Fallstudienmethoden sind nicht sonderlich neu. Beispielsweise bediente sich bereits Napo-leon der Fallstudienmethode, um die Ausgangssituationen bei verschiedenen Angriffstaktiken zu analysieren. Der akademische Durchbruch der Fallstudie wurde maßgeblich durch die Harvard Business School in den 1920er Jahren geprägt. Seither konnte sich die Lehrmethode dennoch nicht erfolgreich in der internationalen klassischen Bildung etablieren.
Während die tradierte Lehrauffassung vor allem Fachwissen favorisierte, wird heute zunehmend Handlungs- und Problemlösungskompetenz verlangt. Dies zwingt die Bildungsinstitutionen zur Modernisierung ihrer Lehrmethoden, wobei die Verbindung von Theorie und Praxis im Vordergrund steht. Das gilt vor allem in der Führungslehre. Die moderne Lehre soll kein einseitiger Monolog des Lehrenden sein, sondern vielmehr ein gemeinsames entscheidungs- und handlungsorientiertes Erarbeiten der Problemlösung ermöglichen. Diese Veränderungen der Qualifikationsanforderungen eröffnen der Fallstudienlehrmethode ein enormes Wachstumspotenzial, da sie diesem Anspruch gerecht wird.
Diese effiziente und aktive Lehrmethode hat einen relativ kleinen Markt, der von wenigen großen Anbietern beherrscht wird. Diese Arbeit widmet sich daher der Frage, ob der Markt für Fallstudien Raum für weitere Anbieter lässt und eine erfolgreiche Etablierung aussichtsreich erscheint, also erschließbare Gewinnpotenziale vorhanden sind. Im Rahmen der Branchenstrukturanalyse nach Porter sollen die Einflussfaktoren auf die Profitabilität im Markt für Fallstudien ermittelt werden, um anschließend mögliche Marktpositionierungschancen aufzuzeigen und einen Ausblick auf dessen Attraktivität zu geben. Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Zunächst erfolgt in Kapitel eins eine kurze Einlei-tung mit einem Überblick über die Thematik und die sich daraus ergebende Problemstellung. Kapitel zwei beinhaltet die Darstellung der konzeptionellen Grundlagen der Arbeit im Rahmen der Branchenstrukturanalyse nach Porter.
Das dritte Kapitel vermittelt das Verständnis für den Fallstudienmarkt. Dabei wird zunächst auf die Entstehung, die Definition und die unterschiedlichen Arten von Fallstudien eingegangen. Anschließend erfolgt die Abgrenzung des zu analysierenden Marktes. Konkrete Marktdaten, wie das Gesamtvolumen, die betriebswirtschaftliche Situation und die Spieler am Markt runden das Bild des Fallstudienmarktes ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2. Konzeptionelle Grundlagen der Branchenstrukturanalyse nach Porter
2.1 Definitionen
2.1.1 Wettbewerb und Wettbewerbsstrategie
2.1.2 Branche
2.2 Abnehmerdimension
2.2.1 Konzentration der Abnehmer
2.2.2 Abnehmeranteil an den Gesamtverkäufen der Branche
2.2.3 Standardisierung und Differenzierung der Produkte
2.2.4 Umstellungskosten der Abnehmer
2.2.5 Gewinne der Abnehmer
2.2.6 Rückwärtsintegration der Abnehmer
2.2.7 Qualität und Leistung der Branchenprodukte
2.2.8 Informationsgrad der Käufer
2.3 Lieferantendimension
2.3.1 Konzentration der Lieferantengruppe
2.3.2 Substitution der Vorprodukte
2.3.3 Wichtigkeit der Abnehmerbranche für die Lieferanten
2.3.4 Wichtigkeit der Vorprodukte für den Abnehmer
2.3.5 Differenzierungsgrad der Vorprodukte und Umstellungskosten der Abnehmer
