Aus Fehlern lernen. Umgang mit Fehlern von Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht


Studienarbeit, 2020

9 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Vorwort
1.2. Aufbau und Fragestellung des Artikels

2. Fehler in der Schule
2.1. Fehler im Mathematikunterricht
2.2. Umgang mit Fehlern
2.3. Ein gutes Fehlerklima- Definition und Beschreibung

3. Beobachtungen aus den ersten beiden Praktika

4. Fazit & Schlussfolgerung für eigene Handlungen

5. Quellen und Tabellen
5.1. Abbildungsverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1. Vorwort

«Lerne aus deinen Fehlern», heisst es bei so manchen Ratgebern und trotz dessen, dass Fehler zum Lernen dazugehören und sie hervorragende Lerngelegenheiten darstellen, wird häufig nicht aus ihnen gelernt. Oft werden sie als unangenehm empfunden und haben auch mal negative Folgen. So auch in meiner Beobachtung eines Schülers der 4.Klasse, der im Mathematikunterricht häufig denselben Fehler beim Feststellen der Uhrzeit machte und dadurch fast seine Motivation für das Fach verlor. Ein positives Fehlerklima in der Klasse kann jedoch dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler aus Fehlern lernen können und negative Konsequenzen von Fehlern ausbleiben.

1.2. Aufbau und Fragestellung des Artikels

In diesem Beitrag wird zunächst auf Fehler im Unterricht eingegangen und der indi­viduelle Umgang mit Fehlern von Schülerinnen und Schülern im Mathematikunterricht be­leuchtet. Im Anschluss daran wird eine Konzeption des Fehlerklimas erläutert und in der Folge im Zusammenhang mit dem Umgang von Lehrpersonen mit Fehlern gestellt. Darauf folgt eine Darstellung eigener Erfahrungen, die die Bedeutsamkeit eines positiven Fehlerkli­mas in der Klasse beim Mathematikunterricht unterstreichen. Schließlich werden zum Ende der Ausführungen Konsequenzen und Empfehlungen für die zukünftige Unterrichtspraxis aufgezeigt. Hauptsächlich steht bei den Ausführungen der Umgang mit Fehlern im Fokus, aus der sich die folgende Frage für die zugrundeliegende Arbeit ableitet: «Wie können Lehr­personen mit Fehlern von Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht idealerweise umgehen, um einen Lerneffekt bei den Kindern zu erzeugen und ihre Motivation beizube­halten oder zu steigern?».

2. Fehler in der Schule

2.1.Fehler im Mathematikunterricht

Fehler sind allgegenwärtig und kommen in allen Lebensbereichen vor, so auch in der Schule. Dort haben sie sogar einen besonderen Stellenwert. Denn dadurch, dass in der Schule ständig Neues gelernt und bereits Gelerntes erweitert und differenziert wird, ergeben sich beinahe unendlich viele Möglichkeiten Fehler zu machen. Dabei existieren Wiederholungs­fehler insbesondere im Mathematikunterricht, da hier meist auf vorhanden Operationen und Rechenwegen aufgebaut wird. Diese Fehler liefern somit Anhaltspunkte darüber, wo Wissen fehlerhaft oder nicht vorhanden ist und können Anlass zu passenden Lernaktivitäten geben (Hascher & Hagenauer, 2010, S. 377). Fehler stehen im Unterricht jedoch nicht nur als Lern­gelegenheit zur Verfügung, sondern sie werden sehr häufig mit der Bewertung in Form von Noten verknüpft und sind damit Indikatoren für Defizite und als solche häufig für Schüle­rinnen und Schüler als auch für Lehrkräfte negativ behaftet. Allerdings können Schülerinnen und Schüler ganz unterschiedlich auf Fehler reagieren, je nachdem wie ihre Erfahrungen, ihr Vorwissensstand, ihr Selbstwert und ihre Beziehungen zu den Lehrpersonen ausgeprägt sind. Auf emotionaler Ebene können beispielsweise Gefühle wie Angst oder Scham auftre­ten, wenn eine Rechenaufgabe zu falschen Ergebnissen führt. Bei der Motivation kann je­doch ein entdeckter Fehler als eine Herausforderung angesehen werden, die angenommen wird, um besser zu werden und dazu zulernen. Im ungünstigen Fall kann die Lust am Wei­terlernen verschwinden und so eine generelle Abneigung mit dem Fach Mathematik gebildet werden (Heinze, 2004, S.225). Auf der Verhaltensebene zeigt sich dann entweder ein Ver­folgen von Lernaktivitäten oder aber die gänzliche Abwendung vom Lerngegenstand. Auf jeder dieser Ebenen können die Reaktionen also positiv und somit hilfreich sein oder aber negativ sein und den Lernprozess hemmen. Daher ist der Umgang mit Fehlern entscheidend für den Verlauf des Unterrichts.

