Obwohl Georg Kerschensteiners theoretisches und praktisches Werk in der Literatur unterschiedliche Bewertungen erfährt, ist unbestritten, dass er in der Reformpädagogik - und dort in der Arbeitsschulbewegung eine zentrale Rolle einnimmt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Kerschensteiners Theorie der Arbeitsschule. Die Darstellung dieser Theorie wäre ein einfaches Unterfangen, hätte Kerschensteiner eines Tages ein für alle Zeiten feststehendes, vollendetes Gedankengebäude vorgelegt.
Deshalb werden die Merkmale der für Kerschensteiner ‘echten Arbeitsschule’ in der theoretischen Ausformung der Schrift "Begriff der Arbeitsschule" dargestellt. Dabei sollen exemplarisch verschiedene Einflussgrößen auf Kerschensteiners charakteristischen Arbeitsschulbegriff aufgezeigt werden. Im weiteren Verlauf wird zunächst Kerschensteiners Arbeitsschulgedanke im Strom der Reformpädagogik beleuchtet. Daran schließt sich seine Theorie der Arbeitsschule im Sinne des "Begriffs der Arbeitsschule"an, die zur spezifischen Organisation und methodischen Ausgestaltung von Kerschensteiners Arbeitsschule führt. Schließlich möchte die Autorin beispielhaft einige kritische Ansätze aus der Literatur anführen, um problematische Punkte in Kerschensteiners Theorie zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 .Kerschensteiner im Kontext der Reformpädagogik: Von der „Buchschule“ zur Arbeitsschule
3 Kerschensteiners Theorie der Arbeitsschule
3.1 Kerschensteiner und die staatsbürgerliche Erziehung
3.2 Die drei Aufgaben der öffentlichen Schule
3.2.1 Vorbereitung auf den Beruf
3.2.2 Versittlichung der Berufsaufgabe
3.2.3 Versittlichung des Gemeinwesens
3.3 Die Schule als „Werkzeug der Charakterbildung“
3.4 Schule als Werkzeug der Bildung
3.5 Die Merkmale der „echten“ Arbeitsschule
4. Ansätze der Kritik
5. Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Kerschensteiners Theorie der Arbeitsschule, wobei der Fokus auf der systematischen Darstellung ihrer organisatorischen und methodischen Merkmale sowie deren Einbettung in den zeitgenössischen Diskurs der Reformpädagogik liegt. Ziel ist es, die Verbindung zwischen Kerschensteiners pädagogischem Konzept und seinem Erziehungsziel der „brauchbaren Staatsbürger“ unter Einbeziehung kritischer Perspektiven zu beleuchten.
- Reformpädagogik und die Überwindung der „Buchschule“
- Die drei zentralen Aufgaben der öffentlichen Schule
- Charakterbildung durch produktive Arbeit und Sachlichkeit
- Die Rolle des Arbeitsschulkonzepts für die staatsbürgerliche Erziehung
- Kritische Analyse von Arbeitsteiligkeit und Impersonalismus
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Schule als „Werkzeug der Charakterbildung“
In der Pestalozzi-Gedenkrede von 1908 bemängelt Kerschensteiner an der alten Schule u.a., daß sie es versäume, den Kindern aktive Charakterzüge wie: Mut zur Selbständigkeit, Selbstbehauptung, Unternehmungs- und Beobachtungslust und den Mut, Neues anzugreifen, mit in das Leben gebe.46
Möglichkeiten, diese Charakterzüge zu fördern schaffe dagegen produktive Arbeit, die im Gegensatz zur mechanischen, unproduktiven Arbeit neue Erfahrungen vermittle und somit eine „Quelle der Unternehmungslust, des Mutes, der Selbständigkeit, der Begeisterung und einer kaum versiegbaren Arbeitsfreudigkeit“ werde. In der Vermittlung dieser Eigenschaften - Eigenschaften, die man m.E. heute als „Schlüsselqualifikationen“ bezeichnen würde - sieht Kerschensteiner auch den Hauptwert produktiver Arbeit für die Erziehung.
