationen
2.2.3 Lautennotationen
2.3 Vokalnotationen

3. Japanische Notation
3.1 Alte Intavolierung
3.2 Vokalnotation
3.3 Neuzeitliche Tabulaturen

4. Fazit

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Musiknotation zählt neben dem eigentlichen Spiel zu den wohl gängigsten Praktiken im Zusammenhang mit musikalischer Ausübung. Quellen belegen, dass der Beginn der altgriechischen Notation bereits auf das 5. Jh. v. Chr. zu datieren ist.1 Mutmaßungen über eine wohl bereits in Altägypten und Mesopotamien existierende Notationsform sind umstritten. Ab dem 3. Jh. v. Chr. belegen Quellen die Existenz eines optimierten, rhythmusbetrachtenden Systems, das wie die altgriechische Notation der aristoxenischen Tonartenlehre und Rhythmustheorie zugrunde liegt.2 Indizien für die Datierung der Instrumentalnotation verschaffen die Zeichenformen selbst. So ähneln Zeichen des altgriechischen Notensystems eindeutig archaischen Buchstabenformen aus der Mitte des 5. Jahrhunderts.3 Als Begründer der Lehre von Zeichen gilt der US-amerikanische Mathematiker und Philosoph Charles S. Peirce. In der sogenannten Semiotik ordnet Umberto Eco - ein italienischer Schriftsteller, Philosoph und Semiotiker - das System der Notenschrift neben chemischen Zeichen und Algebra dem Bereich der formalisierten Sprache zu. Die Semiotik charakterisiert zwei Typen von Notationssystemen. Zum einen „sog. ,strukturell- deskriptive‘ Notationen, welche an der auditiven Wahrnehmungsstruktur orientiert sind, und sog. ,algorhythmische‘ Notationen, welche die spezifischen Schemata der Klangerzeugung, [...] also primär Anleitungen zur Erstellung eines Klanges sind.“4 Während westlich geprägte Menschen bei Musiknotation meist an das nieder­geschriebene abendländische Tonsystem denken, gerät die Betrachtung außereuropäischer Musiknotation und damit die verschiedenen Formen der musikalischen Notation aus anderen Kulturen meist in den Hintergrund. Chinesische und Japanische Notationssysteme sind nur zwei aus vielen weiteren, den abendländischen nicht ähnlichen, Systemen. Die Notationssysteme von sowohl japanischer als auch chinesischer Musik sollen in folgender Hausarbeit erarbeitet werden. Als maßgebliche Lektüre zur Behandlung der Thematik dient das Buch „Notation“ aus der Reihe MGG Prisma, herausgegeben von Andreas Jaschinski.

2. Chinesische Notation

Die chinesische Notation zählt, mit Ausnahme der Zithertabulatur und „einschlägigen Handschriften aus Dunhuang“5, zu der wohl am geringsten erforschten Thematik chinesischer Musikgeschichte.6 Es existieren bis zu 36 verschiedene Notationssysteme. Diese überlebten zum Teil ihre Entstehungszeit nicht oder fanden nur in einem gewissen Spezialbereich Verwendung. Zudem finden sich mehr Informationen „in literarischen Quellen [...] [als] Aufzeichnungsbeispiele aus der Praxis“.7 Grundlegend beziehen sich die meisten Notationssysteme auf die Darstellung von Tonhöhen und Melodieverlauf, weniger auf Anleitung zu Rhythmik und Metrik:

Zur Reproduktion von Musikstücken war in alter Zeit neben der Beherrschung der Melodie auch die detaillierte Kenntnis der Formgestalt und des metrisch-rhythmischen Strukturrahmens (jiezou) notwendig.8

Musiker hatten somit lediglich eine Art Grundgerüst, dessen Basis sie nach eigenem Belieben ausschmücken konnten. Die wahrscheinlich am frühsten entstandene chinesische Melodienotation findet sich auf einem „fragmentarischen Dokument auf einer Bambustafel des Jahres 152 n. Chr. mit 10 Schriftzeichen“9. Aufgrund der unglaublichen Fülle an verschiedenen Notationssystemen der chinesischen Kultur werden nur die wichtigsten Gegenstände chinesischer Musiknotation in folgendem Kapitel zusammengefaßt.

