Einbindung des Deutschunterrichts in das Lernfeldkonzept der Altenpflegeausbildung


Diplomarbeit, 2003

101 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die bisherige Regelung
2.1 Der Deutschunterricht in der beruflichen Ausbildung
2.1.1 Die Situation in den allgemeinbildenden Schulen
2.1.2 Auswirkungen auf die Situation in der Berufsausbildung
2.2 Der Deutschunterricht als selbständiges Nebenfach in der Altenpflegeausbildung
2.3 Heterogenität zwischen Altenpflegeschulen und Berufsschulen
2.4 mögliche Unterrichtsziele
2.4.1 Sprachlehre
2.4.1.1 Rechtschreibung
2.4.1.2 Leseverständnis
2.4.2 Bildung der Kommunikationsfähigkeit
2.4.2.1 Die Fähigkeit, Sachverhalte zu dokumentieren
2.4.2.2 Ausbildung der verbalen Fähigkeiten
2.4.3 Bildung der Fähigkeit zur Gesprächsführung
2.4.2.1 Aufnahmegespräche
2.4.2.2 Dienstbesprechungen
2.4.2.3 Dienstübergaben
2.4.2.4 Beratungsgespräche
2.4.4 Bildung der Fähigkeit zum Selbststudium
2.4.4.1 Umgang mit Fachliteratur
2.4.4.2 Textanalyse und Textbearbeitung

3. Die neue Regelung
3.1 Die Altenpflege-Ausbildung- und Prüfungsverordnung vom 27.11.2002 (Bundesgesetzblatt 2002 Teil I Nr. 81)
3.2 Die Ziele und Inhalte der Lernfelder
3.2.1 Aufgaben und Konzepte in der Altenpflege
3.2.1.1 „Theoretische Grundlagen in das altenpflegerische Handeln einbeziehen.“
3.2.1.2 „Pflege alter Menschen planen, durchführen, dokumentieren und evaluieren“
3.2.1.3 „Alte Menschen personen- und situationsbezogen pflegen.“
3.2.1.4 „Anleiten, beraten und Gespräche führen.“
3.2.1.5 „Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken“
3.2.2 Unterstützung alter Menschen bei der Lebensgestaltung
3.2.2.1 „Lebenswelten und soziale Netzwerke alter Menschen beim altenpflegerischen Handeln berücksichtigen.“
3.2.2.2 „Alte Menschen bei der Wohnraum- und Wohnumfeldgestaltung unterstützen.“
3.2.2.3 „Alte Menschen bei der Tagesgestaltung und bei selbstorganisierten Aktivitäten unterstützen“
3.2.3 Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen altenpflegerischer Arbeit“
3.2.3.1 „Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen beim altenpflegerischen Handeln berücksichtigen.“
3.2.3.2 „An qualitätssichernden Maßnahmen in der Altenpflege mitwirken“
3.2.4 Altenpflege als Beruf
3.2.4.1 „Berufliches Selbstverständnis entwickeln“
3.2.4.2 „Lernen lernen“
3.2.4.3 „Mit Krisen und schwierigen Situationen umgehen.“
3.2.4.4 „Die eigene Gesundheit erhalten und fördern“
3.3 Lernfeldumsetzung in handlungssystematischen Unterricht

4. Vernetzungsmöglichkeiten des Deutschunterrichts
4.1 Pflegeplanung
4.2 Dokumentation
4.3 Beratung
4.4 Kommunikation
4.5 Selbststudium
4.6 Methodik
4.6.1 Projektunterricht
4.6.2 Rollenspiele
4.6.3 Notieren – Transkribieren – Sammeln

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Deutschunterricht ist ein Hauptfach in der allgemeinen Schulausbildung. Jeder Schüler erlebt dieses Fach unterschiedlich. Zunächst ist die Sprachlehre die Grundlage dieses Faches. Auf ihr basiert die Vermittlung der Fähigkeit, ein Buch zu lesen und einen Brief zu schreiben. Im Zuge einer zehn- bis dreizehnjährigen Schulausbildung vervollkommnet sich diese Befähigung und versetzt den Schüler im Allgemeinen in die Lage, komplexe Texte zu verstehen und ihren Inhalt völlig zu erfassen. Lesen und Schreiben sind also die Grundfertigkeiten, die mit dem Abschluss der Grundschule vom Schüler perfekt beherrscht werden sollen. Dass dies bei weitem nicht in jedem Fall so zutrifft, hat nicht nur die Pisa-Studie gezeigt. Auch bei anderen Gelegenheiten zeigt sich ein erheblicher Mangel an Lese- und Schreibfähigkeiten bei Menschen, die die Grundschule längst hinter sich haben. Die Gründe für diese Probleme im Bereich des Lesens und Schreibens sind immer wieder Gegenstand von Forschungsprojekten. Die Unterhaltungsmedien in Form von Fernsehen und Computerspielen, die die Kinder davon abhalten zu lesen, sind nur ein Aspekt von vielen. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass es in Deutschland aktuell etwa vier Millionen Analphabeten gibt.

