Die UN-Behindertenrechtskonvention. Eine Anleitung zur Inklusion für die Kirche?


Hausarbeit, 2019

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ziel und Relevanz
1.2 Gang der Arbeit

2 Die UN-Behindertenrechtskonvention

3 Kirche und Behinderung
3.1 Behinderung aus verschiedenen Sichtweisen
3.1.1 Behinderung aus Sicht der Kirche
3.1.2 Behinderung aus Sicht der UN-BRK
3.1.3 Behinderung aus Sicht von Dietmar Mieth
3.1.4 Überschneidungen und Unterschiede in den Definitionen
3.2 Der Umgang der Kirche mit Behinderung in Vergangenheit und Gegenwart.

4 Kirche und Inklusion
4.1 Was ist Inklusion und was fordert sie?
4.2 Ist die UN-BRK relevant für die Kirche?

5 Die Zukunft der inklusiven Kirche
5.1 Beispiel für gelungene Inklusion in der Kirche
5.2 Grenzen der Inklusion in der Kirche

6 Zusammenfassung und Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung der UNO- Generalversammlung (BRK), welches 2006 in New York verabschiedet und 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist1, liefert den Anlass für diese Seminararbeit. In diesem Übereinkommen wird festgehalten, dass die „Menschenrechte und Grundfreiheiten“2 der Menschen mit Behinderung besonders geschützt, gefördert und deren Achtung besonders gewährleistet werden müssen. In Artikel 3 dieser Konvention werden die „allgemeinen Grundsätze“3 aufgeführt, wobei „c) die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft“4 davon spricht, dass es die Pflicht der Vertragsstaaten sei, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren. Diese Teilhabepflicht wird noch an weiteren Stellen genauer definiert, doch diese erste Anmerkung veranlasste mich dazu, mich eingehender mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Frage, die sich daraus für diese Seminararbeit ergibt, ist, ob die UN- BRK bereits einen positiven Einfluss auf die Inklusionsentwicklung der Kirche hat, wenn ja, welche und wenn nicht, woran das liegt und welche Schlüsse daraus für die Zukunft gezogen werden könnten. Da diese Seminararbeit im Rahmen eines Theologiestudiums stattfindet, habe ich mich dazu entschieden zu überprüfen, welche Konsequenzen die UN-BRK auf die Praxisfelder der Kirche hat, welche Rolle Inklusion bis jetzt dabei gespielt hat und welche Rolle sie in Zukunft spielen könnte.

1.1 Ziel und Relevanz

Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, die vorangegangene Fragestellung möglichst zu beantworten und zu untersuchen, wie die Kirche diese Konvention umsetzt. Außerdem soll sie die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Thematik lenken und ihn dazu anregen, sich ebenfalls mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen. Des Weiteren soll diese Facharbeit dazu dienen, den Menschen die UN-BRK praxisnah zu erklären und welche Konsequenzen sich aus dieser für die Kirche ergeben haben oder sich ergeben sollten. Auch soll sie den Leser dazu inspirieren, sich in seinen Gemeinden für Menschen mit Behinderung engagieren zu wollen.

Das Thema dieser Seminararbeit hat eine hohe Relevanz, da durch die UN-BRK Umstrukturierungen im Alltag stattfinden und die Kirche auch von diesen betroffen ist. Zukünftig wird dieses Thema hoffentlich an Relevanz verlieren, da die Inklusion in allen Bereichen ganz selbstverständlich laufen wird. Falls dies nicht der Fall sein sollte, so behält diese Seminararbeit ihren hohen Relevanzfaktor, da sie dazu beitragen soll, die Aufmerksamkeit des Lesers dauerhaft auf dieses Thema zu lenken und ihn eventuell inspiriert, auch etwas für den Prozess der Inklusion tun zu wollen.

