In dieser Arbeit wird exemplarisch anhand der Graphic Novel "Die Verwandlung" von Mairowitz und Crumb, basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka, untersucht, welche Auswirkungen der Einsatz dieser Graphic Novel auf den Literaturunterricht haben könnte. Dafür wird zunächst die Graphic Novel als solche definiert, um anschließend näher auf die Chancen, die der Einsatz von Graphic Novels für den Literaturunterricht mit sich bringt, einzugehen. Gerade in Hinblick auf die Erzählung Die Verwandlung werden oft Bedenken gegen die Umsetzung als Graphic Novel geäußert. Nachdem diese kurz erläutert werden, wird die Graphic Novel Kafka von Mairowitz und Crumb und die in ihr enthaltende Umsetzung von "Die Verwandlung" näher betrachtet.
Wie der Landesbildungsserver Baden-Württemberg selbst feststellt, bringt der Einsatz von Graphic Novels im Deutschunterricht viele Vorteile mit sich. Umso bedauerlicher ist es, dass diese in Schulen wenig genutzt werden. Gerade in der Sekundarstufe besteht beispielsweise noch oft das Vorurteil, dass Graphic Novels anspruchslos sind, das Lesen einer Graphic Novel kein “richtiges Lesen“ ist oder der Text an Bedeutung verlieren könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Graphic Novels im Literaturunterricht
2.1 Definition Graphic Novel
2.2 Der Einsatz von Graphic Novels im Literaturunterricht
3. Die Verwandlung in der Graphic Novel Kafka von Mairowitz und Crumb und die Darstellung des literarischen Körpers
4. Die Verwandlung von Mairowitz und Crumb im Literaturunterricht
4.1 Die Darstellung des Ungeziefers
4.2 Der biographische Bezug von Die Verwandlung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Publikation
Diese Arbeit untersucht den pädagogischen Mehrwert und die Herausforderungen beim Einsatz der Graphic Novel „Die Verwandlung“ (von Mairowitz und Crumb) im Literaturunterricht, insbesondere im Hinblick auf die komplexe visuelle Darstellung des literarischen Körpers.
- Definition und literarischer Status von Graphic Novels.
- Didaktische Potenziale für die Leseförderung und das literarische Lernen.
- Analyse der visuellen Strategien zur Darstellung von Gregor Samsa.
- Bedeutung biographischer Bezüge zu Franz Kafka innerhalb der Graphic Novel.
- Umgang mit der Gefahr einer Bedeutungsreduktion durch visuelle Fixierung.
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung des Ungeziefers
Im ersten Absatz von Die Verwandlung von Kafka wird das ungeheure Ungeziefer, in das sich Gregor Samsa verwandelt hat, mit einem „panzerartig harten Rücken […] gewölbten braunen von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch […]und vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine[n]“ beschrieben. Mairowitz und Crumb wählen in ihrer Umsetzung als Graphic Novel die sogenannte Point-of-View-Darstellung: Es entsteht der Eindruck, als würde die Lesenden das Sichtfeld mit der dargestellten Figur teilen und sie sehen gemeinsam mit Gregor Samsa die Verwandlung zum ersten Mal.
Wie auch bereits in der literarischen Vorlage wird in dieser ersten Darstellung des Insekts „das Tier in den Blick genommen […], und zwar aus der Perspektive von Gregors Tieraugen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft unterschätzte Rolle von Graphic Novels im Deutschunterricht und definiert das Ziel der Arbeit anhand des Werkes „Die Verwandlung“.
2. Graphic Novels im Literaturunterricht: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Graphic Novel und diskutiert deren Chancen für die Förderung der Lese- und Schreibkompetenz sowie die Einbindung in den Literaturunterricht.
3. Die Verwandlung in der Graphic Novel Kafka von Mairowitz und Crumb und die Darstellung des literarischen Körpers: Hier wird der kritische Umgang mit der visuellen Darstellung von Kafkas Protagonisten thematisiert, insbesondere die Problematik der "Bedeutungsreduktion".
4. Die Verwandlung von Mairowitz und Crumb im Literaturunterricht: Dieses Kapitel analysiert anhand konkreter Panels, wie die Autoren durch visuelle und paratextuelle Mittel den biographischen Bezug zu Kafka herstellen und die Lesenden unterstützen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Graphic Novels durch ihre visuelle Aufbereitung eine sinnvolle Ergänzung im Literaturunterricht darstellen und komplexe literarische Texte für heterogene Lerngruppen zugänglicher machen können.
Schlüsselwörter
Graphic Novel, Die Verwandlung, Franz Kafka, Literaturunterricht, Lesekompetenz, literarisches Lernen, visuelle Darstellung, Gregor Samsa, Bedeutungsreduktion, biographischer Bezug, Mairowitz und Crumb, Mediendidaktik, Rezeptionsästhetik, Comic-Sprache, Insektenmetamorphose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem didaktischen Einsatz der Graphic-Novel-Adaption „Die Verwandlung“ (Mairowitz/Crumb) im Literaturunterricht der Schule.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Schwerpunkte liegen auf der visuellen Adaption literarischer Stoffe, dem Spannungsfeld zwischen Text und Bild sowie den Herausforderungen bei der Vermittlung klassischer Literatur durch neue Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die visuelle Umsetzung von Kafkas Erzählung zu einer unerwünschten Bedeutungsreduktion führt oder ob sie das literarische Verstehen der Lernenden tatsächlich unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der Graphic Novel im Vergleich mit der literarischen Vorlage Kafkas, ergänzt durch die Auswertung didaktischer und literaturwissenschaftlicher Fachliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft behandelt?
Es werden Strategien zur Darstellung von Gregors Körper, die Verwendung von Point-of-View-Perspektiven und die Einbindung biographischer Paratexte in der Graphic Novel untersucht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Graphic Novel, literarisches Lernen, Visualisierung, Metamorphose und didaktische Reduktion.
Warum kritisieren manche Literaturwissenschaftler die bildliche Darstellung von Gregor Samsa?
Es besteht die Befürchtung, dass eine konkrete visuelle Darstellung des Ungeziefers die Spielräume für die eigene Vorstellungskraft der Lernenden einengt und zu einer monosemischen Interpretation führen könnte.
Wie gehen die Autoren Mairowitz und Crumb mit diesem Problem um?
Sie versuchen, die visuelle Darstellung durch paratextuelle Mittel und biographische Kontextualisierung (z. B. Bezüge zu Kafkas Vater-Sohn-Konflikt) in einen Rahmen zu setzen, der eine rein illustrative Deutung verhindert.
Ist der Einsatz der Graphic Novel nach Ansicht des Autors für den Unterricht zu empfehlen?
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Graphic Novel eine wertvolle Unterstützung bietet, um gerade heterogene Lerngruppen motivierend an komplexe Texte heranzuführen.
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- Anonym (Autor), 2020, “Die Verwandlung“ als Graphic Novel im Literaturunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130386