Die Schwierigkeit, längere Texte zusammenhängend konzentriert zu lesen und dann auch völlig zu verstehen, begleitet viele Schüler durch die gesamte Schulzeit und setzt sich natürlich konsequent in der Berufsausbildung fort. Hier wird zwar erwartet, dass die allgemeinbildenden Schulen den Schüler nicht ohne grundlegende Fähigkeiten in den Disziplinen Deutsch und Rechnen ins Berufsleben entlassen haben. Gleichwohl wird man immer wieder eines besseren belehrt und bietet das Fach Deutsch in jeder Berufssparte als Neben- und nicht selten als Hauptfach an. Zu beachten ist hierbei die Heterogenität zwischen den verschiedenen Berufsausbildungen in Bezug auf die Inhalte des Deutschunterrichtes. In Berufen, in denen das Lesen, Verstehen und die Verschriftlichung von komplexen Sachzusammenhängen als Schlüsselqualifikation gilt, wird im Deutschunterricht in der Berufsausbildung weniger die Rechtschreibung vermittelt. Diese Fähigkeit wird vorausgesetzt. Vielmehr geht es hier um die Fähigkeit, Fachtexte in ihrem Zusammenhang zu verstehen und sie als literarische Grundlage für das Selbststudium folgerichtig zu verwerten. Alle Verwaltungs- und kaufmännischen Berufe sind hier besonders angesprochen. Die entsprechende theoretische Ausbildung findet häufig in der Fachoberschule, in Verwaltungsschulen und diversen Berufsfachschulen statt. Die Schüler kommen zum größten Teil vom Gymnasium und seltener von der Realschule. Diese Schulabschlüsse sind seit Jahren Voraussetzung für den Erhalt eines solchen Ausbildungsplatzes. Noch in den 70er Jahren konnten gute Hauptschüler eine Lehrstelle in der öffentlichen Verwaltung oder im Bankwesen bekommen. Heute stellt sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt so dar, dass Hauptschüler kaum noch eine Möglichkeit haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Sowohl im Handwerk als auch im Dienstleistungsbereich werden die Schüler mit einem höheren Schulabschluss bevorzugt. Die meisten Hauptschüler bleiben bei der Suche nach Ausbildungsplätzen häufig erfolglos. Sie haben nach Abschluss der Schule keine andere Wahl, als in einer Berufsschule ein sog. Berufsvorbereitungsjahr zu absolvieren. Hier tritt zu Tage, dass nicht nur die fehlende Zukunftsperspektive und die daraus resultierende Motivationslosigkeit sondern auch ein oft erhebliches Bildungsdefizit alle Unterrichtsbemühungen erschwert.

Solche Klassen setzen sich aus Hauptschülern, Hauptschulabgängern, Sonderschülern und Sonderschulabgängern zusammen. Der Deutschlehrer wird in der Regel kaum den Versuch machen, den Schülern die deutsche Rechtschreibung nahe zu bringen oder die Lesekompetenz erheblich zu fördern. Vielmehr wird er versuchen, den Schülern ein wenig Sprachkompetenz zu vermitteln. In den Fachklassen, in denen alle Schüler über einen Schulabschluss verfügen, stellt sich die Situation nur unwesentlich besser dar. Auch hier tritt eine weitgehend schwache Lese- und Schreibkompetenz zutage.

In der Altenpflege stellt sich die Situation so dar, dass die Klassen oft ein sehr starkes Bildungsgefälle haben. Vom Hauptschul- bis zum akademischen Abschluss ist hier alles vertreten. Hinzu kommt ein wachsender Anteil von Spätaussiedlern, die oft über eine sehr begrenzte Sprachkompetenz verfügen. Die Aufgabe des Deutschlehrers ist hier, das Bildungsgefälle zu überwinden, ohne den einzelnen Schüler zu unterfordern oder zu überfordern. Gleichzeitig muss er die Schüler in die Lage versetzen, Pflegemaßnahmen fachgerecht zu dokumentieren, professionell zu kommentieren und die eigene Argumentation klar und nachvollziehbar zu verschriftlichen. Außerdem soll dem Schüler die Fähigkeit vermittelt werden, mit Bewohnern, Angehörigen und Kollegen verbal verständlich und sicher zu kommunizieren.

Seit über zehn Jahren gehört der Deutschunterricht in den Fächerkontext der Altenpflegeausbildung. Man trug damit nicht zuletzt der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion in die Altenpflegeschulen kamen. Gleichzeitig nahm auch die Zahl der Schüler zu, die als Langzeitarbeitslose vom Arbeitsamt in eine Ausbildung zum Altenpfleger „geschickt“ wurden.

Das Fach Deutsch war von Anfang an ein selbständiges Fach. Gleichwohl erwies es sich sofort als sinnvoll, im Deutschunterricht auf das Hauptfach Pflege und die anderen Fächer so weit wie möglich einzugehen. So wurden schon bisher Texte der jeweiligen Fächer dem Unterricht zu Grunde gelegt.

Das neue Lernfeldkonzept der Altenpflegeausbildung stellt nun an den Deutschunterricht die zwingende Anforderung, sich mit den einzelnen Lernfeldern und den entsprechenden Unterrichtsinhalten zu vernetzen.

2. Die bisherige Regelung

Während das Arbeiten in Lernfeldern in den Berufsschulen bereits seit langem weitgehend praktiziert wird, betritt die Altenpflegeausbildung mit einer bundesweiten Regelung seit diesem Jahr Neuland. Bemühten sich die Deutschpädagogen in den Berufsschulen, ihren Unterricht immer auf das jeweilige Hauptfach anzuwenden, war es den Altenpflegeschulen bisher freigestellt, wie der Deutschunterricht umgesetzt wurde.

