Berufsdysphonie und Kompetenzen bei Lehrkräften. Der Einfluss der Stimmstörung


Hausarbeit, 2019

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Berufsdysphonie
2.1 Hyperfunktionelle Dysphonie
2.2 Hypofunktionelle Dysphonie
2.3 Gemischte Dysphonie

3 Das Kompetenzmodell von COACTIV

4 Einfluss der Berufsdysphonie auf die Lehrerkompetenzen
4.1 Wirkung der Stimme
4.2 Der Einfluss einer Dysphonie auf die Kompetenzen der Lehrer

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Einteilung der Berufsgruppen nach stimmlicher Anforderung

Abb.2 Das Kompetenzmodell von COACTIV

Abb.3 Auswirkungen dysphonischer Lehrstimmen auf Schüler

Abb.4 Auswirkungen von Stimmstörungen auf das Schulsystem

1 Einleitung

Die Berufsdysphonie, also die berufsbedingte Stimmstörung „betrifft vor allem Sprechberufler wie LehrerInnen […] sowie andere Berufe, bei denen größere stimmliche Leistungen verlangt werden“1. So lässt sich der Lehrer2 in die Gruppe des Berufssprechers einordnen.

Abb.1: Einteilung der Berufsgruppen nach stimmlicher Anforderung3

Allgemein liegt das Risiko an einer Stimmstörung zu erkranken bei sechs Prozent, bei Lehrern erhöht sich die Gefahr der Erkrankung auf 16 Prozent.4 Eine statistische Erhebung von 1991/1992, in der 470 Lehrer befragt wurden, gaben knapp die Hälfte an einer stimmlichen Belastung ausgesetzt zu sein. 73 Prozent berichten, dass sie nach vier Stunden Unterricht unter Beschwerden, wie Heiserkeit (60,5 Prozent), Fremdkörpergefühl (42,6 Prozent), Räusperzwang (42 Prozent) und Schmerzen im Halsbereich (30,3 Prozent) leiden würden.5

In einer Studie der Universität Saarland, die 2002 an 1284 Deutschlehrern, die an Realschulen oder Gymnasien arbeiteten, durchgeführt wurde, wurden bei 347 Lehrern eine Tendenz zu einer Stimmstörung festgestellt und bei 217 eine Dysphonie diagnostiziert.6 Nun stellt sich die Frage, inwiefern die Erkrankung einer Stimmstörung Einfluss auf die professionellen Kompetenzen der Lehrer und damit auch Einfluss auf den Unterricht und die Schüler hat. Dafür wird im Folgenden kurz die Berufysdysphonie erläutert und danach das Kompetenzmodell von COACTIV vorgestellt. Anschließend wird dargestellt, welche Wirkungen mit Stimme überhaupt erzielt werden um dann auf die Folgen einer Stimmstörung innerhalb des Lehrerberufes einzugehen. Zum Schluss wird ein Fazit gezogen, in Bezugnahme auf die aktuelle Situation innerhalb der universitären Ausbildung und im Lehrerberuf.

2 Berufsdysphonie

Tritt eine Stimmstörung aufgrund des ausgeübten Berufes auf, so spricht man von einer Berufsdysphonie. Jedoch führt nicht automatisch eine hohe Stimmbelastung zu einer Stimmstörung. Hierfür ist ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren notwendig, die sehr individuell sind. So spielt die allgemeine Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Stimmapparats, die Stimm- und Sprachtechnik, psychovegetative Faktoren, Konflikte und ungünstige Raumverhältnisse eine große Rolle. Störgeräusche, trockene Luft und Sprechen im Lärm führen häufig zu einer Anspannung in der Kehlkopfmuskulatur und den Stimmlippen, wodurch der Betroffene die Stimmintensität und die Sprechstimmlage erhöht.7 „[D]ie Entstehung einer chronischen Laryngitis“8, einer Kehlkopfentzündung, kann die Folge sein.