1.2 Gang der Arbeit

Zunächst werden die für die Seminararbeit relevantesten Abschnitte der UN-BRK näher erläutert und dargelegt, was diese konkret für die Kirche bedeuten könnten. Daraufhin wird Behinderung aus verschiedenen Sichtweisen definiert werden. Um eine eventuelle Entwicklung der Kirche in Bezug auf ihr Verhältnis zu Menschen mit Behinderung darstellen zu können, ist es notwendig, auch ihren heutigen und den vergangenen Standpunkt eingehender zu betrachten. Der darauffolgende Inhalt lässt sich unter der Überschrift “Kirche und Inklusion” zusammenfassen, denn aus den Beobachtungen über das kirchliche Bild über Behinderung durch die Jahre kann dann geschlussfolgert werden, ob es notwendig ist, die caritative Arbeit der Kirche zu verändern oder auszubauen. Danach wird der Zusammenhang zwischen BRK und Kirche dargestellt. Darauf aufbauend werden einige Möglichkeiten und Beispiele aufgezeigt, wie die UN- BRK umgesetzt werden kann und wo diese bereits umgesetzt wird. Daraus ergeben sich weitere Handlungsoptionen, wie Inklusion in der Kirche zukünftig umgesetzt werden kann. Dazu gehört auch eine kritische Reflexion, wie Inklusion zu Zeit funktioniert oder auch nicht funktioniert. Abschließend werden die erworbenen Kenntnisse noch einmal zusammengefasst und ein Fazit gezogen, um dem Leser die wichtigsten Erkenntnisse dieser Seminararbeit präsentieren zu können.

2 Die UN-Behindertenrechtskonvention

Die BRK basiert auf der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und soll die darin erklärten Rechte und Pflichten, angepasst auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung, spezifizieren. Sie versteht sich als Ergänzung der allgemeinen Erklärung, die nicht hierarchisiert betrachtet werden sollte, sondern dieser ebenbürtig ist. In der Präambel halten die Unterzeichner fest, dass „jeder Mensch ohne Unterschied Anspruch auf alle darin aufgeführten Rechte und Freiheiten hat“5. Aus dieser Grundannahme ergibt sich folglich, dass auch Menschen mit Behinderung einen Anspruch auf diese Rechte haben6. In dieser Präambel wird auch der Begriff Behinderung definiert. In Abschnitt e) heißt es: Behinderung [entsteht] aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilnahme an der Gesellschaft hindern.“7. Behinderung wird hier also nicht unter dem medizinischen Aspekt betrachtet, sondern als etwas dargestellt, dass man durch die richtige Hilfestellung überwinden kann. Die Art der Hilfestellung, die vom Staat, Institutionen, Unternehmen und Privatpersonen ausgehen soll, wird in den darauffolgenden Artikeln genauer bestimmt. Absatz i) weist auf die „Vielfalt der Menschen mit Behinderungen“8 hin und somit auch auf die Notwendigkeit, dass es Unterstützung vielfältiger Art bedarf, um die Rechte von Menschen mit Behinderung zu wahren. Der Absatz j) geht genauer darauf ein, indem er betont, wie wichtig es ist, auch die Menschen zu schützen, die „intensivere Unterstützung benötigen.“9 Auf der darauffolgenden Seite verweisen die Staaten auf die Gründe, warum es notwendig war, solch eine zusätzliche Konvention zu verfassen und was den Anlass dafür gegeben hat. Abschnitt k), l) und p) sowie Abschnitt t) und y) auf Seite 7 benennen als Hauptanlass die Tatsache, dass trotz der bereits bestehenden festgehaltenen und unterzeichneten Konventionen die Rechte der Menschen mit Behinderung nicht genügend geschützt und verteidigt werden.10 Die Möglichkeit der Beteiligung an bildungspolitischen Entscheidungen, die die Menschen mit Behinderung auch betreffen, ist in Absatz o) festgehalten und räumt diesen ein Entscheidungsrecht ein.11 Auf der nächsten Seite wird verbalisiert, wie wichtig es ist, auch die Angehörigen von Menschen mit Behinderung zu unterstützen, da Behinderung nicht nur den Einzelnen betreffe, sondern ein Kraftakt für das ganze Umfeld sei. Somit definiert die BRK Behinderung nicht nur als eine körperliche, geistige und psychische Einschränkung, sondern unterstreicht auch an dieser Stelle erneut, dass Behinderung ein Zusammenspiel zwischen Umwelt und dem Einzelnen ist.12

