Alltäglich kommt es vor, dass Personen aufgrund eines bestimmten verallgemeinerten Merkmals einer definierten Kategorie zugeordnet werden und vorübergehend oder permanent in dieser gedanklichen „Schublade“ verbleiben. Wie entstehen Vorurteile? Gibt es eine Möglichkeit, diese zu reduzieren?
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Sozialpsychologen Gordon Willard Allport, seinem Leben und der Vorurteilsforschung im Allgemeinen. Allport gilt als ein Pionier im Bereich der Vorurteilsforschung und er setzt sich kritisch mit dem Erwerb, den Dynamiken und Problemen von Vorurteilen in seinem Werk die Natur des Vorurteils auseinander. Er definiert die Sozialpsychologie wie folgt: „Sozialpsychologie ist der Versuch, zu verstehen und zu erklären, wie die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von Personen durch die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer Menschen beeinflusst werden.“
Aufgrund des beschränkten Umfangs behandelt diese Seminararbeit folgende ausgewählte Themen: Zu Beginn ist die Biografie von Allport geschildert und ein Überblick über das Werk die Natur des Vorurteils sowie dessen historischer Hintergrund gegeben. Dem Angeschlossen folgt eine Definition von Vorurteilen und es ist die Entstehung von Vorurteilen mit dem Blickpunkt auf Konformität erläutert. Im Rahmen der Dynamik von Vorurteilen wird der Zusammenhang von Frustration sowie Aggression mit Fokus auf ein von Vorurteilen behaftetes Verhalten analysiert.
In dem letzten Abschnitt ist auf den Abbau von Vorurteilen sowie die Allport Skala eingegangen, welche unterschiedliche Ebenen der Feindseligkeit gegenüber Fremdgruppen beschreibt. Dem Angeschlossen folgt der Praxistransfer – zum Bewerbungsprozess, der einen Lösungsansatz für die Reduktion von Vorurteilen im beruflichen Kontext des Personalwesens darstellt. Die zugrundeliegende Arbeit soll die Frage beantworten, ob das „Schubladendenken“ der Gesellschaft unausweichlich zu Vorurteilen führt und ob es mithilfe des Verstandes möglich ist, aus vorurteilsbehaftetem Denken auszubrechen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gordon Willard Allport
3 Die Natur des Vorurteils
3.1 Überblick und historischer Kontext
3.2 Vorurteile
3.3 Die Entstehung von Vorurteilen
3.4 Dynamik von Vorurteilen
3.4.1 Die Frustrations-Aggressionshypothese
3.4.2 Die Allport-Skala
3.5 Der Abbau von Vorurteilen mithilfe der Kontakthypothese
4 Resonanz
5 Praxistransfer
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken des Sozialpsychologen Gordon W. Allport, insbesondere sein Standardwerk „Die Natur des Vorurteils“, um zu analysieren, ob gesellschaftliches Schubladendenken unausweichlich zu Vorurteilen führt und wie diesen mithilfe des Verstandes entgegengewirkt werden kann.
- Biografie und wissenschaftlicher Werdegang von Gordon W. Allport
- Psychologische Definition und Entstehungsmechanismen von Vorurteilen
- Die Dynamik von Vorurteilen (Frustrations-Aggressionshypothese und Allport-Skala)
- Ansätze zur Reduktion von Vorurteilen durch die Kontakthypothese
- Anwendung theoretischer Erkenntnisse im modernen Personal-Recruiting
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Die Allport-Skala
Allport entwirft eine Skala, anhand dieser er feindliches Handeln im Rahmen von Vorurteilen in fünf unterschiedliche Intensitätsstufen unterteilt (Allport, 1979):
1. Verleumdung: Der mildeste Grad beinhaltet, dass Personen offen über ihre Vorurteile mit Gleichgesinnten oder Fremden sprechen. Über verbale Anfeindungen geht es bei dieser Ebene nicht hinaus.
2. Vermeidung: Bei ausgeprägteren Vorurteilen ist ein direkter Kontakt mit einer abgelehnten Gruppe unter allen Konsequenzen zu vermeiden, wobei keinem ein körperlicher Schaden entsteht. So hat beispielsweise Hitler durch seine Verleumdung veranlasst, dass jüdische Gesellschaftsmitglieder explizit von ihren Nachbarn und Freunden gemieden wurden.
