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"Arisierung" und "Wiedergutmachung" anhand eines jüdischen Viehhändlers und Metzgers

Title: "Arisierung" und "Wiedergutmachung" anhand eines jüdischen Viehhändlers und Metzgers

Term Paper (Advanced seminar) , 2021 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Fabio Freund (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Summary Excerpt Details

Ziel dieser Arbeit soll sein, anhand der Fallakte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sowohl die ›Arisierung‹ eines jüdischen Gewerbetreibenden während der nationalsozialistischen Diktatur als auch der Prozess der ›Wiedergutmachung‹ in der frühen Bundesrepublik vonstattengingen. Wie konnten jüdische Nachbarn in einer dörflichen Gemeinschaft so schnell aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben gedrängt werden? Weswegen dauerte das Verfahren zur ›Wiedergutmachung‹ nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes so lange?
Um ein besseres Verständnis für die Ausgangssituation der Familie im badischen Jöhlingen nach der sogenannten ›Machtergreifung‹ zu bekommen, soll zunächst die Geschichte der jüdischen Gemeinde im Ort kurz dargestellt werden,9 bevor daran anschließend die Berufspraktiken jüdischer Viehhändler und Metzger betrachtet werden sollen. Den Hauptteil der Arbeit stellt die Analyse der Fallakte dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die jüdische Gemeinde in Jöhlingen bis 1933

2. Berufspraktiken jüdischer Viehhändler und Metzger in Süddeutschland bis 1933

3. ›Arisierung‹ und ›Wiedergutmachung‹ am Beispiel von Seligmann Klein aus Jöhlingen

3.1. ›Arisierung‹ und ›Wiedergutmachung‹ – zwei umstrittene Begriffe

3.2. Die Verdrängung Seligmann Kleins und dessen Gewerbes aus Jöhlingen (1933–1940)

3.3. Der lange Weg zur ›Wiedergutmachung‹ – das Entschädigungsverfahren des Ehepaars Klein (1950–1959)

Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Fallakte des Viehhändlers und Metzgers Seligmann Klein aus Jöhlingen, wie die nationalsozialistische „Arisierung“ zur wirtschaftlichen Verdrängung jüdischer Gewerbetreibender in einer dörflichen Gemeinschaft führte und mit welchen Schwierigkeiten der spätere Prozess der „Wiedergutmachung“ in der frühen Bundesrepublik für die Betroffenen verbunden war.

  • Entwicklung und Verdrängung der jüdischen Gemeinde Jöhlingen unter dem NS-Regime
  • Berufspraktiken und wirtschaftliche Bedeutung jüdischer Viehhändler und Metzger
  • Analyse des „Arisierungs“-Prozesses am Beispiel des Betriebs von Seligmann Klein
  • Herausforderungen und Verzögerungen in den Entschädigungsverfahren der frühen Nachkriegszeit
  • Rezeption und Wirkung der NS-Antisemitismus-Propaganda auf lokaler Ebene

Auszug aus dem Buch

3.1. ›Arisierung‹ und ›Wiedergutmachung‹ – zwei umstrittene Begriffe

Die heutige Geschichtswissenschaft, welche um eine wertungsfreie Untersuchung der beiden Forschungsfelder der ›Arisierung‹ und der ›Wiedergutmachung‹ bemüht ist, steht mitunter vor dem Problem, dass beide Begriffe zeitgenössische Formulierungen sind und damit nicht unbelastet. Gerade der Begriff der ›Arisierung‹, aus dem völkischen Kontext stammend und als Euphemismus in der NS-Propaganda verwendet, verschleiert durch seine vermeintliche Harmlosigkeit die tatsächliche Tragweite für das Leben der jüdischen Bevölkerung. Dabei ging es den Tätern eben nicht nur ausschließlich um die Enteignung jüdischen Eigentums und die Verdrängung der Juden aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben, sondern auch um deren physischen Ausbeutung in Form von Arbeits- und Vernichtungslagern, welche die gänzliche Vernichtung der jüdischen Bevölkerung zum Ziel hatte. ›Arisierung‹ umfasst demnach im allgemeinen Sinn die Elemente der direkten Enteignung, der Nötigung und der erzwungenen Veräußerung von Unternehmenswerten und persönlichem Eigentum. Dabei lagen die Verkaufspreise meist weit unterhalb des eigentlichen Wertes, wobei zum Schein der Legalität ein »Alibipreis« gezahlt wurde.