Förderung der Allgemeinbildung ist zunächst eine wesentliche Zielsetzung des Deutschunterrichts in der Berufsausbildung. Die Schüler sollen lernen, Fachliteratur selbständig für ihre eigenen Studien zu verwerten, sich adäquat schriftlich und verbal auszudrücken, den fachspezifischen Schriftverkehr zu beherrschen, Protokolle und Berichte zu verfassen und mit Fachterminologie korrekt umzugehen. Tatsächlich stehen sowohl Berufsschulen als auch die Fachschulen für Altenpflege immer öfter vor der Situation, dass diese Unterrichtsinhalte hinter der Vermittlung von Grundkenntnissen erheblich zurückstehen müssen.

2.1 Deutschunterricht in der beruflichen Ausbildung

Um die unbefriedigende Situation des Deutschunterrichts in den Berufsbildenden Schulen verstehen zu können, ist zunächst ein Blick in die Situation der allgemeinbildenden Schulen hilfreich:

2.1.1 Die Situation in der allgemeinbildenden Schule

Die Pisa-Studie hat es an den Tag gebracht: die Jugendlichen und Kinder in unserem Lande verfügen über eine mangelhaften Lesekompetenz. Hiermit ist natürlich auch eine beklagenswerte Schreibkompetenz verbunden. Wie ist das zu erklären? Wird in den allgemeinbildenden Schulen Deutsch nicht als Hauptfach unterrichtet? Zahlreich sind die Erklärungsversuche zu diesem Problem. Ein starkes Argument ist der Hinweis auf die Reizüberflutung und das hohe Ablenkungspotential der elektronischen Medien. Tatsächlich kann ein Kind heute ununterbrochen fernsehen. Gab es in den 60er Jahren drei Programme, in denen nur eine bis zwei Stunden am Tag das sog. Kinderfernsehen lief und bedenkt man, dass damals nur ca. jeder fünfte Haushalt einen Fernseher besaß, bildet das Fernsehen heute eine nie versiegende Quelle an Ablenkungsmöglichkeiten, deren pädagogischer Wert zum großen Teil sehr fragwürdig ist. Hinzu kommen Computerspiele, die die geistige Entwicklung eines Kindes kanalisieren, indem es den Joystick bis zur Perfektion beherrscht, gleichzeitig aber immer weniger in der Lage ist, analytisch zu denken. War das Lesen eines Buches vor dreißig Jahren noch eine durchaus konkurrenzfähige Freizeitbeschäftigung auch von Teenagern, beklagt der Buchhandel heute einen permanenten Rückgang der Verkaufszahlen in Bezug auf Kinder- und Jugendliteratur. Ausnahmen wie „Harry Potter“ bestätigen nur die Regel.

Die Bewertungskriterien für ein Deutschdiktat stellten sich damals so dar, dass der Schüler für ein fehlerfreies Diktat die Note Eins bekam, bei einem Fehler eine Zwei und bei zwei Fehlern oft schon eine Drei. Diktate mit mehr als drei Fehlern waren selten und eine Fehlerausbeute von über zehn war bereits außergewöhnlich. „Heute wird ein Diktat mit 13 bis 20 Fehlern mit der Note mangelhaft und bei mehr als 20 Fehlern mit der Note ungenügend bewertet. Dabei vereinfachen die Deutschlehrer im Vorfeld das Diktat dergestalt, dass sie schwierige Wörter durch einfachere ersetzen, da sonst die Gefahr besteht, dass eine zu große Anzahl von Schülern ein mangelhaftes oder ungenügendes Ergebnis erzielen und die Arbeit dann nicht mehr gewertet werden kann.

In einem Halbjahr werden in der Regel zwei Hauptdiktate und drei Übungsdiktate geschrieben. Diese werden natürlich nicht gewertet. Sie dienen der direkten Vorbereitung auf die Hauptdiktate. Nicht selten wird ein Hauptdiktat postum zu einem Übungsdiktat erklärt, da die Schüler überwiegend mit dem Text überfordert waren.

In jeder Klasse gibt es Schüler, die eine ausgeprägte Lese- und Schreibschwäche haben und die kein Diktat mit weniger als 20 Fehlern zustande bringen können. Betrachtet man die familiären Rahmenbedingungen, handelt es sich meistens um solche Kinder, die tagsüber weitgehend unbeaufsichtigt sind und die ihre Freizeit überwiegend mit dem Computer und der Fernbedienung des Fernsehers verbringen. Solchen Schülern, die stets unter einer erheblichen Konzentrationsschwäche leiden, wird ein freiwilliger Förderunterricht nach der sechsten Stunde angeboten. Dieser Förderunterricht beschränkt sich im Wesentlichen darauf, anstehende Diktate auf verschiedene Weise zu üben. Schwierige Wörter werden z.B. auf Karten den Schülern spielerisch nahegebracht, das nächste Diktat wird mit den Schülern vorab probeweise geschrieben und in besonders schweren Fällen wird das demnächst anstehende Diktat dem jeweiligen Schüler mit nach Hause gegeben, damit er die Chance bekommt, es einmal mit weniger als 20 Fehlern zu schaffen.“[1]