2.3.6 Vorwärtsintegration der Lieferanten
2.4 Markteintrittsbarrieren
2.4.1 Betriebsgrößenersparnisse
2.4.2 Produktdifferenzierung
2.4.3 Kapitalbedarf
2.4.4 Umstellungskosten
2.4.5 Zugang zu Vertriebskanälen
2.4.6 Größenunabhängige Kostenvorteile
2.4.7 Zu erwartende Vergeltungsmaßnahmen
2.5 Wettbewerbsintensität
2.5.1 Zahl der Wettbewerber (Konzentration)
2.5.2 Geschwindigkeit des Branchenwachstums
2.5.3 Heterogenität der Wettbewerber
2.5.4 Kosten der Leistungserstellung
2.5.5 Produktdifferenzierung
2.5.6 Austrittsbarrieren
2.6 Ersatzprodukte
2.7 Der Staat
3. Markt für Fallstudien
3.1 Fallstudien
3.1.1 Entstehung
3.1.2 Begriffsbestimmung Fallstudie
3.1.3 Formen
3.1.4 Darstellungsart
3.2 Marktabgrenzung
3.3 Marktdaten
3.3.1 Marktentwicklung
3.3.2 Derzeitige Marktsituation
3.3.3 Spieler am Markt
4. Branchenanalyse im Fallstudienmarkt
4.1 Abnehmerdimension
4.1.1 Anzahl und Struktur
4.1.2 Verhandlungsmacht der Abnehmer
4.1.2.1 Konzentration der Abnehmer
4.1.2.2 Abnehmeranteil an den Gesamtverkäufen der Branche
4.1.2.3 Standardisierung und Differenzierung der Produkte
4.1.2.4 Umstellungskosten der Abnehmer
4.1.2.5 Gewinne der Abnehmer
4.1.2.6 Rückwärtsintegration der Abnehmer
4.1.2.7 Qualität und Leistung der Branchenprodukte
4.1.2.8 Informationsgrad der Käufer
4.1.3 Ergebnis der Abnehmeranalyse
4.2 Lieferantendimension
4.2.1 Anzahl und Struktur
4.2.2 Verhandlungsmacht der Lieferanten
4.2.2.1 Konzentration der Lieferantengruppe
4.2.2.2 Substitution der Vorprodukte
4.2.2.3 Wichtigkeit der Abnehmerbranche für die Lieferanten
4.2.2.4 Wichtigkeit der Vorprodukte für den Abnehmer
4.2.2.5 Differenzierungsgrad der Vorprodukte und Umstellungskosten der Abnehmer
4.2.2.6 Vorwärtsintegration der Lieferanten
4.2.3 Ergebnis der Lieferantenanalyse
4.3 Markteintrittsbarrieren
4.3.1 Betriebsgrößenersparnisse
4.3.2 Produktdifferenzierung
4.3.3 Kapitalbedarf
4.3.4 Umstellungskosten
4.3.5 Zugang zu Vertriebskanälen
4.3.6 Größenunabhängige Kostenvorteile
4.3.7 Vergeltungsmaßnahmen
4.3.8 Ergebnis der Eintrittsbarrieren
4.4 Wettbewerbsintensität des Fallstudienmarktes
4.4.1 Zahl der Wettbewerber (Konzentration)
4.4.2 Geschwindigkeit des Branchenwachstums
4.4.3 Heterogenität der Wettbewerber
4.4.4 Kosten der Leistungserstellung
4.4.5 Produktdifferenzierung
4.4.6 Austrittsbarrieren
4.4.7 Ergebnis der Wettbewerbsintensität
4.5 Ersatzprodukte
4.5.1 Rollenspiele
4.5.2 Computerbasierte Simulationsspiele
4.5.3 Technologischer Ersatz / E-Learning
4.5.4 Ergebnis der Analyse möglicher Ersatzprodukte
4.6 Der Staat
5. Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.2 Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das wirtschaftliche Gewinnpotenzial im internationalen Markt für Fallstudien im Rahmen einer Branchenstrukturanalyse nach Porter zu evaluieren, um Handlungsempfehlungen für potenzielle neue Marktakteure abzuleiten.
- Analyse der Branchenstruktur nach dem Fünf-Kräfte-Modell (5-Forces) von Porter.
- Untersuchung von Abnehmer- und Lieferantenmacht innerhalb des Fallstudienmarktes.
- Bewertung von Markteintrittsbarrieren und der bestehenden Wettbewerbsintensität.
- Evaluierung potenzieller Substitutionsrisiken durch E-Learning-Trends und alternative Lehrmethoden.