2.2. Umgang mit Fehlern

In der Wissenschaft werden zwei unterschiedliche Arten des Umgangs mit Fehlern unterschieden: die affektiv-motivationale Adaptivität nach Fehlern, bei der die Motivation und Emotion zusammengenommen werden und die Handlungsadaptivität von Reaktionen nach Fehlern. Erstere beschreibt die «positive Ausprägung von Motivation und Emotion nach Fehlern, also die Aufrechterhaltung von Lernfreude und Lernmotivation» (Dresel, Schober, Ziegler, Grassinger & Steuer, 2013, S.255), obwohl Fehler begangen werden. Die Handlungsadaptivität hingegen stellt die Komponente des Umgangs mit Fehlern dar. Es geht hierbei um Kognitionen und Verhalten, die den Lerngegenstand und die Überwindung des Fehlers sowie dessen Defizite im Fokus haben (Dresel, et al., 2013, S.256-257).

Folglich muss sowohl eine positive Haltung gegenüber Fehlern als auch ein positiver Umgang mit Fehlern im Unterricht gezeigt und gelebt werden, um den Schülern zu helfen zu lernen. Denn der schulische Kontext stellt beim Umgang mit Fehlern eine Besonderheit dar. Während in anderen Bereichen häufig der Handelnde selbst derjenige ist, der den Fehler zuerst bemerkt, ist es in der Schule hingegen in vielen Situationen die Lehrkraft, die die Beurteilung vornimmt. Dabei wird die Eigenbeurteilung häufig durch das Feedback der Leh­rerinnen und Lehrer vorweggenommen. Fehler stellen also potenzielle Anlässe für Feedback dar und die Art des Feedbacks sollte sich darauf auswirken, ob und inwieweit aus Fehlern in der Schule gelernt wird. «Je nachdem wie das Feedback ausfällt, sind unterschiedliche kog­nitive, emotionale und konative Reaktionen zu erwarten» (Kobi, 2005, S.39).

Ein Grund dafür, dass häufig kein Lernen aus Fehlern stattfindet, könnte dabei die oftmals fehlende Trennung von Lern- und Leistungssituationen sein (Meyer, Seidel & Pren- zel, 2006, S.79). Dies verursacht nämlich Intransparenz und in der Folge Unsicherheit und Furcht bei den Kindern. Zu starke Emotionen führen auch dazu, dass Defizite im kognitiven Bereich auftreten und das Lernen an sich beeinträchtigt wird (Oser & Spychiger, 2005, S.168). Deshalb eine strikte Trennung von Leistungsbeurteilung und Lernförderung mit Feh­lern immens wichtig und bilden die Grundlage für ein gutes Fehlerklima.

2.3. Ein gutes Fehlerklima- Definition und Beschreibung

Das wiederholte Auftreten und der wiederholte Umgang mit Fehlern im Zusammenspiel von Lehrkraft, der Schülerin oder dem Schüler, die bzw. der den Fehler begeht, und den Mit­schülerinnen und Mitschülern erhält eine gewisse Art Routine im Rahmen der Schulklasse. Diese Interaktion zwischen verschiedenen Beteiligten innerhalb der Klasse kann als Fehler­klima bezeichnet werden. Dadurch, dass verschiedene Akteure beteiligt sind und eine Viel­zahl an Reaktionen möglich ist, wird klar, dass das Fehlerklima ein multidimensionales Kon­strukt ist. Die acht Dimensionen, die von Steuer, Rosentritt-Brunn und Dresel (2013) aufge­zeigt wurden, werden im Folgenden Abbild veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dimensionen des Fehlerklimas (Steuer et al., 2013, S. 197)

Es gibt wie in der Abbildung dargestellt, Dimensionen, die eher auf Seiten der Schülerinnen und Schüler liegen. Doch die Mehrzahl der Fehlerklimadimensionen werden von der Lehr­person beherrscht, die folglich auch eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Fehler­klimas in der Klasse innehat. Trotz dessen, dass jede Dimension einen eigenen Aspekt des Fehlerklimas beschreibt, sind sie ineinander verwoben und bedingen sich zu einem gewissen Grad gegenseitig. Daher kann ein übergeordneter Faktor angenommen werden, anhand des­sen eine gesamte Einschätzung des Fehlerklimas im Unterricht möglich wird (Steuer et al., 2013, S. 197-201). Ein günstiges Fehlerklima kann definiert werden als »die Wahrnehmung, Bewertung und Nutzung von Fehlern als integrale Elemente im Lernprozess innerhalb der sozialen Lernumwelt der Schulklasse« (Steuer, 2014, S.50). Diese Bestandteile werden nun in den folgenden Beobachtungen aus den ersten beiden Praktika verdeutlicht.

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Details

Titel
Aus Fehlern lernen. Umgang mit Fehlern von Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule St. Gallen
Note
2
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1131111
ISBN (eBook)
9783346498069
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fehler, Pädagogik, Mathematik, BSK
Arbeit zitieren
Benjamin Lizinger (Autor:in), 2020, Aus Fehlern lernen. Umgang mit Fehlern von Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131111

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