Diese Arbeit stellt sich die Fragen: Wie reagieren die Lehrpersonen in welchem Umfang individuell auf welche Art von Unterrichtsstörungen und welche Einflüsse hat die Disziplinierung auf den betreffenden Lernenden sowie das situativ verortete Umfeld?
Dieser Thematik wird besondere Relevanz zugesprochen, weil der Umgang mit Unterrichtsstörungen in der LehrerInnenbildung eine untergeordnete Rolle spielt, aber im Rahmen der Klassenführung, der interpersonellen Interaktion und der langfristigen psychischen Spannungen der Lernenden und Lehrenden einen äußert wichtigen Platz einnimmt. Zudem kann es hilfreich sein, um im Beruf als Lehrkraft Gründe für das Auftreten von Störungen identifizieren und ihnen kompetent begegnen zu können.
Während Unterrichtshospitationen offenbaren sich eine Vielzahl von Eindrücken der erzieherischen Arbeit eines/r Pädagogen/In. Neben der Lehrtätigkeit obliegt diesem/r auch die anspruchsvolle Aufgabe der Disziplinierung bei Fehlverhalten und Störungen im Unterricht. Darunter versteht man im Allgemeinen das Verhalten eines Individuums oder mehrerer Personen, die zum Unterbrechen des Unterrichtsverlaufes führen und direkte oder indirekte pädagogische Interventionen erfordern.
Besonders auffallend sind in diesem Kontext die unterschiedliche Einschätzung von Unterrichtsstörungen durch die Lehrkräfte selbst sowie die personell variierenden Möglichkeiten der Disziplinierung und deren Wahrnehmung im Kollektiv ins Auge.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Einordnung
2.1 Aspekte der Klassenführung
2.2 Konkretisierungen des Störungsbegriffes
2.3 Ursachen für Störungen
3. Aspekt geleitete Beobachtung während der Hospitation
3.1 Darlegung der beobachteten Situation
3.2 Betrachtungen unter dem Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun
3.3 Problembereiche der dargelegten Reaktionen
4. Alternative Gestaltungsmöglichkeiten
4.1 Verfahrens- und Verhaltensregeln
4.2 konstruierte Verhaltensregeln im Interaktionsprozess
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Unterrichtsstörungen, analysiert deren Entstehung im schulischen Interaktionsgefüge und evaluiert Möglichkeiten der Prävention durch klare Verhaltensregeln. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie Lehrpersonen individuell auf verschiedene Störungsarten reagieren und welche Auswirkungen die Disziplinierung auf die Lernenden sowie das soziale Umfeld hat.
- Grundlagen der Klassenführung und des Störungsbegriffs
- Ursachenanalyse von Unterrichtsstörungen
- Kommunikationsanalytische Untersuchung einer Hospitationssequenz
- Methoden der Verhaltenssteuerung im Unterricht
- Entwicklung präventiver Verhaltensregeln für den Schulalltag
Auszug aus dem Buch
3.2 Betrachtungen unter dem Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun
Nachfolgend soll das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun näher beleuchtet werden und die dargelegte Situation entsprechend der vier Kategorien untersucht werden.
Die Tiefendimension, welche große Relevanz für die interpersonelle Kommunikation hat, nimmt auf die innere Verfassung der Interaktionspartner Bezug. (vgl. Steyer 2004, S. 31) Bei Nichtwahrnehmung potenzieren sich emotionsgeladene Empfindungen und führen zu Störungen zwischen den Adressaten. Daher ist es besonders wichtig, „sich der Bedingungen bewusst zu sein“ (ebd.), denen die Kommunikationspartner unterliegen.
Hierfür ist es hilfreich das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun heranzuziehen und Unterrichtsstörungen auf die vier Seiten einer Nachricht hin zu untersuchen. Das Kommunikationsmodell wird auch als „Vier-Ohren-Modell“ (Schulz von Thun 2020) bezeichnet. Es sagt aus, dass ein Sender eine Äußerung auf vierfache Weise an den Empfänger sendet. Dieser wiederum hört die Nachricht auch in Form von vier Botschaften gleichzeitig (vgl. ebd.):
Die Ebene des Sachinhaltes beschäftigt sich mit der Frage „worüber wird informiert?“ (Steyer 2004, S. 31). Die Ebene der Selbstoffenbarung beschäftigt sich damit „was ich von mir zu erkennen gebe“ (Thun 2020). Die Beziehungsebene klärt, was Sender und Empfänger von einander halten und wie sie zu einander stehen. (vgl. Steyer 2004, S. 31). Zuletzt ist die Ebene des Apells zu nennen, welche in den Blick nimmt, zu was der Sender den Empfänger veranlassen möchte. (vgl. ebd.)
Thun äußert zudem, dass die Qualität der Kommunikation von den beteiligten Personen abhängt und „unmissverständliche Kommunikation der Idealfall ist und nicht die Regel.“ (Thun 2020)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Unterrichtsstörungen ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen.
2. Begriffliche Einordnung: Dieses Kapitel definiert wesentliche Begriffe wie Klassenführung und Unterrichtsstörung und untersucht deren Ursachen aus verschiedenen Perspektiven.
3. Aspekt geleitete Beobachtung während der Hospitation: Hier wird eine konkrete Störungssituation aus einem Praktikum analysiert und mithilfe des Vier-Ohren-Modells von Schulz von Thun ausgewertet.
4. Alternative Gestaltungsmöglichkeiten: Das Kapitel befasst sich mit der Differenzierung von Verfahrens- und Verhaltensregeln und der Konstruktion konkreter Handlungsanweisungen für den Unterricht.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Bedeutung präventiver Kommunikation und klarer Regeln zur Störungsminimierung.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Klassenführung, Kommunikation, Vier-Ohren-Modell, Disziplinierung, pädagogisches Handeln, Verhaltensregeln, Interaktionsprozess, Schulpädagogik, Prävention, Lehrer-Schüler-Interaktion, Konfliktlösung, Sozialverhalten, Lernprozesse, professionelle Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Unterrichtsstörungen aus kommunikationswissenschaftlicher und pädagogischer Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Klassenführung, die Analyse von Interaktionen im Unterricht, Störungsursachen sowie die Etablierung wirksamer Verhaltensregeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das individuelle Reaktionsverhalten von Lehrkräften auf Störungen zu untersuchen und den Einfluss dieser Reaktionen auf die Schüler und das Unterrichtsumfeld zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Analyse einer beobachteten Störungssequenz aus einem Hospitationspraktikum unter Anwendung des Kommunikationsmodells von Friedemann Schulz von Thun.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Klassenführung und Störungsursachen, die praktische Fallanalyse der Hospitation sowie die Ableitung von Handlungsalternativen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unterrichtsstörungen, Klassenführung, Vier-Ohren-Modell, Kommunikation und Präventionsmaßnahmen.
Warum ist das Vier-Ohren-Modell für diese Analyse relevant?
Es ermöglicht, die meist emotional aufgeladenen Interaktionen zwischen Lehrperson und Lernendem in vier inhaltliche Ebenen zu zerlegen und so Kommunikationsfehler aufzudecken.
Welche Rolle spielt die Person des Lehrers bei der Entstehung von Störungen?
Die Arbeit zeigt auf, dass unklare Kommunikation, fehlende pädagogische Konsense und eine inkonsequente Durchsetzung von Regeln maßgeblich zur Eskalation von Störungen beitragen können.
- Quote paper
- Mareike Scheibel (Author), 2020, Unterrichtsstörungen, ihre kommunikationsanalytischen Aspekte und der richtige Umgang. Eine Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129902