2.1 Universelle Notenschriften

Beginnend mit der ersten Notenschrift beschreibt die Surrogatnotenschrift die Verwendung von Tonnamen zur Kennzeichnung von einzelnen Tönen oder der Reproduktion einfacher Melodieverläufe.10 Sie kann in verschiedenen Spielarten angewendet werden: Lülü pu beschreibt die Verwendung „antike[r] Namen für die Normtöne der 12 ,Stimmpfeifen‘, shier lü, [...] [die] Darstellung von Tönen oder einfachen Melodien“11. Gongshang pu verwendet „relative Skalennamen (pentatonische oder heptatonische Tonstufen), wuyin oder qiyin: gong (sol), s hang (re), jue (mi) usw. zur Melodiedarstellung“12.

Gongchi pu stellt eine am Ende des 11. Jh. ausführlich dargelegte, simple Notationsweise bestehend aus 7 Tönen der heptatonischen Skala, die mit chinesischen Zeichen bezeichnet wurde, dar. Die Einteilung in verschiedene Stufen ähnelt unserem Notationsgebrauch. So ist die erste Stufe he mit der uns bekannten Tonika (z.B c) zu vergleichen. Die „II. Stufe: si = Sekunde (d), dementsprechend III.: yi (e), IV.: shang (f), V.: chi (g), VI.: gong (a), VII.: fan (h).“13 Des weiteren existieren zwei Okativerungen, nämlich die der ersten Stufe, liu (c1) und die der zweiten Stufe, wu (d1). Außerdem liegen Zeichen für den Zwischenton fis (gou), sowie einzuschaltende Halbtöne cis (xiasi), dis (xiayi), gis (xiagong), ais (xiafan) vor.14 Die Entstehungsgeschichte dieser Notationsweise mit einer Einteilung in relative Tonhöhen ist noch unbekannt.15 Dennoch kann sie „als die im Volksgebrauch üblichste [Notationsweise] bezeichnet werden.“16

Auch das europäische Fünflinien-System beeinflusste die Entstehung verschiedener chinesischer Notationssysteme, darunter w uixan pu und jianpu. Während w uixan pu aufgrund einer weltaufgeschlossenen Haltung zweier Kaiser im Zeitraum von 1661 bis 1746 Einzug in China fand, bildete sich jianpu „als chinesische Adaption des in der Folgezeit eingeführten europäischen Aufzeichnungssystems“17 heraus. Jianpu fand vor allem „wegen seiner leichten Erlernbarkeit und einfach Reproduzierbarkeit, besonders in volkstümlichem Gebrauch (z.B im Elementarunterricht der Schulen oder Liederbüchern)“18 Anwendung:

Hierbei werden den musikalischen Stufenbezeichnungen die arabischen Ziffern von 1-7 zugeordnet (z.B. do = 1, re = 2, mi = 3 usw.). Die Alterationen werden durch #, b, h usw. angemerkt, die Oktaven auch über oder unter die Ziffern angesetzte Punkte, Pausen durch Kreis usw. dargestellt. Taktstriche, Taktbezeichnungen, Notenwerte usw. sind dem europäischen Usus nachempfunden.19

2.2 Instrumentalnotationen

2.2.1 Notationen für Schlagwerk

Zum Spiel von Instrumenten wurden oft eigens für das Instrument entwickelte Notationssysteme angewendet. Das Trommelspiel umfasst alleine fünf verschiedene Notationssysteme. Darunter eine der „bislang älteste[n] erhaltene[n] Musik- notierung[en] aus der Zeit des 3.-1. Jh. v. Chr.“20, pigu pu. Dabei stellt jeweils ein quadratisches und ein rundes Symbol, eine Folge von Signalschlägen auf antiken Trommelformen dar (vgl. Abb. 1).21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.: Die älteste erhaltene Musiknotation Chinas, pigu pu.22