2.1.2 Auswirkungen auf die Situation in der Berufsausbildung

Die Situation der jungen Menschen in Schule und Ausbildung ist natürlich eine andere als die, der Menschen im 18. und 19. Jahrhundert, als das gedruckte Wort die Urteilsbildung der Menschen beeinflusste. Prof. Hilmar Grundmann geht in seinem Buch „neue Anforderungen an den Deutschunterricht berufsbildender Schulen“ auf diese Tatsache ein. Schließlich gibt das Fernsehen heute dem jungen Menschen alle Informationen, die er oft unkritisch anzunehmen bereit ist. „Nicht das Lesen sondern das Sehen ist für uns heute Ausgangspunkt für unsere Ideologie und Überzeugungen, und es gibt nichts mehr, was nicht durch die Perspektive des Fernsehens geprägt wird.“[2] Diese Entwicklung muss alarmieren. Das Denken wird einfacher strukturiert. Wer nicht liest und seine Informationen allein aus dem Fernseher bezieht, bekommt ein überschaubares Weltbild und findet auf komplexe Fragen sehr vereinfachte Antworten. „Heutzutage wäre es unvorstellbar, einen Mann wie den 27. Präsidenten der USA, den zweieinhalb Zentner schweren William Howard Taft mit seinem Doppelkinn, als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Die äußere Gestalt eines Menschen ist weitgehend irrelevant für die Gestalt seiner Ideen, solange sich dieser Mensch schreibend oder im Radio an sein Publikum wendet. Anders als im Fernsehen.“2

Spätestens in der Berufsausbildung wird der Jugendliche den Mangel an Denkfähigkeit spüren, denn die Lernanforderungen, die an ihn gestellt werden, erfordern die Fähigkeit, Lerninhalte zu analysieren und zu verinnerlichen.

Darum ist es zunächst noch einmal nützlich, sich die Ziele des Deutschunterrichtes in der Berufsausbildung vor Augen zu führen. Warum sollen erwachsene Menschen, die von klein auf Deutsch verstehen und sprechen, die in der Schule lesen und schreiben gelernt haben und daher mit der deutschen Grammatik vertraut sein müssen, Deutsch lernen? „Deutsch sprechen und verstehen, lesen und schreiben zu können ist eine Sache, die deutsche Sprache beherrschen ist eine andere Sache.“[3] Diesen Grundsatz kann jeder unterstreichen, der schon einmal einen Antrag frei formulieren musste, der einen Lebenslauf abfasste oder ein Protokoll führte. Auch wer einen komplizierten Sachverhalt erklären sollte oder eine eigene Meinung in einer Diskussionsrunde vertreten und begründen wollte. Der junge erwachsene Mensch soll vermittelt bekommen, dass die Beherrschung der Deutschen Sprache nicht nur ein Mittel ist, seine eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen mitzuteilen, sondern auch Grundlage zur Anknüpfung und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte. Darüber hinaus ist die Sprache Mittel zur Gewinnung, Speicherung und Nutzung eigener und fremder Erkenntnisse und Erfahrungen.

Wie bereits erwähnt, stellt sich die Situation in den Berufsbildenden Schulen jedoch so dar, dass die Schüler zum großen Teil über erhebliche Lese- und Schreibdefizite verfügen. Arbeitgeber beklagen seit Jahren dieses Problem, das sich natürlich auch an den Arbeitsplätzen der Auszubildenden negativ bemerkbar macht. In einem innerbetrieblichen Schreiben ging der Bertelsmann-Verlag auf dieses Problem wie folgt ein: „Der Deutsche Industrie- und Handelstag steht mit seiner Aussage, die schulischen Leistungen in Deutsch und Mathematik hätten in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich nachgelassen, sicherlich nicht alleine da. Dramatische Defizite stellen Handel, Handwerk und Industrie nicht nur, aber vor allem in der Muttersprache fest. Es hapert an der Rechtschreibung, aber auch an Grammatik, Satzbau und logischer Gedankenführung.

An den Schulen werde zu wenig Grundwissen gelehrt, kritisiert die Wirtschaft. Die Bedürfnisse der Betriebe werden in den allgemeinbildenden Schulen zu wenig beachtet.

Einstellungstests zeigen auch in unserem Hause: Schulabgänger haben erhebliche Schwächen in Rechtschreibung, Grammatik und Mathematik. Obwohl nur die Bewerber zum Auswahlverfahren eingeladen werden, deren Noten in den Fächern Deutsch und Mathematik mindestens befriedigend sind, erzielte fast die Hälfte (46 %) aller eingeladenen Bewerber 1997 im Diktat mangelhafte bzw. ungenügende Leistungen. Der Schulalltag und die betriebliche Praxis belegen weiterhin: In einer Vielzahl von Fällen sind die Deutschkenntnisse der Auszubildenden verbesserungswürdig, vor allem vor dem Hintergrund, dass in einem Medienunternehmen die Sprache eine zentrale Rolle spielt.