Vor allem bei Lehrern äußert sich diese Berufsdysphonie häufig darin, dass sie nach der zweiten bis dritten Unterrichtsstunde heiser werden, den Zwang verspüren sich räuspern zu müssen oder berichten vom Trockenheitsgefühl im Hals und/oder Halsschmerzen. Häufig sprechen sie zudem in einer zu hohen Sprechstimmlage.9 Bei einer Berufsdysphonie liegt eine funktionelle Stimmstörung vor. „Der Begriff ,Funktionelle Stimmstörung‘ […] entstand aus der Beobachtung heraus, daß [sic!] bei Heiserkeiten organische Veränderungen fehlen können“10 und es sich somit um eine erworbene Dysphonie handelt, „die durch eine Störung des Stimmklanges und der stimmlichen Leistungsfähigkeit gekennzeichnet“11 ist. Diese Form der Stimmstörung hat keine organischen Ursachen und kann „bei längerem Bestehen sekundär organische Veränderungen hervorrufen“12. Die funktionelle Stimmstörung wird unterschieden in die hyperfunktionelle, hypofunktionelle und gemischte Dysphonie.13

2.1 Hyperfunktionelle Dysphonie

Am häufigsten leiden die Lehrer unter der hyperfunktionellen Dysphonie.14 Hier liegt „eine unabsichtliche, übertriebene Kontraktion der Phonationsmuskulatur einschließlich der Atem-, Artikulations- und Halsmuskulatur“15 vor, wobei eine „Überfunktion […] des stimmgebenden Organs zu beobachten“16 ist.

Es gibt verschiedene Ursachen für die Erkrankung, u.a. Stimmüberlastung, Stimmfehlbelastung, Sprechen im Lärm oder mit vermehrter Kraftanstrengung, Singen in zu hoher Lage, häufiges Husten und Räuspern und das sogenannte Party-Syndrom: Stimmmissbrauch durch erhöhten Geräuschpegel, Rauchen, Trinken und Müdigkeit.17 Die Extremform einer hyperfunktionellen Dysphonie bezeichnet man als unerwünschte Taschenfaltenstimme, die durch eine häufige Überlastung des Stimmorgans entsteht.

Hierbei wird durch gewaltsame Nutzung der Taschenfalten, die normalerweise zum Sprechen nicht verwendet werden, die Stimme gebildet.18 Diese klingt dann „belegt, rauh, klangarm, knarrend, gepreßt [sic!]“19 oder auch „dünn und metallisch“20. Häufig haben die Betroffenen das Gefühl, sich räuspern oder schlucken zu müssen und haben mitunter ein Fremdkörpergefühl im Hals. Im späteren Stadium leiden die Betroffenen unter ständiger Heiserkeit.21

2.2 Hypofunktionelle Dysphonie

Frauen leiden häufiger an einer hypofunktionellen Dysphonie als Männer. Diese Stimmstörung entsteht durch „eine Schwäche der Kehlkopfmuskulatur mit dadurch bedingtem unvollständigem Stimmlippenschluß [sic!]“22, wobei hier eine „Unterfunktion […] des stimmgebenden Organs zu beobachten“23 ist. Ursächlich hierfür ist eine zu schwache Kehlkopfmuskulatur oder auch „konstitutionsbedingte Faktoren wie Erkrankungs-, Erschöpfungs- oder Ermüdungszustände […] [sowie] [P]sychogene Aspekte wie Angst oder Kummer“24. Liegt diese Form der Stimmstörung vor, klagen die Betroffenen häufig über Halsschmerzen und ein Trockenheitsgefühl.25 Es handelt sich hierbei um eine „leise, matte, belegt, heisere, verhauchte, klangarme Stimme“26.

2.3 Gemischte Dysphonie

Die gemischte Form der Stimmstörung liegt am Häufigsten vor, bei der sowohl Symptome der hyper- als auch hypofunktionellen Dysphonie27 in „verschiedenster Kombination und Ausprägung“28 auftreten.

