In der Arbeit werden drei Bundestagsdebatten zur Beteiligung an der internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan ISAF zwischen 2001 und 2010 im Lichte einer werte- und normenorientierten außenpolitischen Theoriegrundlage analysiert, da Werte in der deutschen Politik eine zentrale Rolle spielen – wie auch bei ISAF, die auf Mandaten der Wertegemeinschaften UN und NATO stützt.
Hierbei drängt sich eine konstruktivistische Variante des aus der liberalen Außenpolitiktheorie stammenden „Demokratischen Friedens“ auf, aus der sich der „Demokratische Krieg“ ableiten lässt. Zum besseren Verständnis der Legitimation soll zusätzlich die Rollentheorie und das deutsche Konzept der Zivilmacht erläutert werden. Da sich die Analyse auf Plenarsitzungen des Bundestages bezieht, wird zudem das Parlamentsbeteiligungsgesetzes angerissen.
Parallel wird der Einsatzverlauf der ISAF-Mission betrachtet. Er dient als Erklärungsvariable für eine veränderte Legitimation des Mandates – genau wie die Zustimmung der deutschen Bevölkerung zum Einsatz, da in Deutschland eine enge Verknüpfung zwischen Wandel des Einsatzcharakters, veränderte Legitimierung und Zustimmung der Bevölkerung auszumachen ist.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Zwischen Solidarität und Sicherheit: Der Afghanistaneinsatz Deutschlands als theoretisches Rätsel.
- 2. Culture of Restraint: Die konstruktivistische Außenpolitiktheorie und die militärische Interventionspolitik Deutschlands
- 2.1 Norms and Values matter: Der Demokratische Frieden und die Zivilmacht Deutschland.
- 2.2 Arena der Legitimation: Der Bundestag als Hüter des Parlamentsvorbehaltes.
- 3. „Krieg\" oder „nicht Krieg“ – das ist hier die Frage: Die Begründungsmuster des Afghanistan-Einsatzes zwischen 2001 und 2010.
- 3.1 „Uneingeschränkte Solidarität“: Die Bundestagsdebatte am 22.12.2001 und die Legitimierung der ISAF-Beteiligung als Stabilisierungseinsatz
- 3.2 „Kein Kriegseinsatz, sondern eine Friedensmission“: Die Bundestagsdebatte am 25.09.2005 und die Abgrenzung zwischen Friedenseinsatz und Kriegsmission.
- 3.3 „Bewaffneter Konflikt“: Die Bundestagsdebatte am 26.02.2010 und der Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan.
- 4. Legitimationsakrobatik? Der Debattenwandel im Deutschen Bundestag.
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Bachelorarbeit untersucht die deutschen Bundestagsdebatten zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Ziel ist es, die Begründungsmuster der Abgeordneten zu analysieren und zu erforschen, ob der Afghanistaneinsatz als humanitäre Intervention oder als Krieg dargestellt wurde. Dabei wird ein Fokus auf die Debatten zwischen 2001 und 2010 gelegt, die den Beginn und die Eskalation des Einsatzes markieren.
- Die Rolle der konstruktivistischen Außenpolitiktheorie und des Demokratischen Friedens in der deutschen Afghanistanpolitik.
- Die Bedeutung des Parlamentsvorbehaltes im Kontext des Bundestags und der deutschen Außenpolitik.
- Der Wandel der Begründungsmuster für den Afghanistaneinsatz im Laufe der Zeit.
- Die Debatten über den Charakter des Einsatzes als Friedensmission oder Krieg.
- Der Einfluss der gesellschaftlichen Meinung und des Medienberichts auf die Legitimation des Afghanistaneinsatzes.
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel stellt den Afghanistaneinsatz als theoretisches Rätsel dar und untersucht die Legitimationsherausforderungen für Deutschland. Das zweite Kapitel behandelt die konstruktivistische Außenpolitiktheorie und das deutsche Rollenkonzept als Zivilmacht. Die Kapitel 3.1 bis 3.3 analysieren die Bundestagsdebatten von 2001, 2005 und 2010, um die Begründungsmuster und den Wandel des Einsatzcharakters zu beleuchten. Kapitel 4 untersucht den Debattenwandel im Deutschen Bundestag und stellt die Rolle des Parlaments im Kontext der Entscheidung über den Afghanistaneinsatz dar.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den zentralen Begriffen des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, den Begründungsmustern der Bundestagsdebatten, dem Wandel des Einsatzcharakters, der konstruktivistischen Außenpolitiktheorie, dem Demokratischen Frieden, der Zivilmacht, dem Parlamentsvorbehalt und der Legitimation von Militärinterventionen.
- Arbeit zitieren
- Isabel Fisch (Autor:in), 2018, Von der Aufbaumission zum Krieg am Hindukusch. Der Wandel der Bundestagsdebatten zum Einsatz der deutschen Bundeswehr in Afghanistan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130554