Um diese Defizite auszugleichen, haben wir das Fach Deutsch in unseren Stundenplan aufgenommen. Die Unter- und Mittelstufen werden vom Schuljahr 1998/99 jeweils ein halbes Jahr in kfm. Schriftverkehr, Verfassen von Protokollen, Aktennotizen und Fachberichten unterrichtet, wobei der Schwerpunkt auf der Rechtschreibung und Zeichensetzung liegt.“[4]

„Es gibt unter dem Dach einer Berufsbildenden Schule verschiedene Schultypen mit unterschiedlichen Zielsetzungen. In den sog. BVJ-Klassen (Berufsvorbereitungsjahr) finden sich Schüler, die nach ihrer Entlassung aus der Schule hier eine gewisse Vorbereitung auf das Berufsleben vermittelt bekommen. Sie besitzen durchweg keinen Hauptschulabschluss, manche haben einen Sonderschulabschluss oder sie sind vor der Zeit von der Sonderschule abgegangen. Alle diese Schüler sind im Durchschnitt 15-16 Jahre alt, es besteht noch eine Schulpflicht und ein Ausbildungsplatz steht nicht zur Verfügung. Der einzelne Schüler betrachtet ein solches Berufsvorbereitungsjahr als ein überflüssiges und sinnloses Übel und keineswegs als Chance, einen Schulabschluss zu bekommen und ins Berufsleben eingegliedert zu werden. Die BVJ-Klassen sind im Durchschnitt sehr leistungsschwach. Schon deshalb existiert ein Lehrplan für das BVJ nicht, den Lehrern ist die Planung des Unterrichts weitgehend selbst überlassen. Ein Deutschunterricht, der die Vermittlung von Lese- und Schreibkompetenz durch Leseübungen und Diktate zum Ziel hat, ist aussichtslos. Das einzige Ziel kann sein, die Schüler sprachlich etwas kompetenter zu machen.

In den reinen Berufsschulklassen interessieren sich die Schüler hauptsächlich für alle Unterrichte, die sich unmittelbar mit dem Berufsfach befassen. Auch hier wird der Deutschunterricht als sinnlos angesehen. Die meisten Berufsschüler glauben offensichtlich, dass der Deutschunterricht ein Fach ist, das ausnahmslos in die allgemeinbildende Schule gehört und mit Ende der Schulausbildung dort seinen endgültigen Abschluss findet. Wie groß ist die innere Auflehnung, besonders bei Schülern, die mit diesem Fach immer Schwierigkeiten hatten, wenn sie in der Berufsschule erneut mit dem Deutschunterricht konfrontiert werden. Hier kommt es dann darauf an, den Deutschunterricht mit dem jeweiligen Fachunterricht zu koppeln. Das ist z.B. möglich dadurch, dass man die Fachberichte, die jeder Auszubildende regelmäßig erstellen und vorlegen muss, mit den Schülern erarbeitet. Besonders aufnahmebereit sind die Berufsschüler natürlich, wenn sie im Deutschunterricht auf die Prüfung hin vorbereitet werden und hier z.B. Fachbegriffe geklärt und dem Schüler verständlich gemacht werden. Natürlich bedeutet dies für den Deutschlehrer einen erheblichen Arbeitsaufwand, denn er muss sich in eine für ihn fremde Thematik einlesen.

In den Fachoberschulen befinden sich Schüler, die den Realschulabschluss haben und zum Teil über eine Berufsausbildung verfügen. Ihr Ziel ist die Fachhochschulreife. Hier ist Deutsch eines der Hauptprüfungsfächer. Der Unterricht unterliegt klaren Rahmenrichtlinien. Literaturarbeit, umfassende Hausarbeiten und Klausuren vermittelten den Schülern einen tieferen Zugang zur Sprache. In dem Bereich der FOS erfüllt der Deutschunterricht im Großen und Ganzen die Erwartungen, die eigentlich für den gesamten Bereich der Erwachsenenbildung an ihn gestellt werden.

Im gesamten Erwachsenenbildungsbereich überwiegt jedoch die Ansicht, dass der Deutschunterricht sinnlos ist.“[5]

2.2 Der Deutschunterricht als selbständiges Nebenfach in der Altenpflegeausbildung

Die Professionalität in der Pflege setzt einen differenzierten und souveränen Sprachgebrauch voraus. Die sprachlichen Anforderungen sind daher ständig gewachsen:

Bereits 1808 „wurden in den Orden der Clemensschwestern nur junge Frauen aufgenommen, die in der Lage waren, handschriftliche Aufzeichnungen von Ärzten zu entziffern und selber leserlich zu schreiben.“

Gute Fertigkeiten im Lesen und Schreiben verlangte das Kaiserswerther Diakonissenmutterhaus seit 1936 ebenfalls als Aufnahmevoraussetzung. Bei Bedarf wurde während der ‚Ausbildung Deutschunterricht erteilt.

Fertigkeiten im Lesen und Schreiben auf Volksschulniveau waren seit 1859 unerlässliche Voraussetzung für die Aufnahme in den Badischen Frauenverein (Rotes Kreuz).

Der Evangelische Diakonieverein in Berlin-Zehlendorf verlangte seit 1894 von Bewerberinnen allgemeine Bildung „gemessen an der Fähigkeit, eigene Gedanken klar und geordnet in deutscher Sprache niederzuschreiben.“

Der Weltverband der Frauen (International Council of Women), dem damals die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (heute deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK) angehörte, forderte 1904 eine „gute Allgemeinbildung für jede Krankenschwester.“

Der Bundesrat legte 1906 den Volksschulabschluss als Ausbildungsvoraussetzung fest. „Die Schülerinnen sollten die Gewandtheit in der Beschreibung von Personen und Geräten erlangen. In der mündlichen Prüfung sollten sie Verhaltensregeln gegenüber den Kranken, Angehörigen, Ärzten, Geistlichen und Mitpflegerinnen nennen. Über wichtige Vorkommnisse während der praktischen Prüfung war eine Niederschrift anzufertigen.“

Die Kaiserswerther Generalkonferenz der Diakonissenmutterhäuser sprach sich dann 1907 dagegen aus, „während der Ausbildung Unterricht in Grundlagenfächern, z.B. Deutsch, zu erteilen. Allgemeine Bildung und Pflegeausbildung sollten nicht vermengt werden.“ Damals wurden in den Mutterhäusern während der Ausbildung noch häufig allgemeinbildende Fächer unterrichtet.