Eine weitere Form früher Trommelnotation ist in der Volksenzyklopädie Wenlin jubao wanjuan xingluo festgehalten, Gujing yaofa. Sie beschreibt eine erweiterte Form der Trommelnotation für sechs verschiedene Trommelarten. Sie enthält unter anderem Symbole, die bisher noch nicht gedeutet wurden.23 Gupu werden weitere Formen von Trommelnotation zugeordnet, „die zu dem umfangreichen Bereich der chinesischen Volksmusik“24 gehört. Gupu enthält sechs verschieden Zeichen, welche verschiedene Anschlagsarten symbolisieren. Mittlerweile werden diese allerdings in europäischen Taktstrichen notiert.25 Eine nicht speziell dem Trommelwerk, sondern dem Schlagwerk zugeordnete Notationsform ist luogu pu. Sie fasst verschiedene Notationsformen für Gongs und Trommeln zusammen. „Man kennt hier bis zu 20 unterschiedliche Symbole für die verschiedenen Ausführungs­manieren der Schlaginstrumente, die in neuerer Zeit in Taktstrichen und Linien untereinander notiert werden.“26 Ähnlich wie luogu pu unterstützt shifan luogu nicht ausschließlich das Trommelspiel, sondern ein Instrumentarium von bis zu 15 Schlaginstrumenten, darunter Gongs, Glocken, Becken und Holzklappern. Sie ist deswegen besonders hervorzuheben. Speziell für die Verwendung in buddhistischen Kultgesängen sind die Notationen der Schlagwerkbegleitung fojiao luogu gedacht. Sie ist mit etwa sechs Zeichen „in einigen Drucken von Kulttexten des chinesischen Buddhismus überliefert.27

[...]


1 Vgl. Gerda Wolfram, „Antike“, in Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski (= MGG Prisma), Kassel 2001, S. 24.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. ebd. S. 26.

4 Hartmut Möller, „Einleitung“, in: Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski (= MGG Prisma), Kassel 2001, S. 16.

5 Silvain Guignard, „Nichtwestliche Notationsformen“, in Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski (= MGG Prisma), Kassel 2001, S. 254.

6 Vgl. ebd.

7 Ebd.

8 Ebd. S. 255.

9 Ebd.

10 Vgl. ebd. S. 256.

11 Silvain Guignard, „Nichtwestliche Notationsformen“, in Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski (= MGG Prisma), Kassel 2001, S. 256.

12 Ebd.

13 Vgl. ebd. S. 257.

14 Ebd. S. 257 f.

15 Vgl. ebd. S. 258.

16 Ebd.

17 Ebd. S. 259.

18 Ebd.

19 Silvain Guignard, „Nichtwestliche Notationsformen“, in Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski (= MGG Prisma), Kassel 2001, S. 259 f.

20 Ebd. S. 260.

21 Vgl. ebd.

22 Bildquelle siehe Abbildunsverzeichnis Abb. 1.

23 Vgl. Silvain Guignard, „Nichtwestliche Notationsformen“, in Notation, hrsg. von Andreas Jaschinski (= MGG Prisma), Kassel 2001, S. 260.

24 Ebd. S. 261.

25 Vgl. ebd.

26 Ebd.

27 Vgl. ebd. S. 261 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Notation. Notation in Japan und China
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Musikforschung)
Veranstaltung
Einführung in die Geschichte der musikalischen Notation
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V1129318
ISBN (eBook)
9783346496881
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chinesische Notation, Japanische Notation, Instrumentalnotation, Zithernotation, Lautennotation, Vokalnotation, Tabulaturen, China, Japan
Arbeit zitieren
Justus Reim (Autor:in), 2021, Die Geschichte der Notation. Notation in Japan und China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129318

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Geschichte der Notation. Notation in Japan und China



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden