Mobilität ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe. Erreichbarkeit und somit Mobilität stellen bedeutende Standortfaktoren für Unternehmen und Haushalte dar. Gleichzeitig wird der motorisierte Individualverkehr (MIV) und Güterverkehr verantwortlich für Emissionsbelastung von CO2, Lärm und Luftschadstoffe, sowie einen steigenden Flächenverbrauch gemacht. Ein Fünftel des CO2-Ausstoßes in Deutschland entsteht durch den Verkehrssektor, davon entstehen 95 Prozent im Straßenverkehr. Besonders in urbanen Gebieten fühlt sich die Mehrzahl der Bewohner, von dem angewachsenen Autoverkehr und seinen zunehmenden Belastungen gestört. Der Trend zur Expansion in die Städte wird weiter zunehmen. Dieser Urbanisierungsprozess hat drastische Auswirkungen für die Umwelt. Bisher war der Anstieg der Bevölkerungszahl stets mit der Steigung eines Verkehrsaufkommens gekoppelt.
Gleichzeitig ändern sich die Bedürfnisse hinsichtlich Mobilität. Für viele junge Menschen ist das Auto immer weniger wichtig. Durch neue Innovationen ändert sich auch das Mobilitätsangebot. Daraus entsteht eine veränderte und moderne Mobilität bestehend aus autonomen Autos, Elektrifizierung, Carsharing und anderen Errungenschaften. Die Mobilität und der Städte- und Siedlungsbau stehen in einer engen Wechselwirkung. Bisher ergaben Änderungen im Mobilitätsverhalten auch Änderungen für den Städtebau und die Immobilie. Immobilie und Mobilität sind eng miteinander verknüpft. Sie bedingen einander und steigern
gemeinsam Wert und Rendite. Deshalb ist es Ziel der Arbeit Trends einer möglichen Entwicklung des Städte- und Siedlungsbaus, die aus einer veränderten Alltagsmobilität resultiert, zu entwickeln. Hierbei werden Entwicklungen betrachtet, die sich teilweise schon jetzt und teilweise in wenigen Jahren durchsetzen werden. Aufgrund der fatalen Verkehrsbelastungen wird bei der Ausarbeitung ein Fokus auf die urbanen Räume gelegt. Entwicklungen des Städtebaus und der Mobilität wirken sich direkt auf die Immobilie aus. Deshalb soll ebenfalls die Fragestellung beantwortet werden, welchen Einfluss die "neue Mobilität" auf die Projektentwicklung von Immobilien hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methodik
3 Definitionen und Begrifflichkeiten
3.1 Abgrenzung Mobilität und Verkehr
3.2 Abgrenzung Städtebau und Stadtplanung
3.3 Siedlungsstruktur
3.4 Projektentwicklung
4 Aktuelles Mobilitätsverhalten in Deutschland
4.1 Verkehrsaufkommen und Verkehrsleistung
4.2 Modalsplit
4.2.1 Motorisierter Individualverkehr (MIV)
4.2.2 Fahrrad
4.2.3 Öffentlicher Personen Nahverkehr (ÖPNV)
4.2.4 Fußverkehr
4.2.5 Car- und Bikesharing
4.3 Verkehrsbelastung
5 Zukünftige Trends im Mobilitätssektor
5.1 Mobilität als Dienstleistung und intermodale Mobilität
5.2 Sharing-Konzepte
5.3 Umweltverbund
5.4 Automatische Fahrzeuge
5.5 Elektrische Motoren
5.6 Digitalisierung und Vernetzung als Treiber der Mobilitätswende
6 Historische Auswirkungen der Mobilität auf den Städtebau und Immobilie
6.1 Gründerzeit
6.2 Gartenstadtbewegung in Deutschland
6.3 Charta von Athen
6.4 Leitbild „gegliederte und aufgelockerte Stadt“
6.4.1 Suburbanisierung
6.4.2 Das Leitbild „Autogerechte Stadt“ und seine Auflösung
7 Auswirkungen einer veränderten Mobilität auf Städtebau- und Siedlungsstruktur
7.1 Dichte und Nähe
7.2 Nutzungsmischung
7.3 Attraktive Mobilitätsangebote
7.4 Attraktive öffentliche Räume
8 Auswirkungen einer veränderten Mobilität auf die Projektentwicklung von Immobilien
8.1 Verkehrstechnische Erschließung von Grundstücken
8.2 Standortwahl
8.3 Gebäudetypen
9 Empirischer Abgleich
10 Kritische Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die wechselseitigen Einflüsse zwischen modernen Mobilitätskonzepten und der Projektentwicklung von Immobilien. Das primäre Ziel ist es, Trends in der Stadt- und Siedlungsentwicklung aufzuzeigen, die aus einer veränderten, autoreduzierten Alltagsmobilität resultieren, um daraus Anforderungen für die künftige Immobilienprojektentwicklung abzuleiten.
- Mobilitätswende und ihre Treiber
- Städtebauliche Leitbilder im historischen Kontext
- Einfluss von Sharing-Konzepten und Autonomie auf den Städtebau
- Anpassung der verkehrstechnischen Erschließung und Standortwahl
- Empirische Validierung durch Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
5.2 Sharing-Konzepte
Carsharing ist eine Mobilitätsdienstleistung, die schon vor vielen Jahren entwickelt wurde und in der Vergangenheit ein Nischenprodukt war. Vor dem Hintergrund des demografischen und gesellschaftlichen Wandels gewinnt sie zunehmend an Bedeutung und wird durch dynamische Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie in den Einsatzmöglichkeiten erweitert.
Zukünftig soll die Carsharing Nutzung sich vervielfältigen und um 300 % ansteigen. Detailliertere Prognosen gehen von 3,5 Mio. Carsharing Nutzer weltweit im Jahr 2021 aus. Forscher sehen Carsharing bereits jetzt in das Mobilitätssystem integriert.
Die Tatsache, dass das Auto laut Studien 95 % des Tages und im Durchschnitt 23 Stunden ungenutzt wird, lässt Carsharing zu einer Chance werden die private PKW Nutzung bzw. den PKW-Besitz zu reduzieren. Ergebnisse einer Simulationsstudie zeigen, dass die gesamte Distanz aller Fahrzeuge sich durch den Übergang zu shared Mobilitätsdiensten halbiert.
Nach einer Kundenbefragung des Carsharing-Anbieters Cambio Bremen stellte sich heraus, dass 37,1 % der Carsharing-Kunden auf einen PKW-Besitz beim Umzusetzen eines geeigneten Carsharing-Konzepts verzichten würden.
Studien haben zusätzlich festgestellt, dass ein genutztes Carsharing PKW im Durchschnitt acht Privatwagen ersetzt. In Berlin sind es sogar 15,3 PKWs, die durch ein Carsharing Auto ersetzt werden könnten. Daraus resultiert, dass Carsharing insgesamt eine bessere Ausnutzung von PKWs bedeuten und im Durchschnitt 7 Parkplätze einsparen könnte.
Weitere Vorteile durch Carsharing ergeben sich direkt für den Kunden. Dieser ist nämlich weitgehend von Wartungs- und Unterhaltstätigkeiten entlastet. Diesem Trend steht jedoch entgegen, dass Carsharing nicht die Flexibilität durch das eigene Auto ersetzen kann und das der Besitz eines eigenen Autos teilweise immer noch als Statussymbol fungiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Mobilität als Standortfaktor und der Problemstellung durch Emissionsbelastungen sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2 Methodik: Beschreibung der angewandten Literaturrecherche und der Durchführung von Experteninterviews zur Validierung der Thesen.
3 Definitionen und Begrifflichkeiten: Definition der für die Arbeit zentralen Begriffe Mobilität, Städtebau, Siedlungsstruktur und Projektentwicklung.
4 Aktuelles Mobilitätsverhalten in Deutschland: Analyse des Status quo anhand von Verkehrsleistung, Modalsplit und Belastungsparametern.
5 Zukünftige Trends im Mobilitätssektor: Darstellung von Entwicklungen wie Intermodalität, Sharing, Automatisierung und Digitalisierung als Treiber der Mobilitätswende.
6 Historische Auswirkungen der Mobilität auf den Städtebau und Immobilie: Chronologische Aufarbeitung der Einflüsse verschiedener Verkehrsträger auf Stadtstrukturen vom 19. Jahrhundert bis heute.
7 Auswirkungen einer veränderten Mobilität auf Städtebau- und Siedlungsstruktur: Diskussion der Anforderungen an kompakte Siedlungsstrukturen, Nutzungsmischung und öffentliche Räume.
8 Auswirkungen einer veränderten Mobilität auf die Projektentwicklung von Immobilien: Ableitung konkreter Anforderungen an Erschließung, Standortwahl und Gebäudetypen im Kontext neuer Mobilität.
9 Empirischer Abgleich: Zusammenführung der theoretischen Thesen mit den Erkenntnissen aus den Experteninterviews.
10 Kritische Bewertung und Ausblick: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse und Reflexion über die Klimaschutzrelevanz sowie Grenzen der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Mobilitätswende, Immobilienprojektentwicklung, Städtebau, Siedlungsstruktur, Modalsplit, Carsharing, Autonomes Fahren, Intermodalität, Nutzungsmischung, Flächenverteilung, Parkraumreduktion, Nahmobilität, Standortwahl, Nachhaltigkeit, Verkehrsbelastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Bachelorarbeit untersucht den Einfluss moderner, nachhaltiger Mobilitätstrends auf die zukünftige Gestaltung von Immobilien und Quartieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen Verkehrsplanung, Stadtentwicklung und der Immobilienwirtschaft sowie der Transformation hin zu autoreduzierten Siedlungskonzepten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Trends und Thesen für eine zukunftsfähige Projektentwicklung zu erarbeiten, die auf einem veränderten, multimodalen Mobilitätsverhalten basieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Literaturrecherche zur theoretischen Herleitung sowie auf qualitativen Experteninterviews zur Validierung der aufgestellten Thesen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert aktuelle Mobilitätsdaten, historische Zusammenhänge zwischen Verkehr und Städtebau sowie Auswirkungen neuer Trends wie Shared Mobility und autonomes Fahren auf die Projektentwicklung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mobilitätswende, Projektentwicklung, urbane Dichte, intermodale Mobilität und Flächeneffizienz charakterisieren.
Wie verändert sich laut Autorin die Parkplatzplanung für Immobilien?
Durch Konzepte wie Carsharing und autonomes Fahren wird ein deutlicher Trend zur Reduktion von Stellplatzschlüsseln und zum Bau flexibler Quartiersgaragen anstelle klassischer Tiefgaragen prognostiziert.
Welche Rolle spielen autonome Fahrzeuge für zukünftige Immobilienkonzepte?
Autonome Shuttles könnten den Bedarf an privaten Stellplätzen in der unmittelbaren Immobilie langfristig minimieren, erfordern jedoch neue infrastrukturelle Lösungen wie Ladestationen oder Vorfahrtsbereiche.
- Quote paper
- Alina Weiß (Author), 2019, Der Einfluss der neuen Mobilität auf Immobilienprojekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130617