Im „Dritten Reich“ (1938) und in der Bundesrepublik (1957/59) blieben die gesetzlichen Regelungen bei der Volksschulbildung als Einstiegsvoraussetzung erhalten. Es wurde auch der Pflegebericht während der Praktischen Prüfung beibehalten.

In der Krankenpflegeausbildung der DDR wurden 1951 bis 1989 die Fächer Deutsch und Russisch und bis 1961 auch „schriftliche Arbeiten“ unterrichtet.

Das novellierte bundesdeutsche Krankenpflegegesetz schrieb 1965/66 für die Aufnahme der Ausbildung den Realschulabschluss vor. „Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung verlangt die Anfertigung eines Pflegeberichts bei der praktischen Prüfung, der vom verantwortlichen Arzt bestätigt werden muss.“

Das neue Krankenpflegegesetz fordert seit 1985 von den zukünftigen Krankenpflegekräften den Realschulabschluss. Das Fach „Sprache und Schrifttum wird in die Krankenpflegeausbildungs- und -prüfungsverordnung“ mit insgesamt 20 Stunden aufgenommen, in dem „Berichterstattung, Vortrag/Diskussion, Fachterminologien und Fachliteratur“ zu unterrichten sind. Dem Fach Psychologie ist das Thema „Kommunikation“ zugeordnet. Sprachbezogene Inhalte finden sich noch in weiteren Fächern. Im Zusammenhang mit der praktischen Prüfung muss eine Pflegeplanung erstellt werden.

Der Bundesausschuss der Länderarbeitsgemeinschaften der Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe legt 1994 einen Bildungsplan „Pflege mit System“ vor, in dem er im Zusammenhang mit einer Ausbildungsreform neben der Behandlung von Pflegefachsprache und -literatur, Dokumentation und Kommunikation auch die Einführung von berufsbezogenem Deutschunterricht (Voraussetzung für die Verleihung der Fachhochschulreife) fordert.“[6]

Die Altenpflegeausbildung ist erst seit dem 01. Januar d.J. bundeseinheitlich geregelt. Daher ist der Deutschunterricht in den einzelnen Bundesländern früher oder später eingeführt worden. In Nordrhein-Westfalen z.B. gibt es seit 1990 das Fach Deutsch in der Altenpflegeausbildung. Andere Länder haben den Deutschunterricht erst später als Nebenfach der Altenpflegeausbildung eingeführt.

Die Altersspanne reicht von ca. 20 Jahren bis über 50 Jahre. Dabei handelt es sich um Schüler, die zum Teil unmittelbar aus der Schule in die Pflegeausbildung gehen. Andere kommen aus dem Berufsleben und absolvieren die Ausbildung im Rahmen einer Umschulungsmaßnahme, wieder andere sind als Hausfrau und Mutter vor Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden und wollen noch einmal einen Neuanfang starten. Hinzu kommt eine hohe Anzahl an Aussiedlern, die oft eine besondere Neigung zu der Pflege alter Menschen haben, zugleich jedoch die deutsche Sprache nur unvollkommen beherrschen. Besonders unter den „Russland-Deutschen“ befinden sich viele Schüler mit einem akademischen Abschluss. So gehen auffallend viele LehrerInnen in die Altenpflegeausbildung. Auch bei den deutschen Schülern sind akademische Abschlüsse zu verzeichnen. Eine Zugangsvoraussetzung für die Altenpflegeausbildung in den meisten Bundesländern ist der Hauptschulabschluss. Allerdings muss der Hauptschüler entweder über eine Berufsausbildung oder einen zweijährigen Besuch einer Sozialpflegeschule verfügen. Ein Schüler mit Realschulabschluss benötigt nur ein Jahr Sozialpflegeschule und der Schüler mit Abitur kann unmittelbar von der Schule in die Ausbildung gehen. So besteht in den Altenpflegeklassen oft nicht nur ein erhebliches Alters-, sondern auch ein Bildungsgefälle. Welche Anforderungen stellt diese Bedingungsanalyse an die Deutschlehrer an Altenpflegeschulen? Eine Deutschlehrerin antwortete auf die Frage, welchen Sinn sie darin sehe, erwachsenen Schülern in der Ausbildung Deutschunterricht zu vermitteln, wie folgt:

„Ich finde, dass die Altenpflegeschüler bestimmte Kompetenzen brauchen. Dabei beziehe ich mich auf die Pisa-Studie, die ja besagt, dass die Kinder und Jugendlichen keine Lesekompetenz haben. Diese Kompetenz brauchen aber gerade die Altenpflegeschüler, denn sie müssen mit komplexen Fachtexten arbeiten. Sie müssen sie im Zusammenhang verstehen können und die Bedeutung der Fremdwörter kennen. Im ersten Ausbildungsjahr lege ich besonderen Wert auf das Lesen von Graphiken und Tabellen. Diese Übungen machen gerade vor dem Hintergrund der Pisa-Studie Sinn. Im zweiten Ausbildungsjahr lege ich einen Schwerpunkt auf die schriftliche Kommunikation. Hier ist die Dokumentation ganz wichtig. Alles muss dokumentiert werden und der Altenpflegeschüler muss lernen, was wie dokumentiert werden muss und welche Bedeutung die Sprache in der Dokumentation hat? Was bedeutet Sprache an sich? Im dritten Jahr dann macht der Umgang mit literarischen Texten Sinn, besonders in der Literaturarbeit mit älteren Menschen. Was lesen ältere Menschen? Was haben sie gelesen? Leider ist dies sehr zeitaufwendig und diese Zeit fehlt manchmal. Aber ich habe einmal mit einer Klasse Geschichten für ältere Menschen zusammengestellt.“

Auf die Frage, ob die Schüler den Deutschunterricht annehmen oder ihn eher als überflüssig betrachten, erklärte sie:

„Zunächst ist da immer die besorgte Frage, ob jetzt Diktate geschrieben werden oder ob man jetzt etwa die neue Rechtschreibung lernen muss? Ich sage dann: „ja“. Unter meinen SchülerInnen sind viele Eltern. Ihnen erkläre ich: „Als Eltern könnt ihr euren Kindern nicht mehr helfen, wenn ihr es jetzt nicht lernt“. Solche pragmatischen Argumentationen sehen gerade die Eltern unter den Schülern in der Regel ein. Mit der Zeit sehen alle Schüler den Deutschunterricht als sinnvoll an.“[7]

Die befragte Deutschlehrerin erklärte im Weiteren, dass ihre Unterrichtsschwerpunkte zunächst auf dem Thema „Lernen lernen“, also die Vermittlung verschiedener Lerntechniken liegen. Besonders die Lesekompetenz soll gefördert werden. Hierzu werden zum Teil schwierige Texte, z.B. aus dem Bundesbericht über die Demenz, zu Grunde gelegt. Auch die Interpretationen von Pressemitteilungen sind eine effektive Übung zur Förderung der Lesekompetenz. Das Schwerpunktthema „Dokumentation“ wird vor den einzelnen Praktika verstärkt durchgenommen.

Wie fördert die Deutschlehrerin solche Schüler, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben? Hier sind besonders Aussiedler angesprochen.

„Ich gehe mit den Betroffenen die Texte gesondert durch. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass sie Ruhe beim Lesen brauchen. Sie brauchen das Gefühl, dass es nicht schlimm ist, langsam zu lesen. Man muss wissen, dass sie ihre Texte zunächst ins Russische übersetzen um sie dann wieder ins Deutsche zu übertragen. Sie können, wenigstens zu Anfang, nicht Deutsch denken und lesen. Das geht eigentlich erst nach drei Jahren. Mit der Zeit merken sie, wie ihre Sprachfertigkeit zunimmt, was nicht immer ohne familiäre Konflikte geht. Tatsächlich habe ich es in der Berufsschule, in der Altenpflege, in der Heilerziehungspflege erlebt, dass die Frauen nach und nach eine bessere Sprachkompetenz als ihre Männer bekamen. Nicht nur sie selbst bemerkten das, vor allem ihre Männer registrierten mit großem Unwillen diese Tatsache. Auch junge Schülerinnen berichten, dass sie nicht selten mit ihren Partnern Probleme bekommen. Die Partner verstehen sie nicht mehr. „Du sprichst völlig anders, seit Du in der Ausbildung bist.“6

Um Unterschiede zwischen der Situation in den Altenpflegeschulen und den Berufsschulen deutlich machen zu können, wurden im Vorfeld zwei Interviews geführt. Befragt wurden zwei Deutschlehrerinnen, von denen eine in der Altenpflegeausbildung und eine in der Berufsschule tätig ist.

2.3 Heterogenität zwischen Altenpflegeschulen und Berufsschulen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es ist offensichtlich, dass die Schüler in den Altenpflegeschulen durchweg älter als die Schüler in den Berufsschulen sind. Lese- und Schreibprobleme sind hier nicht in erster Linie intellektuell bedingt, sondern vor allem bei ausländischen Schülern und Aussiedlern zu beobachten, die von sich aus daran arbeiten, diesen Mangel auszugleichen. Prof. Hilmar Grundmann weist allerdings darauf hin, dass die Annahme abwegig ist, „als ließen sich über die Förderung von Rechtschreibekenntnissen, wie sie für deutschsprachige Berufsschüler mit Rechtschreibeschwächen angebracht sind, die Sprachprobleme insgesamt bei den ausländischen Berufsschülern aus der Welt schaffen.“[8]

Schulabschlüsse beginnen in der Altenpflegeschule mit dem Hauptschulabschluss. Schüler ohne Hauptschulabschluss erfüllen von vorne herein keine Zugangsvoraussetzung für die Altenpflegeausbildung. Viele Altenpflegeschüler kommen aus anderen Berufen und bringen daher schon eine gewisse Erfahrung in der Erwachsenenbildung mit. Daher sieht die Lehrerin in der Altenpflegeausbildung eher einen Sinn in ihrem Unterricht, weil die Grundvoraussetzungen für den Umgang mit der Sprache bei den Altenpflegeschülern grundsätzlich gegeben ist, während in der Berufsschule viel Zeit damit verbracht werden muss, bei zahlreichen Schülern diese Grundvoraussetzungen erst zu schaffen. Interessant ist, dass beide Lehrerinnen in diesem Zusammenhang sagen, dass ihnen keine brauchbaren Schulbücher des Faches Deutsch zur Verfügung zu stehen.

In beiden Schulen wird nach den jeweils gültigen Rahmenrichtlinien gearbeitet, wobei die Deutschlehrerinnen ihren Unterricht sinnvoller Weise in Absprache mit den Kollegen auf die anderen Fächer abstimmen.

Daher ist für die Deutschlehrerin in der Altenpflegeausbildung die Einbettung ihres Unterrichtes in das neue Lernfeldkonzept kein Schritt auf völliges Neuland.

2.4 mögliche Unterrichtsziele

Neben den Grundlagen Rechtschreibung und Leseverständnis in der sog. Sprachlehre sind gerade in der Altenpflege die Befähigung zur schriftlichen und verbalen Kommunikation, zur Gesprächsführung und zum Selbststudium wichtige Unterrichtsziele.

2.4.1 Sprachlehre

Das Fach „Sprachlehre“ umfasst die Grundlagen des souveränen Umgangs mit der Sprache. In den allgemeinbildenden Schulen wird das Lesen und Schreiben anhand von Diktaten, Aufsätzen und Leseübungen den Schülern nahegebracht. Die kürzlich stattgefundene IGLU-Studie (Internationale Grundschulleseuntersuchung) hat ergeben, dass im Gegensatz zur schon erwähnten PISA-Studie die deutschen Grundschüler einen respektablen Platz im vorderen Drittel erreichten. In einer Radiosendung des Deutschlandfunks zu diesem Thema stellte ein Pädagoge die Frage, welche Mängel der Deutschunterricht in den allgemeinbildenden Schulen wohl hat, dass die Schüler ab der vierten Klasse die Leselust verlieren. Lesen ist eine Grundvoraussetzung für die Fähigkeit, die deutsche Rechtschreibung zu beherrschen. Es steht fest, „dass derjenige, der sich im Zeitalter exakter Normierungen, Definitionen und amtlicher Standardisierungen nicht in der festgelegten, gültigen Schriftnorm bewegen kann, in allen Lebensbereichen mit empfindlichen Nachteilen zu rechnen hat.“[9]

2.4.1.1 Rechtschreibung

Nach Einführung der neuen Rechtschreibung hat die Zahl der Rechtschreibeschwierigkeiten nicht wesentlich abgenommen. Immer noch stellen Groß- und Kleinschreibung, Vokaldehnung, Konsonantenverdoppelung, Zusammen- und Getrenntschreibung, S-Laute, Zeichensetzung etc. den Schüler vor Probleme. In allgemeinen Übungsdiktaten kommen alle diese Anforderungen insgesamt vor und führen bei „schwachen“ Schülern sofort zu totalem Versagen. Hinzu kommt als weiterer Störfaktor der Diktierende, in der Regel der Lehrer, mit seiner Erwartungshaltung, (Das musst Du doch wissen...), mit seinen Eingriffen (So lange darfst Du nicht überlegen...) und seiner Ungeduld (Wie oft soll ich das noch erklären...). Schon das wohlmeinende Schauen des Lehrers über die Schulter des Schreibenden kann für diesen hemmend und störend sein.

Es hat sich längst als sinnvoll erwiesen, wenn ein Übungstext unter einem einzelnen Aspekt steht, auf den sich der Schüler dann konzentrieren kann, (z.B. nur die Vokaldehnung.) Der Schüler spürt so den Lernerfolg und sieht, wie er mit erkennbaren Schritten von Teilgebiet zu Teilgebiet vorankommt.

[...]


[1] telefonisch, B. Gürtler, Deutschlehrerin an der OS, 02.04.03

[2] Neue Anforderungen an den Deutschunterricht berufsbildender Schulen, Hilmar Grundmann, Winklers-Verlag Darmstadt,1987, S.79

[3] Telekolleg II, Deutsch, Band 1, TR-Verlagsunion München. S. 4

[4] http://www.za.bertelsmann.de

[5] vg. Interview: Deutschlehrerin an der Berufsschule, 10.03.2003

[6] vg. Professionell kommunizieren, Rudolf Mahler, Thieme,S.3

[7] vg. Interview Deutschlehrerin in der Altenpflegeschule, 10.03.2003

6 vg. Interview Deutschlehrerin in der Altenpflegeschule, 10.03.2003

[8] vg. Prolegomena zur Didaktik und Methodik des Rechtschreibunterrichts an berufsbildenden Schulen, Grundmann, Winklers Verlag, Darmstadt 1989, S.42

[9] vg. Leicht gelernt, Ulrich Horch-Enzian, Schöningh-Verlag 1990, S.1

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Einbindung des Deutschunterrichts in das Lernfeldkonzept der Altenpflegeausbildung
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
101
Katalognummer
V113107
ISBN (eBook)
9783640136513
ISBN (Buch)
9783640136940
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einbindung, Deutschunterrichts, Lernfeldkonzept, Altenpflegeausbildung
Arbeit zitieren
Dipl.Pädagoge Lothar Gies (Autor), 2003, Einbindung des Deutschunterrichts in das Lernfeldkonzept der Altenpflegeausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113107

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