Da produktive Arbeit in diesem Sinne die Möglichkeit zur Charakterbildung der Zöglinge beinhalte, müsse sie einen höheren Stellenwert in der Schule bekommen. Wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung produktiver Arbeit in den Schulen sei hierbei das „Selbsterlebenlassen“47 und die praktische Initiative des Schülers, die sich aber nirgends entwickeln könne, „ ... wo die Erziehung dem Zögling in allem, was er tut, streng vorgeschriebene Bahnen weist.“ 48
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Diese Einführung verortet Kerschensteiner in der Reformpädagogik und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit anhand der Schrift „Begriff der Arbeitsschule“.
2 .Kerschensteiner im Kontext der Reformpädagogik: Von der „Buchschule“ zur Arbeitsschule: Das Kapitel kontrastiert die alte „Lehrer- und Stoffschule“ mit den Idealen der Reformpädagogik und Kerschensteiners Forderung nach einer aktiven Arbeitsschule.
3 Kerschensteiners Theorie der Arbeitsschule: Dieser Hauptteil analysiert die drei zentralen Aufgaben der Schule, die Bedeutung von Sachlichkeit und Charakterbildung sowie die notwendige organisatorische Neugestaltung.
4. Ansätze der Kritik: Hier werden zentrale Kritikpunkte wie die problematische Trennung von Hand- und Kopfarbeit sowie die Gefahr der Entpersönlichung durch den „Dienst an der Sache“ diskutiert.
5. Schlußbemerkung: Die Arbeit resümiert Kerschensteiners Bedeutung als Reformpädagoge, der seine theoretischen Überlegungen konsequent in die Praxis der Schulorganisation überführte.
Schlüsselwörter
Kerschensteiner, Arbeitsschule, Reformpädagogik, staatsbürgerliche Erziehung, Charakterbildung, Sachlichkeit, produktive Arbeit, Arbeitsgemeinschaft, Volksbildung, Schulpädagogik, Didaktik, Berufsvorbereitung, Arbeitsprinzip, Bildungsziel, Volksschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Theorie Georg Kerschensteiners, insbesondere mit dem Konzept der „Arbeitsschule“ und deren Rolle in der Reformpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der staatsbürgerlichen Erziehung, der Charakterbildung durch manuelle und geistige Arbeit sowie der kritischen Reflexion über diese pädagogischen Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine systematische Darstellung der Kerschensteiner'schen Arbeitsschultheorie und die Untersuchung, wie er seine Erziehungsziele theoretisch und organisatorisch zu begründen versuchte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Kerschensteiners eigene Schriften sowie zeitgenössische und spätere wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit seinem Werk auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Aufgaben der Schule (Berufsvorbereitung, Versittlichung), das Prinzip der Sachlichkeit sowie die organisatorischen Merkmale wie der „Technische Lehrer“ detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Arbeitsschule, Reformpädagogik, Charakterbildung und staatsbürgerliche Erziehung beschreiben.
Welche Rolle spielt die „Sachlichkeit“ für Kerschensteiner?
Für Kerschensteiner ist Sachlichkeit ein sittlicher Wert, bei dem der Schüler lernt, seine subjektiven Neigungen zugunsten einer objektiven, „unbedingt geltenden“ Arbeitsaufgabe zurückzustellen.
Wie bewertet die Kritik Kerschensteiners Unterscheidung von Begabungsarten?
Kritiker wie Stratmann und Hackl bemängeln, dass Kerschensteiner die Trennung von manueller und geistiger Arbeit zur Verfestigung gesellschaftlicher Klassenstrukturen und zur Legitimation politischer Herrschaft missbraucht habe.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 1995, Kerschensteiners Theorie der Arbeitsschule. Eine Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131304