Die Rolle der Frau stellte schon immer ein heikles Thema dar und ist oft schwer zu definieren. Frauen galten bis vor kurzem oft nur als Menschen zweiter Klasse, und es wurden ihnen nur wenige oder auch gar keine Rechte zugesprochen. Dass sich Frauen gegen dieses Bild, in das sie gedrückt wurden, auflehnten, war eigentlich unvorstellbar und stellte, wenn es doch geschah, einen großen Skandal dar. Frauen hatten still zu leiden und sich in ihr Schicksal zu fügen.
Umso interessanter ist es nun, dass die amerikanische Schriftstellerin Mary E. Wilkins Freeman gegen Ende des 19. Jahrhunderts in vielen ihrer Kurzgeschichten von Frauen erzählt, die so gar nicht in die damalige Auffassung der Frau und ihrer Rolle passten. Freeman schreibt Geschichten mit recht radikalen und revolutionären Ansichten. Frauen stehen plötzlich auf und wehren sich gegen Ehemänner, Heiratszwänge und ähnliches. Aus einem puritanischen Umfeld stammend, übt Freeman somit durch ihre Hauptfiguren leise Kritik an den Sitten und Bräuchen der Puritaner sowie an den generellen Ansichten der damaligen Zeit, die
Frauen betreffend.
Wie ihre Geschichten im Gegensatz zu der allgemein üblichen Auffassung der Rolle der Frau stehen, und ob sie mit ihnen Erfolg hatte oder heftig kritisiert wurde, soll nun im folgenden untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Stellung der Frau gegen Ende des 19. Jahrhunderts
3. Die Frauenrolle in den Geschichten von Mary E. Wilkins Freeman
a) A New England Nun
b) The Revolt of „Mother“
c) A Church Mouse
4. Zusammenfassung
5. Bibliographie:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher Rollenbilder im 19. Jahrhundert anhand ausgewählter Kurzgeschichten von Mary E. Wilkins Freeman. Dabei wird analysiert, wie Freemans Protagonistinnen durch ihren Widerstand gegen gesellschaftliche Normen, Heiratszwänge und patriarchale Strukturen ihre Eigenständigkeit behaupten und damit einen bewussten Kontrast zum zeitgenössischen Frauenbild des puritanischen Amerikas bilden.
- Analyse der gesellschaftlichen Unterdrückung der Frau im 19. Jahrhundert
- Untersuchung der weiblichen Emanzipationsbestrebungen in Freemans Werk
- Gegenüberstellung von traditioneller Frauenrolle und individuellem Freiheitsdrang
- Interpretation von "A New England Nun", "The Revolt of 'Mother'" und "A Church Mouse"
Auszug aus dem Buch
b) The Revolt of „Mother“
In dieser Geschichte lehnt sich Sarah Penn gegen ihren Ehemann Adoniram auf, indem sie mit ihrer Familie in die neue Scheune umzieht, nachdem er wiederholt ihrer Bitte nach einem neuen Haus nicht nachkommt.
Schon der Beginn der Geschichte „Father!“ [NAAL II 568] lässt erkennen, dass es hier sehr energisch zugehen wird. Sarah Penn wird auch als sehr resolute und von sich überzeugte Frau dargestellt, die sich nicht so leicht unterordnen lässt: „her eyes, fixed upon the old man, looked as if the meekness had been the result of her own will, never of the will of another” [NAAL II 568] sowie „Sarah Penn stood in the door like a queen; she held her head as if it bore a crown; there was that patience which makes authority royal in her voice.” [NAAL II 571] Später wird sie von den übrigen Dorfbewohnern sogar als verrückt und aufsässig beschrieben: „Some held her to be insane; some, of lawless and rebellious spirit.“ [NAAL II 577]
Rebellisch kann man sie aber durchaus nennen. Sie gibt nicht nach, bevor sie nicht weiß, was sie wissen will: „’I want to know what them men are diggin’ over in the field for, an’ I’m goin’ to know […] I ain’t goin’ into the house till you tell me what them men are doin’ over there in the field.’” [NAAL II 568] Sie versucht alles, doch es gelingt ihr nicht, Auskunft von ihrem Mann zu bekommen, der wie ein Dickkopf schweigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige gesellschaftliche Stellung der Frau im 19. Jahrhundert und führt in die Thematik ein, wie Mary E. Wilkins Freeman durch ihre Literatur diese Konventionen kritisch hinterfragt.
2. Die Stellung der Frau gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beschreibt die rechtlose und abhängige Situation der Frau im 19. Jahrhundert, in der sie primär als menschliche Ressource und dem Mann untergeordnetes Wesen fungierte.
3. Die Frauenrolle in den Geschichten von Mary E. Wilkins Freeman: Hier werden drei Kurzgeschichten Freemans analysiert, um aufzuzeigen, wie ihre Protagonistinnen durch individuelles Handeln und Widerstand gegen patriarchale Zwänge ihre Würde und Freiheit behaupten.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Heldinnen Freemans untypisch für das 19. Jahrhundert sind und durch ihren Mut den Weg für zukünftige Frauenbewegungen in der Literatur und Realität ebneten.
5. Bibliographie:: Das Literaturverzeichnis listet alle verwendeten Quellen und Texte auf, die zur Untersuchung der Frauenrolle und Freemans Kurzgeschichten herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Frauenrolle, 19. Jahrhundert, Mary E. Wilkins Freeman, Emanzipation, Puritanismus, Geschlechterrollen, Widerstand, Eigenständigkeit, Literaturanalyse, Patriarchat, Unterdrückung, Kurzgeschichten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Frauenrolle in ausgewählten Kurzgeschichten von Mary E. Wilkins Freeman und vergleicht diese mit den realen gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen im 19. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Unterdrückung der Frau im puritanischen Umfeld, der Heiratszwang, die rechtliche Abhängigkeit vom Ehemann und die ersten emanzipatorischen Ansätze in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Freemans Protagonistinnen bewusst gegen die damaligen Erwartungen verstoßen, um ihre eigene Autonomie und Würde zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Textinhalt in den historischen Kontext der Geschlechterverhältnisse des 19. Jahrhunderts setzt.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Frauenstellung und eine detaillierte textimmanente Analyse der Erzählungen "A New England Nun", "The Revolt of 'Mother'" und "A Church Mouse".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Emanzipation, puritanische Gesellschaft, literarischer Widerstand und weibliche Selbstbestimmung beschreiben.
Wie unterscheidet sich Louisa Ellis in "A New England Nun" von traditionellen Frauenbildern?
Louisa bricht mit der Erwartung, dass eine Heirat der einzig erstrebenswerte Lebensweg sei; sie entscheidet sich aktiv für ihre Ruhe und Ordnung sowie für ihre persönliche Freiheit.
Warum wird Sarah Penn in "The Revolt of 'Mother'" als rebellisch eingestuft?
Sie durchbricht die patriarchale Hierarchie, indem sie eigenmächtig die Familie in die neue Scheune umsiedelt, nachdem ihr Ehemann ihre Bedürfnisse über Jahrzehnte hinweg ignoriert hat.
Welche Rolle spielt die Kirche in "A Church Mouse"?
Die Kirche dient in dieser Erzählung als Schauplatz eines Machtkonflikts, in dem die Protagonistin Hetty Fifield ihren Platz in der Welt gegen die männliche Institution der Gemeinde verteidigt.
- Citar trabajo
- Christiane Menger, geb. Wirth (Autor), 2000, Die Rolle der Frau in drei Geschichten von Mary E. Wilkins Freeman im Vergleich zur üblichen Ansicht der Frauenrolle im 19. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113035