3 Das Kompetenzmodell von COACTIV

Das Kompetenzmodell von COACTIV beschreibt „zusammenfassend […] die Voraussetzungen für die erfolgreiche Bewältigung des Lehrerberufs aus einer mehrdimensionalen Perspektive“29 und wollte einen „theoretischen und empirischen Beitrag zur Klärung zentraler Konzepte“30 leisten, in dem sie „individuelle[n] Merkmale [...] identifizieren, die Lehrkräfte für die erfolgreiche Bewältigung ihrer beruflichen Aufgaben benötigen“31.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Das Kompetenzmodell von COACTIV

Zugrunde der32 Forschung von COACTIV liegt die Definition, dass Kompetenz „die persönlichen Voraussetzungen zur erfolgreichen Bewältigung spezifischer situationaler Anforderungen [...] [und] prinzipiell erlern- und vermittelbar“33 sind. Bei dieser Definition verweisen sie auf Klieme und Lutner (2006) und Weinert (2001b).

In dem Modell werden vier Kompetenzaspekte unterschieden: Überzeugungen, Wertehaltungen und Ziele, als zweiter Aspekt die Motivationale Orientierungen, als weitere Aspekt die Selbstregulation und zum Schluss das Professionswissen. Aus diesen Aspekten können jeweils spezifische Kompetenzbereiche und diese wiederum in Kompetenzfacetten abgeleitet werden.34 Während der Aspekt Professionswissen die Bereiche Fachwissen, Fachdidaktisches und Pädagogisch-psychologisches Wissen und 32 Baumert, J. u. Kunter, M.: Das Kompetenzmodell von COACTIV, S.32. 33 ebd., S.31.

Organisations- und Beratungswissen beinhaltet, so wird der Aspekt der Überzeugungen in die Bereiche systematische Wertbindungen, epistemotologische Überzeugungen, subjektive Theorien über Lehren und Lernen sowie Zielsysteme differenziert.35 Innerhalb der Motivationalen Überzeugungen und Selbstregulation, die „für die psychische Dynamik des Handelns […] verantwortlich […] sind [und] somit zentrale Merkmale der psychologischen Funktionsfähigkeit von handelnden Personen“36 darstellen. Beide Aspekte sind eng miteinander verwoben und ein Bereich davon ist die Selbstwirksamkeit. So schreiben Schwarzer und Jerusalem, dass es von maßgeblicher Bedeutung für Selbstwirksamkeit und Leistungsfähigkeit ist, wie Barrieren interpretiert werden37 und es beinhaltet das „Vertrauen in die eigene Kompetenz, auch schwierige Handlungen in Gang setzen und zu Ende führen zu können“38. Zum Aspekt der Selbstregulation gehören zudem noch die Bereiche des Engagements und Distanzierungsfähigkeit. Der professionelle Umgang mit den „eigenen persönlichen Ressourcen ist eine wichtige Komponente der […] Handlungskompetenz von Lehrkräften“39. Zudem stellt der „effektive[r] Umgang mit den eigenen Ressourcen […] [und] die Fähigkeit , die eigenen Ressourcen zu schonen“40 eine wichtige Kompetenz dar.

4 Einfluss der Berufsdysphonie auf die Lehrerkompetenzen

Nachdem kurz die Berufsdysphonie und deren Erscheinungsformen und Symptome dargestellt wurde, wurde das Kompetenzmodell, welches von COACTIV entwickelt erläutert, wobei hier die Kompetenzaspekte der Selbstregulation und Motivation, mit den Bereichen der Selbstwirksamkeit, im Vordergrund standen. Nun wird untersucht, ob sich eine Erkrankung der Stimme negativ auf die Kompetenzen des Lehrers und damit auch auf den Unterricht auswirkt. Hierfür wird zunächst erläutert, welche Wirkung die Stimme im Unterricht hat und anschließend dargestellt, welche Konsequenzen im Unterrichtskontext und für den Lehrer entstehen können, wenn eine Dysphonie vorliegt.

[...]