- Bestimmung der Marktattraktivität für neue Anbieter und Identifikation von Positionierungschancen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Entstehung
Sieht man einmal davon ab, dass erste Ähnlichkeiten zu modernen Fallstudien bereits die deutschen Märchen vor vielen Tausend Jahren aufzeigten und Herodotus sich den Titel des weltweit ersten ”Case Writers“ verdiente, da sein Buch ”The Histories“ viele Parallelen der modernen Arbeit von Case Writern besitzt, liegen die Wurzeln dieser Lehrmethode erst im 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. 1811 nutzte das britische Militär erste Formen von Case Studies, um bei der Ausbildung ihrer Offiziere vergangene Schlachten zu analysieren und neue Strategien bzw. Taktiken zu entwickeln. Doch ihren tatsächlichen Ursprung fand die Fallstudie, wie man sie heute kennt, in der Harvard School im Jahre 1870 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Sie wurde vom neuen Dozenten Christopher Columbus Langdell eingeführt, der auch als Pionier der ”Case Study Method” gilt. Er war überzeugt, dass im Rechtswesen bestimmte Gesetzmäßigkeiten existieren, die anhand von tatsächlichen Gerichtssituationen induktiv vermittelt werden können. Er ersetzte die damals herrschende Vortrags- und Drillmethode, auch als ”Dwight Method“ bekannt, durch die exemplarische handlungs- und entscheidungsfördernde ”Case Study Method“, auch die Socrates Methode genannt. Seine Idee dabei war es, den Studenten beizubringen, wie ein Anwalt denkt und aufgrund welcher ihm vorliegender Informationen er seine Entscheidungen trifft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Fallstudienmethode ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach dem ökonomischen Gewinnpotenzial für neue Marktakteure.
2. Konzeptionelle Grundlagen der Branchenstrukturanalyse nach Porter: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament des Fünf-Kräfte-Modells (5-Forces) von Porter als Analysetool für Branchenrentabilität.
3. Markt für Fallstudien: Dieser Abschnitt vermittelt ein Verständnis für den Fallstudienmarkt, beleuchtet dessen Entstehung, Marktabgrenzung sowie aktuelle Marktdaten und Akteure.
4. Branchenanalyse im Fallstudienmarkt: Der Hauptteil der Arbeit wendet die Porter-Analyse spezifisch auf die Abnehmer-, Lieferanten- und Wettbewerbsdimensionen sowie Barrieren und Ersatzprodukte im Fallstudiensektor an.
5. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Analyseergebnisse zusammen und gibt auf dieser Basis konkrete Handlungsempfehlungen für einen Markteintritt.
Schlüsselwörter
Fallstudien, Branchenstrukturanalyse, Porter, Wettbewerbskräfte, Markt für Fallstudien, E-Learning, Markteintrittsbarrieren, Managementlehre, Fallstudienmethode, Bildungsmarkt, Marktanalyse, Gewinnpotenzial, Substitution, Hochschullehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Attraktivität und das Gewinnpotenzial des Marktes für Fallstudien, um zu klären, ob ein Markteintritt für neue Wettbewerber aus ökonomischer Sicht empfehlenswert ist.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen die Struktur des globalen Fallstudienmarktes sowie die Analyse der Branchenprofitabilität unter Berücksichtigung von Wettbewerbsdynamiken und Substitutionsgefahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine Branchenstrukturanalyse nach Porter Einflussfaktoren auf die Profitabilität zu ermitteln, um Marktpositionierungschancen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter (das Fünf-Kräfte-Modell), um die strategische Ausgangssituation und die Wettbewerbskräfte im Markt für Fallstudien zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Abnehmer- und Lieferantendimension, der Markteintrittsbarrieren, der Wettbewerbsintensität sowie der Bedrohung durch Ersatzprodukte und den staatlichen Einfluss.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fallstudien, Branchenstrukturanalyse, Wettbewerbsstrategie, E-Learning, Eintrittsbarrieren und Managementbildung.
Wie unterscheidet sich der deutsche Fallstudienmarkt vom internationalen?
Während sich der internationale Fallstudienmarkt bereits in der Wachstumsphase befindet, steckt der Markt für deutschsprachige Fallstudien noch in der Einführungsphase mit entsprechend geringerem Volumen.
Warum stellt E-Learning eine besondere Bedrohung für Fallstudien dar?
E-Learning wird aufgrund der zunehmenden Virtualisierung, der leichten Verfügbarkeit und der oft kostenlosen Nutzung als potenziell gefährliches Substitut für klassische Fallstudien identifiziert.
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- Julia Tschumatschow (Author), Philipp Hegendorf (Author), Stephan Kunigk (Author), 2007, Branchenanalyse: Markt(-struktur) für Fallstudien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112966