Die Frage nach Gott wird an vielen Orten und aus unterschiedlichen Motiven gestellt. In der Kirche, dem Ort der religiösen Praxis, fragt der Gläubige insbesondere im Gottesdienst nach Gott, um durch die Begegnung und Erfahrung einer Transzendenz, die Gott ist, innerlich und äußerlich verändert zu werden. Auch an der Universität, dem Ort der Wissenschaft, wird die Gottesfrage sowohl in der Theologie als auch in der Philosophie gestellt.
Die Theologie spricht auf einer wissenschaftlichen Basis über Gott, Gott ist in der theologischen Rede Objekt und Subjekt zugleich. Damit versucht sie Kirchlichkeit und Wissenschaftlichkeit zu verbinden. Die Frage nach Gott ist hierbei das unumstrittene Zentrum der Theologie, für sie steht es außer Zweifel, dass Gott existiert und er von sich her sich offenbart und erfahrbar ist, dieses wird von ihr sogar vorausgesetzt. Demgegenüber spricht auch die Philosophie über Gott. In der Philosophie hingegen, gibt es jedoch viele verschiedenen Antworten auf die Frage nach Gott und auch die Frage wird von jedem Philosoph neu formuliert und in einen anderen Kontext gesetzt. Die Gottesfrage wandelt sich so mit der sich verändernden Geschichte der Philosophie. Im Gegensatz zur Theologie versucht die Philosophie zudem vor allem hinsichtlich der Vernunft zu beweisen, ob Gott existiert oder nicht. Sie lehnt die Religion und damit auch die Theologie nicht ab, sondern sie möchte über beide Disziplinen wissenschaftlich diskutieren und die daraus entstehenden Schlussfolgerungen logisch in Bezug auf die Vernunft begründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Die Frage nach Gott in der antiken Philosophie am Beispiel von Aristoteles
3. Die Frage nach Gott in der Philosophie der Aufklärung am Beispiel von Immanuel Kant
4. Die Frage nach Gott in der Philosophie der Moderne am Beispiel von Sigmund Freud
5. Reflektierende Nachbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die philosophische Auseinandersetzung mit der Gottesfrage durch verschiedene Epochen hindurch, um aufzuzeigen, wie sich der Fokus von der ontologischen Begründung über die kritische Vernunftprüfung bis hin zur modernen religionspsychologischen Funktionsanalyse gewandelt hat.
- Wandlung des philosophischen Gottesbegriffs in Antike, Aufklärung und Moderne
- Metaphysische Begründung bei Aristoteles als "erster Beweger"
- Kants epistemologische Kritik und Transformation Gottes zum transzendentalen Ideal
- Freuds religionskritische Perspektive als funktionale Illusion
- Gegenüberstellung von Vernunft, Moral und psychologischem Wunschdenken
Auszug aus dem Buch
4. Die Frage nach Gott in der Philosophie der Moderne am Beispiel von Sigmund Freud:
In der Religionskritik der Moderne wandelt sich die Frage nach Gott zu einer Frage nach der Religion. Sigmund Freud stellt infolgedessen die Gottesfrage, indem er nach dem Nutzen der Religion selbst fragt. In seiner Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ erläutert Freud zunächst das Thema seines Werkes. Er möchte nicht über tiefe religiöse Gefühle schreiben, sondern für ihn steht die Religion des gemeinen Mannes im Vordergrund. Diese Religion definiert er als System von Lehren und Verheißungen, die dem gemeinen Mann einerseits die Rätsel der Welt mit beneidenswerter Vollständigkeit erklärt und andererseits, diesem zusichert, dass eine sorgsame Vorsehung über sein Leben wachen und etwaige Versagungen in einer jenseitigen Existenz gutmachen wird.
Die sorgsame Vorhersehung kann, laut Freud, sich der gemeine Mann nicht anders als in der Person eines großartig erhöhten Vaters vorstellen, denn nur ein solcher kann die Bedürfnisse des Menschenkindes kennen und durch seine Bitten und seine Reue erweicht und beschwichtigt werden. Er bezeichnet diese Vorstellung als infantil und wirklichkeitsfremd und findet es schmerzlich, dass die große Mehrheit der Menschen sich niemals über diese Vorstellung des Lebens erheben wird. Für Freud gründet die Religion vor allem in den tiefsten Wünschen der Menschen, wie der Sehnsucht nach Glück, Schutz und Gerechtigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Gottesfrage sowohl für die religiöse Praxis als auch für die akademische Theologie und Philosophie.
2. Die Frage nach Gott in der antiken Philosophie am Beispiel von Aristoteles: Hier wird Aristoteles' Ansatz analysiert, Gott als notwendigen "ersten Beweger" innerhalb einer metaphysischen Ontologie zu begründen.
3. Die Frage nach Gott in der Philosophie der Aufklärung am Beispiel von Immanuel Kant: Das Kapitel behandelt Kants Kritik an der spekulativen Theologie und seine Neudefinition Gottes als ein für die praktische Vernunft unentbehrliches transzendentales Ideal.
4. Die Frage nach Gott in der Philosophie der Moderne am Beispiel von Sigmund Freud: Diese Untersuchung widmet sich Freuds psychoanalytischer Religionskritik, in der Gott und Religion als infantile Projektionen und funktionale Wunscherfüllungen entlarvt werden.
5. Reflektierende Nachbetrachtung: Das Schlusskapitel synthetisiert die verschiedenen philosophischen Positionen und stellt fest, dass die Gottesfrage keinen eindeutigen philosophischen Konsens zulässt.
Schlüsselwörter
Gottesfrage, Philosophie, Aristoteles, Metaphysik, Ontologie, Immanuel Kant, Aufklärung, Transzendentales Ideal, Sigmund Freud, Religionskritik, Psychoanalyse, Illusion, Vernunft, Moral, Postulat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und systematische Entwicklung der philosophischen Fragestellung nach Gott anhand der Konzepte bedeutender Denker aus verschiedenen Epochen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die antike Metaphysik, die aufklärerische Erkenntnistheorie sowie die moderne Religionspsychologie und -kritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wandelbarkeit der Gottesfrage innerhalb der Philosophiegeschichte aufzuzeigen und die unterschiedlichen methodischen Ansätze zur Begründung oder Dekonstruktion dieses Konzepts herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, bei der primäre und sekundäre philosophische Texte interpretierend gegenübergestellt und kritisch gewürdigt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die Aristoteles (Ontologie), Kant (Kritik der reinen Vernunft/Moral) und Freud (Funktionalismus/Projektion) behandeln.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ontologie, transzendentales Ideal, Projektion, Vernunftkritik und Religionskritik bestimmt.
Wie unterscheidet sich Kants Gottesbegriff von dem des Aristoteles?
Während Aristoteles Gott als ein metaphysisch-objektives Prinzip (erster Beweger) innerhalb seiner Wissenschaftslehre etabliert, entzieht Kant Gott jeglicher theoretischen Objektivierbarkeit und verankert ihn stattdessen als notwendiges Postulat in der praktischen, moralischen Vernunft.
Warum bewertet Freud die Religion als "infantil"?
Freud wertet die Religion als infantil, da er sie als eine Projektion des menschlichen Wunschdenkens nach einem schützenden, übermächtigen Vaterbild begreift, das dem hilflosen Menschen zur Bewältigung seiner Existenzängste dient.
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- Anonym (Author), 2013, Die Frage nach Gott als Thema der Philosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129375