1 https://www.wicker.de/kliniken/klinik-am-osterbach/behandlungsschwerpunkte/erkrankungen-a- z/berufsdysphonie/ (28.02.2019).

2 Aus formalen Gründen und um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird hier und im Folgenden die maskuline Form verwendet, die Lehrerinnen gleichwohl mit einschließt.

3 Festl, M., Gegner C. u. Teuchert B.: Die Wirkung der Stimme im Unterricht, S.6.

4 vgl. https://www.dbl-ev.de/kommunikation-sprache-sprechen-stimme-schlucken/stoerungen-bei- erwachsenen/stoerungsbereiche/stimme-dysphonien/funktionelle-stimmstoerungen.html (28.02.2019).

5 vgl. Hammann, C.: Der stimmige Lehrer – der schweigende Pädagoge, S.225.

6 vgl. www.uni-saarland.de/verwalt/presse/campus/2003/1/06-stimme.html (28.02.2019).

7 Wirth, G.: Stimmstörungen, S.258.

8 ebd., S.259.

9 vgl. ebd., S.259.

10 Schönweiler, R. u. Ptok, M.: Phoniatrie und Pädaudiologie, S.357.

11 Wirth, G.: Stimmstörungen, S.237.

12 ebd., S.237.

13 vgl. Hammer, S. S.: Stimmtherapie mit Erwachsenen, S.55.

14 vgl. ebd., S.259.

15 Wirth, G.:Stimmstörungen, S.239.

16 Schönweiler, R. u. Ptok, M.: Phoniatrie und Pädaudiologie, S.357.

17 vgl. Wirth, G.: Stimmstörungen, S.239.

18 vgl. ebd., S.248.

19 ebd., S.240.

20 Hammer, S. S.: Stimmtherapie mit Erwachsenen, S.55.

21 vgl. Wirth, G.: Stimmstörungen, S.240.

22 ebd., S.252.

23 Schönweiler, R. u. Ptok, M.: Phoniatrie und Pädaudiologie, S.357.

24 Hammer, S. S.: Stimmtherapie mit Erwachsenen, S.57.

25 vgl. ebd., S.252.

26 ebd., S.252.

27 vgl. Hammer, S. S.: Stimmtherapie mit Erwachsenen, S.58.

28 ebd., S.57.

29 Baumert, J. u. Kunter, M.: Das Kompetenzmodell von COACTIV, S.46.

30 ebd., S.29.

31 ebd., S.29.

32 Baumert, J. u. Kunter, M.: Das Kompetenzmodell von COACTIV, S.32.

33 ebd., S.31.

35 vgl. ebd., S.42.

36 ebd., S.42.

37 vgl. Jerusalem, M, u. Hopf, D.: Selbstwirksamkeit und Motivationsprozesse in Bildungsinstitutionen, S.28.

38 ebd., S.39.

39 Baumert, J. u. Kunert M.: Das Kompetenzmodell von COACTIV, S.44.

40 ebd., S.44.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Berufsdysphonie und Kompetenzen bei Lehrkräften. Der Einfluss der Stimmstörung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V1130020
ISBN (eBook)
9783346489197
ISBN (Buch)
9783346489203
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In meinem Lehramtsstudium habe ich im Bachelor eine Hausarbeit über das Thema Stimmstörungen bei Lehrkräften geschrieben. Da die Stimme in diesem Beruf immens belastet wird und oftmals ungünstige Arbeitsbedingungen in den Klassenräumen herrschen, habe ich mich mit der Thematik befasst, inwiefern Lehrende von einer berufsbedingten Stimmstörung betroffen sind und ob diese Einfluss auf die Kompetenzen der Lehrkraft haben.
Schlagworte
Lehrkräfte, Stimmstörung, Berufsdysphonie, Belastung, Lehrerberuf, Sprechberuf, COACTIV Kompetenzmodell
Arbeit zitieren
Frederike Baumgarte (Autor:in), 2019, Berufsdysphonie und Kompetenzen bei Lehrkräften. Der Einfluss der Stimmstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130020

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