In den darauffolgenden Artikeln wird dargelegt, wie komplex und weitreichend eine Inklusion sein muss, damit sie Menschen mit Behinderung in jeder Lebenssituation gezielt unterstützen kann. Diese Artikel lassen sich teilweise in verschiedene Kategorien zusammenfassen. So lassen sich die ersten fünf Artikel unter dem Aspekt der Allgemeingültigkeit zusammenfassen, da sie die Sicherung der Grundfreiheiten absichern und definieren, auf welche Grundsätze man sich bei spezifischeren Artikeln beruft. Artikel 2 dient beispielsweise der Begriffsbestimmung [...]13, damit jeder Leser versteht, was gemeint ist, wenn man von „Sprache“14 oder „angemessenen Vorkehrungen“15 spricht. Getreu dem Vorbild der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird in verschiedenen Artikeln immer wieder die Notwendigkeit des Schutzes von Frauen und Kindern hervorgehoben.16 Ein besonderes Augenmerk der Verfasser liegt auf der Informationsverbreitung, um Vorurteile und Barrieren gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen und aufzuklären, wie man als Privatperson, Institution oder Unternehmen den Inklusionsvorgang voranbringen kann. Diesem Anliegen widmen sich mehrere Artikel, unter anderem Artikel 8), der festhält, wie verschiedene Institutionen diese „Bewusstseinsbildung“17 voranbringen können.18 Daran anschließend verpflichtet Artikel 9 alle Vertragsstaaten dazu, für mehr Barrierefreiheit zu sorgen, sei es beim „Zugang zur physischen Welt, zu Transportmitteln“19 oder auch zu „Information und Kommunikation“20. Ab Artikel 10 bis Artikel 17 dreht sich alles um das Schützen der Menschen mit Behinderung vor Gefahrensituationen wie Folter, rechtliche Anerkennung oder Freiheitsberaubung.21 Der Fakt, dass diese Artikel bereits so in ihrer Form in der allgemeinen Erklärung der Menschrechte festgehalten und dennoch in dieser Konvention auftauchen, beweist erneut die Notwendigkeit einer solchen zusätzlichen Konvention. Natürlich lässt sich dieses Argument auch auf alle anderen Artikel in der BRK anwenden, trotzdem springen gerade die Artikel ins Auge, die Schutz vor Gewalt fordern. Die darauffolgenden Artikel behandeln Themen wie Familie, Bildung und Arbeit22. Für den Großteil der Menschen ohne Behinderung ist es selbstverständlich, dass sie diese Rechte haben, doch für Menschen mit Behinderung ist dies ein weiterer Schritt in Richtung absolute Gleichstellung. Das Privileg zu haben, frei und selbstständig über das eigene Leben entscheiden zu können, ist für diese Menschen nicht selbstverständlich. Die letzten 13 Seiten beschäftigen sich hauptsächlich mit organisatorischen Dingen wie der Überprüfung der Entwicklung der Inklusion oder der Bildung eines Ausschusses, der Menschen mit Behinderung zukünftig vertreten soll23. Dennoch fallen einige Artikel auf, die nicht in diese Überkategorie passen. Artikel 29 und 30 dienen der Erfassung des Rechts auf Teilhabe am „kulturellen Leben“24, also das Recht auf Hobbys und Freizeit, wobei Artikel 29 explizit festhält, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf einen guten Lebensstandard haben, also auch auf Sozialleistungen.25

Diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten gesetzlich festhalten zu müssen, zeigt, wie weit Inklusion weltweit fortgeschritten ist und sollte die Mitgliedstaaten aufrütteln und motivieren, mehr für Menschen mit Behinderung zu tun. Die BRK sorgt für besonders viel mediale Aufmerksamkeit, da sie dem nicht-behinderten Leser deutlich vor Augen hält, wie privilegiert dieser ist und wie selbstverständlich dieser seine Rechte wahrnehmen kann.

[...]


1 Vgl. Dusel: Die UN-Behindertenrechtskonvention, S. 4.

2 Ebd., S. 5.

3 Ebd., S. 9.

4 Ebd., S. 9.

5 Ebd., S. 5.

6 Vgl. ebd., S. 5.

7 Vgl. ebd., S. 5.

8 Ebd., S. 6.

9 Ebd., S. 6.

10 Vgl. ebd., S. 6.

11 Vgl. ebd., S. 6.

12 Vgl. ebd., S. 7.

13 Vgl. ebd., S. 8.

14 Ebd., S. 8.

15 Ebd., S. 8.

16 Vgl. ebd., S. 11.

17 Ebd., S. 12.

18 Vgl. ebd., S. 12.

19 Ebd., S. 13.

20 Ebd., S. 13.

21 Vgl., ebd., S. 14-17.

22 Vgl. ebd., S. 19-24.

23 Vgl. ebd., S. 29.

24 Vgl. ebd., S 26.

25 Vgl. ebd., S. 25.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die UN-Behindertenrechtskonvention. Eine Anleitung zur Inklusion für die Kirche?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Theologisches Institut)
Veranstaltung
LuF Religionspädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V1131024
ISBN (eBook)
9783346500595
ISBN (Buch)
9783346500601
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Behinderung, Kirche, Behindertensrechtskonvetion, Inklusion
Arbeit zitieren
Louisa Maria Agathe Fiegen (Autor:in), 2019, Die UN-Behindertenrechtskonvention. Eine Anleitung zur Inklusion für die Kirche?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131024

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