Auch ›Wiedergutmachung‹ bedarf als zeitgenössischer Begriff einer genaueren Betrachtung. Nach Tobias WINSTEL ist es aufgrund der Frage, ob »millionenfacher Mord überhaupt zu entschädigen, ob geraubtes und zerstörtes Vermögen wirklich rückzuerstatten sind« nicht verwunderlich, dass »der Ausdruck ›Wiedergutmachung‹ als irreführend empfunden werden kann«. In diesem Zitat fallen Begrifflichkeiten wie ›Entschädigung‹ und ›Rückerstattung‹, welche neben den Bezeichnungen ›Restitution‹, ›Rückführung‹ u.v.a. immer wieder in den Quellen auftauchen. Doch klammern all diese aus dem Verwaltungsbereich stammenden Begriffe das tatsächliche Leid der Opfer aus, beschränken sie sich allein auf die materielle Ebene. Der Begriff ›Wiedergutmachung‹ erweitert diesen Horizont um eine emotionale Komponente, da in ihm ein gewisses Schuldeingeständnis mitklingt. Jedoch – und das macht dessen Verwendung für die Geschichtswissenschaft heute so schwer – lag die Praxis der sogenannten ›Wiedergutmachungsverfahren‹ oftmals weit entfernt von diesem Anspruch. Das zeigt sich anhand der vielen einzelnen »Kleinkriege« der Opfer – auch der des Ehepaars Seligmann und Auguste Klein – gegenüber den für die ›Rückerstattung‹ zuständigen Behörden, die durch langwierige und komplizierte Antragsverfahren einer schnellen ›Wiedergutmachung‹ Steine in den Weg legten.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik der „Arisierung“ und „Wiedergutmachung“ ein und stellt den Fall Seligmann Klein als exemplarischen Ausgangspunkt für die Untersuchung dar.

1. Die jüdische Gemeinde in Jöhlingen bis 1933: Dieses Kapitel skizziert die demografische und soziale Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Jöhlingen von ihren Anfängen bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung.

2. Berufspraktiken jüdischer Viehhändler und Metzger in Süddeutschland bis 1933: Hier werden die wirtschaftliche Existenzgrundlage und die beruflichen Rahmenbedingungen jüdischer Viehhändler und Metzger in ländlichen Regionen vor 1933 analysiert.

3. ›Arisierung‹ und ›Wiedergutmachung‹ am Beispiel von Seligmann Klein aus Jöhlingen: Dieser Hauptteil verknüpft die theoretische Einordnung der Begriffe mit der konkreten Verfolgung und Enteignung Seligmann Kleins sowie dem anschließenden, langwierigen Entschädigungsprozess der Nachkriegszeit.

Fazit: Das Fazit fasst das Schicksal der Eheleute Klein als beispielhaft für die Schwierigkeiten der frühen Bundesrepublik bei der Aufarbeitung des NS-Unrechts zusammen.

Schlüsselwörter

Seligmann Klein, Arisierung, Wiedergutmachung, Jöhlingen, Viehhandel, Entschädigungsverfahren, Nationalsozialismus, Verfolgung, NS-Akteure, Nachkriegszeit, Restitution, Wirtschaftsleben, Landjuden, Shoah, Opferentschädigung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Vernichtung der Existenz des jüdischen Viehhändlers Seligmann Klein in Jöhlingen während der Zeit des Nationalsozialismus sowie den anschließenden, schwierigen Prozess der Wiedergutmachung in der jungen Bundesrepublik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der jüdischen Landgemeinden, die NS-Wirtschaftspolitik gegen Juden (Arisierung), die Arbeitsweise jüdischer Viehhändler vor 1933 sowie die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen nach 1945.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, anhand einer konkreten Fallakte aufzuzeigen, wie jüdische Bürger aus dem Wirtschaftsleben verdrängt wurden und welche bürokratischen Hürden eine „Wiedergutmachung“ nach dem Krieg für die Überlebenden darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt primär die Analyse von Fallakten, Korrespondenzen und juristischen Dokumenten aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe, eingebettet in einen historischen Kontext durch aktuelle geschichtswissenschaftliche Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die systematische Entrechtung und wirtschaftliche Ausgrenzung durch Gesetze, die Enteignung des Grundstücks und Betriebs sowie den langwierigen Rechtsstreit um Entschädigungszahlungen, der sich bis in die späten 1950er Jahre zog.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Arisierung, Wiedergutmachung, Entschädigungsverfahren, NS-Verfolgung, jüdischer Viehhandel und der spezifische Fall des Ehepaars Klein.

Warum war der Beruf des jüdischen Viehhändlers in Jöhlingen besonders betroffen?

Viehhändler waren durch NS-Boykotte, Berufsverbote und Gesetze wie das Schächteverbot sowie die spätere Anordnung zur Aufgabe des Gewerbes für Juden unmittelbar in ihrer Existenz bedroht, da sie als „antisemitische Projektionsfiguren“ für die NS-Propaganda dienten.

Welchen Einfluss hatte der Tod von Seligmann Klein auf das Wiedergutmachungsverfahren?

Sein Tod im Jahr 1952 führte zu massiven Verzögerungen, da die Behörden bereits bewilligte Entschädigungen zurückzogen und seine Witwe Auguste Klein das Verfahren unter erschwerten Bedingungen (Alter, Korrespondenz aus dem Ausland) fortsetzen musste.

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Details

Title
"Arisierung" und "Wiedergutmachung" anhand eines jüdischen Viehhändlers und Metzgers
College
University of Mannheim  (Historisches Institut)
Course
HS NS-Arisierung
Grade
1,0
Author
Fabio Freund (Author)
Publication Year
2021
Pages
23
Catalog Number
V1131560
ISBN (eBook)
9783346495457
ISBN (Book)
9783346495464
Language
German
Tags
arisierung wiedergutmachung viehhändlers metzgers
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabio Freund (Author), 2021, "Arisierung" und "Wiedergutmachung" anhand eines jüdischen Viehhändlers und Metzgers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131560
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