Kinder waren immer ein Angriffsziel für Manipulationen und der ideologischen Beeinflussung für politische Zwecke unterworfen. Ab 1933 wurde die Volksschule beispielsweise als Instanz der Ideologievermittlung genutzt. "Die Volksschule hat nicht die Aufgabe, vielerlei Kenntnisse zum Nutzen des Einzelnen zu vermitteln. Sie hat alle Kräfte der Jugend für den Dienst an Volk und Staat zu entwickeln und nutzbar zu machen".
Im Alltag der Schulkinder war die Schule der Bereich, in dem sie am meisten geprägt wurden. In dieser Arbeit steht vor allem das Geflecht aus Kontinuität und Brüchen im Schulalltag im Fokus. In einer Gesellschaft finden ständig Wandlungsprozesse statt, ohne dass sie Brüche mit den vorangegangenen Entwicklungen darstellen. Die Arbeit handelt von dem Leben in der Volksschule. Dabei steht die erste bis vierte Klasse im Mittelpunkt. Der Fokus liegt auf dem Erlass über die Einführung der Richtlinien für die unteren Jahrgänge der Volksschule von 1937, da dort eine entscheidende Schnittstelle im Erziehungssystem im Nationalsozialismus statt-fand. Diese Richtlinien werden mit den preußischen Richtlinien in einem separaten Kapitel verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Thematischer Ausblick
1.2 DDS - Die Deutsche Schule
1.3 Forschungsstand
2. Hauptteil
2.1 Weimarer Grundschullehrplan 1926 im Abgleich mit dem Reichserlass von 1937
2.2 Diskussion des Erlasses von 1937 am Exempel der Zeitung Deutsche Schule
2.2.1 Erziehung
2.2.2 Judenfrage
2.2.3 Heimatkunde
2.2.4 Sprachen
2.2.5 Rechnen
2.2.6 Sport
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Wandel im deutschen Erziehungssystem beim Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus. Im Fokus steht dabei die Analyse, wie sich die pädagogischen Anforderungen und Unterrichtsinhalte in der Volksschule durch den Reichserlass von 1937 im Vergleich zu den Richtlinien von 1921 verändert haben, um die nationalsozialistische Ideologie zu implementieren.
- Analyse der Kontinuität und Brüche in der schulischen Erziehung ab 1933
- Vergleich der Richtlinien von 1921 und 1937 sowie der Umsetzung in der Fachzeitschrift "Die Deutsche Schule"
- Untersuchung der nationalsozialistischen Ideologievermittlung in ausgewählten Unterrichtsfächern
- Betrachtung der Ausgrenzung jüdischer Schüler und der Rolle des Lehrpersonals im NS-Staat
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Erziehung
Die Grundlagen der nationalsozialistischen Erziehung und Erziehungspolitik wurden im Erlass vom Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung klar definiert. So war primär ein erstes Ziel, dass die Volksschule mit den anderen Schularten und neben den Gliederungen der Partei, dem Arbeitsdienst und dem Heer die hohe Aufgabe innehatte, die deutsche Jugend zur Volksgemeinschaft und zum vollen Einsatz für Führer und Nation zu erziehen.50
Zur Veranschaulichung der Ziele der Nationalsozialisten, können ihre allgemeinen Erziehungsziele angeführt werden: „Die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit des völkischen Staates muß ihre Krönung darin finden, daß sie den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und verstandesmäßig in Herz und Gehirn der ihr anvertrauten Jugend hineinbrennt.“51
Die gesamte deutsche Jugend sollte mit dem nationalsozialistischen Gedanken erzogen werden. Erstens, im Wörterbuch der Nationalsozialisten gehörte der Begriff „Rasse“ zu den wichtigsten Vokabeln. Davon abgeleitet spielten positiv konnotiert „Rassenkunde“, „Rassenplege“, „Rassenhygiene, „Rassereinheit“ eine wichtige Rolle, mit negativer Bedeutung waren „Rasseverrat“ und „Rassenschande“ besetzt.52
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der schulischen Erziehung im 20. Jahrhundert ein, definiert die Forschungsfrage bezüglich des Wandels vom Weimarer System zum NS-Schulwesen und umreißt den aktuellen Forschungsstand.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Richtlinienänderungen zwischen 1921 und 1937 und untersucht anhand der Fachzeitschrift „Die Deutsche Schule“ und spezifischer Unterrichtsfächer die Umsetzung der NS-Ideologie.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Schule ab 1937 gezielt zur Instanz der Indoktrination und zum Aufbau einer "Volksgemeinschaft" umgeformt wurde, wobei die individuelle Entwicklung zugunsten militärischer und ideologischer Erziehung zurücktrat.
Schlüsselwörter
Instrumentalisierte Erziehung, Nationalsozialismus, Volksschule, Reichserlass 1937, Ideologievermittlung, Rassenkunde, Volksgemeinschaft, Lehrerrolle, Indoktrination, Weimarer Republik, Schulalltag, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Volksschulerziehung vom demokratischen Ansatz der Weimarer Republik hin zur ideologisch geprägten Erziehung im Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Umgestaltung der Lehrpläne, die Rolle des Lehrers als politischer Erzieher, die Ausgrenzung jüdischer Schüler sowie die Ideologisierung einzelner Fächer wie Heimatkunde, Geschichte und Sport.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie und wann das Erziehungssystem durch staatliche Erlasse und die Einflussnahme auf Lehrinhalte gezielt im Sinne der NS-Ideologie manipuliert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenbasierte historische Analyse, die offizielle Richtlinien, Schulgesetze und Fachartikel aus der Zeitschrift „Die Deutsche Schule“ von 1937 vergleichend auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Vergleich der Lehrpläne von 1921 und 1937 sowie eine detaillierte fachspezifische Analyse der Erziehung, der Judenfrage, Heimatkunde, Sprache, Rechnen und Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Instrumentalisierte Erziehung, NS-Ideologie, Indoktrination, Volksgemeinschaft und Diskontinuität des Schulwesens geprägt.
Welche Bedeutung hatte die Zeitschrift „Die Deutsche Schule“ (DDS)?
Die DDS diente als Fachorgan, das im Laufe der 1930er Jahre ideologisch gleichgeschaltet wurde und als Plattform für die Verbreitung der nationalsozialistischen Erziehungskonzeption unter Lehrkräften fungierte.
Wie wurde die „Judenfrage“ im Unterricht behandelt?
Die Arbeit zeigt auf, dass jüdische Schüler zunehmend diskriminiert und schließlich aus den Schulen entfernt wurden, während der Unterricht durch rassistische und antisemitische Propaganda gegen die jüdische Bevölkerung instrumentalisiert wurde.
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- Ben Schuster (Author), 2021, Instrumentalisierte Erziehung ab 1933. Bildung nach der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130557