3. Diskriminierung: Ab dieser Stufe beginnt das aktive Handeln der voreingenommenen Person. Diese setzt sich dafür ein, dass die abgelehnte Gruppe von bestimmten Wohngebieten ausgeschlossen ist oder ihr nicht gestattet wird öffentliche Einrichtung zu besuchen, wie Schulen. So könnte beispielsweise eine Bewerberin abgelehnt werden, weil sie ein Kopftuch trägt und damit einer anderen Religion angehört.
4. Körperliche Gewaltanwendung: Gesteigerte Emotionen spielen bei der körperlichen Gewaltanwendung eine bedeutende Rolle. Liegt beispielsweise ein ausgeprägter Rassismus vor, so kann eine Fremdgruppe unter körperlicher Gewaltanwendung aus einem Wohngebiet vertrieben werden oder diese entscheidet sich aus Angst, diesen Ort zu verlassen.
5. Vernichtung: Der höchste Grad eines ausgelebten Vorurteils ist die Vernichtung. Dabei kann es sich sowohl um einen Völkermord wie in Hitlers Konzentrationslagern handeln, als auch um Pogrome oder Lynchjustiz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Vorurteilsforschung und Darstellung der Forschungsfrage.
2 Gordon Willard Allport: Biografie und Überblick über die akademische Laufbahn des Pioniers der Persönlichkeitspsychologie.
3 Die Natur des Vorurteils: Analyse des Werkes, der psychologischen Grundlagen von Stereotypen und der Mechanismen von Vorurteilen.
4 Resonanz: Darstellung der wissenschaftlichen Rezeption und kritische Auseinandersetzung mit der Sündenbocktheorie.
5 Praxistransfer: Anwendung der Kontakthypothese auf den modernen Bewerbungsprozess zur Vermeidung von Diskriminierung.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbezug von Kant.
Schlüsselwörter
Gordon W. Allport, Vorurteilsforschung, Sozialpsychologie, Stereotyp, Diskriminierung, Kontakthypothese, Frustrations-Aggressionshypothese, Allport-Skala, Schubladendenken, Personal-Recruiting, Anonymisierte Bewerbung, Ingroup, Outgroup, Rassentrennung, Identitätsfunktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Vorurteilsforschung des US-amerikanischen Sozialpsychologen Gordon W. Allport und deren Relevanz für gesellschaftliche sowie berufliche Prozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehung und Dynamik von Vorurteilen, der Bedeutung von Konformität, der Sündenbockproblematik sowie Strategien zum Abbau von Vorurteilen durch interpersonellen Kontakt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob „Schubladendenken“ zwangsläufig zu Vorurteilen führt und ob durch den gezielten Einsatz des Verstandes ein Ausbruch aus diesen Mustern möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung zentraler sozialpsychologischer Theorien von Allport, ergänzt um aktuelle Praxisbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der Biografie Allports analysiert der Hauptteil die Definition von Vorurteilen, die psychologischen Stufen der Feindseligkeit (Allport-Skala) und die Wirksamkeit der Kontakthypothese.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vorurteilsforschung, Stereotype, Diskriminierung, Kontakthypothese und der Abbau von Vorurteilen durch Inklusion.
Warum spielt das Thema „anonymisierte Bewerbung“ eine Rolle für den Abbau von Vorurteilen?
Die anonymisierte Bewerbung dient als Instrument zur Reduktion von Vorurteilen im Personalwesen, da sie Rekrutierer davor bewahrt, auf Basis von unbewussten Stereotypen und vorschnellen Urteilen zu entscheiden.
Wie lässt sich die „Allport-Skala“ im Alltag einordnen?
Die Skala kategorisiert feindliches Handeln von bloßer Verleumdung bis hin zur Vernichtung, wobei sie verdeutlicht, dass bereits leichte Formen der Vermeidung den Weg für stärkere Diskriminierung ebnen können.
- Citation du texte
- Lena Vogel (Auteur), 2019, Gordon W. Allport und die Vorurteilsforschung. Ein Überblick inklusive Praxistransfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130760